Windhoek: Geheimtipps für Namibias unterschätzte Hauptstadt

Die namibische Hauptstadt Windhoek ist den Einheimischen beinahe so heilig wie ihre Tierwelt. Hierher fährt man zum Einkaufen, für Behördengänge oder Arztbesuche, um Familie zu treffen, denn gefühlt hat wirklich jeder irgendeinen Cousin in Windhoek, oder einfach, um das Farmleben für ein paar Tage gegen Stadtluft einzutauschen. Es gibt große Shoppingmalls, überraschend vielfältige Restaurants und einige charmante Sehenswürdigkeiten. Und doch kommt die Stadt auf vielen Reiseblogs erstaunlich schlecht weg: zu klein, zu deutsch, zu staubig, zu nichtssagend sei sie. Keine spektakuläre Skyline wie in den südafrikanischen Metropolen, keine weltberühmte Architektur, angeblich schlichtweg langweilig. Wer sich bei den Einheimischen schnell unbeliebt machen möchte, antwortet auf die unvermeidliche Frage – „Wo wart ihr bisher in Namibia und wie hat es euch gefallen?“ – genau mit diesen Vorurteilen. Warum du jedoch gerade bei einer Übernachtung in Windhoek so viel näher an der Wildnis bist, als man meinen könnte, weshalb sich die Stadt für mich fast wie das „Mekka Afrikas“ anfühlte und wieso niemand so genau weiß, wieviele Einwohner Windhoek tatsächlich hat, erzähle ich dir in diesem Artikel.

Die schwere Geschichte Windhoeks

Schon lange bevor irgendwer an Kolonialverwaltung dachte, war das Gebiet rund um Windhoek ein beliebter Treffpunkt der Nama- und Herero-Gruppen. Der Ort war nämlich bekannt für seine heißen Quellen. Darauf beruht auch der Otjiherero-Name der Stadt, Otjomuise, was so viel wie „Ort des Dampfes“ bedeutet. Der heutige Stadtname stammt übrigens aus dem Afrikaans und heißt „Windige Ecke“. In Windhoek selbst findest du heute zwar keine heißen Quellen mehr, dafür aber im etwa 100 km von der namibischen Hauptstadt entfernten Thermalbad Gross Barmen nahe Okahandja.

Ende des 19. Jahrhunderts wurde Windhoek zur Verwaltungsstadt von „Deutsch-Südwestafrika“. Damals noch Windhuk geschrieben. Das Auswärtige Amt und auch viele offizielle Seiten in Namibia verwenden diese Schreibweise übrigens bis heute. Noch immer prägen Gebäude aus dieser Zeit das Stadtbild, etwa die Christuskirche oder die Alte Feste. Sie wirken fast idyllisch, doch stehen für eine der dunkelsten Episoden der deutschen Kolonialgeschichte. Im Jahr 1904 erhoben sich die Herero gegen die deutsche Kolonialherrschaft, nachdem ihnen immer mehr Land und Vieh genommen worden war. Die deutsche Schutztruppe reagierte mit äußerster Brutalität. Nach der Schlacht am Waterberg wurden Zehntausende Herero in die Wüste getrieben, wo viele verdursteten. Ein „Vernichtungsbefehl“ des Generals Lothar von Trotha besiegelte das Schicksal weiter Teile der Bevölkerung. Auch die Nama wurden verfolgt, interniert und zur Zwangsarbeit gezwungen. Insgesamt starben schätzungsweise rund 80.000 Herero und etwa 10.000 Nama. Heute gilt dieser Krieg als erster Völkermord des 20. Jahrhunderts. Schließlich nach Jahrzehnten unter südafrikanischer Verwaltung und Apartheid wurde Namibia 1990 endlich unabhängig.

Reiseplanung & Infos

Zwischen modernen Shopping Malls, deutschen Straßennamen, hippen Streetfood-Ständen und dramatischen Sonnenuntergängen über den grauen Dächern der Stadt ist Windhoek so ganz anders als der Rest des Landes. Während meiner Zeit als Volontärin auf Düsternbrook war ich oft in der namibischen Hauptstadt – manchmal sogar einmal pro Woche. Und wie so viele Namibier ging es auch mir darum, einfach mal rauszukommen und die Farm hinter mir zu lassen. Behördengänge zu erledigen, etwa fürs Visum. Oder die Dinge einzukaufen, um die ich Fahrer Festus nicht bitten wollte: Periodenprodukte, Haarspülung oder eine Flasche Sekt für meine Mit-Volontärin und mich. Jedes Mal, wenn wir am späten Nachmittag auf die Farm zurückkehrten und Farmhund Fritzi uns schon von weitem entgegenrannte, war ich froh, das Stadtleben wieder hinter mir gelassen zu haben.

Windhoek kann auch anders, nicht nur staubig und trocken, sondern grün und blühend in den Gärten rund um den Tintenpalast.

Worauf sich Windhoeks Bezeichnung im Afrikaans „Windige Ecke“ genau bezieht, habe ich übrigens nie ganz verstanden. Trocken war es oft. Heiß sowieso. Aber windig eigentlich nie. Außer vielleicht auf der Ladefläche des Trucks von Düsternbrook, mit dem ich gemeinsam mit den anderen Mitarbeitenden regelmäßig in die Stadt gefahren bin. Wer sich in Chats übrigens als Namibia-Experte ausgeben will, kürzt den Namen der Hauptstadt mit „Whk“ ab.

Anreise nach Namibia: Wieso kein Weg an Windhoek vorbei führt

Außer du reist über den Landweg aus einem der Nachbarländer ein, beginnt deine Namibia-Reise ziemlich sicher in Windhoek. Obwohl Namibia flächenmäßig riesig ist, ist das Land luftverkehrstechnisch ziemlich überschaubar. Der Hosea Kutako International Airport (WDH) in Windhoek ist der einzige internationale Flughafen. Bloß amWalvis Bay International Airport (WVB) landen gelegentlich kleinere Flieger aus Südafrika. Die Flugzeuge aus Deutschland landen meist in aller Herrgottsfrühe, und deine ersten Eindrücke vom afrikanischem Boden bestehen dann nicht aus Safari-Romantik, sondern aus einer langen Schlange an der Passkontrolle. Viele holen danach direkt ihren Mietwagen ab und fahren weiter. Davon würde ich dir wirklich abraten – außer, du wirst von deiner Unterkunft abgeholt. Nach einem zehnstündigen Flug ab Frankfurt oder München (manchmal noch mit Zwischenstopp) ist man oft so müde und gerädert, dass es ehrlich gesagt keine gute Idee ist, sich auf einem fremden Kontinent direkt selbst ans Steuer zu setzen. Linksverkehr, andere Straßenverhältnisse, plötzlich Tiere am Fahrbahnrand – das ist schon herausfordernd genug, wenn man ausgeschlafen ist. Dazu kommt: Die Visakontrolle kann dauern. Beim Mietwagenverleih wird dir dann, was ich grundsätzlich gut finde, jedes Detail des Autos erklärt. Aber auch das zieht sich. Noch schnell einkaufen, vielleicht eine SIM-Karte besorgen, und plötzlich ist der halbe Tag vorbei. Freunde von mir sind am Tag ihrer Ankunft direkt weiter zum Waterberg gefahren. Sie schafften es gerade noch wenige Minuten vor Schließung durchs Gate – allerdings nur, weil sie deutlich schneller unterwegs waren als erlaubt. Sie haben ihre Entscheidung noch am ersten Abend bereut. Die Übernachtung wäre nicht erstattet worden, wenn sie es nicht rechtzeitig geschafft hätten, und entspannt war dieser Start definitiv nicht. Plane dir daher lieber einen kleinen Puffer ein. Gönn dir einen Tag in Windhoek zum Ankommen, Durchatmen und Sortieren. Und obwohl Windhoek auf vielen Reiseblogs echt schlecht wegkommt, lohnt es sich, 1-2 Tage hier zu verbringen.

Einer meiner liebsten Aussichtspunkte in Windhoek im Sky Restaurant auf der 4. Etage des Independence Museums. Windhoek lohnt sich alle Male!

Noch was zum Thema Anreise. Kauf dir deine SIM-Karte wenn möglich nicht direkt am Flughafen. Dort gibt es zwar eine Filiale von MTC Namibia, aber die SIM-Karten sind dort in der Regel deutlich teurer und lassen sich später oft nicht ganz so unkompliziert über die App aufladen wie die regulären Varianten aus der Stadt. Fahr stattdessen lieber in eine offizielle MTC-Filiale in Windhoek, zum Beispiel in der The Grove Mall. Dort bekommst du meist die besseren Tarife und kannst dir alles in Ruhe einrichten lassen. Dasselbe gilt übrigens fürs Geldabheben: Am Flughafen sind die Gebühren häufig höher. Wenn du nicht unbedingt sofort Cash brauchst, warte lieber, bis du in der Stadt bist.

Übernachtung: Tipps für Unterkünfte innerhalb und außerhalb der Hauptstadt

In Windhoek findest du wirklich Unterkünfte für jedes Budget. Von günstigen Hostels über schicke Boutique-Hotels bis hin zu hochpreisigen Lodges im näheren Umland. Du kannst mitten in der Stadt übernachten, praktisch für Restaurants und Erledigungen, oder dich für eines der privaten Game Reserves entscheiden, die meist nur 20–30 Autominuten außerhalb liegen. Innerhalb der Stadt kann ich dir empfehlen;

  • Chamaleon Backpackers: Dieses mitten im Zentrum gelegene Hostel ist so etwas wie Namibias Treffpunkt für Backpacker und Alleinreisende. Während es im Nachbarland Südafrika eine riesige Backpacker-Szene gibt, ist Namibia insgesamt stärker auf Pauschaltouristen und Selbstfahrer ausgerichtet. Gerade deshalb ist das Chameleon eine richtig gute Adresse, wenn du ohne eigenes Auto unterwegs bist. Dort findest du faire Preise, schnell Anschluss an Gleichgesinnte und vor allem feste Tourenangebote in alle Teile des Landes – vom Etosha bis nach Soussusvlei. So musst du dir nicht zwingend einen Mietwagen organisieren. Die bunten Busse des Hostels sind mir übrigens überall im Land begegnet
  • Sandrose Luxury Guesthouse: Eine der schönsten Unterkünfte, die ich in Windhoek je gesehen habe. Große, lichtdurchflutete Zimmer, stilvoll eingerichtet und obwohl du mitten in der Stadt bist, ist es innerhalb der Anlage angenehm ruhig. Das Frühstück ist lecker und genau das, was man nach der ersten Nacht in Namibia braucht, um sich auf einen langen Fahrtag vorzubereiten. Mein Highlight aber waren die Hunde der Besitzer.
  • The Weinberg Estate: Hier, in Klein Windhoek, hoch über den Dächern der Stadt, wohnen die Reichen und Schönen und jene Reisenden, die bei der Hotelbuchung auch mal etwas tiefer in die Tasche greifen. Das Weinberg Estate wird nicht nur als luxuriöse Unterkunft geschätzt, sondern auch regelmäßig als Austragungsort für Meetings und Konferenzen genutzt. Hier findest du einige der besten Restaurants der Stadt und weil das Anwesen auf einem Hügel liegt, bekommst du von hier oben einen wirklich beeindruckenden Blick über das Khomas-Hochland.
  • The African Kwela Guesthouse: Das Kwela ist vermutlich meine liebste Unterkunft in ganz Windhoek, die ich überhaupt erst während meiner letzten Übernachtung in Namibia entdeckte. Gemeinsam mit meiner Mutter habe ich dort am Ende unserer Reise noch eine Nacht verbracht, bevor wir den Rückflug antraten. Das Guesthouse ist unglaublich liebevoll eingerichtet, mit viel Sinn fürs Detail. Es gibt ein richtig leckeres Frühstück im Restaurant direkt neben dem kleinen Garten, der mir wie eine Oase in der sonst so trockenen, staubigen Stadt vorkam.
  • Für den kleineren Geldbeutel: Zugegeben, als Backpacker waren Unterkünfte wie das Weinberg Estate für mich damals schlicht außerhalb meiner Reichweite. Stattdessen habe ich einmal im Kate’s Nest Guesthouse & Backpackers übernachtet – vor allem, weil es sehr nah an meinem Mietwagenverleih Asco Car Hire lag. Ansonsten ist diese Unterkunft eher „weit draußen“, sodass man ohne Auto ziemlich aufgeschmissen ist. Die anderen Nächte verbrachte ich in der Pension Steiner, bei der das Beste noch das kostenlose Frühstück war.

Übernachten außerhalb von Windhoek;

  • Voigtland Guesthouse: Gefunden habe ich diese von der Familie Voigt seit Generationen geführte Gästefarm ganz zufällig über Instagram. Sie liegt etwa 30 Autominuten außerhalb von Windhoek und hat dort vor allem durch Fotos und Reels Bekanntheit erlangt, in denen Gäste beim Frühstück Besuch von Giraffen bekommen. Diese Aufnahmen sind ohne Frage spektakulär, ethisch aber etwas fragwürdig. Kein Wunder also, dass das Guesthouse häufig schon Monate im Voraus ausgebucht ist.
  • Naankuse Lodge: Nur etwa 30 Autominuten vom Flughafen entfernt liegt das rund 3.200 Hektar große Naturreservat von Naankuse Wildlife Sanctuary. Obwohl es so nah an Windhoek liegt, fühlt man sich hier sofort angekommen in der Wildnis. Es werden Game Drives angeboten, du kannst bei den Fütterungen der Geparden dabei sein oder sogar ausreiten. Naankuse betreibt mehrere Lodges in ganz Namibia und verbindet Tourismus mit Naturschutz- und Sozialprojekten.
  • Weitere Lodges rund um Windhoek: Daan Viljoen Game Lodge im Khomas Hochland, die Düsternbrook Guestfarm, auf der ich drei Monate als Volontärin arbeitete oder die Okapuka Safari Lodge, die als eine der wenigen in der Region Nashorn-Safaris und Reiten verbindet.

Kulinarische Highlights

Alle guten Dinge sind drei! Meine drei kulinarischen Highlights in Whk sind;

  • Joe’s Beerhouse: der Klassiker! Im zentral gelegenen Stadtteil Eros befindet sich Joe’s Beerhouse – seit seiner Gründung 1991 durch den deutschstämmigen Koch Joachim „Joe“ Gross so etwas wie das Zentrum für jeden, der einmal durch Windhoek kommt. Irgendwie muss man es einfach selbst erlebt haben: die bunten Nummernschilder an den Wänden, Wildtierpräparate, die Schildkröten im Teich und die riesige Speisekarte. Von klassischen Burgern über Oryx- oder Kudu-Steak bis hin zu gemischten Wildplatten ist hier alles dabei. Meine Mama hat hier übrigens ihren 61. Geburtstag gefeiert – inklusive Ständchen der Kellnerinnen.
Oryx-Burger und gemischte Wild-Platte bei Joe’s Beerhouse.
  • Butcher’s Block Namibia: Oder von mir meist liebevoll als „Butcher’s“ abgekürzt. Hier treffen sich die Geschäftsleute Windhoeks, die Expats und wir Volontäre von Düsternbrook, um richtig gutes Steak zu essen. Das Restaurant gehört zu den gehobeneren Adressen der Stadt, die Preise für Steaks vom Rind, Oryx oder Kudu sind aber tatsächlich moderat. Dazu schmeckt am besten eine der namibischen Biersorten. In der Hauptstadt wird etwa Windhoek Lager von Namibia Breweries Limited produziert.
  • Leo’s at the Castle: Das Café von Hotel Heinitzburg liegt auf einem Hügel über den Dächern der Stadt und allein für die Aussicht lohnt sich der Weg nach oben. Von der Außenterrasse blickst du weit über Windhoek und bis ins Khomas-Hochland. Besonders zum Sonnenuntergang ist das hier eine der schönsten Adressen der Stadt, um den hausgemachten Apfelstrudel zu probieren. Nie werde ich vergessen, wie ich dort mit einer Freundin saß, die mich aus Deutschland besuchte. Wir bestellten Kuchen und bekamen riesige Portionen serviert. Sie meinte scherzhaft zum Kellner: “What a small portion.” Der trug das offenbar pflichtbewusst in die Küche weiter. Der Küchenchef reagierte, indem er ihr leicht eingeschnappt, einfach noch ein weiteres Stück Kuchen servierte – on the house versteht sich. Vorsicht mit Ironie in Namibia.
  • Windhoek Sky Restaurant: Apropos gute Aussicht: Im 4. Stock des Independence Memorial Museum befindet sich ein Restaurant mit Bar, das bei den Locals sehr beliebt ist, gerade für Feiern wie Hochzeiten oder Geburtstage. Tagsüber kannst du in der Regel ohne Reservierung rein und dir deinen Kaffee mit besonderem Blick auf die Hauptstadt schmecken lassen. Für mich die beste Aussicht auf Whk!
  • Hilton Sky Bar: Größer hätte der Kontrast nicht sein können, als Volontärin Lara und ich uns für einen Nachmittag vom Farmleben auf Düsternbrook verabschiedeten, um stattdessen Cocktails und den Sonnenuntergang von der Hilton Sky Bar zu genießen. Und irgendwie schmecken Cocktails in solchen Momenten einfach nochmal süßer. Vielleicht, weil wir wussten, dass wir am nächsten Morgen wieder zwischen Pferden, Sand und Savanne und mit einem ordentlichen Kater ins afrikanische Farmleben zurückkehren würden.

Mobilität vor Ort

In Windhoek läuft tatsächlich fast alles über das Auto. Die Stadt ist weitläufig und oft gibt es schlichtweg keine Bürgersteige. Ich selbst war tagsüber zwar auch viel zu Fuß unterwegs, aber als Tourist suchst du klassische öffentliche Verkehrsmittel hier vergebens. Eine sichere und unkomplizierte Alternative sind Fahrdienste wie Yango und City Cab Windhoek. Die Yango-App kannst du dir ganz bequem aufs Handy laden. Einmal registriert funktioniert sie im Prinzip wie Uber oder Bolt bei uns: Fahrt buchen, Preis vorab sehen, online zahlen – fertig. Praktisch ist außerdem, dass du über die App auch Essen bestellen kannst. City Cab eignet sich besonders für etwas längere Strecken innerhalb der Stadt oder geplante Fahrten (auch Langstrecke). Anfragen stellst du direkt über die Website oder telefonisch, und die Fahrer gelten als zuverlässig und professionell.

Natürlich kannst du auch die sogenannten „Public Taxis“ nutzen, also die ganz normalen gelben Taxis, die überall durch die Stadt fahren. Ich persönlich fand das allerdings oft etwas mühsam. Du musst darauf achten, dass das Taxameter eingeschaltet wird, und Bargeld solltest du auch immer dabeihaben. Bei Yango zahlst du hingegen ganz entspannt digital. Nach Einbruch der Dunkelheit wird in Windhoek vom Nutzen der Public Taxis eher abgeraten. Wenn du abends unterwegs bist, bleib am besten bei offiziellen Taxiunternehmen oder bestelle dir einen Wagen per App.

Sicherheit als Alleinreisende Frau

Nicht nur bei der Wahl des richtigen Taxis solltest du in Windhoek aufpassen. Generell gilt und das wurde mir während meiner sieben Monate in Namibia von Locals immer und immer wieder gesagt: Nach Einbruch der Dunkelheit lieber nicht mehr zu Fuß unterwegs sein. Namibia zählt zwar zu den sichereren Ländern Afrikas, aber warum ein Risiko eingehen, wenn Fahrten mit Yango wirklich günstig sind? Tagsüber ist Windhoek grundsätzlich gut machbar, trotzdem solltest du in Menschenmengen wegen Kleinkriminalität aufpassen. Ein größeres Thema sind Autoaufbrüche. Lass deinen Mietwagen niemals unbeaufsichtigt auf abgelegenen Parkplätzen stehen und vor allem: kein Gepäck sichtbar im Auto lassen. Am besten ist das Fahrzeug komplett leer. Dann lohnt es sich für potenzielle Diebe gar nicht erst, eine Scheibe einzuschlagen. Und noch ein Punkt, gerade wenn du alleine unterwegs bist: Wenn du dich über Dating-Apps wie Tinder verabredest, sei dir bewusst, dass Namibia eine der weltweit höchsten HIV-Ansteckungsraten hat.

Alleine durch Windhoek als Frau mit Heimatgefööhl von Köln im Herzen.

Und dann ist da noch das Thema der sogenannten „Slumbesuche“. Der Township von Windhoek heißt Katutura und liegt im Norden der Hauptstadt. Historisch entstand Katutura in den 1950er-Jahren während der Apartheid als Wohngebiet zur räumlichen Trennung der Bevölkerung. Der Name bedeutet übersetzt sinngemäß „der Ort, an dem wir nicht leben wollen“ – was bereits viel über die Entstehungsgeschichte aussagt. Heute leben dort etwa 66.700 Menschen, teils unter sehr prekären Bedingungen. Während meines Tourismusstudiums haben wir uns oft mit dem Phänomen des „Slumtourismus“ beschäftigt. Dazu hat der Spiegel auch einen interessanten Artikel veröffentlicht: Im Wohnzimmer der Armen. Ich möchte hier jetzt keine Grundsatzdebatte führen. Aber bei meiner Recherche für diesen Artikel bin ich auf einige Reiseblogs gestoßen, die geführte Touren durch Katutura offensiv empfehlen. Für mich persönlich fühlt sich das oft nach Effekthascherei an oder nach einem moralisch aufgeladenen „Wir tun doch etwas Gutes“-Narrativ, das man zumindest hinterfragen sollte. Warum ich das an dieser Stelle überhaupt erwähne: Von eigenständigen Besuchen in Katutura wird dringend abgeraten – erst recht, wenn du alleine unterwegs bist. Das gilt insbesondere für Frauen.

Sehenswürdigkeiten in Windhoek

Windhoek liegt auf rund 1.650 Metern über dem Meeresspiegel, mitten im zentralen Hochland Namibias, eingebettet ins weitläufige Khomas-Hochland. Hier sitzen Regierung, Ministerien, internationale Organisationen und die wichtigsten Banken des Landes. Erstaunlicherweise kann jedoch niemand so genau sagen, wie viele Menschen hier eigentlich leben. Rund 430.000 sollen es aktuell sein. Für afrikanische Verhältnisse wirkt Windhoek damit fast schon „kleinstädtisch“. Dass die Zahlen nur geschätzt sind, liegt unter anderem daran, dass es keine klassische Registrierungspflicht innerhalb der Stadt gibt. Durch die Lage im Hochland ist das Klima sehr trocken. Regen fällt, wenn überhaupt, meist nur zwischen Januar und März, und selbst dann eher sporadisch. Dennoch verfügen selbst die billigen Absteigen über einen Pool. Was du in Windhoek auf keinen Fall unterschätzen solltest, ist die Trockenheit. Lippenpflege, Bodylotion und gute Haarpflegeprodukte sind notwendig, weil dir buchstäblich alles austrocknet. Und während deines Stadtbesuchs gilt vor allem eines: trinken, trinken, trinken.

Christkuskirche: Das Herz der Hauptstadt

Sie prägt das Stadtbild Windhoeks wie kaum ein anderes Bauwerk: die zwischen 1907 und 1910 errichtete Christuskirche. Irgendwie etwas ungünstig mitten in einem vielbefahrenen Kreisverkehr gelegen, ist sie zwar das meistfotografierte Motiv der Stadt, ihre Öffnungszeiten bleiben für mich jedoch weiterhin ein Mysterium. Auch ich stand bei nahezu jedem meiner Besuche vor verschlossenen Türen. In der Regel öffnet sie sonntagvormittags zu den Gottesdiensten, gelegentlich wohl auch mittwochs am Morgen. Verlässlich planen sollte man damit jedoch wie so oft in Namibia nicht. Ein Hinweis noch aus eigener Erfahrung: Vor der Kirche wirst du häufig von Männern in neongelben Warnwesten angesprochen, die um Spenden bitten. Dabei handelt es sich nicht um offizielle Vertreter der Kirche. Meist geht es um angebliche Veranstaltungen, die angeblich bald in der Christuskirche stattfinden sollen. Einige sprechen sogar Deutsch, was die Situation für viele Reisende zunächst vertrauenswürdig wirken lässt. Aktuell tut die Windhoeker Polizei nichts gegen diese Betrugsmasche.

Strahlend blauer Himmel über der wie fast immer geschlossenen Christuskirche – ein vertrauter Anblick.

Die Erbauungsjahre der Christuskirche fallen in die Zeit der deutschen Kolonialherrschaft. Heute gilt sie als Symbol des Friedens zwischen Deutschen und Namibiern nach 1915 und ist zugleich ein sichtbares Relikt dieser Epoche. Seit der Missionierung während der Kolonialzeit gehört ein Großteil der namibischen Bevölkerung dem Christentum an. Architektonisch ist die Kirche besonders interessant. Denn sie verbindet neugotische Elemente mit Einflüssen des Jugendstils. Eine eher ungewöhnliche Kombination. Der 42 Meter hohe Turm besteht aus Quarzsandstein, der von der rund 30 Kilometer entfernten Guche-Ganus-Farm stammt. Portal und Altar wurden aus Marmor gefertigt. Die bunten Glasfenster im Altarraum wurden von Kaiser Wilhelm II. gestiftet und in Nürnberg hergestellt. Auch die Orgel hat eine weite Reise hinter sich, sie stammt aus Ludwigsburg. Die Christuskirche befindet sich zwischen dem Parlamentsgebäude, dem sogenannten „Tintenpalast“, und dem Unabhängigkeitsmuseum und steht damit sinnbildlich genau zwischen kolonialer Vergangenheit und moderner namibischer Staatlichkeit.

Unabhängigkeits-Museum

Wenige Gehminuten entfernt, eigentlich nur durch eine ziemlich lebensgefährliche Straßenüberquerung am Kreisverkehr getrennt, liegt das Independence Memorial Museum. Es erzählt von Namibias Geschichte, der deutschen Kolonialzeit, vom gewaltsamen Widerstand, von der südafrikanischen Verwaltung und schließlich vom langen Weg zur Unabhängigkeit. Der goldschimmernde Bau steht dabei in starkem architektonischem Kontrast zu den kolonialen Gebäuden ringsum und genau deshalb wird er in der Bevölkerung bis heute kontrovers diskutiert. Eröffnet wurde das Museum 2014, vier Jahre später als ursprünglich geplant. Im Zentrum stehen der Befreiungskampf und Persönlichkeiten wie Sam Nujoma. Der Eintritt ist kostenlos, was ich als starkes Zeichen in einem Land empfinde, in dem man sonst mit jedem Stock und Stein versucht, irgendwie Geld zu machen. Mich persönlich haben vor allem die Fotografien, Ausstellungsstücke und Tonbandaufnahmen tief berührt. Zwischen den Texttafeln und historischen Bildern wird spürbar, wie jung dieser Staat eigentlich ist und wie viel Schmerz, Widerstand und Unterdrückung wirklich in seiner Geschichte liegen.

Ein Museumsbesuch, der unter die Haut geht.

Allerdings wurde der Bau des Independence Memorial Museum lange nicht von allen Namibiern ausschließlich positiv aufgenommen. Kritisiert wurde unter anderem, dass die Entscheidung zum Bau ohne vorherige Volksabstimmung getroffen wurde und dass das rund 40 Meter hohe Gebäude das Stadtbild Windhoeks deutlich verändert. Gerade im historischen Zentrum, zwischen Christuskirche und Tintenpalast, wirkt der moderne Bau sehr präsent. Für zusätzliche Diskussionen sorgte außerdem die Tatsache, dass das Museum vom nordkoreanischen Unternehmen Mansudae Overseas Projects geplant und errichtet wurde. In Namibia stieß diese Zusammenarbeit auf Kritik, sowohl wegen der politischen Situation in Nordkorea als auch vor dem Hintergrund der hohen Arbeitslosigkeit im eigenen Land. Gleichzeitig muss man sagen: Es ist in Namibia durchaus üblich, dass größere Infrastrukturprojekte von ausländischen, häufig asiatischen, insbesondere chinesischen Bauunternehmen umgesetzt werden. Oft fehlen lokal schlicht die technischen Kapazitäten oder finanziellen Strukturen für Projekte dieser Größenordnung.

Und dann gibt es natürlich noch die Kritik der Deutsch-Namibier, die sagen, Deutsche Kolonialakteure würden in der Ausstellung pauschal dämonisiert werden und ihre Perspektive dabei vollkommen ignoriert. Einen beispielhaften Artikel dazu findest du hier; Unabhängigkeitsmuseum: Stätte der Arroganz und Ignoranz.

Tintenpalast

Der sogenannte „Tintenpalast“ ist das Parlamentsgebäude Namibias und somit eines der wichtigsten historischen Bauwerke im Zentrum Windhoeks. Dabei ist er architektonisch im Vergleich zu den umliegenden Gebäuden eher zurückhaltend. Bei meinem ersten Windhoek-Besuch habe ich ihn schlichtweg übersehen. Errichtet wurde er zwischen 1912 und 1913 während der deutschen Kolonialzeit. Bauherr war übrigens niemand anders als der Großvater meines deutsch-namibischen Chefs der Gästefarm Düsternbrook. Der Spitzname „Tintenpalast“ geht auf die vielen Verwaltungsbeamten zurück, die hier einst mit Akten und natürlich viel Tinte arbeiteten. Heute tagt hier das namibische Parlament und obwohl Namibia vor allem in Sachen Verwaltung oft hinterher hinkt, sind die Zeiten der Tinte wohl auch hier endgültig vorbei.

Blick auf den Tintenpalast von der Robert Mugabe Avenue.

Das Gebäude liegt eingebettet in die gepflegten Parlamentsgärten mit ihren Palmen, Rasenflächen und schattigen Wegen, die tagsüber für Besucher geöffnet sind und auch als „grüne Lunge“ Windhoeks bezeichnet werden. Anders als etwa beim Deutschen Bundestag ist der Zugang zum Inneren des namibischen Parlaments in der Regel nicht öffentlich möglich. Auch Führungen werden normalerweise nicht angeboten, da es sich um ein aktives Regierungsgebäude handelt.

Geschichtsrundgang auf der Alten Feste

Die Alte Feste ist das älteste Gebäude der namibischen Hauptstadt und ebenfalls ein Relikt aus der deutschen Kolonialzeit. Du siehst, die Spuren deutscher Kolonialgeschichte finden sich in Windhoek wirklich überall. Sie wurde 1890 als militärische Schutztruppe-Festung errichtet und diente zunächst als Hauptquartier der deutschen Kolonialverwaltung in Deutsch-Südwestafrika. Architektonisch wirkt sie wie eine kleine Festung mit Innenhof, dicken Mauern und erhöhter Lage. Von hier oben hatte man damals strategisch einen guten Überblick über das Tal, in dem sich später Windhoek entwickelte – Betonung liegt auf hatte, denn heute ist die Alte Feste für Besucher geschlossen. Nur der Innenhof, indem sich auch das Reiterdenkmal befindet, ist weiterhin zugänglich. Lange Zeit beherbergte sie ein Museum zur namibischen Geschichte. In den letzten Jahren war sie jedoch immer wieder geschlossen bzw. nur eingeschränkt zugänglich, da über eine neue Nutzung diskutiert wird. Die Alte Feste ist heute Teil der Debatte darüber, wie Namibia mit seinem kolonialen Erbe umgehen sollte.

Heroes‘ Acre

Etwa zehn Kilometer südlich von Windhoek, gut sichtbar auf einem Hügel entlang der B1, liegt der Heroes’ Acre, zu deutsch Heldenacker. Das nationale Denkmal wurde 2002 eröffnet und erinnert an die Gefallenen und Persönlichkeiten des namibischen Befreiungskampfes. Insgesamt 174 Grabstätten verteilen sich auf der Anlage, darunter auch 50 Namibier, denen offiziell staatlicher Heldenstatus verliehen wurde. Schon von weitem fällt der hohe Obelisk ins Auge, der das Zentrum der Anlage bildet. Eine lange, symmetrisch angelegte Treppe führt hinauf zu einer monumentalen Bronzestatue eines Soldaten. Regelmäßig werden am Heroes‘ Acre staatliche Gedenkfeiern abgehalten mit dem Ziel, das historische Erbe auch an zukünftige Generationen Namibias weiterzugeben.

Souvenirs & Safari-Ausrüstung Shoppen

Zugegeben, meine Reit- und die meisten Safarisachen hatte ich schon vor Abreise nach Namibia besorgt. Aber die winterlichen Temperaturen im Khomas Hochland hatte ich komplett unterschätzt. Also stand ich irgendwann in einem der vielen Outdoorgeschäfte der Grove Mall und kaufte mir eine Jacke. Falls du nach dem dritten Anprobieren von grünen, unisex Safarioutfits dann keine Lust mehr auf Kleidung hast: Das Café rechts direkt am Eingang hat fantastische Riesenmuffins. Alternativ lohnt sich auch die Maerua Mall mit bekannten Modeketten, Juwelieren und großen Supermärkten. Mr Price wurde übrigens zu einem meiner liebsten Modegeschäfte und bei Checkers versorgte ich mich regelmäßig mit den besten Vetkoeks des Landes. Ich fühlte mich nach Wochen des Farmlebens bei meinen Ausflügen nach Windhoek und in die Zivilisation dann oft so (zumindest stelle ich es mir so vor), wie die Muslime nach wochenlanger Pilgerreise nach Mekka.

Souvenirs kaufst du am besten in einem der Craft Center, in kleineren Souvenirshops oder, wenn du gerne handelst, auf dem Craft Market direkt an der Independence Avenue. Dort verkaufen Himbas und andere Bevölkerungsgruppen ihre Waren.

Das Leben der Himba lernte ich persönlich im Mungunda Camp and Living Museum im Kaokeveld kennen.

Für mich wirkten einige der Verkaufsstücke allerdings weniger handgemacht, als sie auf den ersten Blick erscheinen sollten. So richtig verliebt habe ich mich stattdessen ins Namibia Craft Centre, etwas versteckt in der Tal Street gelegen. Hier stellen verschiedene Künstler ihre Werke aus, darunter hochwertige Holzschnitzereien afrikanischer Wildtiere, Schmuck und Accessoires, Lederwaren, Textilien und zwischendrin gibt es auch ein kleines Café. Fast alle meine Souvenirs habe ich hier gekauft. Praktisch ist außerdem, dass du sowohl bar als auch mit Kreditkarte zahlen kannst und die Preise fest sind.

Fazit

Ich habe mich beim Schreiben dieses Blogbeitrags regelmäßig gefragt, ob ich vielleicht eine Windhoeker Sehenswürdigkeit vergessen habe (hatte ich tatsächlich, den Heroes‘ Acre), weil ich im Vergleich zu anderen Hauptstadt-Artikeln so wenig zu schreiben hatte. Das politische und wirtschaftliche Zentrum Namibias bietet vielleicht nicht die schiere Fülle an Attraktionen, die du sie aus anderen Städten kennst. Aber da ohnehin fast jede Namibia-Reise hier beginnt oder endet, lohnt es sich, ein wenig zu bleiben. Es führt ja eh kein Weg daran vorbei. Windhoek mag klein, deutsch geprägt und ein bisschen staubig sein – nichtssagend ist die Stadt deshalb noch lange nicht, egal was andere Reiseblogger behaupten. Die sichtbaren Spuren der deutschen Kolonialzeit, einer der bekanntesten Biergärten des südlichen Afrikas, das Nebeneinander von modernen Glasfassaden und historischen Gebäuden, vor denen die Himbas ihre Stände mit Holzschalen und Armbändchen aufgebaut haben, ergibt ein Stadtbild, das man so kein zweites Mal findet. Windhoek hat so viele spannende Facetten. Auch wenn man nicht jede davon als Tourist unbedingt erleben haben muss, besonders wenn sie ins Township der Stadt führen.

Was mich am meisten fasziniert hat, ist die unmittelbare Nähe zur Wildnis. Die umliegenden Game Reserves, das Khomas-Hochland und die Paviane am Straßenrand auf dem Weg vom Flughafen ins Zentrum. Gerade sie erinnerten mich daran, dass ich tatsächlich in Afrika war. Ganz gleich, wie deutsch manche Straßennamen auch klingen.

Weitere Artikel über das Reisen in Namibia:

-Folgen bald- (Versprochen)

GEFÄLLT DIR MEIN BLOG?

→ Folge mir auf InstagramFacebook und Youtube
→ Melde dich für den Newsletter von Horseshoe Travel an:

Avatar von Unbekannt

Verfasst von

Hi, ich bin Nadine, 27 Jahre alt und komme ursprünglich aus Köln. Seit einer 8-monatigen Soloreise durch Asien nach dem Abitur hat mich das Reisefieber gepackt. Gemeinsam mit meinem Hund Gismo war ich auf zahlreichen Roadtrips durch Europa bis nach Nordafrika unterwegs. Nach seinem Tod reise ich nun wieder viel mit dem Backpack durch ferne Länder. Hier auf meinem Blog Horseshoe Travel verbinde ich meine beiden großen Leidenschaften: das Reisen und das Reiten – und das schon seit 2016!

Hinterlasse einen Kommentar