Wandern mit Hund im Atlas-Gebirge

Als höchstes Gebirge Nordafrikas ist der Hohe Atlas ein beliebtes Reiseziel bei allerlei Reisenden, von professionellen Bergsteigern bis zu absoluten Trekkingneulingen. In diesem Artikel berichte ich dir von der zweitägigen Wandertour durchs Atlasgebirge, die meine Mutter und ich zusammen mit unserem Hund Gismo letzten Frühling unternahmen.

 

Anreise

Schon während der zweistündigen Fahrt von Marrakesch ins Atlas Gebirge, durchfährst du einige wunderschöne Gegenden, die durchaus einen mehrtägigen Stopp wert sind. Die P2009 führt dich von Marrakesch aus quer durch die Haouz-Ebene, eine landschaftlich unglaublich vielfältige Region.

Zwei Passstraßen führen ins Gebirge, ansonsten bewegst du dich größtenteils auf engen, steilen, zumeist kurvigen Wegen und Maultierpfaden, ohne jegliche Wendemöglichkeit für dein Fahrzeug.

Reiseinformationen

Das Atlas-Gebirge trennt Nordmarokko vom Südteil und die hohen Berggipfel bilden eine natürliche Wetterbarriere gegen die sich immer weiter ausbreitende Sahara-Wüste. Zum Trekking eignet sich vor allem die Toubkal-Region, Ait Bouguemez und Imilchil. Zum beliebtesten Reiseziel zählt der Toubkal-Nationalpark, welcher nicht nur Nordafrikas höchsten Berg, den Jbel Toubkal mit 4167 Metern, beheimatet, sondern auch einige weitere nennenswerte 4000er.

 

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Gepäcktransport im Atlas-Gebirge

Als beste Reisezeit für Trekking- und Wandertouren gilt die Zeit von Ende Mai bis Mitte September, dagegen eignen sich die Wintermonate von November bis März besonders zum Skifahren und Snowboarden. Jedoch musst du mit sehr kalten Nächten, häufig mit Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt, rechnen. Viele Bergstraßen sind im Winter aufgrund des immensen Schneefalls zudem unpassierbar.

Falls du dich nicht schon in Marrakesch mit genügend Bargeld eingedeckt hast, solltest du dies spätestens in Amizmiz oder Asni tun, denn im Gebirge gibt es keine Geldautomaten und auch Kreditkartenzahlungen sind im seltensten Falle möglich.

Unterwegs im Hohen Atlas

Kaum eine Gegend Marokkos ist so vielfältig wie das Gebirge des Hohen Atlas. Malerische, kleine, eng an die steilen Berghänge gebaute Berberdörfer, liegen in teils kargen, trockenen Gegenden, sowie überraschend fruchtbaren Tälern. Hier treffen Moderne, in Form von Satellitenempfang und Handys, auf Tradition, Bergnomaden, die mit ihren Maultieren von Dorf zu Dorf ziehen. Außerdem findest du hier eine unvergleichliche Gastfreundschaft.

 

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Die meisten Häuser in der Region wurden aus Lehm errichtet und befinden sich an steilen Berghängen

Um das Atlas-Gebirge zu erkunden, musst du nicht zwingend den Jbel Toubkal erklimmen. Meine Mutter und ich starteten, so wie die meisten Atlas-Reisenden, unsere Tour im Bergsteigerdörfchen Imlil. Dieses ist ganz auf den Wandertourismus ausgelegt, hier kannst du allerlei Utensilien fürs Trekking erwerben, angefangen beim Kartenmaterial, über Wanderstöcke- und gebrauchte Schuhe, bis hin zu Funktionskleidung für die kalten Temperaturen in den höheren Berglagen. All dies ersetzt jedoch niemals einen erfahrenen Bergführer.

Auch wenn die Toubkalregion ebenfalls für Bergsteigeranfänger mit ein wenig Kondition geeignet ist, solltest du auf keinen Fall auf einen erfahren Guide verzichten. Die Höhenunterschiede und die schnell umschlagenden Wetterverhältnisse im Gebirge sind nicht zu unterschätzen, zudem gibt es keinerlei beschilderte Wanderwege. Ein Bergführer hilft dir außerdem bei der Organisation, dem Transport deines Gepäcks, der Wahl der Unterkunft, häufig in kleinen familiengeführten Herbergen, und natürlich dem eigentlichen Meistern der Strecke.

 

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Nach zwei Tagen Trekking im Atlas-Gebirge, todmüde aber stolz (links im Hintergrund der Jbel Toubkal)

Von ganzem Herzen empfehle ich dir unseren Guide Hassan Fadil, der uns zwei Tage rund um den Jbel Toubkal führte. Kontakt kannst über seine Webseite mit ihm aufnehmen: www.amazing-toubkal-trek.com.

Nachhaltiges Reisen

Besonders beim Reisen in unberührte Gegenden, wie das Atlas-Gebirge, solltest du sehr auf Umweltschutz achten. Entsorge deinen Müll in deiner Unterkunft und lasse nichts einfach irgendwo liegen. Anstatt unnötige Plastikflaschen mit dir herum zu schleppen, eignen sich für mehrtägige Touren Wasseraufbereitungssysteme. Achte außerdem auf dein Erscheinungsbild, passe dich der Berberkultur mit angemessener Kleidung und respektvollem Verhalten an. Mehr dazu kannst du auch in meinem Artikel; Alleinreisen als Frau in Marokko: Wie es wirklich ist nachlesen.

Sicherheit

Generell ist Marokko eines der sichersten Reiseziele Afrikas. Während das Atlas-Gebirge als eine der friedfertigsten Regionen des Landes gilt, liegen für den Grenzbereich zu Algerien, die Westsahara und das Rif-Gebirge im Norden, dem größten Cannabis-Anbaugebiet weltweit, Reise- und Sicherheitswarnungen vor.

Nachdem im Dezember 2018 zwei junge skandinavische Touristinnen beim Wildcampen in Imlil brutal ermordet wurden, in dem ihnen mehrere Marokkaner bei Nacht die Kehle durchschnitten, sorgen sich viele Reisende verständlicherweise um ihre Sicherheit. Der grausame Mord ging um die Welt und hat besonders die Marokkaner selbst erschüttert. Es handelt sich hierbei um einen absoluten Einzelfall, der bis dato in dieser Form noch nie vorkam. Die Polizei hatte ihn in erstaunlich kurzer Zeit aufgeklärt, die Täter gefasst und die landesweiten Sicherheitsvorkehrungen enorm verschärft. Das Auswärtige Amt hat bis zum heutigen Tage keine Sicherheitswarnungen für das Atlas-Gebirge ausgesprochen.

Fazit

Der Hohe Atlas ist eines der schönsten und zurecht beliebtesten Reiseziele Marokkos, und mit ein wenig Reiseplanung, der richtigen Ausrüstung und einem erfahrenen Guide kann hier fast jeder problemlos wandern. Du solltest dir jedoch darüber bewusst sein, dass es beim Trekking und Übernachten im Gebirge oft wenig Komfort gibt, du z.B. in einfachen Unterkünften ohne Internetverbindung, heiße Dusche und Heizung übernachtest. Dafür erlebst du wohl nirgendwo sonst das wahre Marokko mit seiner unglaublichen Gastfreundschaft auf eine solche Weise wie im Atlas-Gebirge.

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Verfasst von

Hi, ich bin Nadine, 22 Jahre alt und ursprünglich aus Köln. Seit einer achtmonatigen Soloreise durch Asien nach dem Abitur hat mich das Reisefieber gepackt. Vor zwei Jahren kaufte ich mir meinen 41 Jahre alten VW-Bus "Henry" mit dem ich seither quer durch Europa bis nach Marokko und Russland reiste. Begleitet werde ich dabei von meinem Hund Gismo. Im Februar steht die nächste Reise nach Berlin an.

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