Geburtstag in der Agafay-Wüste

Meinen 20. Geburtstag feierte ich letztes Jahr in der Agafay-Wüste. Meine Mutter, mein Hund Gismo und ich verbrachten eine eiskalte Nacht unter sternenklarem Himmel, ritten auf Dromedaren in den Sonnenaufgang und erlebten den wahren, nordafrikanischen Wüstencharm.

 

Zugegebenermaßen war unsere Tour in die Agafay-Wüste ein sehr spontaner, recht abenteuerlicher Trip und verlief auch nicht ganz so wie geplant, was vorallem an dem zweifelhaften Veranstalter lag. In diesem Artikel erzähle ich dir von unserem Wüstenaufenthalt und gebe dir Tipps zur der Wahl des richtigen Reiseorganisators.

Unterwegs rund um Marrakesch

Wer dem Großstadttrubel Marrakeschs entfliehen will, jedoch nicht die lange, anstrengende Reise bis in die Sahara-Wüste auf sich nehmen möchte, für den ist die nahegelegene Agafay-Wüste ein perfektes Reiseziel, denn sie kann sogar schon auf einem Tagestrip entdeckt werden. Sie liegt etwa vierzig Kilometer von Marrakesch entfernt und ist über die Route d’Amizmiz zu erreichen.

Viele Touranbieter unternehmen kombinierte Ausflüge in die Agafay-Wüste und das Atlas-Gebirge. Da beide Regionen jedoch sehr groß und vorallem wunderschön sind, solltest du dir jeweils einige Tage Zeit nehmen, sie zu entdecken. Falls du auf eigene Faust unterwegs bist, leihst du dir am besten einen Mietwagen in Marrakesch oder verhandelst geschickt mit einem Taxifahrer, denn öffentliche Verkehrsmittel sind besonders in der Wüste, der Haouz-Ebene, wie auch dem Gebirge, sehr selten anzutreffen.

Geröllwüste Agafay

Die Agafay-Wüste ist ebenso wie die Sahara, eine Stein- bzw. Felswüste, besteht also größtenteils aus Kies und Geröll. Die meisten Reisenden assoziieren nordafrikanische Wüsten eher mit traumhaften, endlosen Sanddünen, trotz des Gerölls hat die Agafay-Wüste jedoch einen ganz besonderen Charm. Ihre Vegetation ändert sich je nach Jahreszeit, während im Frühling Weizenfelder erblühen und Wildblumen auf Hügeln und in Tälern sprießen, kommt im Herbst und Winter die „richtige Wüste“ zum Vorschein, wenn die Pflanzen verblühen und der Boden trocken und staubig wird. Übrigens besteht auch die Sahara-Wüste nur zu zwanzig Prozent aus Sand.

 

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Eine Dromedarfamilie auf dem abendlichen Spaziergang

In der Agafay-Wüste gibt es einige Wüstencamps, in denen Touristen bequem nächtigen können. Dromedare in ihrer wilden Form sind heutzutage in Marokko zwar ausgestorben, jedoch bewegen sie sich tagsüber frei in der Wüste und werden gegen Abend in die Stallungen zurückgetrieben.

Den richtigen Touranbieter finden

Den Morgen meines 20. Geburtstags verbrachten wir am Lalla Takerkoust Stausee, über die Haouz-Ebene habe ich bereits einen ausführlichen Artikel geschrieben; Die Haouz-Ebene: Weshalb langsames Reisen sich lohnt, und fuhren am Nachmittag über zu Beginn gut geteerte Straßen, die jedoch in Schotterpisten und Geröllwegen übergingen, zum Wüstencamp. Das Fehlen jeglicher Straßenschilder verzögerte die Fahrt immens, jedoch orientierte ich mich wie eigentlich überall auf der Welt problemlos mit Google Maps und ein wenig gesundem Menschenverstand. Ob ich die Strecke mit meinem vierzig Jahre alten VW-Bus, mit dem ich aktuell unterwegs bin, so sorglos fahren würde, ist jedoch zweifelhaft, mein PKW meisterte die Strecke aber fast problemlos.

Außer uns waren die einzigen Gäste im Camp zwei Schweizerinnen, die sich ebenfalls über den unorganisierten Aufenthalt und den Touranbieter wunderten. Zugegebenermaßen war unsere Buchung sehr spontan gewesen, ich war durch seine guten Tripadvisor-Bewertungen auf den Reiseorganisator aufmerksam geworden, und eigentlich schon froh, in der Nebensaison überhaupt jemanden in der Agafay-Wüste anzutreffen. Denn außer den beiden Schweizerinnen trafen wir nur Einheimische und keine anderen Touristen in der Wüste, was in den Frühlingsmonaten jedoch normal zu sein scheint.

 

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Im Hintergrund unseres Camps erstreckten sich die Ausläufer des Hohen Atlas Gebirges

Unser Camp war vernünftig ausgestattet, es gab Schlafzelte, separate Toiletten und ein großes Restaurantzelt, in dem abends köstliche Tajine aufgetischt wurde, und generell fehlte es uns an nichts, okay, wir hätten bei der nächtlichen Kälte noch mehr Decken gebrauchen können. Jedoch war die allgemeine Organisation und besonders die Gästebetreuung, total untypisch für Marokko, wirklich miserabel und die Mitarbeiter ziemlich unfreundlich. Aus dem zuvor gebuchten zweistündigen Dromedarritt zum Sonnenuntergang, wurden zwei einzelne Ritte, da der Kamelführer sich mit der Zeit vertan hatte. So unternahmen wir am nächsten Morgen bibbernd vor Kälte einen weiteren Ritt zum Sonnenaufgang, während dem das wunderschöne Beitragsbild dieses Artikels entstanden ist.

Ich empfehle dir für eine Tour in die Agafay-Wüste, wie auch ins Atlas-Gebirge, unseren Guide Hassan Fadil, der meine Mama, Gismo und mich zwei Tage rund um Nordafrikas höchsten Berg, den Jbel Toubkal, führte. Kontakt kannst über seine Webseite mit ihm aufnehmen: www.amazing-toubkal-trek.com.

Fazit

Die Agafay-Wüste ist eines der schönsten Reiseziele in der Region um Marrakesch und mit der richtigen Reiseorganisation wirst du hier eine tolle Zeit erleben. Es handelt sich jedoch um eine raue, bei Nacht häufig sehr kalte Gegend mit simplen Wüstencamps und minimaler Infrastruktur. Bei eigener Anfahrt musst du dich wahrscheinlich erstmal ein wenig zurechtfinden. Damit solltest du jedoch in Marokko stets rechnen, denn auch wenn die mautpflichtigen Autobahnen und Landstraßen sehr gut ausgebaut und meist frisch geteert sind, wird es abseits dieser Straßen doch häufig sehr abenteuerlich. Doch wer nach Afrika reist, sollte stets auf Abenteuer vorbereitet sein.

Verfasst von

Hi, ich bin Nadine, 21 Jahre alt und ursprünglich aus Köln. Seit einigen Monaten lebe und arbeite ich zusammen mit meinem Hund Gismo auf einer Pferderanch in Marokko. Auf meinem Blog dreht sich alles um die Themen Backpacking, Roadtrips, Reisen mit Hund und natürlich meine tägliche Arbeit mit den Pferden im Ausland.

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