Beni-Snassen-Massiv: Grotte des Pigeons, Grotte du Chameau und Zegzel-Schlucht

Das Beni-Snassen-Massiv liegt südwestlich von Berkane im Nordosten Marokkos und ist einer der schönsten Naturparks des Landes. In diesem Artikel berichte ich dir von meiner selbstorganisierten Tour durch den Park, meinem Besuch der Grotten und vom Wildcampen in der Zegzel-Schlucht.

 

Anreise

Berkane selbst bietet recht wenige Sehenswürdigkeiten, die Stadt ist vor allem aufgrund ihrer Orangenplantagen und dem Handel bekannt, sowie durch ihre Lage ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt. Sie eignet sich hervorragend als Ausgangspunkt für eine Reise ins Beni-Snassen-Massiv. Von hier aus führt die N2 nach Westen, auf dem Weg ins Beni-Snassen-Massiv biegst du, der Beschilderung folgend, auf die R607 ab, die dich nach Taforalt bringt. Von Taforalt aus sind es auf der P6012 nur noch etwa zwei Kilometer bis in den Naturpark.

Das Beni-Snassen-Massiv kannst du problemlos mit eigenem Fahrzeug und ohne Guide besichtigen. Die P6012 führt quer durch den Park und auch wenn sie teilweise recht schmal und in eher weniger gutem Zustand ist, benötigst du nur für die Nebenwege einen Allradjeep. Da die Straße an einigen Stellen jedoch nur Platz für ein Fahrzeug lässt, muss bei entgegenkommenden Verkehr ein Auto in den Straßengraben ausweichen. Eine allgemeine Regel, aus welcher Richtung du Vorfahrt hast, scheint es nicht zu geben, zumindest habe ich sie nicht herausgefunden. Falls du nicht mit eigenem Auto anreist, ist es häufig schwierig, einen Taxifahrer für eine Tour durch den Park zu begeistern, da die allerwenigsten ihre Fahrzeuge den Straßenbedingungen vor Ort aussetzen möchten.

Der Naturpark

Die Berge des Beni-Snassen-Massivs bilden die Ausläufer des Mittleren Atlas und erreichen an ihrer höchsten Stelle bis zu 1500 Meter. Geographisch gesehen sind sie eine Verlängerung des Rif-Gebirges. Hier leben viele unterschiedliche Tierarten, u.a. Schildkröten, Wildschweine, Mouflonschafe, Füchse und Affen.

 

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Gismo auf Stöckchen-Suche in der Zegzel-Schlucht (Mehr zu Thema Reisen mit Hund kannst du übrigens hier nachlesen: Mit Hund nach Marokko reisen)

Die Flora des Parks ist größtenteils von Nadelbäumen, die sich im feucht-kühlen Norden wohl fühlen, geprägt, jedoch wachsen hier auch einige wenige Arganbäume. Diese findest du normalerweise bloß im heiß-trockenen Südwesten Marokkos, in der Region rund um Agadir.

Von den Grotten zur Zegzel-Schlucht

An den Wochenenden sind die Picknickplätze des Parks, die aus Tischen und Bänken im Schatten der Nadelbäume bestehen, beliebte Ausflugsziele marokkanischer Familien. Leider lassen viele Besucher ihren Müll rücksichtslos im Park zurück, woran natürlich auch die fehlenden Mülleimer ihren Anteil haben, sodass diese Plätze häufig keinen schönen Anblick und Geruch bieten. Abseits der Picknicksorte ist der Park jedoch noch ein unberührtes Naturparadies, imposante Steilhänge auf denen du mit etwas Glück einige der seltenen Mouflonschafe klettern siehst, einsame Pfade entlang der Zegzel-Flüsse und kleine Bergdörfer am Fuße des Gebirges. Benannt ist der Park übrigens nach der hier lebenden Berbergruppe.

Wenn du auf der P6012 aus Taforalt kommend den Park erreichst, gelangst du nach wenigen Minuten zur Grotte des Pigeons (Taubengrotte), einer Ausgrabungsstätte der Oxford Universität. Angeblich wurde hier das älteste menschliche Skelett Nordafrikas gefunden, weshalb dem Ort eine immense historische Bedeutung zugemessen wird. Für Besucher ist die Höhle jedoch geschlossen.

 

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Das Wasserbecken vor der Grotte du Chameau

Fünf Kilometer weiter kommst du zur Grotte du Chameau (Kamelgrotte), um die herum einige Picknickplätze angeordnet sind. An den Wochenenden weht der Duft gerösteten Brots und gegrillten Lammfleischs, Klänge arabischer Popmusik und Fetzen angeregter Unterhaltungen, wie es bei marokkanischen Familien so üblich ist, in den Höhleneingang hinein. Ohne Guide darfst du nicht weiter in die Höhle vordringen, kurz hinter dem Eingang befindet sich eine Absperrung. Jedoch fließt aus der Höhle ein kleiner Bach, der in einem Becken mündet, indem Besucher im Sommer schwimmen können. Gismo konnte das natürlich auch schon zu Anfang März.

Folgst du der P6012 um weitere drei Kilometer, gelangst du in die malerische Zegzel-Schlucht. Mehrere Flüsse durchziehen die Schlucht und sie eignet sich hervorragend für einen Zwischenstopp. Hier verbrachte ich die erste Nacht im Beni-Snassen-Massiv.

Sicherheit

Auch wenn die Berge des Beni-Snassen-Massivs geographisch nicht mehr zum Rifgebirge gehören, gelten auch für diese Region gewisse Sicherheitsbedenken. Zwar werden sie nicht auf der Internetseite des Auswärtigen Amts geäußert, doch die Einheimischen warnten mich im Anschluss vor der Region, besonders vorm Wildcampen alleine als Frau.

Ich habe mich zwar sehr sicher gefühlt, da innerhalb der Woche sowieso keine Menschenseele im Park anzutreffen war, jedoch geben mir solche Warnungen der lokalen Bevölkerung immer zu denken und man sollte sie auf keinen Fall herunterspielen. Gerade in derartig abgelegenen, wenig besuchten Regionen, solltest du dich über die Sicherheitsbedingungen vor Ort informieren, dich aber auch nicht verrückt machen lassen. Höre auf deinen gesunden Menschenverstand und vertraue auf dein Bauchgefühl, wenn dir ein Ort, eine Situation, ein Mensch, merkwürdig vorkommt, fahre weiter. Reise überall auf der Welt stets mit einer gewissen Wachsamkeit und Vorsicht.

Wie ich mich als Alleinreisende Frau in Marokko allgemein geschlagen habe, kannst du hier nachlesen; Alleinreisen als Frau in Marokko: Wie es wirklich ist!

Fazit

Beim Reisen durch abgeschiedenere Gegenden Marokkos, wie allgemein dem Norden, kann die Organisation und Planung schon mal schwierig sein. Besonders vor meiner Reise ins Beni-Snassen-Massiv fehlte es mir an jeglichen Informationen über die Region, aber ich fand mich schließlich anhand meines Lonely Planet Reiseführers, einiger weniger Artikel auf Reiseblogs und mit der Hilfe Einheimischer zurecht.

 

Im Anschluss wurde ich von einer marokkanischen Familie zu ihr nachhause ins nahegelegene Dorf Aklim eingeladen, wo ich die nächsten Tage verbrachte. Vielleicht waren sie einfach schockiert, von der jungen blonden Frau die da mit ihrem Hund im Park alleine campte, vielleicht waren sie neugierig oder einfach bloß freundlich. Jedoch zählen sie zu den herzlichsten Menschen die ich je kennengelernt habe. Ich werde dir im nächsten Artikel mehr über die marokkanische Gastfreundschaft berichten.

Verfasst von

Hi, ich bin Nadine, 21 Jahre alt und ursprünglich aus Köln. Seit einigen Monaten lebe und arbeite ich zusammen mit meinem Hund Gismo auf einer Pferderanch in Marokko. Auf meinem Blog dreht sich alles um die Themen Backpacking, Roadtrips, Reisen mit Hund und natürlich meine tägliche Arbeit mit den Pferden im Ausland.

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