Lüderitz-Städtetrip: Zwischen Pinguinen & deutscher Kolonialgeschichte

Irgendwo zwischen deutschen Straßennamen, Bäckereien, Jugendstil- und Kolonialarchitektur und einer Kirche, deren Buntglasfenster einst ein Geschenk von Kaiser Wilhelm II. waren, liegt die abgelegene Küstenstadt Lüderitz in Westnamibia. Ein Besuch in Lüderitz fühlt sich ein bisschen an wie eine Reise in eine norddeutsche Küstenstadt. Und doch hat Lüderitzort, wie die Stadt bei ihrer Gründung 1883 noch hieß, ihren ganz eigenen Charme entwickelt. Vielleicht ist es die Rauheit und der fast ganzjährige Wind, der durch den kalten Benguelastrom vom Atlantik her zuverlässig durch die Stadt weht. Vielleicht ist es die Nähe zur Wüste, denn direkt hinter Lüderitz beginnt bereits die Namib, die älteste Wüste der Welt. Oder vielleicht ist es einfach die abgelegene Lage, schließlich sind es bis zur nächsten größeren Stadt, Keetmanshoop, etwa 320 Kilometer durch karge Wüstenlandschaft. Und abgelegen ist auch der südlich von Lüderitz beginnende Tsau-ǁKhaeb-Nationalpark, ein Gebiet, das über mehr als 100 Jahre lang für die Öffentlichkeit gesperrt war, weil hier Diamanten abgebaut wurden. Lüderitz hat einfach einen ganz besonderen Charme – irgendwo zwischen Pinguinen und deutscher Kolonialgeschichte.

Geschichtlicher Rückblick: Deutsches oder portugiesisches Kolonialerbe?

Obwohl Lüderitz oft mit deutscher Kolonialgeschichte assoziiert wird, war es tatsächlich der portugiesische Seefahrer Bartolomeu Dias, der 1487 auf der Suche nach dem Seeweg nach Indien als erster Europäer überhaupt in der Großen Bucht anlegte. Er nannte die Bucht damals Angra Pequena („Kleine Bucht“). Als Zeichen der portugiesischen Entdeckung errichtete Dias auf der Lüderitzhalbinsel ein sogenanntes Padrão, ein steinernes Kreuz mit Wappen. Dieses sollte den Anspruch Portugals auf das neu entdeckte Gebiet symbolisieren. Das Originalkreuz erodierte jedoch über die Jahrhunderte so stark durch Wind, Sand und salzige Meeresluft, dass heute nur noch Fragmente erhalten sind, die eigentlich alles nur kein Padrão darstellen könnten. Aufbewahrt werden sie in Museen in Kapstadt und Lissabon. Im Jahr 1929 wurde an der ursprünglichen Stelle des Padrão eine Nachbildung des Kreuzes errichtet – genau in jenem Jahr, in dem sich Lüderitz erneut im Zentrum eines wirtschaftlichen Aufbruchs befand. Anfang des 20. Jahrhunderts waren in der Umgebung der Stadt nämlich Diamanten entdeckt worden, was quasi über Nacht zu einem regelrechten Diamantenboom in der Region führte. Orte wie die heutige Geisterstadt Kolmanskop, nur wenige Kilometer von Lüderitz entfernt, entwickelten sich innerhalb weniger Jahre zu wohlhabenden Siedlungen mitten in der Wüste. Der Diamantenrausch hatte jedoch auch zur Folge, dass große Teile der südlichen Küstenregion zu einem Diamantensperrgebiet erklärt wurden.

Der Leuchtturm am Diaz Point wurde 1932, fast 500 Jahre nach der Landung von Bartolomeus Dias im Jahr 1487, errichtet.

Während die einheimischen Stämme eher im Inland lebten, wo es fruchtbaren Boden, Flüsse und viel Wild zum Jagen gab, blieb die karge Küste rund um Lüderitz über Jahrhunderte weitgehend unbesiedelt. Dies änderte sich ab 1883, als der deutsche Kaufmann Adolf Lüderitz ein großes Küstengebiet von den lokalen Nama-Führern kaufte. Dieser Handel ging später als „Meilenschwindel“ in die Geschichte ein, weil Lüderitz bei der Vertragsauslegung angeblich deutsche Meilen statt englischer Meilen verwendete und sich so ein deutlich größeres Gebiet sicherte als ursprünglich angenommen. 1884 stellte das Deutsche Reich das Gebiet offiziell unter seinen Schutz und erklärte es als Teil der Kolonie Deutsch-Südwestafrika. Die kleine Siedlung an der Bucht entwickelte sich daraufhin zu einem wichtigen Hafen und wurde zu Ehren ihres Gründers Lüderitz genannt. Aus dem ursprünglichen Handelsplatz entstand nach und nach eine Kolonialstadt mit deutschen Straßennamen, Kirchen und Verwaltungsgebäuden – viele davon prägen bis heute das Stadtbild. Wenn du tiefer in die bewegte Geschichte der Hafenstadt eintauchen möchtest, lohnt sich ein Besuch im Lüderitzbucht Museum.

Die wichtigsten Reiseinformationen im Überblick

Obwohl einige Regeln für Reisen durch Namibia im ganzen Land gelten, sich nach Einbruch der Dunkelheit nicht mehr ans Steuer zu setzen, immer ausreichend Wasser und Diesel dabeizuhaben oder keine Anhalter mitzunehmen (von denen es in Namibia ja einige gibt), ergeben sich für Lüderitz, besonders für Selbstfahrer, noch ein paar zusätzliche Besonderheiten, etwa bei:

Anreise & Parken als Selbstfahrer

Lüderitz liegt im Südwesten Namibias direkt am Atlantik und ist auf dem Landweg ausschließlich über die Ortschaft Aus erreichbar. Von dort sind es etwa 120 Kilometer über die B4 bis in die Küstenstadt. Die Straße ist asphaltiert und gut ausgebaut, sodass die Strecke problemlos zu fahren ist. Verfahren kannst du dich hier nicht. Tankmöglichkeiten gibt es entlang der Strecke allerdings nur in Aus und dann erst wieder in Lüderitz. Es empfiehlt sich daher, den Tank vor der Abfahrt noch einmal vollständig zu füllen. Grundsätzlich gilt diese Regel jedoch für ganz Namibia, tanke lieber einmal zu viel als zu wenig. Eine weitere landesweite Regel bezieht sich auf das Parken. Stelle dein Fahrzeug nach Möglichkeit nur auf überwachten Parkplätzen ab und lasse grundsätzlich nichts sichtbar im Auto zurück. Bei vielen Mietwagen in Namibia, etwa dem Toyota Hilux, mit dem auch meine Mutter und ich unterwegs waren, kannst du dein Gepäck zumindest sicher in der abschließbaren Kabine im hinteren Teil des Fahrzeugs verstauen. Sowohl auf der Küstenstraße als auch rund um Lüderitz habe ich außerdem teilweise sehr starken Seitenwind erlebt. Auf den offenen Strecken kann dieser sogar schwere Geländewagen spürbar versetzen. Fahre daher besonders aufmerksam.

Auch auf der B4 nach Lüderitz solltest du vorsichig fahren, denn wie dieses Schild warnt, können Hyänen und andere Tiere jederzeit die Straße queren.

Reisezeit- & Dauer

Apropos Wind. Es ist eigentlich egal, ob du im namibischen Winter (Juni bis September) oder im Sommer (Dezember bis März) reist, auf eines kannst du dich in Lüderitz ziemlich sicher verlassen, es wird windig sein. Lüderitz gilt als einer der windigsten Orte Namibias. Das liegt vor allem am kalten Benguela-Strom vor der Küste. Trifft die kühle Meeresluft auf die aufgeheizte Luft über der Namib-Wüste, entstehen starke Luftdruckunterschiede und und damit fast ständig kräftiger Wind. Selbst an sonnigen Tagen fühlt sich die Luft deshalb oft überraschend kühl an. Genau diese Bedingungen machen Lüderitz auch zu einem Mekka für Windsurfer. Jedes Jahr im November findet hier die Lüderitz Speed Challenge statt, übrigens eine richtig gute Reisezeit. Auf einer speziell angelegten Wasserbahn versuchen Wind- und Kitesurfer dabei, neue Geschwindigkeitsweltrekorde aufzustellen, teilweise mit über 100 km/h auf dem Wasser. In den vergangenen Jahren wurden hier bereits über zwölf Weltrekorde gebrochen. Es muss wohl am Wind liegen. Die einzige andere Stadt, die mir je so windig vorkam wie Lüderitz, war Essaouira in Marokko.

Mit Tagestemperaturen von maximal etwa 26 °C im Sommer und rund 20 °C im Winter ist Lüderitz also grundsätzlich das ganze Jahr über gut zu bereisen. Trotzdem lassen viele Namibia-Reisende die Stadt bei ihrer Routenplanung aus. Lüderitz hat längst nicht so viele Sehenswürdigkeiten wie das etwa 480 km (natürlich Luftlinie) entfernte Swakop und liegt zudem ziemlich abgelegen am südlichen Rand der Namib. Um überhaupt hierherzukommen, verbringst du schon einige Stunden hinterm Steuer. Aufgrund unseres straffen Zeitplans blieben meine Mutter und ich daher auch nur eine Nacht in Lüderitz, bevor es am nächsten Vormittag weiter Richtung Sossusvlei ging. Den ersten Tag nutzten wir für Sightseeing in der Stadt, am zweiten stand eine Bootstour auf dem Programm. Wenn das Wetter mitspielt und du früh genug anreist, reicht ein voller Tag für Lüderitz völlig aus – mehr geht natürlich immer!

Unterkunft & Essen gehen

In Lüderitz machten wir tatsächlich eine der wenigen schlechten Unterkunftserfahrungen unserer gesamten Namibiareise, nämlich im Shark Island Guesthouse, das ich an dieser Stelle bewusst nicht verlinke, damit nicht noch zusätzliche Reichweite generiert wird. Die Zimmer waren verschimmelt, es war laut auf den Fluren und die Tür ließ sich nicht richtig abschließen. Dafür 1.200 Namibia-Dollar (etwa 62 €) pro Nacht zu verlangen, empfand ich ehrlich gesagt als ziemlich frech. Ich habe mich daher ein wenig durch andere Reiseblogs und Unterkunftsseiten gelesen und bin dabei mehrfach auf Empfehlungen gestoßen für:

  • Desert Horse Inn/ Klein-Aus Vista Desert Horse Camping: Insgesamt 30 Chalets am Rande der Aus-Berge von wo aus du mit etwas Glück Wildpferde von deiner Terasse aus beobachten kannst. Von hier kannst du Tagesausflüge nach Lüderitz unternehmen.
  • Nest-Hotel: Im Nachhinein erfuhr ich, dass das Nest-Hotel zu den bekanntesten Hotels der Stadt gehört. Es liegt direkt an der Bucht mit eigenem kleinen Strand und Meerblick aus allen Zimmern. Das Gebäude selbst erinnerte mich eher an jene Kurgebäude, die ich in meiner Kindhei auf der Insel Rügen besucht habe.
  • Sea-View Hotel: Das Sea-View Hotel „Zum Sperrgebiet“ ist eines der ältesten Hotels von Lüderitz und befindet sich in einem historischen Gebäude aus der deutschen Kolonialzeit. Es gibt einen Pool, Meerblick und Möbel, die tatsächlich so alt aussehen, dass sie womöglich ebenfalls aus der Kolonialzeit stammen.
  • Schöne Gästehäuser am Meer: The Coromorant House und Kairos Cottage B&B.
Zufrieden waren wir nicht mit unserer Unterkunft auf Shark Island, dafür hatte unser Hilux einen sicheren Parkplatz.

Als Küstenstadt stehen vor allem frischer Atlantikfisch und Meeresfrüchte auf den Speisekarten der Restaurants, während in den Cafés teilweise noch deutsche Backwaren und Kuchen serviert werden. Meine Tipps:

  • The Portuguese Fisherman Restaurant: Auf Wunsch meiner Mama verbrachten wir den Abend in diesem kleinen portugisischen Fischrestaurant in der Dias Straße. Mit einem Tisch direkt am Strand genossen wir den Sonnenuntergang über dem Atlantik und dem Fang des Tages.
  • Ritzi’s Seafood Restaurant: Ein weiteres gutes Fischrestaurant in Lüderitz ist das Ritzi’s neben der Saint Peter & Paul Kirche. Hier gibt es riesige Fischplatten und Pizza zu fairen Preisen.
  • Barrels Pub & Restaurant: Für mich als Kölnerin ähnelte das Barrels eher einer Kneipe, das schadet der Qualität der Küche aber absolut nicht – im Gegenteil. Hier soll es die günstigste Languste der Stadt geben und der Fisch landet vom Grill direkt auf den Tellern der Gäste.
  • Essenszeit: Aus Zeitgründen schafften wir es nicht mehr in dieses deutsch geführte Restaurant direkt am Hafen. Das Menü mit Waffeln, Pancakes, Pizza und verschiedenen Salaten sah jedoch wirklich gut aus.
  • Diaz Coffee Shop and Restaurant: Dieses auf den ersten Blick erstmal unscheinbare Café in der Bismarck Straße ist die Anlaufstelle in Lüderitz für Austern. Es gibt aber auch ein umfangreiches Frühstücksmenü und die größte Kaffeekarte, die ich in ganz Namibia je gesehen habe.

Sicherheit in Lüderitz

Lüderitz gilt im Vergleich zu größeren Städten wie Windhoek oder Swakopmund als besonders sicher. Die Stadt ist klein, überschaubar und klassische Kriminalität gegenüber Touristen kommt hier eher selten vor. Komischerweise fühlte ich mich hier jedoch unsicherer als in Swakop. Vielleicht lag es an der Abgeschiedenheit, an den wenigen Touristen, abgesehen von denen, die sich in der Innenstadt oder entlang der Waterfront aufhielten, oder an dem Fußmarsch entlang von Industrie- und Hafenanlagen von unserer Unterkunft bis ins Zentrum. Oder es war einfach der erste Eindruck. Denn als wir in Lüderitz ankamen und vor dem Spar Supermarkt parkten, wurden wir plötzlich von bettelnden Kindern umringt. Vor den Eingangstüren mahnte mich eine Einheimische, den Kindern auf keinen Fall Geld zu geben, da sie eigentlich in der Schule sein sollten. All das führte dazu, dass wir Kameras und Smartphones nicht unnötig offen herumtrugen, Geldbeutel natürlich sowieso nicht.

Und dann war da noch die Sache mit dem Taxi. Normalerweise habe ich in Namibia immer die Taxi-App Yango genutzt, eine Art Uber. Du buchst eine Fahrt direkt über die App, kannst per GPS nachvollziehen, wann der Fahrer bei dir ist, steigst ein und bezahlst online. In Lüderitz gibt es diesen Service allerdings nicht. Da wir nach dem Restaurantbesuch nicht im Dunkeln bis zu unserer Unterkunft zurücklaufen wollten, baten wir die Kellnerin, uns ein Taxi zu rufen. Im Nachhinein bin ich mir ziemlich sicher, dass sie kein offizielles Taxi, sondern einen Bekannten oder Verwandten angerufen hat. Der Preis von 150 ND war für die kurze Strecke recht hoch, außerdem hatte das Fahrzeug keinerlei Taxi-Kennzeichnung und sah auch nicht unbedingt besonders fahrtüchtig aus. Was mich jedoch wirklich stutzig machte war, dass auf der Rückbank bereits ein Mann saß, und gerade als wir einsteigen wollten, sich noch eine Frau vorne dazusetze. Wahrscheinlich hatten sie einfach den gleichen Weg wie wir, trotzdem beschlich mich in diesem Moment ein sehr ungutes Gefühl. Warum genau, kann ich gar nicht sagen. Ich bestand also darauf, dass meine Mutter und ich alleine mit dem Fahrer fahren würden, sonst würden wir uns ein anderes Taxi organisieren. Im Nachhinein war das vermutlich die richtige Entscheidung. In Namibia gilt nämlich die Regel, niemals in ein Taxi zu steigen, in dem bereits andere Fahrgäste sitzen, und auch keine weiteren Passagiere während der Fahrt zusteigen zu lassen.

Die schönsten Sehenswürdigkeiten in und um Lüderitz

Lüderitz ist angenehm übersichtlich und klein, weshalb du dich tagsüber gut zu Fuß bewegen kannst. Die meisten Sehenswürdigkeiten liegen fußläufig voneinander entfernt und auch der Verkehr ist relativ ruhig. Nur für Ausflüge nach Garub oder Kolmanskop brauchst du ein Auto oder buchst dir einen Transfer aus Lüderitz.

Die Altstadt mit ihrer kolonialen Architektur

Bunte Art-Noveau Häuser im Jugendstil reihen sich auf der Bergstraße aneinander. Ihre Namen könnten deutscher nicht sein: Haus Eberlanz, Haus Grünewald und Haus Glück Auf. Die meisten von ihnen wurden einst für hochrangige Mitarbeiter der Diamantenbranche an Lüderitz Küste erbaut, etwa das hellblaue Haus Glück Auf für Karl Reinshagen, den Rechtsanwalt des Diamantenbergbau-Sektors. Insgesamt elf Gebäude stehen auf der Liste der 130 Nationalen Denkmäler Namibias, darunter der Bahnhof von 1904, das Gebäude der ehemaligen Deutsche Afrika-Bank, das palastähnliche Krabbenhöft-und-Lampe-Gebäude sowie das Historische Doppelhaus. Einige der alten Bauwerke erfüllen heute noch ihre ursprünglichen Funktion, etwa die Lese- und die Turnhalle, die weiterhin als Bücherei bzw. Sporthalle genutzt werden. Dass dies überhaupt möglich ist, immerhin stammen die meisten Gebäude aus dem frühen 20. Jahrhundert und sind seitdem Wind, Salzluft und der rauen Witterung des Atlantiks ausgesetzt, ist maßgeblich einer umfassenden Restaurierungsphase in den 1990er Jahren zu verdanken.

Eines der schönsten Fotomotive ist die Bergstraße mit ihren bunten Häusern.

Beim Anblick der aufwendig gestalteten Villen und Geschäftshäuser lässt sich die einstige Blütezeit Lüderitz’ als eine der wohlhabendsten Städte während der wilhelminischen Kaiserzeit noch heute erahnen, auch wenn diese Epoche längst vergangen ist. Zu den prächtigsten Gebäuden (die jedoch leider alle für die Öffentlichkeit gesperrt sind) zählen:

Woermannhaus

Das Woermannhaus wirkt, als wäre es direkt aus dem Felsen gewachsen und gewissermaßen ist es das auch. Für seine Errichtung im Jahr 1906 ließ die deutsche Handelsfirma Woermann Teile des Granitfelsens sprengen. Die dabei entstandenen Gesteinsbrocken wurden anschließend als Baumaterial für das Fundament und das erste Stockwerk wiederverwendet. Zeitweise diente das Gebäude während der Kolonialzeit auch als Schule.

Ursprünglich diente das Woermannhaus als Handels- und Verwaltungsgebäude sowie Mitarbeiterunterkunft.

Goerke-Haus

Von seiner Architektur her erinnert das Goerke-Haus ein wenig an Pippi Langstrumpfs Villa Kunterbunt. Allerdings sind die Farben der Fassade, Rot, Cremeweiß und Dunkelbraun, deutlich zurückhaltender, als der Nachbau der Villa im Freizeitpark Kneippbyn auf der schwedischen Insel Gotland. Auch der ehemalige Besitzer des Hauses, der deutsche Kaufmann und Diamantenhändler Hans Goerke, hatte relativ wenig mit kindlichem Chaos und Fantasie zu tun.

Das Goerke-Haus ist ein Paradebeispiel des Jugendstils mit seinen großen Fenster mit Blick auf den Atlantik.

Stattdessen wurde das Goerke-Haus 1907 auf einer erhöhten Lage oberhalb der Stadt errichtet und bot seit jeher einen weiten Blick über die Dächer von Lüderitz bis hinaus auf den Atlantik. Fast so, als hätte auch Goerke von hier oben über „sein kleines Reich“ geschaut, nur eben nicht mit einem Pferd und einem Affen im Garten, sondern mit ganz anderen Interessen in Form von Diamanten.

Kreplin-Haus

Ebenso namenhaft während der deutschen Kolonialzeit war auch der Bewohner des nahegelegenen Kreplin-Hauses: Emil Kreplin, der Verwalter der Bahn in Lüderitz und erster Bürgermeister der Stadt. Errichtet wurde es im Jahr 1909 und wirkt zwar weniger imposant und farbenfroh, wie die Gebäude anderer Stadtbewohner, aber vielleicht fokussierte sich Emil Kreplin während seiner Zeit in Lüderitz auch einfach mehr auf den Bau der Bahnstrecke zwischen Lüderitz und Aus. Über diese Verbindung wurde Lüderitz nicht nur wirtschaftlich angebunden, sondern sie spielte auch eine Rolle beim Transport militärischer Güter zur Niederschlagung des Aufstands der Herero und Nama in der Region.

Felsenkirche

Die evangelische Felsenkirche ist das architektonische Herzstück der Stadt. 1911 erbaut, zählt sie bis heute zu den größten und prägendsten Gebäuden der Stadt. Kein Wunder also, dass Kaiser Wilhelm II., wie auch bei der Christuskirche in Windhoek, die bunt bemalten Kirchenfenster stiftete, während seine Frau die Altarbibel beisteuerte. Im Gegensatz zu vielen anderen historischen Gebäuden kann die Felsenkirche auch von innen besichtigt werden.

Der Bau der Felsenkirche wurde maßgeblich durch Spenden der deutschen Gemeinschaft vor Ort finanziert.

Einer der schönsten Fotospots auf Lüderitz befindet sich übrigens wenige Meter hinter der Kirche. Dort führen ein paar Felsen etwas höher hinauf und du hast das perfekte Motiv mit Kirche und Atlantik im Hintergrund.

Leuchtturm & Geschichtsrundgang auf Shark Island

Da unsere Unterkunft auf Shark Island lag, war die kleine Halbinsel sowieso unser Ausgangspunkt für die Stadtbesichtigung. Mit der Shark Island Campsite befindet sich hier auch der einzige Campingplatz von Lüderitz und gleichzeitig einer der historisch bedeutendsten Orte der Stadt, den jeder Besucher gesehen haben sollte. Denn während der Kolonialzeit wurde die Halbinsel nicht ohne Grund als „Todesinsel“ bezeichnet. Zwischen 1904 und 1912 befanden sich hier ein Lazarett sowie ein Konzentrationslager, in dem vor allem Nama und Orlam mit ihren Familien festgehalten wurden. Sie wurden zur Zwangsarbeit beim Bau des Hafens und der Eisenbahn gezwungen und waren dabei den extremen Bedingungen wie eisigem Wind, Kälte und mangelnder Versorung schutzlos ausgesetzt. Hunger, Krankheiten und völlige Erschöpfung forderte tausende Opfer, die letztlich den Haien im Meer zum Fraß vorgeworfen worden – daher der Name Shark Island. Die Halbinsel gilt heute als einer der Orte mit den höchsten Todesraten im Zusammenhang mit dem Völkermord an den Herero und Nama. Ein weiterer zentraler Ort der kolonialen Besatzung in dieser Region ist das ehemalige Kriegsgefangenenlager in Aus, das heute unter Denkmalschutz steht.

Wenn du am roten Leuchtturm vorbei bis zum Ende der Halbinsel läufst, kommst du an ein Tor. Je nachdem, wer gerade Dienst hat, wirst du dort eventuell nach einer Gebühr gefragt. Tatsächlich gilt diese aber nur für Camper, als normaler Besucher musst du nichts bezahlen. Folgst du dem Weg weiter, erreichst du eine Art Freilichtmuseum mit Informationstafeln und historischen Aufnahmen, welche die Geschichte des Ortes, wie ich finde ziemlich gut, dokumentieren. Direkt unterhalb des Leuchtturms steht außerdem das Denkmal von Adolf Lüderitz.

Der Leuchtturm auf Shark Island diente viele Jahre als Navigationshilfe für Schiffe, die den Hafen von Lüderitz anliefen. Besonders wichtig war er wegen der tückischen Felsen und starken Winde entlang der Atlantikküste.

Läufst du von Shark Island Richtung Stadtzentrum, fällt dir auf der linken Seite sofort die riesige Hafenanlage des Robert Harbour ins Auge. Tagsüber kannst du hier das rege Treiben aus ankommenden Schiffen, Containern, die verladen werden, und hungrigen Möwen, die es gezielt auf die Fischerboote abgesehen haben, beobachten. Abends würde ich dieses Gebiet aufgrund der mangelnden Straßenbeleuchtung und der Abgeschiedenheit meiden. Während der Kolonialzeit war der Hafen von Lüderitz der wichtigste der gesamten deutschen Kolonie, musste diese Rolle später jedoch an das zentraler gelegene Swakopmund abtreten. Pläne aus dem Jahr 2024 zur Erweiterung des Hafens von Lüderitz stießen bei Vertretern der Herero und Nama auf deutliche Kritik. Denn sie sehen in Shark Island einen zentralen historischen Gedenkort, der durch solche Projekte gefährdet werden könnte. Im darauffolgenden Jahr wurde schließlich beschlossen, die touristische Nutzung von Shark Island einzuschränken. Was genau das langfristig für den Campingplatz bedeutet, ist aktuell noch unklar.

Ausflug zu einer der letzten großen Pinguinkolonien Afrikas

Brillenpinguine, Große Tümmler, Heaviside-Delfine, Kap-Pelzrobben sowie Buckel-, Zwerg- und Südkaperwale leben im kalten Benguelastrom vor der Küste Lüderitz’. Die Gewässer hier zählten einst zu den artenreichsten im südlichen Afrika. Inzwischen hat sich das jedoch durch Überfischung, Ölverschmutzung und den Klimawandel drastisch verändert. Nur wenige Seekilometer vor Lüderitz liegt Halifax Island, auf der sich heute die letzte große Kolonie Afrikanischer Brillenpinguine in Namibia zuhause fühlt, allerdings mit nur noch einigen hundert Tieren. Neben den Pinguinen brüten hier insgesamt 14 Seevogelarten, darunter die weltweit größte Kormorankolonie. Im Dezember 2018 kam es hier zu einem massiven Pinguinsterben, ausgelöst durch die Vogelgrippe. Auch wenn diese seitdem nicht erneut aufgetreten ist, gehen die Bestände der Brillenpinguine, die ihren Namen übrigens dem rosafarbenen Streifen, der sich vom Schnabel bis zu den Augen zieht, verdanken, dennoch rapide zurück. Bereits 2009 wurde mit dem Meob-Chamais-Meeresschutzgebiet das erste Schutzgebiet dieser Art in Namibia eingerichtet. Halifax Island darf heute, abgesehen von Tierschützern, die dort unter anderem künstliche Brutstätten errichtet haben, nicht betreten werden. Kapitän Christo von Penguin Catamaran Tours erklärte uns, dass Hauptproblem der Pinguine sei, dass sie sich ausschließlich von Sardinen ernährten, die es aufgrund der starken Fischereindustrie vor der Küste Namibias sowieso kaum noch gebe.

Brillenpinguine leben üblicherweise in großen Kolonien zusammen.

Heute sind die Brillenpinguine die einzige noch in freier Wildbahn lebende Pinguinart Afrikas und stark vom Aussterben bedroht. Während in den 1950er-Jahren noch rund 140.000 Brutpaare entlang der südafrikanischen Küste lebten, sind es heute weniger als 10.000. Viele Tiere finden nicht mehr genug Nahrung und verhungern auf dem offenen Meer, während ihre Küken allein in den Nestern zurückbleiben.

Vieles davon lässt sich als Reisender zwar nicht direkt verändern, trotzdem hat dein eigenes Verhalten, vor allem dein Konsum, Einfluss, auch auf die Brillenpinguine Namibias. Der WWF hat dazu zum Beispiel einen spannenden Artikel veröffentlicht, der zeigt, welche Sardinen man in Deutschland überhaupt noch guten Gewissens kaufen kann (Stammen Sardinen aus nachhaltiger Quelle?). Auch Kampagnen wie die von Ocean Conservation Namibia machen auf das Pinguinsterben aufmerksam. Solche Beiträge zu teilen hilft dabei, das Thema sichtbarer zu machen. Direkt vor Ort kannst du vor allem darauf achten, einen verantwortungsvollen Anbieter für Bootstouren zu wählen. Ich kann dir eine Tour mit Penguin Catamaran Tours wirklich empfehlen. Früh morgens um 8 Uhr, pünktlich mit den ersten warmen Sonnenstrahlen, legt das Boot im Robert Harbour ab und fährt dich in etwa 45 Minuten bis kurz vor Halifax Island. Da die Insel selbst ja nicht betreten werden darf, stoppt das Boot einige Meter vor der Küste. Während den Gästen heißer Kakao in kleinen Pinguintassen serviert wird, erzählt Kapitän Christo mehr über die Situation der Pinguine und die Herausforderungen, mit denen sie aktuell zu kämpfen haben. Danach geht es entspannt zurück in den Hafen. Auf dem Weg machte Christo uns auch auf einen rot-weißen gestreiften Leuchtturm auf einer nahegelegenen Felsgruppe aufmerksam. Dies ist der Diaz Point mit seinem steinernen Kreuz, das an jenen portugiesischen Seefahrer erinnert. Die Tour kostete im Jahr 2025 650 NAD pro Person und kann online gebucht werden.

Geisterstadt Kolmanskop

Dass Lüderitz heute nicht selbst wie eine verlassene Geisterstadt a la Kolmanskop wirkt, verdankt die Küstenstadt vor allem ihren Wirtschaftszweigen Fischfang (insbesondere Langusten für Spanien und Japan), dem Tourismus und dem Offshore-Diamantenabbau. Nur etwa zehn Kilometer östlich von Lüderitz liegt jedoch ein Ort, der heute vom Sand verschluckt, fast in Vergessenheit geraten ist. Der Name Kolmannskuppe (auf Afrikaans Kolmanskop) geht auf die Legende des Nama Johnny Coleman zurück, der hier um 1905 mit seinem Ochsenkarren im Tiefsand einer Düne stecken blieb. Aus „Coleman’s Hill“ wurde mit der Zeit Kolmanskuppe. Während des Diamantenbooms um 1910 galt der Ort als eine der reichsten Siedlungen der Kolonie Deutsch-Südwestafrika. Es entstanden herrschaftliche Häuser im deutschen Stil, eine Schule, ein Krankenhaus, sogar eine Kegelbahn und ein Ballsaal.

Übrigens, die Stadt im Sand verfügte Anfang des 20. Jahrhunderts über das erste Röntgengerät in ganz Afrika.
Blick aus einem der verlassenen Gebäude auf die Siedlung Kolmanskop

Mitten in der Wüste entwickelte sich eine kleine, wohlhabende Gemeinschaft. Doch so schnell, wie Kolmanskuppe gewachsen war, so schnell wurde es auch wieder verlassen. Als sich die Diamantenfunde weiter nach Süden verlagerten, verlor der Ort zunehmend an Bedeutung. In den 1950er-Jahren wurde die Stadt schließlich komplett aufgegeben und seitdem holt sich die Wüste Stück für Stück zurück, was ihr einst genommen wurde. Genau darin liegt heute auch ihr touristischer Reiz. Mit dem aufkommenden Tourismus in Namibia in den 1980er- und 1990er-Jahren begann man, einzelne Gebäude wieder freizulegen und zu sichern. Heute kannst du selbstständig über das Gelände streifen und die vom Sand eroberten Häuser erkunden oder an einer geführten Tour teilnehmen. Führungen finden von Montag bis Samstag um 9:30 Uhr und 11:00 Uhr statt, an Sonn- und Feiertagen um 10:00 Uhr. Der Eintritt ohne Führung kostet 180 NAD pro Person, und das Gelände ist täglich von 8:00 bis 13:00 Uhr geöffnet.

Die Wildpferde von Garub

Ob Pferdeliebhaber wie ich oder nicht, da du auf der einzigen nach Lüderitz führenden Straße, der B4 von Aus kommend, ohnehin an Garub und seinen Wildpferden vorbeifährst, lohnt sich ein Stopp hier allemal. Eigentlich gibt es im südlichen Afrika keine echten Wildpferde, denn die klimatischen Bedingungen sind in weiten Teilen der Region für Pferde wenig geeignet. Sie wären dauerhaft sowohl der Jagd durch den Menschen als auch durch Raubtiere ausgesetzt, und in vielen Gebieten ist Wasser zu knapp. Anders als viele Antilopenarten können Pferde ihren täglichen Wasserbedarf von 20 bis 80 Litern nämlich nicht über die Feuchtigkeit von Blättern und Gräsern decken. Bei Garub lebt jedoch eine Herde von etwa 250 bis 300 Pferden. Der wahrscheinlichsten der verschiedenen Theorien zur Geschichte der Wildpferde zufolge geht ihr Ursprung darauf zurück, dass sich einst die Zuchthengste von Duwisib und Kubub mit den zurückgelassenen Pferden südafrikanischer Truppen in den Bergen rund um Aus vermischten.

Um in der kargen Steppe zu überleben, müssen die Wildpferde von Garub ganz schön zäh sein.

Ein vor einigen Jahren errichteter hölzerner Unterstand dient ihnen als Schutz vor der sengenden Hitze, und aus dem einstigen Bohrloch bei Garub, das früher die nahegelegene Eisenbahnlinie mit Wasser versorgte, entwickelte sich eine Tränke, die heute den zentralen Aufenthaltsort der Wildpferde bildet. Trotz Zufütterung von Heu in extremen Dürrejahren ist die Population in solchen Zeiträumen immer wieder drastisch gesunken. Zwischen 2013 und 2018 überlebten nahezu keine Fohlen. Während meines Besuchs im September 2025, nach der damals stärksten Regenzeit in Namibia seit über 25 Jahren, wirkten die Pferde dagegen wohlgenährt, und fast alle Stuten hatten ein fröhliches Fohlen an ihrer Seite. Geschützt werden die Pferde heute vor allem dadurch, dass 350 km² des ehemaligen Sperrgebiets 2 in den Namib-Naukluft-Park integriert wurden und damit unter besonderem Schutz stehen. Die Namibia Wild Horses Foundation kümmert sich heute, neben dem namibischen Umweltministerium, das Aufkommen und Verhalten der Tiere dokumentiert, um den Schutz und Erhalt der Wildpferde. Mit einer Spende kannst du sie bei ihrer Arbeit für die Herde, etwa bei der Bereitstellung von Futter oder der Kontrolle der Tränke, unterstützen.

Tour ins Diamantensperrgebiet Tsau-ǁKhaeb-Nationalpark

Der Tsau-ǁKhaeb-Nationalpark ist heute das bekannteste der ehemaligen Sperrgebiete. Große Teile sind bis heute nicht frei zugänglich – teilweise, weil dort noch immer Diamanten abgebaut werden, teilweise zum Schutz sensibler Küstenökosysteme und teilweise, weil die Verwaltung noch immer eng mit der Diamantengesellschaft verbunden ist. Besuche sind nur in ausgewählten Bereichen oder im Rahmen geführter Touren möglich, zum Beispiel mit Bwanan Tucke Tucke oder Namib Offroad Excursions ab Lüderitz. Teil der Tour ist meist auch ein Zwischenstopp am Bogenfels, einer 55 Meter hohen Kalksteinbrücke direkt am Atlantik. Zudem werden auch mehrtägige Fahrten tief hinein ins ehemalige Sperrgebiet angeboten. Mehr darüber, wieso gerade die Abgeschiedenheit des Tsau-ǁKhaeb-Nationalparks so einen besondere Reiz auf mich ausübt, kannst du in meinem Artikel Roadtrip durch Südnamibia: Von der Kalahari bis nach Lüderitz nachelesen.

Namibia und Deutschland heute

Bis heute bleibt Deutschland einer der wichtigsten Partner Namibias, sowohl wirtschaftlich, politisch als auch kulturell. Das liegt jedoch nicht nur daran, dass ein großer Teil der rund 1,25 Millionen Touristen, die allein 2024 nach Namibia reisten, aus Deutschland stammte, sondern auch an der gemeinsamen Geschichte. Erst 2021 hat die Bundesrepublik den Völkermord an den Herero und Nama offiziell anerkannt und sich entschuldigt. Als „Geste der Anerkennung“ stellt Deutschland 1,1 Milliarden Euro für Entwicklungs- und Aufbauprojekte über einen Zeitraum von 30 Jahren bereit. Der Prozess ist jedoch umstritten, insbesondere, weil direkte Entschädigungszahlungen unter der aktuellen Schwarz-Roten Regierung zunächst ausbleiben und betroffene Gruppen nur begrenzt eingebunden wurden. Unabhängig davon unterstützt die Bundesrepublik Namibia seit Jahren im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit, etwa durch Investitionen in erneuerbare Energien, Infrastruktur, Berufsbildung und Umweltschutz. Allein 2025 wurden zusätzliche Fördermittel in Höhe von rund 44 Millionen Euro zugesagt, unter anderem für nachhaltige Energieprojekte und Ausbildungssysteme. Gleichzeitig gewinnt Namibia für die Bundesrepublik zunehmend strategische Bedeutung, insbesondere im Bereich „grüner Wasserstoff“, der künftig nach Europa exportiert werden soll. Rund um Lüderitz ist eines der größten, von Deutschland unterstützten Wasserstoffprojekte Afrikas geplant. Solche Projekte sind für die strukturschwache Region von großer Bedeutung, da die Wirtschaft hier nur auf wenigen Sektoren basiert und die Arbeitslosenquote mit rund 60 % deutlich über dem namibischen Durchschnitt liegt. Um zudem die illegale Fischerei besser kontrollieren zu können, hat Deutschland Namibia bereits vor einigen Jahren ein Überwachungsschiff zur Verfügung gestellt, das heute vor der Küste im Einsatz ist.

Unter anderem den Förderungen und Projekten der Bundesregierung verdankt Lüderitz es, dass die Wirtschaft nicht mehr nur auf Fischfang beruht.

So deutsch geprägt die Geschichte von Lüderitz auch ist, so wenige Deutsche leben heute tatsächlich noch hier. In der rund 16.000 Einwohner zählenden Stadt sind nur etwa 50 deutschsprachige Personen registriert. Dennoch bleibt der deutsche Einfluss deutlich sichtbar, besonders in der Architektur. Seit 2019 existiert zudem eine Städtepartnerschaft mit dem gleichnamigen Lüderitz in Sachsen-Anhalt.

Fazit

Nicht nur in Bezug auf Roadtrips als Selbstfahrer ergeben sich in Lüderitz einige Besonderheiten. Die windzerzauste Hafenstadt ist so ganz anders als der Rest Namibias. Zwischen Straßenschildern mit deutsch klingenden Namen, prächtiger Kolonialarchitektur, sowohl den vom Sand verschluckten Häusern in Kolmanskop als auch der liebevoll restaurierten Altstadt, und dem betriebsamen Roberthafen pfeift der Wind vom Atlantik durch die Stadt. Lüderitz mag zwar von den Portugiesen entdeckt worden sein, doch das Stadtbild ist bis heute deutlich vom deutschen Kolonialerbe geprägt, sichtbar in der Architektur, in den Namen und auch in den bis heute bestehenden Verbindungen zwischen beiden Ländern. Ganz wie eine norddeutsche Küstenstadt ist Lüderitz dann aber doch nicht. Denn direkt vor der Haustür beginnt bereits die Namib-Wüste. Zudem liegt irgendwie ein Gefühl von Abgeschiedenheit über der Stadt und Erlebnisse wie unseres beim Taxifahren erinnern einen schnell daran, dass man sich hier noch immer in Afrika befindet. Und nur wenige Seemeilen vor dem betriebsamen Hafen liegt Halifax Island mit seiner Kolonie an Brillenpinguinen. Wissenschaftler gehen davon aus, dass diese innerhalb der nächsten zehn Jahre völlig aussterben könnten. Und während viele der alten Kolonialhäuser restauriert werden konnten, wäre ein solcher Verlust unwiederbringlich für Lüderitz.

Weitere Artikel über das Reisen in Namibia:

-Folgen bald- (Versprochen)

GEFÄLLT DIR MEIN BLOG?

→ Folge mir auf InstagramFacebook und Youtube
→ Melde dich für den Newsletter von Horseshoe Travel an:

Avatar von Unbekannt

Verfasst von

Hi, ich bin Nadine, 27 Jahre alt und komme ursprünglich aus Köln. Seit einer 8-monatigen Soloreise durch Asien nach dem Abitur hat mich das Reisefieber gepackt. Gemeinsam mit meinem Hund Gismo war ich auf zahlreichen Roadtrips durch Europa bis nach Nordafrika unterwegs. Nach seinem Tod reise ich nun wieder viel mit dem Backpack durch ferne Länder. Hier auf meinem Blog Horseshoe Travel verbinde ich meine beiden großen Leidenschaften: das Reisen und das Reiten – und das schon seit 2016!

Hinterlasse einen Kommentar