Roadtrip durch den Al Hoceima Nationalpark

Der Al Hoceima Nationalpark war das erste richtige Reiseziel während meines dreimonatigen Marokko-Roadtrips und vielleicht auch daher ein ganz besonderer Ort für mich. Von meinen Abenteuern in den ersten Tagen in Nordafrika, einem festgefahrenen Auto und seltenen Tierbeobachtungen im Nationalpark, berichte ich dir in diesem Artikel.

Die Weichen für die Reise, die mich im Frühling 2018 insgesamt vier Monate durch Frankreich, Spanien und letztlich Marokko führen sollte, setzte mein vorangegangener Roadtrip durch Österreich und Südtirol (Österreich Roadtrip- Über die Alpen bis nach Südtirol). Ohne diese Reiseerfahrungen wäre ich nie auch nur auf die Idee gekommen, nur wenige Wochen später mit meinem Hund Gismo, in einem behelfsmäßig zum Camper ausgebauten Skoda Fabia, quer durch Europa bis nach Nordafrika zu fahren. Gerade die ersten Tage unterwegs waren jedoch geprägt von Unwettern, die mich vom spanischen Festland bis an Marokkos Mittelmeerküste begleiteten, Wetter- und Reisebedingten gesundheitlichen Problemen Gismos und allgemeiner Unsicherheit meinerseits. Mehr zum Thema Reisen mit eigenem Fahrzeug nach Nordafrika, findest du hier; Mit eigenem Fahrzeug nach Marokko reisen: Planung, Organisation und Ablauf.

Reiseinformationen

Der Al Hoceima Nationalpark im Norden Marokkos, unweit der Küstenstadt Al Hoceïma, wurde 2004 zum Schutzgebiet ausgesprochen und umfasst eine stattliche Fläche von 465 km2. Als Heimat unzähliger gefährdeter Tier-, Pflanzen- und Korallenarten bildet er ein wichtiges Ökosystem, indem u.a. See- und Steinadler brüten. Geographisch ist der Park in zwei Teile aufgeteilt, den Küstenabschnitt am Mittelmeer, hier leben u.a. über achthundert verschiedene Fischarten, Delfine, Pottwale, seltene Korallen und Algen, und dem zentralen Rif-Gebirge, in dessen Wäldern beispielsweise Wildschweine, Schakale und Kaninchen beheimatet sind.

Auf Entdeckungstour durch den regnerischen Nationalpark

Generell kannst du den Al Hoceima Nationalpark problemlos auf eigene Faust bereisen. Du solltest dich jedoch zuvor anhand einer Karte über dessen geographische Strukturen informieren, denn Straßenschilder gibt es nur wenige, jedoch sind die kleineren Straßen häufig gar nicht verzeichnet. Gerade diese werden in den regnerischen Wintermonaten von November bis März oft zu unpassierbaren Matschpfaden, auf denen du ohne Allradjeep nicht vorwärts kommst. Die geteerten Hauptstraßen sind ganzjährig befahrbar.

Im Nationalpark selbst gibt es drei Orte; Torres-de-Alcala, Badis und Cala Iris. Torres-de-Alcala bietet einen schönen Steinstrand, eine kleine Moschee und einige wenige Häuser. Dein Fahrzeug kannst du direkt am Strand parken, jedoch herrschte hier im Frühjahr 2018 eine echte Wespenplage, weshalb ich schnell weiterfuhr.

Vom Strand von Badis, der direkt gegenüber der spanischen Insel Peñón de Vélez de la Gomera liegt, führen einige Pfade ins Landesinnere, durch urische Dörfer, Viehställe und Hühnerausläufe hindurch, in die Ausläufer des Rif-Gebirges. Für das Rif-Gebirge, das weltweit größte Haschischanbaugebiet, liegen allgemeine Sicherheits- und Reisewarnungen aufgrund des aktiven Drogenhandels vor.

Die meisten Inseln vor Marokkos Nordküste gehören zu Spanien, so wie die Peñón de Vélez de la Gomera

Cala Iris lockt mit einem kleinen Hafen und dem westlich auf einem Hügel gelegenen Campingplatz Camping Amis de Cala Iris. Der Campingplatz zählt zu den schönsten, die ich in Marokko besucht habe, mit unglaublich netten Besuchern und Mitarbeitern.

Autopanne mit Fabienne

Mein Besuch im Nationalpark wird mir jedoch nicht nur aufgrund seiner Schönheit und den freundlichen Menschen in Erinnerungen bleiben, sondern auch aufgrund meiner Autopanne. Da es zum Frühlingsanfang Ende Februar erwartungsgemäß frisch und regnerisch in Nordmarokko war, verwandelte der Regen die unbefestigten Parkstraßen zu matschigen Rutschpisten. Auf dem Weg zum Campingplatz schlingerte ich schließlich in den Straßengraben. Ein Glück, dass dies hier in Cala Iris geschah, dem einzigen Ort, indem ich nach mehreren Nächten Wildcampen und Wandern im ansonsten wie ausgestorbenen Park überhaupt auf Menschen traf. Glück auch deshalb, dass ich in den Graben zur Linken und nicht die Steilklippen hinunter rutschte, die zu meiner Rechten ungehindert mehrere hundert Meter tief ins Meer abfielen.

So harmlos der Winkel des Autos auf diesem Foto aussieht, alleine kam ich nicht mehr raus

Ich legte schließlich die restlichen Kilometer zum Campingplatz zu Fuß zurück und bat den Besitzer um Hilfe. Er organisierte einen Traktor, Allradjeep und eine Gruppe Helfer, die den Wagen schließlich mit vereinten Kräften befreiten.

Fazit

Nordmarokko ist, abgesehen von den Königsstädten Fès und Meknès, noch ein absoluter Geheimtipp, besonders der unberührte Al Hoceima Nationalpark. Wer hier wandert, schwimmt und übernachtet, erlebt eine noch völlig intakte Natur. Von Zeit zu Zeit taucht die Schwanzflosse eines Delfins in den Fluten auf, am Himmel kannst du den Schatten der kreisenden Adler erkennen und wenn du Glück hast, siehst du in den Wäldern einen Schakal zwischen den Felsen umher huschen.

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Verfasst von

Hi, ich bin Nadine, 23 Jahre alt und komme ursprünglich aus Köln. Seit einer achtmonatigen Soloreise durch Asien nach dem Abitur hat mich das Reisefieber gepackt. Vor drei Jahren kaufte ich mir meinen 42 Jahre alten VW-Bus "Henry" mit dem ich seither quer durch Europa bis nach Marokko und Russland reiste. Begleitet werde ich dabei von meinem Hund Gismo. Im Augenblick befinde ich mich im Praxissemester in Transilvanien.

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