Als Volontär in einem sri lankischen Tierheim

Zu Beginn dieses Jahres half ich drei Wochen in einem Tierheim auf Sri Lanka aus und lernte dabei viel über die Straßentierproblematik des Landes.

 

Viele Reisende warnten mich vor den gefährlichen und häufig tollwütigen Straßenhunden Sri Lankas, von denen man sich fernhalten sollte, was ich natürlich nicht tat. Stattdessen streichelte ich jeden Hund und jede streunende Katze, und gab am Ende wohl mehr Geld für Tierfutter aus, als für mein eigenes Essen.

(Straßentier-)problematik

Es gibt eine Handvoll Tierheime, die sich um die verwahrlosten Tiere kümmern, jedoch wird seitens der Regierung nichts getan. Nach einigen kurzzeitigen Kastrationsprogrammen, die aus Geldgründen unter grausamen Bedingungen durchgeführt wurden, schiebt die Regierung die Verantwortung nun von einer Behörde zur nächsten und es passiert nichts.

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Einer der gut gepflegten Tierheimhunde

Viele Singhalesen sind noch immer gegen die Kastration ihres Hundes, da es nicht mit den buddhistischen Prinzipien vereinbar sei. Zahlreiche Einheimische schrecken jedoch nicht davor zurück, Welpen und Katzenbabys direkt nach der Geburt zu ersäufen, das eigene Tier auszusetzen oder willentlich einen der Hunde am Straßenrand zu überfahren. Religionen lassen sich ja schließlich unterschiedlich interpretieren.

Auch viele Tierärzte sind unzuverlässlich und ausschließlich aufs Geld, und nicht dem Wohl der Tiere, fokussiert. So verbrachte ich einen Nachmittag mit einer todkranken Hündin des Tierheims in einer angeblichen Tierklinik, wo sich kaum einer um das Tier kümmerte. Zwei Tage später mussten wir die Hündin einschläfern.

Tierschutz

Während meiner Zeit im Tierheim durfte ich viele engagierte Tierschützer kennen lernen, die jeden Tag großartige Arbeit für die Tiere leisten. Das Tierheim liegt in Peradeniya und bildet ein Zuhause für über 200 Hunde und Katzen. Geleitet wird es von der deutschen Auswanderin Eva Ruppel (Padma), die seit 36 Jahren auf Sri Lanka lebt und sich täglich liebevoll um ihre vielen Vierbeiner kümmert. Denn auch wenn das Tierheim bereits überfüllt ist und Padma eigentlich keine neuen Tiere mehr annimmt, werden doch noch immer Kartons mit Welpen oder Katzenbabys vor den Toren des Shelters ausgesetzt. Vor allem Hündinnen und ältere Hunde haben kaum Vermittungschancen auf Sri Lanka, denn die Singhalesen bevorzugen junge männliche Welpen. Jedoch vermittelt Padma erfolgreich nach Europa und Nordamerika.

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Die Tochter ist der Mutter wie aus dem Gesicht geschnitten
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Als braune Hündin hat Ahymsa es sehr schwer, auf Sri Lanka ein Zuhause zu finden

Das Problem liegt nicht bei den unzähligen Straßentieren, sondern bei der unfähigen Regierung, den Einheimischen, die sich strikt gegen Kastrationen und Sterilisationen wehren und lieber ihre schwangere Hündin auf der Straße aussetzen, und den vielen Menschen, die ihre Augen vor dem Problem verschließen, dazu zählen auch viele Touristen.

Volunteer

Ich arbeitete dreieinhalb Wochen für Padma, teilte mein Zimmer, welches inmitten des Tierheims lag, mit zwei Perserkatzen und einem Katzenbaby, und verbrachte meine Tage damit den vielen Tieren Aufmerksamkeit und Liebe zu schenken.

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Welpe Gaya

Morgens säuberte ich Katzenklos, reinigte die Flure vom Hundeurin und kümmerte mich anschließend um die vielen Tiere. An den Wochenenden durfte ich dem Tierarzt während der Kastrationen und Sterilisationen assistieren, ebenso wie Padma, wenn sie Infusionen, Wurmtabletten oder sonstige Medikamente verabreichen musste.

Geschichten

Reisen macht einem zum Geschichtenerzähler. Die Abenteuer die man erlebt, die Menschen die man trifft, die Tiere denen man begegnet, die Kulturen von denen man lernt und die Dinge, die man über ein Land erfährt und die in keinem Reiseführer zu finden sind. So könnte ich stundenlang von den vielen Schicksalen der Tiere berichten, den Geschichten die hinter den einzelnen Vierbeinern stecken, doch das würde wohl den Rahmen eines Blogposts sprengen.

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Ein Tierheim ersetzt niemals ein richtiges Zuhause

Ich schenkte diesen Tieren etwas meiner täglichen Zeit, meiner Aufmerksamkeit, meiner Liebe und dafür bekam ich soviel mehr zurück. Eine Volontärin mit der ich zusammen arbeitete, sagte einmal, das Padmas Tierheim mehr als nur ein Tierheim sei. Es sei ein Sanctuary, ein Zufluchtsort, für Tier wie auch Mensch, der mich wieder einmal realisieren ließ, wie groß meine Liebe für Tiere eigentlich ist.

Fazit

Straßentiere findet man in vielen asiatischen Ländern und egal wie häufig ich ihnen begegne, ich werde mich nie an verwahrloste, dünne und schreckhafte Tiere am Straßenrand gewöhnen. So werde ich auch weiterhin jeden Straßenhund und jede streunende Katze auf meinem Weg streicheln.

Das Leben im Tierheim war nicht immer so rosig, wie die vielen Welpenfotos meines Instagramkanals mutmaßen lassen. Ich hielt eine Hündin im Arm als ihr die letzte Spritze gegeben wurde, kümmerte mich um drei ausgesetzte Welpen, die wenige Tage später verstarben und begegnete dem Tod häufiger als gedacht. Es ist hart, den Tod eines Tieres mit anzusehen, doch auf der anderen Seite arbeitet man täglich mit vielen glücklichen, geretteten Tieren. Und was gibt es schöneres, als in die glücklichen Augen eines Hundes zu sehen oder den stolzen Gang einer Katze zu beobachten?

 

Wer sich für Volunteering, Spenden, Patenschaften oder gar die Adoption eines Tieres interessiert, kann über die Facebookseite des Tierheims Kontakt mit Padma aufnehmen (Hier der Link: Tikiri Trust).

Veröffentlicht von

Hi, ich bin Nadine, 19 Jahre und komme aus Köln! Im September 2016 bin ich auf Weltreise gestartet, auf der du mich auf meinem Blog begleiten kannst. Hier dreht sich alles um die Themen Backpacking, Tauchen und tierfreundliches Reisen.

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