Etosha. Wo Löwe, Elefant, Springbock und Zebra zuhause sind. Wo Namibia-Neulinge ihre ersten Safariabenteuer erleben und selbst erfahrende Afrikareisende von der Größe der gigantischen Tierherden überwältigt sind. Wo eine riesige Salz- und Lehmpfanne von rund 4.800 km² das Herz des Parks bildet, die sogar noch aus dem Weltall zu sehen ist. Wo die Sichtungschancen für Großwild und Raubkatzen so hoch sind, wie kaum sonst irgendwo in Namibia. „Großer weißer Platz“ bedeutet Etosha in der Sprache der Ovambo – eine direkte Anspielung auf die Salzpfanne und das riesige Gelände des ältesten Nationalparks des Landes. Wieso die größte Gefahr für Löwenbegegnungen eigentlich außerhalb des Parks liegt, sich Breit- und Spitzmaulnashorn fast nie begegnen und was es wirklich mit dem schlechten Ruf der Etosha-Lodges auf sich hat, erfährst du in diesem Artikel.
Überblick über den Etosha-Nationalpark
Der Park liegt im Nordnamibia in einer Übergangszone zwischen Trockensavanne und Halbwüste am Nordwestrand des Kalahari-Beckens. Mit 22.270 km² bildet Etosha das zweitgrößte Schutzgebiet Namibias (nach dem Namib-Naukluft-Nationalpark) und ist Heimat für eine Vielzahl an Tieren und Pflanzen. Insgesamt 114 verschiedene Säugetier-, 400 Vogel-, 110 Reptilien-, 16 Amphibienarten und ein Fisch (der Prachtkärpfling) sind im Etosha-Nationalpark bereits gesichtet worden. Auch vier Vertreter der Afrikanischen Big 5 sind hier beheimatet – Löwe, Elefant, Leopard und Nashorn. Kaffernbüffel hingegen findest du nur in der Caprivi-Region, da sie Träger der Maul- und Klauenseuche seien können und deshalb weder südlich der Veterinärgrenze vorkommen, noch dorthin umgesiedelt oder importiert werden dürfen. Als ich von den Epupa-Wasserfällen zum Etosha fuhr, musste auch ich an der Veterinärgrenze halten. Hier wird dein Fahrzeug durchsucht, manchmal musst du auch durch ein Reinigungsbecken fahren und es darf kein Fleisch ein- oder ausgeführt werden. Ein riesiger Fisch aus dem Cubango-Fluss, den ich einer Kollegin mitbringen wollte, war aber okay. Aber erst nachdem die Beamten mir diesen erfolglos versuchten hatten abzuschwatzen.

Etwa 200.000 Touristen besuchen den Etosha-Park jährlich. Schlagzeilen machte ein verheerender Vegetationsbrand am 22. September 2025, der knapp 34 Prozent der Grasflächen zerstörte. Im vorherigen Jahr hatte der Abschuss von Plain Game (darunter Zebras, verschiedene Antilopenarten und Warzenschweine) für Aufmerksamkeit gesorgt, da ihr Fleisch aufgrund der extremen Trockenheit als Nahrung für Menschen in den umliegenden Dörfern gebraucht wurde. Dies reduzierte jedoch auch den Konkurrenzdruck um die knappen Grasflächen im Park.
Geschichte des Parks
Lange bevor Etosha überhaupt unter Schutz gestellt wurde, war das Gebiet Lebens- und Nutzraum verschiedener Bevölkerungsgruppen, darunter Ovambo-, Haiǁom- und Herero-Gruppen. Ende des 19. Jahrhunderts hatten Kolonialakteure und europäische Großwildjäger die bedenkenlose Wilderei in der Region dermaßen auf die Spitze getrieben, dass die einst zehntausend Tiere zählenden Antilopenherden weitgehend verschwunden waren. Großwild wie Elefanten gab es bereits seit 1880 nicht mehr in der Region. Ausgerechnet der Gouverneur von Deutsch-Südwestafrika, Friedrich von Lindequist, war derjenige, der am 22. März 1907 das Naturschutzgebiet des heutigen Etosha-Nationalparks ausrief. Dieses war mit 99.526 km² damals fast fünfmal so groß, wie der heutige Park. Tatsächlich führten die Schutzmaßnahmen zu einer langsamen Regeneration der Wildbestände. Zugleich wuchs aber auch der Landbedarf der hier lebenden Volksstämme und der zugewanderten weißen Siedler. In Folge dessen reduzierten Grenzziehungen, Farmgründungen und politische Entscheidungen das ursprüngliche Schutzgebiet erheblich.

Heute entspricht die Fläche des Etosha-Nationalpark etwa der von Hessen. Im Jahr 1973 wurde der Park zum Schutz vor Wilderei komplett eingezäunt. Immer noch fallen aber besonders Nashörner der illegalen Wilderei zum Opfer. Im Jahr 2024 waren es insgesamt 46 Breit- und Spitzmaulnashörner. Langfristig ist das Ziel, den Etosha-Nationalpark noch über seine ursprüngliche Größe hinaus zu erweitern. Dafür soll er mit dem Kaokeveld und dem Skeleton Coast-Nationalpark zusammengeschlossen werden. Hätte man ihn doch einfach in seiner ursprünglichen Form geschützt und sich das ganze Hin und Her erspart.
Besonderheiten in Etosha
Eine Besonderheit und gleichzeitig ein großer Vorteil des Etosha-Nationalparks sind die Schotterpisten. Tatsächlich brauchst du im Gegenteil zu den Parks im Caprivi, kein Allradfahrzeug. Obwohl besonders die Hauptstraßen zwischen den Lodges in einem relativ guten Zustand sind, gilt eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 60 km/h auf geteerten Straßen. In der Regel fährst du aber sowieso nie schneller als 30 km/h.
Der Etosha-Park ist für seine diverse Tier- und Pflanzenwelt bekannt. Tatsächlich findest du hier die größte freilebende Population an Spitzmaulnashörnern. Übrigens kommt es super selten vor, dass sich Breit- und Spitzmaulnashörner über den Weg laufen. Sie nutzen zwar häufig dieselben Wasserlöcher, bevorzugen aber unterschiedliche Uhrzeiten. Apropos Wasserlöcher – es gibt im Park keine fließenden Gewässer, sodass die Tiere außerhalb der Regenzeit auf die natürlichen und künstlichen Wasserstellen angewiesen sind. Gegen Ende der Trockenheit versiegen die natürlichen Wasserstellen weitesgehend und es versammelt sich mehr Wild an den künstlichen Wasserstellen. Aus der Salzpfanne trinkt übrigens kaum ein Wildtier. Die meiste Zeit des Jahres ist sie ausgetrocknet und bei Regen führt sie nur flaches, stark salzhaltiges Wasser.

Besonders Familien besuchen auf ihrer Namibia-Reise gerne den Etosha, da diese Region während der Trockenzeit von Mai bis September ein sehr geringes Malarira-Risiko birgt. In der Regenzeit von November bis April steigt zwar das Malaria-Risiko, in der Regel ist guter Moskitoschutz aber ausreichend (Moskitoschutz auf Reisen). Informiere dich dennoch vor Antritt der Reise bei einem Facharzt über eine mögliche Vorsorge. Anders als in den abgelegenen Parks in Nordnamibia findest du im Etosha außerdem eingezäunte Toiletten, Tankstellen (die jedoch meist keinen Treibstoff führen), sowie Shops und Restaurants auf dem Gelände der Lodges.
Reiseinformationen
Anreise & Lage
Du erreichst den Etosha-Nationalpark von Windhoek kommend in ca. 5-6 Stunden über die B1 und C38. Planst du mehrere Tage im Park unterwegs zu sein, tanke sicherheitshalber voll und decke dich, z. B. in Tsumeb oder Otjiwarongo, mit ausreichend Lebensmittel ein. Der Park verfügt über vier Tore: Das am häufigsten genutzte ist das Anderson Gate im Süden, das du von Windhoek kommend durchquerst. Vom Kaokeveld kommend (auch für Reisende aus dem Damaraland oder der Skeleton Coast) erreichte ich den Park durch das Galton Gate im Westen. Reisende, die auf einer Ost-West-Durchquerung unterwegs sind, gelangen meist über das Von Lindequist Gate im Osten in den Park. Seltener genutzt wird das King Nehale Gate im Norden. Üblich ist die Anreise per Auto, es gibt aber auch einige Charterflüge aus der Hauptstadt. Luxuslodges wie Mokuti Etosha Lodge oder Ongava verfügen über eigene Flugplätze.
Tickets & Öffnungszeiten
Egal durch welches Tor du einreist, die Regeln sind überall gleich:
- Die Gate’s öffnen in der Regel bei Sonnenaufgang und schließen bei Sonnenuntergang.
- Gebühren: Eintrittsgelder werden pro Person (150 NAD pro Tag) und pro Fahrzeug (50 NAD) pro Tag erhoben. Kinder unter 16 Jahren besuchen den Park kostenlos.
- Dokumente: Aufgrund der Wilderei muss jeder Reisende seinen Reisepass und manchmal auch Fahrzeugschein vorlegen.
- Plastiktüten mit Henkeln sind im Park verboten. Je nachdem an welchem Tor und zu welcher Uhrzeit du in den Park willst, wird dein Fahrzeug tatsächlich untersucht.
Die beste Reisezeit & Reisedauer
Generell ist Etosha ganzjährig gut zu bereisen. Selbst in der Regenzeit sind die Wege ohne Probleme befahrbar. Allerdings verändert sich je nach Jahreszeit das Naturerlebnis deutlich. Zum ersten Mal besuchte ich den Park im Februar, also während der Regenzeit (November bis April). Grasfelder, Savannenlandschaft und Trockenwälder erblühten so tiefgrün, wie es in dieser Region selten zu sehen ist. Während der Regenzeit springen die Jungtiere durch den Park, Flamingos brüten am Rande der Salzpfanne und Tierbeobachtungen wirken allgemein entspannter, weil kein Konkurrenzkampf um Wasser und Grasflächen entsteht. Allerdings steigen besonders zum Jahresende die Temperaturen und da die Tiere genügend Pfützen und feuchte Blätter in den Büschen finden, werden Sichtungen seltener. Elefanten ziehen sich häufig tief in den Park zurück.

Als beste Zeit für Tierbeobachtungen gilt daher die Trockenzeit (Mai bis Oktober). Die Vegetation wird spärlicher, was die Sichtungschancen erhöht. Raubkatzen, Hyänen und Schakale folgen den großen Herden über die weiten, offenen Flächen und Tiere sammeln sich ganztägig an den Wasserlöchern. Besonders während der europäischen Sommerferien gilt Hochsaison, Unterkünfte sind weit im Vorhinein ausgebucht, Preise steigen und die Wege im Etosha füllen sich.

Je nachdem wieviel du vom Park sehen möchtest, solltest du mindestens 3-5 Tage einplanen. Wer wirklich das gesamte Etosha-Wegenetz abfahren möchte, kann locker eine ganze Woche hier verbringen. Meine Mutter und ich entschieden uns, 2 Nächte in der Etosha King Nehale Lodge zu übernachten und von dort die Game Drive’s zu unternehmen. Denn oft haben sich meine Reitgäste auf Kambaku oder Düsternbrook im Nachhinein beklagt, dass sie sich in zu kurzer Zeit zu viel vorgenommen haben. Unterschätze die Distanzen auf keinen Fall:
- Okaukejo – Halali: 70 km
- Okaukejo – Namutoni: 143 km
- Halali – Namutoni: 73 km
- Okaukejo – Olifantrus: 130 km
- Galton Gate – Olifantrus: 62 km
Tipps für Unterkünfte im und außerhalb des Parks
Im Park gibt es die staatlichen Unterkünfte: Okaukuejo, Namutoni, Halali, Dolomite und Onkoshi. Alle bieten sie Zimmer und Chalets sowie einfache Stellplätze an. Die Unterkünfte im Park gelten jedoch als überteuert, in die Jahre gekommen und leider erlebte auch ich während Lunchstopps in den Camps, so einige Mitarbeiter als sehr unfreundlich. Dafür bieten besonders Halali und Okaukuejo wunderschöne Wasserstellen, die in der Trockenzeit zum Sonnenuntergang von zahlreichen Tieren frequentiert werden. Außerdem kannst du früher am Morgen aufbrechen, als die Besucher, die außerhalb des Parks übernachten. Alle Unterkünfte im Park bieten zudem Nachtsafaris an, bei denen du die seltene Möglichkeit hast, nachtaktive Tiere wie Stachelschweine, Honigdachse, Leoparden oder Ginsterkatzen aufzuspüren.
Die privaten Lodges außerhalb der Parks bieten mehr Komfort und Luxus und verfügen zudem, wie Onguma, Ongava oder Mushara, auch über eigene Wildbestände. Tatsächlich hat mir ein Guide aus Onguma erzählt, dass ganze Löwenrudel regelmäßig ihre Reviere zwischen dem Onguma Reservat und dem Etosha-Nationalpark verlagern. Niemals solle ich bei Dämmerung zwischen den beiden Reservaten aussteigen. Eigentlich auch den Rest des Tages nicht, wenn mir mein Leben wichtig sei. Empfehlen kann ich dir:
- Etosha King Nehale Lodge – wenige Kilometer vom King Nehale Gate entfernt, liegt diese von Gondwana betriebene Lodge. Sie bietet Halb- und Ganztagessafaris und besitzt ein privates Wasserloch abseits der Wege, wo wir an unserem ersten Nachmittag nicht nur auf ein Rudel Löwen, sondern auch eine riesige Elefantenherde stießen. Beim abendlichen Buffet wird Wildfleisch von Gnu, Kudu, Oryx und Impala aufgetischt und jeder Bungalow verfügt über einen eigenen kleinen Pool. Eine der schönsten Unterkünfte, in der ich in Namibia je übernachtet habe.


- Etosha Village Campsite – so schlecht das Internet dieser Unterkunft, so wunderschön die geräumigen Stellplätze unter dem afrikanischen Sternenhimmel. Zum nächstgelegenen Anderson Gate sind es nur wenige Kilometer, sodass du morgens früh einer der Ersten sein kannst, der sein Ticket kauft. Außerdem gibt es ein üppiges Buffet und das schönste was Afrika zu bieten hat – eine Nacht unter freiem Himmel.
Das Okaukuejo Resort verfügt übrigens über einen eigenen Livestream an seinem Wasserloch:
Selbstfahrer oder Tour buchen?
Wenn ich diese Frage nun beantworte, ist der Artikel eigentlich beendet. Doch ganz so einfach ist es leider nicht. Ich war im Chobe-Nationalpark in Botswana, im Caprivi-Zipfel und auch einmal im Etosha rund um Okaukuejo alleine als Selbstfahrerin unterwegs. Der Etosha-Park ist mit seinen Wegmarkierungen, Parkkarten (die kriegst du im Caprivi auch, viele Wege existieren nur einfach nicht mehr) und den Camps im Park eigentlich wie gemacht für Selbstfahrer-Touren. ABER es ist eben so, dass die lokalen Guides den Park wie ihre Westentasche kennen und sich vor allem gegenseitig über Tiersichtungen informieren. Einer meiner Kollegen aus Kambaku war Teil einer Whatsapp Gruppe, in der Tiere nummeriert waren (alle außer dem Rhino, dessen Standort durfte aufgrund der Gefahr durch Wilderer gar nicht durchgegeben werden), und ihre Sichtungen gemeldet wurden – Nr. 1 in Groot Okevi gesehen, Nr. 2 in Wolfsnes, etc. Du verstehst das System dahinter. Leider wirst du als Selbstfahrer nicht Teil solcher Gruppen.

Ich empfehle dir daher die Buchung einer Tour. Jedes staatliche Camp im Park und auch die Lodges außerhalb, bieten Game Drives (ab 650 NAD p. P) an. Zudem kannst du über Plattformen wie Gondwana, Viator oder Getyourguide ganz bequem Safaris buchen, die häufig direkt in Windhoekt starten und dich anschließend auch wieder dorthin zurückbringen. Je nach Jahreszeit kann es morgens und abends im offenen Jeep übrigens ziemlich kalt werden. Packe daher unbedingt eine Jacke ein. Oft verteilen die Guides auch gefütterte Ponchos zum Überziehen.
Route als Selbstfahrer
Seit Anfang 2014 ist der gesamte Etosha-Nationalpark für Touristen zugängig. Zuvor war nur der östliche Teil für Selbstfahrer geöffnet, während der Westen rund um Camp Dolomite und Olifantrus nur mit Guide befahrbar war. Bis heute gilt der Westen Etoshas jedoch als der wildere, der unberührte, der, dessen Anfahrt vielen Touristen schlichtweg zu weit ist. Die Tierdichte gilt hier als geringer, dafür erlebst du eine Abgeschiedenheit und Ruhe, die es sonst im Park kaum noch gibt. Denn die meisten Autos tummeln sich im Süden zwischen Anderson Gate und Okaukuejo. Hier befinden sich die Wasserlöcher Nebrownii und Okondeka, die besonders bei Nashörnern, Giraffen und Zebras beliebt sind.

Im Osten rund um Namutoni findest du eine abwechslungsreiche Landschaft. Auf den weitläufigen Grasfeldern leben die großen Herden, rund um die Dornbuschsavanne gibt es zahlreiche Wasserlöcher und im Schatten der Trockenwälder entdeckst du mit etwas Glück ein Löwenrudel, eine Gepardenfamilie oder sogar einen Leopard auf den Ästen. Völlig unterschätzt ist der Norden rund um das King Nehale Gate. Nirgendwo im Etosha hatte ich je so viel Glück, wie in dieser Ecke des Parks: Dreimal hintereinander Löwensichtungen, riesige Elefantenfamilien, seltene Geierarten oder Tüpfelhyänen. Vielleicht lag es aber auch an meiner Mama, die erst wenige Tage zuvor aus Deutschland angereist war. Safariguides sprechen in diesem Kontext vom „Anfänger-Glück auf Safari“, wenn Safari-Neulinge bei ihren ersten Pirschfahrten scheinbar besonders spektakuläre Tiersichtungen machen. Egal ob Selbstfahrer oder Tourenteilnehmer – im Etosha gilt ein absolutes Verbot außerhalb von Camps und ausgewiesenen Picknick-Plätzen das Auto zu verlassen. Auch zu weit aus dem Fenster lehnen bei Tiersichtungen wird nicht gerne gesehen.
Mein Reisetipp: Unbedingt eine Karte des Parks besorgen – gibt es meist an der Rezeption der Lodges. In ihr findest du nicht nur sämtliche Wege, Camps, Wasserlöcher und Entfernungen verzeichnet, es gibt auch Bilder der heimischen Tiere des Parks. Diese kannst du nach Sichtungen gleich abhaken.
Meine persönlichen Safari-Tipps
Insgesamt vier Mal habe ich den Etosha-Nationalpark besucht. Zwei Mal als Tagestour während der Regenzeit (Februar & März) mit einem Guide vom Kambaku Wildlife Reserve. Dann auf dem Weg von den Epupa Falls in Richtung Windhoek (Mai) auf eigene Faust und schließlich Anfang September mit meiner Mutter auf mehreren aufeinanderfolgenden Tagestouren. Während all dieser Besuche bin ich an Erfahrungen und Wissen über die Tierwelt im ältesten Nationalpark Namibias reicher geworden, die ich im Folgenden mit dir teilen möchte:
Die richtige Uhrzeit
Ein ganz wichtiger, wenn nicht vielleicht mein wichtigster Safaritipp – die richtige Tageszeit. Die kurzen Nächte auf Safari lohnen sich, denn die Dämmerung während der frühen Morgen- und Abendstunden ist in der Regel die ergiebstige Zeit für Tiersichtungen. Wenn Mittags die Sonne vom Himmel brennt, ziehen sich viele Tiere zwischen die schattigen Büsche zurück und oft ist auch das Licht zu grell zum Fotografieren. Früh morgens kannst du im Etosha mit etwas Glück Löwen entdecken, die noch die Reste ihrer nächtlichen Jagd verspeisen. Unüblich für Raubkatzen ist übrigens das Verhalten der Geparden. Sie sind tagaktiv, um den anderen größeren Räubern Afrikas, wie Löwen, Leoparden und Hyänen, die nacht- und dämmerungsaktiv sind, aus dem Weg zu gehen. Diesen sind sie körperlich nämlich weit unterlegen. Außerdem verlassen sie sich ganz auf Sehjagd statt Kraft, dafür ist gutes Tageslicht entscheidend.

Am späten Nachmittag werden die Wasserlöcher im Park häufig von großen Elefantenfamilien frequentiert, die zum Trinken und Baden herkommen. Alle anderen Tiere, die zu der Zeit zufällig auch Durst haben, müssen solange eben warten. Breit- und Spitzmaulnashörner treffen hier übrigens selten aufeinander. Sie trinken zu unterschiedlichen Tageszeiten und bevorzugen zudem unterschiedliches Terrain: Breitmaulnashörner sind Grasfresser und halten sich daher viel auf offenen Ebenen mit kurzen Gräsern auf, wohingegen Spitzmaulnashörner sogenannte Browser, also Blätter-, Zweig- und Strauchfresser sind.
Austausch mit anderen Fahrern
Häufig machen sich Tiersichtungen als erstes an einer Vielzahl geparkter Autos und gezückter Kameras bemerkbar. Siehst du also mehrere Autos in eine Richtung brausen oder hintereinander parken, lohnt es sich manchmal, ihnen zu folgen und nach dem Ziel der Begierde Ausschau zu halten. Auch kannst du entgegenkommenden Fahrzeugen mit einer Lichthupe ein Signal zum Anhalten geben und dich mit dem anderen Fahrer über bisherige Sichtungen austauschen. Die Guides machen das die ganze Zeit.
Sich über alle Sichtungen freuen
Eine der goldenen Regeln auf Safari: Suchst du nach einem bestimmten Tier, findest du es sowieso nicht. Ich bin in Vorbereitung auf meine Reise auf Blogs und Youtube-Videos über Etosha gestoßen, die mich ziemlich verärgert haben. Ich verlinke dir jetzt keine Beispiele, um diesen Leuten nicht noch unnötig Reichweite zu verschaffen. Aber einige dieser Reisenden haben sich darüber beschwert, wie wenige Tiere sie tatsächlich auf ihrer Safari im Etosha-Park gesehen haben. In der Regel waren sie 1-2 Tage im Park unterwegs, fuhren die großen Wasserlöcher ab und dennoch hielten sich Großwild und Raubkatzen weitestgehend zurück.

Anstatt dir mit einer solchen Einstellung die Reise zu vermiesen, solltest du dich stattdessen einfach über jede Sichtung freuen – egal wie klein das Tier, egal wie kurz der Moment und egal das wievielte Zebra es an diesem Tag ist.
In der Ruhe liegt die Kraft
Lass dir genügend Zeit bei deiner Safari-Tour. Wenn du als Selbstfahrer unterwegs bist, dann fahre langsam durch den Park und bleib auch einfach mal einige Zeit neben den weiten Grasflächen stehen, um die großen Herden und ihr Wanderverhalten zu beobachten. Zu oft habe ich es auf Game Drive’s erlebt, dass Leute regelrecht ungeduldig wurden, wenn der Guide einmal für einige Zeit einfach neben einem Wasserloch hielt. In den Parks im Caprivi habe ich das Auto manchmal einfach neben den grasenden Zebra- und Antilopenherden abgestellt, um ihnen zuzuschauen. Tatsächlich bin ich dabei manchmal sogar eingenickt – fast als wäre ich Teil der Herde.
Genügend Verpflegung
Nicht nur das Auto sollte über ausreichend Treibstoff verfügen, wenn du in den Park fährst – auch du selbst! Besonders als Fahrer ist so eine Safaritour nämlich ganz schön anstrengend. Namibia ist bekannt für die trockene, staubige Luft, dementsprechend viel Wasser solltest du über den Tag verteilt trinken. Bei heruntergekurbelten Autoscheiben trocknen einem Mund und Rachen schnell aus. Zwar kannst du auf dem Gelände der Lodges oder den ausgewiesenen Picknicksplätzen Pausen einlegen, die meiste Zeit verbringst du aber im Auto, das du ja außerhalb dieser gekennzeichneten Flächen auch nicht verlassen darfst. Getränke und Snacks sollten also immer griffbereit sein, vor allem wenn du mit Kindern reist.
Entfernungen nicht unterschätzen
Nicht nur die Unterkünfte sind weit im Park verstreut, je nachdem wo du dich befindest, dauert es auch lange, bis du eines der vier Tore erreichst. Besonders am Abend, preschen viele Autos in einem Affentempo zu den Gates, weil sie sich während des Sonnenuntergangs zu lange an einem Wasserloch aufgehalten und dabei völlig die Zeit vergessen haben. Die Parkranger nehmen die Öffnungszeiten jedoch sehr ernst. Mir ist es nach Sichtung eines Breitmaulnashorns am Ombika Wasserloch auch einmal passiert, dass ich erst kurz vor Schließung am Gate amkam. Im Caprivi erlebte ich eine ähnliche Situation, weil mich die Sichtung einer Löwin in der Dämmerung so fesselte, dass ich mich nicht lösen konnte. Außer mir befanden sich noch zwei Safarijeeps in der Buffalo Area des Babwata-Nationalparks. Da die Guides ebenfalls keine Anstalten machten, den Park zu verlassen, dachte ich, dass sei schon okay. Erst als es tatsächlich zu dunkel zum Fotografieren war, folgte ich ihnen Richtung Parkausgang. Zu meiner Überraschung setzten sie die Touristen aber am Ufer des Cubango-Flusses ab, wo sie von einem Boot zu ihrer Unterkunft direkt auf der anderen Seite des Ufers gebracht wurden. Etwas in Panik erreichte ich in der Dunkelheit schließlich alleine das Tor. Die Schranke war weit geöffnet und die Parkranger längst im Feierabend.

Wenn die Tore des Etosha-Parks schließen, darfst du dich auch nicht mehr auf den Wegen im Park befinden. Wer zu spät auf seiner Lodge ankommt (egal mit welcher Ausrede), muss einige Hundert Namibische Dollar Strafe zahlen.
Meine schönsten Safari-Fotos:










Fazit
Der Etosha-Nationalpark in Nordnamibia ist ein Ort der Extreme. Flimmernde Hitze während der monatelangen Dürre trifft auf nur wenige Wasserlöcher, an denen sich riesige Tierherden versammeln. Die meist blendend weiße und absolut trockene Etosha-Pfanne verwandelt sich nach dem großen Regen kurzfristig in eine flache Wasserlandschaft und bildet einen großen weißen Platz, das Herzstück des Parks. Niemals werde ich den Moment vergessen, als ich sie im Februar zum ersten Mal sah – das Farbspektrum von hellweiß bis tief aquamarinblau ist wirklich einmalig auf der Welt.
Etosha. Ein Ort, an dem es keine großen saisonalen Migrationen wie in der Serengeti gibt, die Tierdichte aber gerade deshalb so hoch ist. Wo in der Hochsaison einfach alle hinreisen und sich im Nachhinein über die demolierten Picknicksplätze, unbenutzbaren Klohäuschen und lieblosen, aber umso teureren staatlichen Camps aufregen. Wo Tiersichtungen zwar nie garantiert sind, außer vielleicht die von Springböcken. Jedoch Löwe, Elefant, Leopard und Nashorn sich denjenigen zeigen, die etwas Anfänger-Glück, Geduld und Freude über jede Art von Sichtung mitbringen. Und wo sich einfach jeder in die Afrikanische Tierwelt verliebt – egal ob nun Selbstfahrer oder Tourenteilnehmer.
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