Roadtrip durch den Al Hoceima Nationalpark

Der Al Hoceima Nationalpark war das erste richtige Reiseziel meiner dreimonatigen Marokko-Rundreise und vielleicht auch daher ein ganz besonderer Ort für mich. Von meinen Abenteuern; den ersten Tagen in Nordafrika, einem festgefahrenen Auto und seltenen Tierbeobachtungen im Nationalpark, berichte ich dir in diesem Artikel.

 

Aller Anfang ist schwer

Die Weichen für die Reise, die mich im Frühling 2018 insgesamt vier Monate durch Frankreich, Spanien und Marokko führen sollte, setzte mein Roadtrip durch Österreich und Südtirol (Österreich Roadtrip- Über die Alpen bis nach Südtirol), im August 2017. Ohne diese Reiseerfahrungen wäre ich nie auf die Idee gekommen, nur einige Wochen später mit meinem Hund Gismo, in meinem behelfsmäßig zum Camper ausgebauten Skoda Fabienne, quer durch Europa bis nach Nordafrika zu fahren. Gerade die ersten Tage unterwegs waren jedoch geprägt von Unwettern, die mich vom spanischen Festland bis an Marokkos Mittelmeerküste begleiteten, Wetter- und Reisebedingten gesundheitlichen Problemen Gismos und allgemeiner Unsicherheit meinerseits.

 

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Auf Entdeckungstour durch den regnerischen Nationalpark

Besonders die überwältigende männliche Dominanz und Dauerbeobachtung, unter der ich mich zu Beginn zu stehen schien, verunsicherten mich sehr, darüber habe ich dir schon in meinem Artikel Alleinreisen als Frau in Marokko: Wie es wirklich ist! berichtet. Aller Anfang ist schwer, so auch der Beginn dieser Reise. Über diese Anfangszeit erzähle ich dir hier; Der erste Artikel vom Roadtrip und Reiseupdate: Zweiter Artikel vom Roadtrip.

Der Nationalpark

Der Al Hoceima Nationalpark wurde 2004 zum Schutzgebiet ausgesprochen und umfasst eine Fläche von 465 km2. Als Heimat unzähliger gefährdeter Tier-, Pflanzen- und Korallenarten bildet er ein wichtiges Ökosystem, indem beispielsweise See- und Steinadler brüten.

Der Park ist geographisch in zwei Teile aufgeteilt, den Küstenabschnitt am Mittelmeer, hier leben u.a. über achthundert verschiedene Fischarten, Delfine, Pottwale, seltene Korallen und Algen, und dem zentralen Rif-Gebirge, in dessen Wäldern beispielsweise Wildschweine, Schakale und Kaninchen beheimatet sind.

Reiseinformationen

Generell ist der Al Hoceima Nationalpark problemlos auf eigene Faust zu bereisen. Du solltest dich jedoch zuvor anhand einer Karte über dessen geographische Strukturen informieren, denn Straßenschilder gibt es nur wenige, jedoch sind die kleineren Straßen häufig gar nicht verzeichnet. Gerade diese werden in den regnerischen Wintermonaten von November bis März oft zu unpassierbaren Matschpfaden, wo du ohne Allradjeep nicht vorwärts kommst. Die geteerten Hauptstraßen sind jedoch ganzjährig zu befahren.

 

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Die meisten Inseln vor Marokkos Nordküste gehören zu Spanien, so wie die Peñón de Vélez de la Gomera

Im Nationalpark selbst gibt es drei Orte; Torres-de-Alcala, Badis und Cala Iris. Torres-de-Alcala bietet einen schönen Steinstrand, eine kleine Moschee und einige wenige Häuser. Dein Fahrzeug kannst du direkt am Strand parken, jedoch herrschte hier im Frühjahr 2018 eine echte Wespenplage, weshalb ich schnell weiterfuhr.

Vom Strand von Badis, der direkt gegenüber der spanischen Insel Peñón de Vélez de la Gomera liegt, führen einige Pfade ins Landesinnere, durch urische Dörfer, Viehställe und Hühnerausläufe hindurch, in die Ausläufer des Rif-Gebirges. Für das Rif-Gebirge, das weltweit größte Haschischanbaugebiet, liegen allgemeine Sicherheitswarnungen aufgrund des aktiven Drogenhandels vor.

Cala Iris lockt mit einem kleinen Hafen und dem westlich auf einem Hügel gelegenen Campingplatz Camping Amis de Cala Iris. Der Campingplatz zählt zu den schönsten, die ich in Marokko besucht habe, mit unglaublich netten Besuchern und Mitarbeitern.

Autopanne mit Fabienne

Mein Besuch im Nationalpark wird mir jedoch nicht nur aufgrund seiner Schönheit und den freundlichen Menschen in Erinnerungen bleiben, sondern auch aufgrund meiner kleinen Autopanne. Da es zum Frühlingsanfang Ende Februar erwartungsgemäß frisch und regnerisch in Nordmarokko war, verwandelte der Regen die unbefestigten Parkstraßen zu matschigen Rutschpisten. Auf dem Weg zum Campingplatz schlingerte ich schließlich in den Straßengraben. Ein Glück, dass dies hier in Cala Iris geschah, dem einzigen Ort, indem ich nach mehreren Nächten Wildcampen und Wandern im ansonsten wie ausgestorbenen Park, auf Menschen traf. Glück auch deshalb, dass ich in den Graben zur Linken und nicht die Steilklippe hinunter rutschte, die zu meiner Rechten ungehindert mehrere hundert Meter ins Meer abfiel.

 

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Alleine konnte ich den Wagen nicht mehr befreien

Nach einem kleinen Panikanfall meinerseits, legte ich die restlichen Kilometer zum Campingplatz zu Fuß zurück und bat den Besitzer um Hilfe. Er organisierte einen Traktor, Allradjeep und eine Gruppe Helfer, die den Wagen schließlich mit vereinten Kräften befreiten.

Fazit

Nordmarokko ist, abgesehen der Königsstädte Fes und Meknes, noch ein absoluter Geheimtipp, besonders der unberührte Al Hoceima Nationalpark. Wer hier wandert, schwimmt und übernachtet, erlebt eine intakte Natur, ab und an taucht die Schwanzflosse eines Delfins in den Fluten auf, am Himmel erkennst du die Schatten der kreisenden Adler und wenn du Glück hast, siehst du in den Wäldern einen Schakal zwischen den Felsen umher huschen.

 

Mehr als ein Jahr später sitze ich nun auf einer kleinen portugiesischen Insel und schwelge in Erinnerung an vergangene Reisen, die in Artikel zu verwandeln, ich bisher nicht geschafft habe. Erst jetzt realisiere ich, wie all meine Reisen aufeinander aufgebaut waren, ohne den Roadtrip durch den Al Hoceima Nationalpark und Nordmarokko im Allgemeinen, wäre ich heute nicht so entspannt und selbstbewusst unterwegs. Auch wenn aller (Reise-)Anfang schwer sein mag, folgt doch auf jedes Unwetter auch wieder Sonnenschein, so verbesserte sich auch das Wetter in den darauffolgenden Wochen.

Verfasst von

Hi, ich bin Nadine, 21 Jahre alt und ursprünglich aus Köln. Seit einigen Monaten lebe und arbeite ich zusammen mit meinem Hund Gismo auf einer Pferderanch in Marokko. Auf meinem Blog dreht sich alles um die Themen Backpacking, Roadtrips, Reisen mit Hund und natürlich meine tägliche Arbeit mit den Pferden im Ausland.

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