Eine Reise nach Fès: zwischen Kunsthandwerk und Armut

Fès ist die älteste und historisch wichtigste der vier Königsstädte und zählt bis heute zu einer der meist besuchten Metropolen Marokkos. In diesem Blogartikel berichte ich dir, wie mir während meines Besuchs der wunderschönen Altstadt eine zuvor unbekannte Seite des Landes, fernab vom Tourismus, begegnete.

 

Fès liegt im Norden Marokkos in der Tiefebene von Sais und ist mit den rund einer Millionen Einwohnern die drittgrößte Stadt des Landes. Die Medina ist die größte Marokkos und zählt mit ihren einzigartigen, verschachtelten Gängen zurecht zum UNESCO-Weltkulturerbe. Fès selbst ist eine ausgesprochen selbstbewusste, stolze Stadt, die auf eine über 1200 Jahre alte Geschichte zurückblickt.

Unterwegs in Fès

Außerhalb der Medina kannst du dich bequem mit öffentlichen Verkehrsmitteln, wie Bussen oder Taxis fortbewegen. Besonders in den häufig überfüllten Bussen solltest du jedoch auf deine Wertsachen achten, denn Taschendiebe treiben in ganz Fès ihr Unwesen. Innerhalb der Altstadt verkehren wie in ganz Marokko keine Autos, sondern größtenteils Motorroller und Eselskarren.

Da ich mit eigenem Fahrzeug anreiste, übernachtete ich auf dem empfehlenswerten Campingplatz Diamant Vert, ganz in der Nähe des Zentrums. Während meines Medinabesuchs parkte ich meinen Wagen für wenige Dirham auf dem großen Parkplatz vor dem Tor Bad Jdid. Mehr zur meiner Reise mit VW-Bus quer durch Marokko kannst du in meinem Artikel Mit eigenem Fahrzeug nach Marokko reisen: Planung, Organisation und Ablauf nachlesen.

 

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Gismo in einem der unzähligen Kunsthandwerksgeschäfte

Da die Temperaturen in Nordmarokko, besonders während meines Besuchs im Frühjahr, allgemein sehr mild sind und die Medina von Fès im Gegensatz zu der Marrakeschs, auch über viele ruhige Ecken verfügt, begleitete mein Hund Gismo mich während der Stadtbesichtigung. Normalerweise setze ich ihn nur im Ausnahmefall dem Stress einer Großstadt aus.

Mehr zum Thema Reisen mit Vierbeiner in Marokko findest du in meinem Artikel Mit Hund nach Marokko reisen.

Fès el-Bali

Im Labyrinth der Medina von Fès („Fès el-Bali“, zu deutsch „Altes Fès“) mit ihren engen, unübersichtlichen Gassen, den vielen kleinen Abzweigungen, verlockenden Geschäften und bunten Straßenständen, verirren sich die meisten Touristen. Auch ich verlor trotz Stadtplan und Google Maps recht schnell die Orientierung. In solchen Fällen fragst du am besten einen der Ladenbesitzer oder eines der vielen Kinder um Hilfe, die dich für ein paar Dirhams wieder aus der Medina herausführen.

Auf den Hauptstraßen, den zentralen Plätzen und rund um die Märkte herrscht ein einziges Durcheinander, abseits davon, ist die Medina von Fès ein ruhiger, ursprünglicher und entspannter Ort. Vor dem Betreten der abgeschiedenen Gassen nach Einbruch der Dunkelheit wird jedoch gewarnt.

Fès gilt als Hauptstadt des Kunsthandwerks, weshalb die Altstadt geprägt ist von Töpferwaren in allen Formen und Größen, der für die Stadt typischen blauen Keramik und vielfältigen Lederprodukten. Darüberhinaus werden regelmäßige Führungen durch die Ledergerbereien angeboten, jedoch solltest du dafür nicht zu zart besaitet sein, denn in den Gerbereien herrscht meist ein strenger Geruch nach den eingesetzten Chemikalien. Diese werden übrigens in den Fluss Quer Sebou geleitet und nur teilweise herausgefiltert.

 

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Viele der Gassen in der Medina enden in kleinen Innenhöfen

Ansonsten finden sich in der Medina auffällig viele Brunnen und der größte Moscheenkomplex Afrikas, die Kairaouine-Moschee und Universität, deren Zutritt Nicht-Muslimen jedoch untersagt ist.

Sicherheit

Die meisten Reiseführer und Reiseblogs warnen vor den berüchtigten Faux Guides (inoffiziellen Führern), Taschendieben und abgebrühten Händlern. Doch auf was mich niemand vorbereitete, war die allgegenwärtige Armut vieler Fassis (Einwohner von Fès), besonders die vielen bettelnden Kindern. Auf meinen bisherigen Reisen begegnete mir natürlich bereits Armut, besonders in den Slums von Manila, den Dörfern Kambodschas und in einer ganz neue Dimension in Kenia. In Marokko jedoch hatte ich mich bis dato nie so direkt mit ihr konfrontiert gefühlt.

Selbstverständlich war mir bereits zum Zeitpunkt meiner Reise nach Fès bewusst, dass ein Großteil der Einwohner des Landes mit deutlich weniger zurecht kommt, als wir es uns in Deutschland vorstellen können und auch der Lebensstandard ein ganz anderer ist. Das Bild der vielen, häufig verkrüppelten Bettler an den Straßenecken, Kindern und Jugendlichen in schmutzigen Kleidern, die mir mit ausgestreckten Händen hinterherliefen und das allgegenwärtige Elend der Straßentiere prägte sich dennoch in mein Gedächtnis ein. Einige Jugendlichen berichteten mir im Laufe des Tages von ihrer Arbeit als illegale Guides und wie ihr Leben durch die neuen Maßnahmen der Regierung immer schwieriger und gefährlicher würde. Um gegen illegale Guides vorzugehen, führt die Polizei unangemeldete Razzien und regelmäßige Kontrollen rund um die Hauptstraßen der Medina durch, wo sich die meisten Touristen aufhalten. Wer dabei erwischt wird, ohne Erlaubnis Besucher herumzuführen, wird zu Geld- und Gefängnisstrafen verdonnert. Viele Kinder und Jugendliche in Marokko gehen nicht zur Schule, weil sie Geld für ihre Familien verdienen müssen.

 

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So sehen die Altstädte Marokkos fern der touristischen Straßen häufig aus; Frauen die ihre Einkäufe erledigen, Männer die mit einem Glas Minztee in der Hand das Treiben beobachten und Esel, die auf ihre Besitzer warten.

Fès ist auch für Alleinreisende Frauen ein sicheres und attraktives Reiseziel, jedoch solltest du auf einsame Spaziergänge in der Dunkelheit, offenes Präsentieren deiner Wertsachen und zu freizügige Kleidung verzichten. Wichtig ist und das gilt nicht nur für Marokko sondern für alle Länder dieser Welt, dass du selbstbewusst und stark auftrittst und dich von Guides, Händlern und Taxifahrern zu nichts überreden lässt, dass du eigentlich nicht möchtest.

Ich habe bereits einen ausführlichen Artikel zum Thema Soloreisen in Marokko als Frau verfasst, Alleinreisen als Frau in Marokko: Wie es wirklich ist!

Fazit

Fès ist ein absolut sehenswertes Reiseziel mit seiner wunderschönen Medina und dem beeindruckenden Stadtbild. Nordmarokko ist sehr ursprünglich und die wenigsten Touristen verirren sich in Gegenden abseits der Königsstädte. Gerade deshalb sind die Menschen sehr einladend und freundlich zu Besuchern, besonders zu Alleinreisenden Frauen. Jedoch ist eine gewisse Vorsicht und Wachsamkeit, besonders inmitten der überfüllten Straßen der Altstadt, wo es schnell zu Taschendiebstahl kommen kann, stets wichtig.

Verfasst von

Hi, ich bin Nadine, 22 Jahre alt und ursprünglich aus Köln. Seit einer achtmonatigen Soloreise durch Asien nach dem Abitur hat mich das Reisefieber gepackt. Vor zwei Jahren kaufte ich mir meinen 41 Jahre alten VW-Bus "Henry" mit dem ich seitdem quer durch Europa bis nach Marokko reiste. Begleitet werde ich dabei von meinem Hund Gismo. Im Mai steht der nächste Roadtrip nach Tschechien an.

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