Von Meknès bis nach Moulay Idriss

Die Stadt Meknes liegt inmitten fruchtbarer Ebenen unterhalb des Mittleren Atlas und steht häufig im Schatten der anderen Königsstädte. Ihr fehlt die wirtschaftliche Bedeutung Rabats, die touristische Beliebtheit Marrakeschs und sie verfügt auch nicht über eine so imposante Medina wie Fès. Wie Meknès dennoch zu einem meiner Lieblingsorte in Marokko wurde, erzähle ich dir in diesem Artikel.

 

Meknès liegt in Nordmarokko am Fuße des Mittleren Atlasgebirges, umgeben von weitläufigen Getreidefeldern, Olivenbäumen und Weinbergen. Bis heute zählt die Landwirtschaft zu einer der wichtigsten Einnahmequellen der lokalen Bevölkerung, davon zeugen die weitläufigen Felder rund um die Stadt, die während meines Besuchs im Frühjahr sattgrün blühten. Die Medina und das Ville Impériale gehören zurecht zum UNESCO Weltkulturerbe.

Unterwegs in Meknès

Außerhalb der Medina kannst du dich bequem mit öffentlichen Bussen und Grand Taxis fortbewegen, wobei die Taxifahrer hier im Gegensatz zu ihren Kollegen in Marrakech, stets ohne Aufforderung ihre Taxameter einschalteten. Außerdem werden Kutschfahrten durch die Stadt und Teile der Medina angeboten, jedoch würde ich dir, aufgrund des schlechten Gesundheitszustands vieler Pferde, davon abraten.

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Das Zentrum der Stadt bildet der Place el-Hedim mit dem imposanten Bab el-Mansour im Hintergrund

Allgemein fiel mir die Orientierung in Meknès deutlich leichter, als im Irrgarten der Medina von Fès. Die Altstadt ist kleiner und weniger beeindruckend, dafür aber ebenso sehenswert. Meknès wird zu Unrecht von vielen Reisenden übersprungen, dabei empfand ich die entspannte, ruhige Atmosphäre der Medina und das eindeutig imposanteste aller Königstore, das Bab el-Mansour, als absolut einzigartig.

Wenn du mit eigenem Fahrzeug durch Marokko reist, kannst du beispielsweise auf dem nahegelegenen Campingplatz Zerhoune Belle Vue übernachten, ansonsten finden sich viele Riads und Hotels in unmittelbarer Nähe der Medina. Mehr über meine Reise mit VW-Bus quer durch Marokko kannst du hier nachlesen; Mit eigenem Fahrzeug nach Marokko reisen: Planung, Organisation und Ablauf.

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Auch in Meknès prägen Straßentiere das Stadtbild

In Meknès habe ich mich zu keiner Zeit unwohl oder unsicher gefühlt, ganz im Gegenteil. Die Einwohner der Stadt treten den Touristen gegenüber zurückhaltend und höflich auf, ganz anders als ich es aus Agadir oder Marrakesch gewöhnt war. Hier drängt dir niemand seine Waren und Dienste auf, sondern du kannst entspannt bummeln und Geschäfte besichtigen. Da Nordmarokko nicht so stark besucht ist, wie der Rest des Landes, triffst du hier auf sehr freundliche, unaufdringliche Einwohner. Diese Erfahrung machte ich bereits im Al Hoceima Nationalpark und dem Beni-Snassen-Massiv.

Trotzdem gilt auch für eine Reise nach Meknès, sowie für eigentlich alle Städte des Landes, dass besonders Alleinreisende Frauen sich an die Kultur des Landes anpassen und sich besonders respektvoll verhalten sollten. Zum Thema Soloreisen als Frau habe ich bereits einen ausführlichen Artikel geschrieben; Alleinreisen als Frau in Marokko: Wie es wirklich ist!

Place el-Hedim

Der zentrale Platz Place el-Hedim wirkte auf mich, wie der kleine Bruder des Djemaa el Fna in Marrakech. Früher wurden auf ihm öffentliche Reden des Königs und Hinrichtungen abgehalten, heute bildet er den Mittelpunkt der Stadt. Von ihm aus gelangt man zu den Souks, einem angrenzenden Obst- und Gemüsemarkt und einem großen Flohmarkt. Einige Händler präsentieren auf dem Platz ihre Waren, eine Handvoll Gaukler bemüht sich die Aufmerksamkeit der wenigen Touristen auf sich zu ziehen und ein paar Pferde stehen mit zusammengebundenen Fesseln dazwischen.

An einer Seite des Place el-Hedim befinden sich eine Handvoll Cafés und Restaurants, von deren Terrassen aus man wunderbar das bunte Treiben des Platzes beobachten kann.

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Mein Hund Gismo im Garten der Königsstadt

Auf der anderen Straßenseite steht das beeindruckende Tor Bab el-Mansour, der Eingang zur Königstadt von Moulay Ismail. An den meisten Tagen des Jahres ist das Tor geschlossen und der Eintritt über einen kleinen Durchgang auf der linken Seite möglich. Das Bab el-Mansour ist das wohl beeindruckendste Königstor des Landes und mit seinen herrlich gestalteten Mosaiken absolut einzigartig. Beim Betreten der Königstadt gelangst du zu allererst in einen hübschen, gepflegten Garten, der besonders meinem Hund Gismo gefiel.

Tagesausflug nach Moulay Idris

Der beschauliche Ort Moulay Idris liegt nur etwa 30 Kilometer von Meknès entfernt und lässt sich mit Grand Taxis oder Bussen erreichen. Für eine Tour von Meknès nach Moulay Idris und Volubilis, zahlst du etwa 350 Dirham. Als eine der wichtigsten Pilgerstätte des Landes zieht sie besonders Marokkaner an, doch da mittlerweile auch Touristen im Ort übernachten dürfen, erfreut sie sich immer größer werdender Beliebtheit. Trotzdem ist Moulay Idris wohl eher noch ein Geheimtipp.

Die Einwohner der frommen Stadt, deren Namensgeber übrigens der meist verehrte Heilige Marokkos, der Urenkel Mohammeds, ist, sind äußerst zurückhaltend und höflich.

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Aussicht von der Grande Terrasse auf das quirlige Treiben des Stadtzentrums

Du kannst hier entspannt durch das kleine, autofreie Zentrum wandern, ohne das jemand besondere Notiz von dir nimmt. Der zentrale Place Mohamed VI beherbergt einige nette Cafés, wo du dir bei einem erfrischenden Glas Minztee einen ersten Eindruck über den quirligen Alltag der Pilgerstadt verschaffen kannst. Das Herz der Stadt ist das Moulay-Idris-Mausoleum, dessen Betreten Nicht-Muslimen jedoch untersagt ist. Eine wunderschöne Sicht auf Moulay Idris und die umliegenden Felder, hast du von der Grande Terasse, dem höchsten Aussichtspunkt.

Fazit

Beim Schreiben dieses Artikels über Meknès bin ich wirklich ins Schwärmen geraten. Nordmarokko im Allgemeinen hat mir unglaublich gut gefallen, besonders aber das beschauliche, ursprüngliche Moulay Idris und die angrenzende Königstadt. Wer das „wahre Marokko“ kennenlernen möchte, sollte auch mal die touristischen Pfade verlassen und offen für die Menschen und deren Kultur sein.

Verfasst von

Hi, ich bin Nadine, 22 Jahre alt und ursprünglich aus Köln. Seit einer achtmonatigen Soloreise durch Asien nach dem Abitur hat mich das Reisefieber gepackt. Vor zwei Jahren kaufte ich mir meinen 41 Jahre alten VW-Bus "Henry" mit dem ich seitdem quer durch Europa bis nach Marokko reiste. Begleitet werde ich dabei von meinem Hund Gismo. Im Mai steht der nächste Roadtrip nach Tschechien an.

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