Arbeiten auf einer marokkanischen Pferderanch

Ein Jahr lang lebte ich zusammen mit meinem Hund Gismo in Marokko, davon arbeitete ich zehn Monate auf einer Pferderanch nahe Essaouira. Meine Tage bestanden zum Großteil aus der Arbeit mit den Pferden und Reitgästen. Dabei lernte ich das Land auf eine ganz besondere Art und Weise kennen, von der ich dir in diesem Artikel erzählen möchte.

 

Während ich all meine bisherigen Auslandsjobs, z.B. in Japan, Kambodscha, Laos oder auf Sri Lanka, über Webseiten wie Wwofing, Workaway oder Yardandgroom gefunden habe, stieß ich eher durch Zufall auf die Ranch Diabat. Ich besuchte die Ranch erstmalig als Reitgast und verliebte mich prompt in die 22 Stuten und Hengste, sowie die wunderschöne Natur der Atlantikküste vor Essaouira. Eine Woche später nahm ich an einer Mehrtagestour zu Pferd quer durch Westmarokko teil, nach der meine Entscheidung feststand; Hier wollte ich bleiben.

Nachdem mir die Möglichkeit angeboten wurde, einige Wochen auf der Ranch auszuhelfen, arbeitete ich zuerst im Stall und ritt als zweiter Guide, zur Begleitung der deutsch- und englischsprachigen Gäste, mit. Schnell lernte ich die Umgebung, die Pferde und die Abläufe auf der Ranch kennen und durfte schnell meine eigenen Ritte führen.

Ranch Diabat

Die Ranch Diabat wurde vor über 20 Jahren gegründet und wird seither von zwei marokkanischen Brüdern und einer Italienerin geführt. Die Ranch ist ein Familienbetrieb mit etwa fünfzehn Mitarbeitern, die sich um die Pferde, Dromedare, Quad-Bikes und Jeeps kümmern. Sie liegt im Dorf Diabat, nur zwei Kilometer entfernt von Essaouira.

 

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Die aufmerksamen Stuten der Ranch Diabat

Außer mir arbeiteten nur zwei andere Frauen auf der Ranch, die Chefin und die Köchin. In Marokko arbeiten Frauen entweder gar nicht oder in Bereichen, für denen es Männern oftmals an Feingefühl fehlt, als Hennatätowiererin oder Masseurinnen in weiblichen Hammams beispielsweise. Ich erhielt das gleiche Gehalt wie meine Kollegen, da dies in Marokko allerdings sehr niedrig ist, lebte ich meist vom Trinkgeld meiner Reitgäste. Wie ich das Reisen, Arbeiten und Leben als blonde Frau in Marokko empfand, kannst du in meinem Artikel Alleinreisen als Frau in Marokko: Wie es wirklich ist nachlesen.

Die Ranch bietet Platz für 23 Pferde, mittlerweile werden nur noch Hengste gehalten. Die Araber-Berber sind nicht nur wunderschöne Pferde, sondern auch bekannt für ihre Schnelligkeit, Kraft und enorme Ausdauer. Außerdem lebt auf der Ranch eine Gruppe von 12 Dromedaren.

Arbeitsalltag

Mein Job war sehr vielfältig und kein Tag verlief so wie der andere. Einige Aufgaben wiederholten sich jedoch täglich, besonders die Pflege und das Training der Pferde. Morgens um halb acht fütterte ich die Pferde und begann dann sie zu Striegeln, Waschen, Boxen zu Misten und die Stallgassen zu kehren, wobei ich mich mit zwei meiner Kollegen wöchentlich abwechselte. Unsere Chefs erwarteten neben absoluter Sauberkeit im Stall, dass die Pferde stets ordentlich geputzt waren.

 

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Ausritt am Weihnachtsmorgen

Gegen halb zehn waren wir meist mit der Arbeit fertig, trafen uns für ein kurzes Frühstück in der Sattelkammer und besprachen dabei die Tagesplanung. Meist standen morgens bereits die ersten Ausritte mit den Gästen an, sodass wir die Pferde untereinander aufteilten. Die Ranch bot von einstündigen Strandritten bis mehrtägigen Touren durch Gebirge und Saharawüste alles an, sodass ich nie genau wusste, was mich erwartete. Manchmal führte ich Ganztagestouren mit Picknick, manchmal erteilte ich Reitunterricht auf dem Reitplatz und wenn wir mal gar keine Gäste hatten, trainierte ich einzelne Pferde.

Mittags war die Ranch, abgesehen von der Hochsaison in den Sommermonaten, um Weihnachten, Neujahr und Ostern, meist sehr ruhig. Wir trafen uns zum Mittagessen, bereitete die Pferde für die Nachmittagsritte vor und an ruhigen Tagen pflegte ich die Sättel und Trensen, die vom Sand und Salzwasser sehr in Mitleidenschaft gezogen wurden. Nachdem ich gegen 18.30 Uhr noch einmal Heu und Kraftfutter an die Pferde gefüttert und die Tore verschlossen hatte, kehrte Ruhe auf der Ranch ein. Ich zog mich dann meist nach einer ausgiebigen Dusche in meinen VW-Bus zurück, indem ich zusammen mit meinem Hund Gismo während all der Zeit lebte oder traf mich Abends mit ein paar Freunden oder Reitgästen in Essaouira.

Mehr zur Einreise mit eigenem Fahrzeug in Marokko erfährst du hier; Mit eigenem Fahrzeug nach Marokko reisen: Planung, Organisation und Ablauf.

Araber Berber

Auch wenn man keine Lieblingspferde haben sollte, gab es doch einige Hengste, die mir besonders ans Herz wuchsen. Zu ihnen zählten vor allem die, die uns regelmäßig auf unseren Mehrtagestouren begleiteten.

 

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Einer meiner Lieblingshengste Tichka, den ich als Guidepferd auf einer einwöchigen Tour ritt

Die Erfahrung nur zu Pferd mehrere Tage durchs Hinterland Marokkos zu reiten, am Lagerfeuer zu essen und Nachts unter dem sternenklaren Wüstenhimmel zu schlafen, war absolut magisch. Zu keiner Zeit vermisste ich den Komfort von laufendem Wasser, Elektrizität und Internet.

Eine meiner Reitgäste war zufällig eine Reporterin für das ungarische Reitermagazin Lovas Nemzet und ich durfte mit ihr ein ausführliches Interview über meine Arbeit auf der Ranch führen, das du hier anschauen kannst; Coverstory in ungarischem Reitermagazin.

Als Frau in Marokko

Um als europäische Frau in einem muslimischen Land zu arbeiten, solltest du genügend Nerven, Geduld und ein wenig gesundes Selbstbewusstsein mitbringen. Ich lebte und arbeitete auf engstem Raum mit den Männern der Ranch und hatte besonders zu Beginn meiner Zeit auf Ranch Diabat häufig mit Vorurteilen zu kämpfen. Diese legten sich jedoch mit jedem Tag, den ich die gleiche Arbeit wie die Männer verrichtete und mich immer weniger wie ein Tourist benahm. Stattdessen begann ich mich unbewusst an Land und Kultur anzupassen. Nur die Liebe zu meinem Hund Gismo konnten sie nie so wirklich nachvollziehen, mehr dazu findest du übrigens hier; Mit Hund nach Marokko reisen.

Nach Ramadan veränderte sich die Haltung der Marokkaner mir gegenüber noch einmal schlagartig. Nachdem ich Ramadan tapfer durchgehalten hatte, respektierten sie mich plötzlich auf eine ganz neue Weise und ich lernte die Gastfreundschaft und Herzlichkeit der nordafrikanischen Kultur erst so richtig kennen.

Fazit

Trotz aller der Hürden, die mit meiner Arbeit in Marokko verbunden waren, die anfangs fehlende Akzeptanz meiner männlichen Kollegen, die langen schlecht bezahlten Arbeitstage, der häufig sehr raue Umgang mit den Pferden, die vielen Busreparaturen und Tierarztbesuche, wenn Gismo sich mal wieder mit einem der Hunde aus den Nachbarställen angelegt hatte, war es ein sehr prägende und tolle Zeit. Marokko hat mich viel gelehrt und mit Sicherheit werde ich eines Tages zurückkehren.

Verfasst von

Hi, ich bin Nadine, 22 Jahre alt und ursprünglich aus Köln. Seit einer achtmonatigen Soloreise durch Asien nach dem Abitur hat mich das Reisefieber gepackt. Vor zwei Jahren kaufte ich mir meinen 41 Jahre alten VW-Bus "Henry" mit dem ich seitdem quer durch Europa bis nach Marokko reiste. Begleitet werde ich dabei von meinem Hund Gismo. Im Mai steht der nächste Roadtrip nach Tschechien an.

2 Kommentare zu „Arbeiten auf einer marokkanischen Pferderanch

  1. In welcher Sprache hast du dich mit den Einheimischen unterhalten? Und haben sie dich nur anhand deiner reiterlichen Fähigkeiten während deines Urlaubs als Mitarbeiterin angenommen? Oder musstest du weitere Kenntnisse nachweisen?

    Ich beneide dich um dein Selbstbewusstsein! Als blonde Frau in ein muslimisches Land ohne Begleiter… da würde mir echt der Mumm zu fehlen…

    Liken

    1. Hi Maria,

      danke für deine lieben Worte. Ich würde sagen wir haben eine Mischung aus englisch, französisch und arabisch gesprochen und irgendwie hats immer geklappt. Ein klassisches Vorstellungsgespräch, wie wir das aus Deutschland kennen, gab es ebenfalls nicht, meine reitereichen Fähigkeiten und meine Kommunikationsfähigkeiten haben gereicht. Die Sympathie stimmte einfach.

      Alles Liebe

      Gefällt 1 Person

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