Wie ich mich in Essaouira verliebte…

Die Hafenstadt Essaouira besticht mit einer von mächtigen Festungsmauern umgebenen Medina, den wilden Stränden des Atlantiks und einer einzigartigen Mischung aus Kulturen, die das Stadtbild, die vielfältige Küche und die Mentalität der Einwohner prägt. Zehn Monate arbeitete ich auf einer Pferderanch nahe Essaouira und verfiel dem Charm dieses besonderen Orts.

 

Essaouira ist in Westmarokko direkt am Atlantik gelegen und trug bis zur Unabhängigkeit 1956 den Namen „Mogador.“ Heute ist dies der Name der kleinen Insel, die sich parallel zum Stadtstrand erstreckt und für Besucher gesperrt ist. Als Naturschutzgebiet bildet sie die Heimat der bedrohten Elenorenfalken.

Die Medina Essaouiras gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe und steht ganz im Zeichen der Hippie-Szene, nachdem Jimi Hendrix Ende der 1960er Jahre die Stadt und das nahegelegene Dorf Diabat besuchte.

Unterwegs in Essaouira

Die Stadt selbst verfügt über wenige Sehenswürdigkeiten, vielmehr sind es ihre schönen Gassen, die hohen Mauern, bunten Geschäfte, duftenden Garküchen, abwechslungsreichen Restaurants und gastfreundlichen Einwohner, die sie so sehenswert machen.

Der einzige Campingplatz Essaouiras schloss 2018, du buchst dir für deinen Aufenthalt also am besten eine Riad oder ein Hotel. Falls du mit eigenem Fahrzeug anreist, kannst du dieses tagsüber auf einem der Medina-Parkplätze abstellen und die Nacht außerhalb der Stadt verbringen. Empfehlen kann ich dir die Hotels Lalla Mira und Sol E Luna, letzteres liegt etwas außerhalb, eignet sich aber perfekt für Reisende mit Hund.

Mehr zu meiner Reise mit VW-Bus quer durch Marokko findest du hier; Mit eigenem Fahrzeug nach Marokko reisen: Planung, Organisation und Ablauf.

 

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Die Medina von Essaouira kannte ich nach einiger Zeit wie meine Westentasche

Der starke Wind, der die Hafenstadt fast das ganze Jahr über heimsucht und die Menschen angeblich in den Wahnsinn treiben soll, hält die meisten Badeurlauber fern, die es eher ins südlich gelegene Agadir zieht. Sicherlich ist dies einer der Gründe dafür, dass Essaouira sich seine Ursprünglichkeit erhalten hat.

Innerhalb der Medina werden die starken Windböen von den mächtigen Festungsmauern abgefangen, auf denen übrigens schon diverse Filme und Serien, unter anderem Teile von Game of Thrones, gedreht wurden.

Sehenswürdigkeiten

Medina

Beim Betreten der Medina von Essaouira tauchst du ein in eine fremde, faszinierende Welt, wie aus Tausendundeiner Nacht. Über der Altstadt ziehen kreischende Seemöwen ihre Kreise, der Geruch von Fischinnereien, der besonders in Hafen- und Marktnähe sehr stark ist, liegt in der Luft und exotische Gnaoua-Gesänge und Trommelklänge hallen durch die Gassen.

Die verschachtelten Gänge, die dunklen, schweren Holztüren und die weiß-blau getünchten Wände im Mittelmeerstil erinnern an die französische Kolonialzeit. Essaouira ist zudem Heimat vieler Künstler, Schriftsteller und Auswanderer und verfügt über einige eindrucksvolle Ausstellungen und Kunstgalerien.

 

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In Essaouira kannst du ungestört stöbern und einkaufen

Die Medina ist der zentrale Kern der Stadt. Sie bildet den Arbeitsplatz vieler Marokkaner und ist Anlaufstelle für Einkäufe, Standort der wichtigsten Moscheen und täglicher Treffpunkt zum gemeinsamen Tee trinken.

Skala du Port

Der Fischerhafen von Essaouira liegt am gegenüberliegenden Ende des Place Moulay Hassans. Hier liegen die für die Stadt so bekannten blauen Fischerboote vor Anker und auch einige größere Schiffe. Wenn die Fischer mittags ihre Ausbeute verkaufen, herrscht eine hektische Betriebsamkeit aus Schaulustigen, Käufern und Verkäufern. Die Fischer bereiten die Fische den Wünschen der Käufern nach zu, entfernen in Windeseile die Innereien, viele nehmen die Fische jedoch auch im Ganzen mit.

 

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Eine der vielen wohlgenährten Medinakatzen

Nur wenige Touristen verirren sich hierher, was wohl besonders am starken Geruch nach Fischinnereien liegt. Jeden Abend verfüttern die Fischer und viele Restaurantbesitzer die Fischreste an die Straßenkatzen. Daher ist Essaouira wohl die marokkanische Stadt, mit den glücklichsten und fettesten frei lebenden Katzen. Häufig findest du diese auch schlafend auf einem der weichen Berberteppiche oder zwischen den Lederkissen vor den Geschäften.

La dolce vita

Als Hafenstadt bietet Essaouira ein breites Spektrum an Meeresfrüchten und Fischen, zubereitet auf französische oder marokkanische Art. Hier mal eine kleine Liste meiner Lieblingsrestaurants; die Fischgrillstände direkt am Hafen, das Restaurant the Loft, Taros, mit seiner spektakulären Dachterasse, das Fanatic, direkt am Strand gelegen, oder mein Lieblingsrestaurant, das Caravan Café, wo du jedoch unbedingt früh genug reservieren solltest. Falls du mal Lust auf Cocktails und Burger hast, empfehle ich dir das Ocean Vagabond.

Nach einem langen windgepeitschten Tag am Strand gibt es zudem nichts besseres, als sich in einer der Hammams verwöhnen zu lassen, beispielsweise dem Azur Art & Spa.

Gnaoua World Music Festival

Jedes Jahr im Juni findet in Essaouira das viertägige Gnaoua Festival statt. Zu diesem Zeitpunkt quillt die Stadt über vor marokkanischen Touristen, die zu den besonderen Klängen der traditionellen Lieder, aber auch Reggae, Jazz, Blues und Hip-Hop tanzen. Bis zu 500.000 Besucher werden jedes Jahr erwartet. 2019 waren die Helden des Gnaoua Festivals die Band Tinariwen.

Strände

Die starke Brandung und der Wind an den endlosen Stränden des Atlantiks, eignen sich hervorragend zum Surfen. In der Medina und an der Strandpromenade findest du zahlreiche Surfschulen, die fast ganzjährig Surfunterricht erteilen und Bretter verleihen.

 

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Ich arbeitete neun Monate auf der Ranch Diabat als Touristenguide und Pferdetrainerin, hier mit meinem Lieblingshengst Khaldoune

Auf dem Strand spielt sich besonders zur Hochsaison in den Sommermonaten ein ungewöhnliches Schauspiel ab. Hier konkurrieren Kamel-, Pferde-, und Quadbesitzer um die Aufmerksamkeit der Touristen. Zum Wohle der Tiere empfehle ich dir allerdings einen der offiziellen Reitställe im nahegelegenen Diabat zu besuchen, da die Pferde dort in einem deutlich besseren Zustand sind. Hier kannst du wählen zwischen der Ranch Diabat, wo ich gearbeitet habe, Zouina Cheval oder Equi Evasion.

Einen ausführlichen Artikel über meine Arbeit als Reitguide auf der Ranch Diabat, findest du hier; Arbeiten auf einer marokkanischen Pferderanch.

Sidi Kaouki

Falls du etwas mehr Zeit hast, lohnt sich ein Ausflug ins 25 Kilometer entfernte Örtchen Sidi Kaouki. Busse starten von Bab Marrakech, am einfachsten ist es aber ein Taxi für 10 Dirham zu nehmen. Viele der zugezogenen Hippies wurden aus Essaouira nach Sidi Kaouki verbannt, weshalb das Dorf außergewöhnlich entspannt und offen für Besucher ist.

Auch Sidi Kaouki verfügt über einen wunderschönen Strand, der sich hervorragend für lange, ungestörte Spaziergänge oder zum Schwimmen im Ozean eignet.

Fazit

Zugegebenermaßen war ich beim Schreiben dieses Artikels etwas voreingenommen und es fiel mir nach der tollen Zeit, die ich in Essaouira verbracht habe, etwas schwer, objektiv zu berichten. Essaouira hat mich wahrhaft verzaubert und so geht es den meisten, die die Stadt zum ersten Mal besuchen. Auch wenn sie nicht über übermäßig viele Sehenswürdigkeiten verfügt, haben die alten mächtigen Festungsmauern, der Fischereihafen, die endlosen Strände des Atlantiks und besonders die herzlichen Einwohner doch ihren ganz besonderen Charm.

Verfasst von

Hi, ich bin Nadine, 22 Jahre alt und ursprünglich aus Köln. Seit einer achtmonatigen Soloreise durch Asien nach dem Abitur hat mich das Reisefieber gepackt. Vor zwei Jahren kaufte ich mir meinen 41 Jahre alten VW-Bus "Henry" mit dem ich seitdem quer durch Europa bis nach Marokko reiste. Begleitet werde ich dabei von meinem Hund Gismo. Im Mai steht der nächste Roadtrip nach Tschechien an.

2 Kommentare zu „Wie ich mich in Essaouira verliebte…

  1. Dem kann ich mich nur anschließen, Nadine. Ich habe mich auch einst in diese Stadt verliebt, du hast es auf den Punkt gebracht. In Diabat war ich auch – dort neun Monate als Pferdetrainerin zu arbeiten, stell ich mir unglaublich vor!! Liebe Grüße, Antje

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