„Man reist ja nicht, um anzukommen, sondern um zu reisen.“
Johann Wolfgang von Goethe
Getreu dieser Devise verließen meine Mutter und ich die namibische Hauptstadt Windhoek und fuhren einmal quer durch den Süden des afrikanischen Landes. Am Rande der Kalahari entlang, weiter nach Keetmanshoop, um die berühmten Köcherbäume und besonders ihre Bewohner zu sehen. Zum zweitgrößten Canyon der Welt, in dem weniger Fische leben, als sein Name vermuten lässt, und wo wir uns ärgerten, nicht doch mehr Zeit eingeplant zu haben, um den Oranje bis nach Südafrika zu überqueren. Weiter Richtung Westen, geblendet vom hellen Sonnenlicht und der überwältigenden Schönheit einer Landschaft, die ihresgleichen sucht. Dort, wo sich die zähen Wüstenbewohner seit Jahrhunderten an ein lebensfeindliches Klima angepasst haben, wo Wasser kostbarer als Gold und Lebensader wie Konfliktlinie zugleich ist. Warum mir die Wildpferde von Garub ausgerechnet in der Uni wiederbegegneten und weshalb der Volksgruppe der San langsam das Holz für ihre Köcher und Pfeile ausgehen könnte, erfährst du in diesem Artikel.
Reiseinformationen für deinen Roadtrip
Knapp 1.100 Kilometer in drei Tagen legten wir durch Südnamibia zurück. Immer dabei, unser Mietwagen von Asco, Reiseführer und Kartenmaterial – das uns letztlich nichts nutzte, weil es ohnehin meist nur eine Straße zum jeweiligen Ziel gibt. Und vor allem viel Wasser. Was bei einer Reise durch den trockenen Süden sonst noch unverzichtbar ist, erfährst du schon bald in meinem Artikel Safari-Packliste: Ausrüstung als Selbstfahrer in Afrika.

Die richtige Reisezeit
Die beste Reisezeit für Südnamibia liegt, wie eigentlich im ganzen Land, zwischen Mai und September. In diesen Wintermonaten sind die Temperaturen tagsüber angenehm mild, meist zwischen 20 und 25 Grad, die Luft ist klar und die Sicht reicht scheinbar bis ans Ende des Horizonts. Gerade für lange Fahrten und Wanderungen (aus beidem wird deine Zeit im Süden vornehmlich bestehen) ist diese Zeit ideal, nicht zuletzt, weil der berühmte Canyon-Hike nur zwischen Mai und September überhaupt geöffnet ist. Nachts allerdings kann es ziemlich kalt werden. Besonders in der Kalahari oder am Canyon sinken die Temperaturen schnell Richtung Null Grad. Das solltest du beim Campen nicht unterschätzen.
In den Sommermonaten von Oktober bis April zeigt sich Südnamibia von einer anderen, raueren Seite. Temperaturen von über 40 Grad sind keine Seltenheit, besonders rund um Keetmanshoop. Dafür sind die Gewitter spektakulär und du hast die seltene Möglichkeit, die Wüste blühend und in grünen Farben zu sehen. Dies war mir im Mai im Soussusvlei vergönnt und es war so schön, dass ich dir diese Jahreszeit unbedingt auch ans Herz legen möchte. Es kann allerdings vorkommen, dass manche Gravel Roads nach starken Schauern schwieriger befahrbar sind.
Routenplanung
Viel zu Planen gibts da eigentlich nicht. Es gibt sowieso nur eine Möglichkeit und zwar von Windhoek kommend über die B1, die auch Mariental, Keetmanshoop und schließlich den Grenzübergang am Oranje bei Noordoewer miteinander verbindet. Als Teerstraße ist sie gut ausgebaut und problemlos zu fahren. Sobald man jedoch die Hauptstraße verlässt, gibt es nur noch Gravel Roads. Zum Fish River Canyon gelangt man beispielsweise von Keetmanshoop aus über die C12 oder C37. Richtung Aus und zu den Wildpferden von Garub fährt man ebenfalls über gut ausgebaute Teer- und Schotterabschnitte. In der Kalahari rund um Mariental sind viele Lodges nur über Sand- oder Farmwege erreichbar. Entfernungen auf der Karte wirken dabei oft harmlos. Für 200 Kilometer auf Schotter brauchst du oft mehrere Stunden. Nicht wegen dem Verkehr, sondern aufgrund von Straßenbeschaffenheit, Tieren am Wegesrand und der Versuchung, ständig für Fotos anzuhalten.
Auto & Ausrüstung
Für die beschriebenen Straßen brauchst du ein geländefähiges Auto mit ausreichend Bodenfreiheit und genügend Kraft, wenn es sandiger oder steiniger wird. Fast alle namibischen Mietwagenfirmen, die ich kenne, verleihen Allradfahrzeuge. Spare hier nicht am falschen Ende und buche keinen normalen PKW. Mehrere Reisende haben mir erzählt, dass sie genau das getan und es im Nachhinein bereut haben. Man ist langsamer unterwegs, fährt mit permanenter Sorge vor einem Platten und das gesamte Fahrgefühl ist deutlich holpriger. Wir entschieden uns stattdessen für einen Toyota Hilux bei Asco Car Hire und zahlten für 17 Tage reine Mietkosten 1.904 € – ein ganz normaler Preis für Allradfahrzeuge in Namibia. Hinzu kamen Extras wie eine zusätzliche Matratze sowie eine Versicherung mit reduzierter Selbstbeteiligung, insgesamt weitere 289 €.

Namibische Mietwagen sind in der Regel erstaunlich gut ausgestattet. Die absoluten Basics sind: Ersatzräder, Kompressor/ Luftpumpe, Schaufel und Erste-Hilfe-Set, obwohl letzteres in Namibia nicht verpflichtend ist. Wenn du in Südnamibia vornehmlich auf Teerstraßen unterwegs bist, wirst du im besten Fall nichts davon brauchen.
Übernachtung & Verpflegung
Je nachdem in wievielen Tagen du die Strecke fährst, brauchst du mindestes 1-3 Übernachtungsmöglichkeiten. Unsere drei Fahrtage waren schon sehr knapp bemessen. Wir hätten uns im Nachhinein lieber mehr Zeit gelassen, wären mehr als eine Nacht (besonders am Fish River) geblieben und am liebsten noch Richtung Süden nach Südafrika weiter gefahren. Verpflegt haben wir uns die ganze Zeit über selbst. Da es auf dem Weg nach Keetmanshop keine Supermärkte gibt (große schon gar nicht), solltest du deine Vorräte bestenfalls in Windhoek komplett aufstocken. Daher kann ich dir an dieser Stelle auch keine Tipps für Restaurants geben, wobei die Speisekarte im Roadhouse Campsite wirklich sehr gut aussah, dafür aber Unterkunftstipps;
- Bagatelle Kalahari Game Ranch: Die Bagatelle Lodge habe ich selbst zwar noch nicht besucht, sie wurde mir jedoch von vielen meiner Reitgäste wärmstens empfohlen. Auch eine Freundin von mir arbeitet dort und hat mir mehrfach erzählt, wie schön die Zimmer seien, wie gut das Essen wäre und vor allem, am wichtigsten für mich, in welch gutem Zustand sich die Safaripferde befänden.
- Kalahari Anib Lodge: Wie wirklich jede Unterkunft von Gondwana, die ich bisher kennengelernt habe, ist auch die Kalahari Anib Lodge einfach wunderschön. Die Mitarbeiter sind freundlich und zuvorkommend, die angebotenen Safaris haben ein hohes Niveau und dazu kommt die spektakuläre Lage mitten in den roten Dünen der Kalahari.
- Quivertree Forest Restcamp: Das Camp bietet Chalets sowie Stellplätze für Camper direkt neben den beeindruckenden Köcherbäumen. Zwei mit der Hand aufgezogene Geparden leben auch auf dem Gelände und werden täglich um 17 Uhr gefüttert. In den Chalets gibt es keine eigene Küche. Die meisten Gäste, wobei es in dieser abgelegenen Region ohnehin meist nur wenige sind, entscheiden sich daher für das Abendessen im Restaurant. Dieses war preislich absolut fair und wirklich lecker (bei uns gab es Oryx-Gulasch), auch wenn das Besitzerpaar auf uns leider ziemlich unfreundlich wirkte.

- Canyon Roadhouse Campsite: Wieder einmal eine tolle Unterkunft von Gondwana! Nur wenige Kilometer vom Fish River Canyon entfernt liegen die zwölf großzügigen Stellplätze des Canyon Roadhouse Campsite. Der Platz, der uns zugewiesen wurde, war tatsächlich der größte, den ich als Camper in Namibia bisher erlebt habe – inklusive eines kleinen, überdachten Steinhäuschens nur für uns. Auf dem Gelände stehen zahlreiche alte Autowracks, die dem Camp seinen ganz besonderen Roadhouse-Charakter verleihen. Dazu gibt es eine richtig coole Bar und ein breites Angebot an Aktivitäte. Wir haben zum Beispiel an einer Nachtsafari teilgenommen und waren dabei die einzigen Gäste.
- Ai-Ais Resort: Ebenfalls ganz in der Nähe des Fish River Canyon gelegen, allerdings am unteren Ende, ist das Ai-Ais Resort. Es ist in der Regel die erste Anlaufstelle für Wanderer, welche die zwei- bis dreitägige Tour durch den Canyon hinter sich haben. Im Resort erholen sie sich in den heißen Thermalquellen, in großen Außen- und Innenpools von den Strapazen der Wanderung. Ein schöner Zwischenstopp in der sonst so kargen Felsenlandschaft.
- Felix Unite Provenance Camp: Diese 3-Sterne-Unterkunft, etwa 15 Kilometer von der Grenze zu Südafrika entfernt, ist für viele Reisende die erste oder letzte Station in Namibia – je nachdem, in welche Richtung sie ein- oder ausreisen. Und auch auf meiner nächsten Namibia-Reiseplanung steht sie ganz weit oben. Insgesamt 17 Cabanas verteilen sich entlang des Ufers des Oranje-Flusses. Dazu gibt es ein Restaurant und einen Pool. Von hier aus kannst du außerdem mehrtägige Kajaktouren auf dem Fluss unternehmen. Mehr Infos dazu findest du hier; Felixunite.com.
Sehenswürdigkeiten entlang der Route
Von Windhoek entlang der Kalahari Richtung Atlantik bis nach Lüderitz fuhren meine Mutter und ich Anfang September durch Südnamibia. Wenn wir im Nachhinein nur eines ändern könnten, dann wäre es, mehr Zeit einzuplanen. Doch genau das ist in Namibia aufgrund der enormen Distanzen und teils schlechten Straßenverhältnisse ein häufiges Problem. Bis auf den Caprivi-Streifen und das Kaokoveld waren wir eigentlich im gesamten Land gemeinsam unterwegs und selbst bei einer vierwöchigen Rundreise ist das nur knapp zu schaffen, vor allem wenn man, so wie wir, auch mal mehrere Tage an einem Ort bleiben möchte.

Allein für Südnamibia kannst du problemlos 7–10 Tage einplanen und selbst dann wirst du vermutlich das Gefühl haben, noch längst nicht alles gesehen zu haben.
Kalahari
Die Kalahari ist eine ausgedehnte Halbwüste im südlichen Afrika und mit rund 900.000 km² die größte zusammenhängende Sandfläche der Erde. Sie erstreckt sich über weite Teile Namibias, Botswanas und Südafrikas. Als Halbwüste wird sie bezeichnet, weil hier, anders als in „echten“ Wüsten, zwischen 100 mm und 650 mm Niederschlag im Jahr fallen. Zum Vergleich: In der Namib sind es meist weniger als 50 mm. Genau diese Feuchtigkeit sorgt dafür, dass in der Kalahari Tierarten vorkommen, die man eigentlich nicht mit einer Wüste verbindet: Löwen, Leoparden, Wasserbüffel, Nilpferde, Krokodile und unzählige Vogelarten. In Namibia fallen dir entlang der Straßen vor allem die riesigen Nester der Siedlerweber ins Auge, die wie Strohdächer von den Ästen hängen. Aber Vorsicht – Rund um diese Bäume oder in den Ästen selbst lauern nicht selten Schlangen. Zu den artenreichsten Gebieten innerhalb der Kalahari zählt das Okavango Delta im nördlichen Botswana, das größte Binnendelta der Welt. Der größte Teil der Kalahari liegt ohnehin in Botswana. In Namibia hingegen bleibt Wasser, wenn überhaupt, nur in den sogenannten Vleis stehen und versickert ansonsten schnell im Sand.

Die Dünen der Kalahari sind zwar nicht so hoch wie die rund um Sossusvlei in der Namib, oft messen sie gerade einmal 10 bis 30 Meter. Dafür ziehen sich die Dünenfelder teils bis zu 100 Kilometer weit. Besonders nach der Regenzeit erinnert die Kalahari stellenweise gar nicht an eine Wüste, sondern eher an ein gewöhnliches Wildreservat. Das Gras wächst dann so hoch und sattgrün, dass du den roten Sand kaum noch sehen kannst. Doch dieser Eindruck täuscht. Die Kalahari verfügt kaum über dauerhafte Quellen oder Oberflächengewässer. In der Sprache der Tswana bedeutet „Kgalagadi“ passenderweise so viel wie „großer Durst“. Seit jeher leben hier die San, oft auch als Buschleute bezeichnet, eine der ältesten bekannten Bevölkerungsgruppen überhaupt im südlichen Afrika. Doch durch Farmverkäufe, Landumverteilungen und einen zunehmend modernen Lebenswandel werden sie immer weiter verdrängt. Einblicke in ihre Kultur erhältst du heute unter anderem in Camps bei Grashoek oder Tsumkwe.
Ebenso selten geworden wie die San sind auch die Kalahari-Löwen, die Wüstenlöwen mit ihrer dunklen Mähne. In einem rund 40.000 Hektar großen Schutzgebiet nahe dem Kgalagadi Transfrontier Park werden sie und andere bedrohte Tierarten (etwa braune Hyänen oder Schuppentiere) wieder angesiedelt und geschützt. Mit etwas Glück kannst du die aufgrund ihrer dunklen Fellpracht auch Schwarzmähnenlöwen genannten Raubkatzen bei einer Safari auf der Kalahari Game Lodge beobachten, die in älteren Reiseführern oftmals noch als „Kalahari Löwen Lodge“ bezeichnet wird.
Safari in der Kalahari
Die Kalahari ist ein wunderbarer Ort für Roadtrips und genauso dafür, ein paar Tage auf einer schönen Lodge zu verbringen. Etwa auf der Kalahari Game Lodge, der Kalahari Anib Lodge oder in Hoachanas, einer der ältesten Missionsstationen Namibias. Eigentlich reist man ja vor allem nach Namibia, um Flora und Fauna kennenzulernen. Und wie ginge das besser als auf einem Game Drive durch die Kalahari? Die genannten Lodges bieten private Safaris an. Anders als in den öffentlichen Parks im Caprivi-Zipfel kannst du hier als Selbstfahrer nicht alleine unterwegs sein. Da es, anders als in den Nachbarländern, im namibischen Teil der Kalahari nämlich keine klassischen Selbstfahrer-Nationalparks gibt, sind diese geführten Fahrten neben zufälligen Tiersichtungen entlang der Straße daher die einzige Möglichkeit für Game Watching.


Zu den schönsten Parks in der Kalahari zählen:
Kgalagadi Transfontier Park
Der rund 38.000 km² große Park erstreckt sich größtenteils über Botswana, ist jedoch über den Haupteingang bei Twee Rivieren auf der südafrikanischen Seite am einfachsten zugänglich. Das Besondere an diesem Park ist, dass er deutlich weniger touristisch erschlossen ist als viele andere Schutzgebiete im südlichen Afrika. Die Tiere leben hier in einer offenen, roten Dünenlandschaft, ohne dichte Vegetation, weshalb Sichtungschancen oftmals auch sehr gut sind. Besonders beeindruckend sind die zahlreichen Vogelarten, aber auch Großwild wie die berühmten Schwarzmähnenlöwen sind hier beheimatet. Für Kritik sorgte 2014 die Vergabe von Lizenzen für Schiefergas-Fracking durch die botswanische Regierung. Umweltorganisationen beklagten, dass große Teile des Gebiets wirtschaftlichen Interessen zum Opfer fallen und das in einem der wichtigsten Schutzgebiete des Kontinents. Leider zeigt sich auch hier, dass selbst sensible Ökosysteme in Afrika nicht vor politischen und wirtschaftlichen Entscheidungen geschützt sind.
Central Kalahari Game Reserve
Dieses 1961 gegründete Wildschutzreservat liegt ebenfalls in Botswana und zählt mit rund 53.000 km² zu den fünf größten Schutzgebieten der Welt. Erst seit 1998 ist der Park überhaupt für Touristen zugänglich. Bis dahin war die größtenteils von Trockensavanne geprägte Landschaft ausschließlich den dort lebenden San, Rangern und Tierschützern vorbehalten, entsprechend wild ist die Natur. Auch heute gibt es kaum Infrastruktur. Das Schutzgebiet ist nur mit einem gut ausgestatteten 4×4-Fahrzeug erreichbar und damit genau der richtige Ort für Reisende, die wirklich off the beaten track unterwegs sein möchten.
Okavango Delta
Meine absolute Traumdestination und wie ich weiß, auch die meiner Mutter und vieler anderer Afrika-Liebhaber. Einmal mit dem Mokoro, dem traditionellen Einbaumkanu, entlang der Flussarme des Okavango gleiten, vorbei an Hippos, Krokodilen und den rund 150.000 Inseln, die übrigens größtenteils durch Termitenhügel geformt wurden. Das Okavango Delta zählt zum UNESCO-Weltnaturerbe und gilt als einer der besten Orte weltweit, um die „Big Five“ zu erleben. Geografisch liegt das Delta im Kalahari-Becken, genau dort, wo der Okavango-Fluss in der Kalahari versickert. In den letzten Jahren hat sich die Tourismuswirtschaft im Delta zunehmend in Richtung exklusiven Luxustourismus entwickelt. Preise von rund 1.500 € pro Nacht sind in vielen Lodges keine Seltenheit mehr. Bleibt zu hoffen, dass diese Einnahmen zumindest den über 1.300 Pflanzen- und zahlreichen Tierarten im Delta zugutekommen.
Makgadikgadi Pans
Die fast surreal wirkende Mondlandschaft der Makgadikgadi Pans in Botswana bedeutet in der Sprache der lokalen Stämme so viel wie „ausgedehntes, lebloses Land“. Leblos sind die Pans jedoch ganz und gar nicht. Sie sind Teil eines über 16.000 km² großen Systems von Salzpfannen, den Überresten eines einst gewaltigen Binnensees. Obwohl der Nationalpark schon immer nur wenig Wasser führte, wurde 1992 am Boteti-Fluss zusätzlich damit begonnen, Wasser für die Orapa-Mine zu stauen, die größte Diamantenmine der Welt. Dadurch sinkt der Pegel des Flusses, und immer weniger Wasser erreicht die Salzpfannen mit verheerenden Folgen für Tiere und Pflanzen. Die Makgadikgadi Pans liegen am nordöstlichen Rand der Kalahari auf etwa 900 Metern Höhe und zählen mit ihrer weiten, beinahe außerirdisch wirkenden Landschaft zu den eindrucksvollsten Safari-Gebieten Afrikas.
Mariental
Wie bereits erwähnt, gibt es im namibischen Teil der Kalahari leider keine klassischen Nationalparks oder Schutzgebiete, die du als Selbstfahrer bereisen kannst. Genau deshalb ist die Region rund um Mariental für viele Reisende eine gute Anlaufstelle. Die Stadt liegt etwa 270 Kilometer südlich von Windhoek und versprüht noch immer einen Hauch Kolonialgeschichte. Rund um Mariental verteilen sich mehrere Lodges und Gästefarmen zwischen den roten Dünen der Kalahari. Aber auch das ist typisch Namibia. Ein Großteil des Landes besteht aus Farmen, die weniger Nationalpark-Abenteuer sind als eher privates Wildreservat-Feeling. Das ist auch völlig okay, mir war das vor meiner Reise jedoch nicht bewusst.
Einer der Söhne meines Chefs auf Kambaku hat übrigens auch eine Farm nahe Mariental und lebt dort mit seiner Familie und einigen inzwischen pensionierten Pferden Kambakus. Irgendwie ein schöner Gedanke, zu wissen, dass einige von ihnen ihren Lebensabend zwischen den roten Dünen der Kalahari verbringen dürfen. Mariental selbst wurde übrigens an Heiligabend 1912 gegründet und nach Maria Brandt benannt, der Ehefrau eines der ersten deutschen Siedler der Region, Hermann Brandt. Die Hauptsehenswürdigkeit liegt allerdings vor den Toren der Stadt und ist der Hardap Dam, der den Fischfluss staut und als zweitgrößter Damm Namibias gilt.
Die Köcherbäume von Keetsmanshoop
Die kleine Stadt Keetmanshoop selbst ist eigentlich kaum einen eigenen Abstecher wert. Praktisch ist sie trotzdem, denn es gibt Tankstellen, Supermärkte und einige historische Gebäude aus der Kolonialzeit. Die wahren Fotomotive dieser Region Südnamibias liegen jedoch einige Kilometer südöstlich der Stadt, im berühmten Köcherbaumwald. Köcherbäume begegnen dir im südlichen Namibia immer wieder vereinzelt. In einer solchen Dichte wie hier, direkt hinter dem Quivertree Forest Restcamp, sind sie jedoch absolut einzigartig. Das Gebiet rund um Keetmanshoop ist der einzige Ort in Namibia, an dem diese Pflanzen in einer Art „Wald“ vorkommen. Ansonsten stehen sie meist einzeln oder in kleinen Gruppen verstreut in der Landschaft. Ein weiterer, wenn auch deutlich kleinerer Köcherbaum-Bestand soll sich im Westen des Aussenkehr Nature Reserves nahe der südafrikanischen Grenze befinden, aber an die Dimensionen rund um Keetmanshoop reicht er nicht heran. Eigentlich sind die sogenannten Quiver Trees gar keine Bäume, sondern eine Aloe-Art (Aloe dichotoma). Ihren Namen verdanken sie den San, welche die ausgehöhlten Äste früher als Köcher für ihre Pfeile nutzten. Die bis zu 200–300 Jahre alten Pflanzen können stattliche neun Meter hoch werden und wirken mit ihren hellen Stämmen und den verzweigten Kronen fast ein wenig surreal. Heute sind die Köcherbäume jedoch stark bedroht, etwa durch ausbleibende Regenfälle, steigende Temperaturen, Überweidung und zunehmenden Tourismus. Trotz Hinweisschildern betreten Besucher immer wieder den sensiblen Wurzelbereich, und schwere Fahrzeuge verdichten den Boden zusätzlich. Gerade junge Pflanzen haben es dadurch immer schwerer, nachzuwachsen.

Für den Besuch des Köcherbaumwaldes wird im Quiver Tree Forest Restcamp eine Gebühr von etwa 5 € fällig. Am schönsten ist ein Spaziergang am Abend bei Sonnenuntergang, wenn die Stämme im warmen Licht leuchten. Bleib dabei ruhig auch mal Stehen und verhalte dich ganz still. Dann kannst die große Klippschliefer-Familie beobachten, die hier zwischen Geröll und Steinen ihre Bauten hat. Auch nachts lohnt sich ein Besuch, denn das Gebiet zählt zu den besten Orten weltweit für Astrofotografie.
Nur wenige Kilometer vom Restcamp entfernt liegt außerdem der sogenannte Giants Playground. Und sein Name passt erstaunlich gut. Es wirkt tatsächlich so, als hätten Riesen einen Berg in seine Einzelteile geschlagen und die Felsblöcke einfach liegen lassen. Manche der mehrere Millionen Jahre alten Dolerit-Steine sehen allerdings auch so aus, als hätte jemand sie ordentlich, ja fast schon sorgfältig, aufeinandergestapelt.

Wenn du der C17 weiter nordostwärts in Richtung Südafrika folgst, erreichst du das Mesosaurus Fossil Camp. Und weil ich spätestens seit den ersten Jurassic Park-Filmen, die ich als Kind mit meinem Papa geschaut habe, einen kleinen Dinofimmel entwickelt habe, würde ich hier gerne bei meiner nächsten Südnamibia-Reise übernachten. Denn auf dem Gelände, etwa 40 Kilometer nordöstlich von Keetmanshoop, wurden Anfang des 20. Jahrhunderts die ersten Spuren und Überreste von Mesosauriern in Namibia entdeckt. Der Mesosaurus lebte allerdings nicht zur Zeit der großen Dinosaurier, sondern noch deutlich früher, etwa vor 280 Millionen Jahren, in flachen Binnengewässern, die es hier damals noch gab. Falls du mit dem Namen jetzt trotzdem nichts anfangen kannst, er ist auch nicht unbedingt ganz der Hollywood-Dino aus den Jurassic-Filmen, ihm kam eher eine Nebenrolle zu. Er ist jener Dino, der in den neuen Jurassic World-Filmen in dem Delfinarium lebt und am Ende des, ich meine zweiten Teils, den hybriden Dino erledigt. Der Mesosaurus war deutlich kleiner, eher reptilienartig und gilt heute als wichtiger Beweis für die Kontinentalverschiebung, weil Fossilien sowohl in Namibia als auch in Südamerika gefunden wurden.
Fish River Canyon
Der Fish River Canyon ist nach dem Grand Canyon der zweitgrößte Canyon der Welt und für viele Reisende DER Grund, überhaupt den langen Weg bis in den Süden Namibias auf sich zu nehmen. Deshalb musste er natürlich auch das Beitragsbild dieses Artikels zieren. Er ist Teil des Ai-Ais/Richtersveld Transfrontier Parks und mit einer Länge von rund 160 Kilometern, einer Breite von bis zu 27 Kilometern und einer Tiefe von bis zu 550 Metern der größte Canyon Afrikas. Der Fish River selbst misst etwa 650 Kilometer Länge und ist damit der längste Fluss Namibias. Seine Quellen liegen im östlichen Teil der Naukluftberge. Von dort fließt er weiter nach Süden und wird bei Hardap Dam nahe Mariental aufgestaut. Ab Seeheim beginnen am Unterlauf des Flusses die Ausläufer des Canyons. Südlich des Hardap-Damms führt der Fish River nicht ganzjährig Wasser. Während der Trockenzeit im namibischen Winter ist der Fluss meist nur ein schmales Band oder besteht aus einzelnen Tümpeln, genau deshalb sind in dieser Jahreszeit auch Wanderungen in der Schlucht möglich. In der Regenzeit hingegen kann der Fluss zu einem reißenden Strom anschwellen und macht jegliches Wandern unmöglich. In der Trockenzeit lassen sich an den verbliebenen Wasserstellen häufig Tiere beobachten, die zum Trinken kommen.

Der Fish River Canyon entstand vor rund 500 Millionen Jahren und zählt damit zu den ältesten geologischen Strukturen unserer Erde. Damit existierte er sogar schon vor den Mesosauriern und anderen Dinos. Er bildete sich durch tektonische Bewegungen, bei denen sich die Erdkruste absenkte und ein gewaltiger Grabenbruch entstand. Später vertiefte der Fish River diese Struktur über Millionen von Jahren weiter durch Erosion. Wind, Wasser und extreme Temperaturschwankungen formten schließlich die heutigen, bis zu 550 Meter tiefen Schluchten. Hinabsteigen kannst du von Mai bis September. Anbieter wie Gondwana Collection Namibia, die Fish River Lodge und weitere Veranstalter bieten mehrtägige, meist drei- bis viertägige, geführte Wanderungen durch den Canyon an. Du kannst die berühmte Fish River Canyon Hiking Trails aber auch auf eigene Faust gehen, musst dich dafür jedoch vorab anmelden und ein ärztliches Attest (nicht älter als 40 Tage) einreichen.

Statt einer Wanderung entschieden wir uns für die Fahrt vom Gate in Hobas, das bei Sonnenaufgang öffnet und zum Sonnenuntergang schließt, auf einem Weg, der teilweise direkt an der Canyon-Kante entlang führt. Der Eintritt lag 2025 bei insgesamt 350 N$ für zwei Personen mit Fahrzeug. Im Nachhinein hätten wir den Canyon allerdings lieber morgens besucht. Abends werfen die Canyonwände lange Schatten, wodurch Fotos schnell zu dunkel wirken. Am Nachmittag war es zwar noch gut machbar, aber für wirklich spektakuläre Aufnahmen ist das Morgenlicht definitiv schöner. Empfehlen kann ich dir einen Abstecher zu den drei wichtigsten Viewpoints: Main Viewpoint, Hikers Viewpoint und South Viewpoint. Alle drei sind mit dem Auto erreichbar und bieten beeindruckende Ausblicke auf den Canyon. Die meisten Besucher bleiben jedoch am Main Viewpoint, was ich angesichts der teils schlechten Straßenverhältnisse zu den anderen Aussichtspunkten durchaus nachvollziehen kann.
Die Wildpferde von Garub
Ich wusste schon vor meinem Auslandsaufenthalt in Namibia, dass ich im Anschluss meine Masterarbeit gern im Themenbereich Reitsafaritourismus in Afrika schreiben würde. Mein Professor empfahl mir daraufhin einige Grundlagenwerke, darunter auch „Umkämpfte Nachhaltigkeit – vergessene Leiblichkeit. Der Fall der Wildpferde in Namibia“ von Pütz und Schlottmann, ein Text über die Wildpferde bei Garub, den du hier findest; researchgate.net. Zugegeben, zu diesem Zeitpunkt interessierte mich Garub eher als Reiseziel denn als Forschungsgegenstand (das hat sich inzwischen geändert).

Eigentlich gibt es im südlichen Afrika gar keine ursprünglichen Wildpferde. Klima, Vegetation und Lebensbedingungen sind für Pferde, mögen sie noch so anpassungsfähig sein, hier alles andere als ideal. Woher die Wildpferde von Garub also stammen, darüber gibt es verschiedene Theorien. Einige sagen, sie gingen auf die Pferdezucht auf Duwisib Castle zurück (davon habe ich dir ja schon im Artikel Soussusvlei: Roadtrip ins touristische Zentrum der Wüste erzählt). Andere vermuten, sie seien Nachfahren der deutschen Schutztruppe oder stammten aus Beständen des südafrikanischen Heeres während des Ersten Weltkriegs. Als heute am wahrscheinlichsten gilt jedoch die Theorie, dass sich Zuchthengste von Duwisib und Kubub mit zurückgelassenen Pferden südafrikanischer Truppen in den Bergen rund um Aus vermischten. Doch egal, woher die Pferde ursprünglich stammen, dass sie nicht längst vom Menschen eingefangen oder getötet wurden, verdanken sie allein der Tatsache, dass sie innerhalb des großen Diamantensperrgebiets lebten. Diese reichten einst bis zu 100 Kilometer vor die Küste und waren für die Öffentlichkeit, darunter auch Jäger und Pferdehändler, streng gesperrt. So konnten die Wildpferde rund 80 Jahre weitgehend unbehelligt leben. Besonders wichtig war dabei ein Bohrloch bei Garub, aus dem sich eine künstliche Tränke entwickelte, bis heute der zentrale Treffpunkt der Herden.

Heute soll es noch etwa 250 bis 300 Tiere geben, eine große Herde, die sich in kleinere Gruppen aufteilt. Bei Garub wurde ein hölzerner Unterstand errichtet, offiziell als Schutz vor der Hitze gedacht. Realistisch betrachtet könnte er jedoch nur einem Bruchteil der Tiere überhaupt Schatten bieten. Stattdessen dient er vermutlich eher den Touristen, welche die holprige Abfahrt von der B4, etwa eine Autostunde vor Lüderitz, auf sich nehmen. Als wir dort ankamen, war es unsagbar heiß und trocken. So heiß, dass ich das Gefühl hatte, kaum atmen zu können. Und während ich im Schatten des Unterstands stand und beobachtete, wie die Junghengste spielerisch miteinander kämpften oder Leitstuten ihre Gruppen zum Wasser führten, musste ich an das Paper denken, das mir mein Professor empfohlen hatte. Darin wird nämlich beschrieben, dass die Pferde heute gar nicht mehr so „wild“ sind, wie oft behauptet wird und dass menschliche Eingriffe wie Zufütterung oder der Bau von Unterständen sie sogar anfälliger für Raubtiere machen. Hyänen und Schakale etwa. Um die Wildpferde vor ihnen zu schützen, müssen mittlerweile nämlich die Hyänen ebenfalls gefüttert werden. Ironischer geht es kaum und zeigt dieses Beispiel doch, was das Sichtbar machen von Wildnis für Touristen für Folgen haben kann.
Die heißen Quellen von Ai-Ais
In der Sprache der Nama bedeutet „Ai-Ais“ so viel wie „der Ort, der sehr heiß ist“. Und das passt ziemlich gut, denn die heißen Quellen am Ausgang des Fish River Canyon, dort, wo die Schlucht langsam flacher wird, erreichen tatsächlich Temperaturen von bis zu 60 °C. Bevor das Wasser in die Pools des Ai-Ais Resorts geleitet wird, muss es natürlich entsprechend abgekühlt werden. Das ist vor allem bei Außentemperaturen von bis zu 45 °C im Sommer auch nötig. Gerade nach einer langen, kräftezehrenden Wanderung durch den Canyon dürfte die Wärme dann besonders wohltuend sein. Neben den Temperaturen werden auch die enthaltenen Mineralien (vor allem Sulfate, Chloride und Fluoride) als Grund für die angebliche Heilwirkung genannt. Vielleicht ist es aber auch einfach die malerische Lage zwischen schroffen Felsen, kaum Vegetation und diese fast unwirkliche Ruhe.
Die Quellen entstehen, indem Regenwasser über Bruchzonen tief ins Gestein sickert und dort durch die natürliche Erdwärme erhitzt wird. Von hier steigt es anschließend wieder an die Oberfläche. Auf dem Weg nach oben nimmt es Mineralien aus dem umliegenden Gestein auf, daher das warme, mineralhaltige Wasser, das hier austritt. Anders als auf Island verteilen sich die heißen Quellen von Ai-Ais jedoch nicht über die gesamte Region. Wer in ihnen baden möchte, muss das Resort besuchen. Entdeckt wurde diese grüne Oase ursprünglich von den San, genauer gesagt von einem Nama-Schafhirten im Jahr 1850. Während des Ersten Weltkriegs nutzten Soldaten die abgelegene Gegend als Rückzugsort vor südafrikanischen Truppen. Seit 2003 gehört das Gebiet rund um die Quellen sowie die Hunsberge zum Ai-Ais/Richtersveld Transfrontier Park (auch Gariep Transfrontier Park genannt), einem grenzüberschreitenden Nationalpark zwischen Südafrika und Namibia. Auch der Fish River Canyon ist Teil dieses rund 6.000 km² großen Schutzgebiets. Die Landschaft des südafrikanischen Richtersveld wurde inzwischen sogar zum UNESCO-Welterbe erklärt.
Oranjefluss und über Land nach Südafrika
Mit 2.160 Kilometern Länge ist der Oranje nach dem Sambesi der zweitlängste Fluss im südlichen Afrika und bildet auf weiten Strecken die natürliche Grenze zwischen Namibia und seinem Nachbarn Südafrika. Er entspringt in den Drakensbergen in Lesotho und schlängelt sich von dort durch trockene, oft fast lebensfeindlich wirkende Landschaften, bevor er schließlich in den Atlantik mündet. Ganz konfliktfrei war diese Grenzziehung allerdings nie. In den vergangenen Jahrzehnten kam es immer wieder zu Diskussionen über den genauen Verlauf der Grenze, da Namibia die Festlegung aus dem sogenannten Helgoland-Sansibar-Vertrag nicht vollständig anerkennt. Ähnlich wie auch der Cubango-Fluss im Norden, der die natürliche Grenze zwischen Namibia und Angola bildet, ist der Oranje von enormer Bedeutung für die Bewässerungslandwirtschaft beider Länder. Vor allem Wein, Tafeltrauben und Zitrusfrüchte werden hier angebaut bzw. produziert. Und wer den Fluss nicht nur vom Ufer aus erleben möchte: Anbieter wie Bwana organisieren auch mehrtägige Paddeltouren auf dem Oranje.

Die bekannteste Grenzstation zwischen Namibia und Südafrika ist der Noordoewer Border Post. Auf südafrikanischer Seite heißt der Übergang Vioolsdrift. Für die Grenzüberquerung brauchst du:
- Reisepass (mindestens 6 Monate gültig)
- Fahrzeugpapiere
- Bei Mietwagen: Genehmigung zur Grenzüberquerung (ganz wichtig!)
- Eventuell Nachweis einer südafrikanischen Kfz-Versicherung
Während der Regenzeit sind Grenzüberquerungen aufgrund von Hochwasser und tiefem Treibsand teilweise nicht mehr möglich.
Diamantensperrgebiet Tsau-ǁKhaeb-Nationalpark
Diese riesigen Flecken auf der Landkarte Namibias, die einfach als Sperrgebiet deklariert sind, übten auf mich schon von Beginn meiner Reise an einen ganz besonderen Reiz. Während sich die meisten Namibia-Reisenden im klassischen Dreieck zwischen Etosha-Nationalpark, Swakopmund und Windhoek bewegen, begann mein Herz schneller zu schlagen für diese weißen, unzugänglichen Flächen am Atlantik. Eines davon ist der Tsau-ǁKhaeb-Nationalpark. Aber warum gibt es diese Sperrgebiete überhaupt? Im Jahr 1908 wurden bei Lüderitz Diamanten entdeckt. Was folgte, war ein regelrechter Diamantenrausch. Das Gebiet wurde großflächig abgesperrt und zwar nicht aus Naturschutzgründen, sondern um die wertvollen Edelsteine zu sichern. Dieses sogenannte Diamantensperrgebiet erstreckte sich über rund 26.000 km² und war eines der am strengsten kontrollierten Gebiete Afrikas. Zutritt hatten nur Mitarbeiter der Minengesellschaften, und selbst sie standen unter permanenter Überwachung.
Der Tsau-ǁKhaeb-Nationalpark ist heute das bekannteste der ehemaligen Sperrgebiete. Große Teile sind bis heute nicht frei zugänglich – teilweise, weil dort noch immer Diamanten abgebaut werden, teilweise zum Schutz sensibler Küstenökosysteme (wobei man sich schon fragen darf, wo Naturschutz endet und Greenwashing beginnt) und teilweise, weil die Verwaltung noch immer eng mit der Diamantengesellschaft verbunden ist. Besuche sind nur in ausgewählten Bereichen oder im Rahmen geführter Touren möglich, zum Beispiel ab Lüderitz und genau das wäre mein Traum für eine zukünftige Namibia-Reise. Bwana ist einer der Anbieter, der Touren zum Bogenfels anbietet, einer 55 Meter hohen Kalksteinbrücke direkt am Atlantik, oder sogar mehrtägige Fahrten tief hinein ins ehemalige Sperrgebiet. Was mich daran wirklich fasziniert, ist diese totale Abgeschiedenheit und Isolation. In einem Schweizer Blog stieß ich etwa auf Fotos einer braunen Hyäne, die sich in einem stillgelegten Minenschacht ihren Bau eingerichtet hatte (namibia-forum.ch). Faszinierend ist auch die Lage mitten in der Namib. Die Büsche, die hier wachsen, überleben fast ausschließlich dank des Atlantiknebels, der sich über dem kalten Benguelastrom bildet und ins Landesinnere zieht. Viele Bäume, etwa die Kameldornbäume, beziehen ihr Wasser aus tiefen unterirdischen Reservoirs.
Die Reiseroute im Detail
Auf dem Tacho standen am Ende rund 1.100 Kilometer, für namibische Verhältnisse eigentlich gar nicht so viel. Mit nur drei Tagen im Süden war unsere Zeit allerdings auch viel zu knapp bemessen. Und dazu kommt, dass du in Namibia auf den vielen Gravel Roads eh nur langsam voran kommst. Aber genau dafür reist man ja hierher – für die Reise selbst.

Fazit
Hat sich Goethe vielleicht in Namibia für sein berühmtes Zitat inspirieren lassen? Auf einer Reise durch Südnamibia könnte man es beinahe glauben. Die Landschaften allein sind schon eine Reise wert. Je weiter du Richtung Süden reist, desto mehr weichen die sandigen Ebenen der Kalahari den schroffen Felswänden des Fish River Canyon. Rund um Garub streifen die letzten Wildpferde Namibias durch die weiten Grasflächen, und je mehr du dich Lüderitz näherst, desto deutlicher kündigen sich die ersten Ausläufer der südlichen Namib an.
So dankbar und glücklich ich über diese Reise bin, erinnerte ich mich beim Schreiben dieses Artikels auch an den weniger romantischen Teil der Geschichte. Den Einfluss, den wir Menschen auf solch sensible Ökosysteme haben. Wenn in Botswana ganze Landschaften unter dem Abbau von Schiefergas und Diamanten leiden, wenn wir in Garub darüber diskutieren, welche Tiere nun gefüttert werden sollen und welche nicht, und wenn den San, nicht zuletzt durch die Folgen des Klimawandels, das geeignete Holz für die Jagd ausgeht, dann stellt sich unweigerlich die Frage: Wie hoch dürfen die Kosten für unseren Tourismus sein? Und ob wir in einem Klima, das eigentlich so lebensfeindlich wirkt, nicht doch nur auf der Durchreise sind.
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-Folgen bald- (Versprochen)
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