Mit Hund nach Rumänien reisen

In keinem anderen Land Europas gibt es so viele streunende Hunde und Katzen, wie in Rumänien. Obwohl sie seit Erlass des Tötungsgesetzes 2013 verfolgt und grausam getötet werden, haben sich die Populationen der streunenden Katzen und Hunde im Land nicht nachhaltig verringert, ganz im Gegenteil. Und ausgerechnet in dieses Land reiste ich für die Dauer meines Praxissemesters zusammen mit meinem Hund Gismo. Doch Rumänien hat noch eine ganz andere Seite; weitläufige Felder und Wiesen, tiefe Wälder, glitzernde Seen und rauschende Bäche, die verschneiten Gebirgszüge und die endlosen Sandstrände des Donau Deltas. In diesem Artikel erzähle ich dir was du beim Reisen mit Vierbeiner in Rumänien unbedingt beachten solltest und berichte dir von meinen eigenen Erfahrungen, von Tierarztbesuchen, geretteten Straßenhunden, einer verletzten Eule, sowie dem tragischen Schicksal der Streuner und was jeder von uns tun kann, um diesen Tieren zu helfen.

Einreisebestimmungen

Um überhaupt nach Rumänien einreisen zu dürfen, benötigt dein Vierbeiner den EU-Heimtierauweis mit der eingetragenen Tollwutimpfung, sowie einen Mikrochip bzw. eine Tattowierung zur Identifizierung. Es empfiehlt sich im Vorhinein eine Impfung gegen die Mittelmeerkrankheit Leishmaniose vorzunehmen, die auch in Südosteuropa verbreitet ist und durch Sandmücken übertragen wird. Auch Impfungen gegen Zwingerhusten und Leptospirose empfehlen sich. Wenn du viel draußen unterwegs bist und dein Hund in Kontakt mit den rumänischen Straßentieren kommt, ist ein Floh-, Zecken- sowie zusätzlicher Mückenschutz unabdingbar. Außerdem solltest du dein Tier regelmäßig gegen Herz-, Spul-, Haken- und Bandwürmer behandeln, hier gibt es praktische Kombinationstabletten. Stocke am besten vor Abreise die Reiseapotheke deines Hundes beim Tierarzt auf. Was du sonst noch auf gemeinsamen Reisen mit Vierbeiner beachten solltest, kannst du in meinem Artikel Reisen mit Hund: Planung und Packliste nachlesen.

Unzählige Hunde und Katzen leben auf den rumänischen Straßen

In manchen europäischen Ländern, darunter Italien, müssen Hunde im Auto in speziellen Transportboxen untergebracht sein oder zumindest durch eine Trennwand zum Fahrerraum und ggf. einen Anschnallgurt gesichert werden, in Rumänien achtet darauf eigentlich keiner. Bei der Buchung der Unterkünfte und Campingplätze solltest du dich im Vorhinein informieren, ob Hunde gestattet sind oder nicht. In Restaurants und Cafés mit Außenbereichen sind Hunde eigentlich immer erlaubt, der Aufenthalt im Innenraum ist im Einzelfall abzuklären. Besonders in den größeren Städten findest du einige moderne Tierarztpraxen. In den Dörfern gibt es häufig einen Landtierarzt, der für die medizinische Versorgung der Nutztiere zuständig ist und dir bei einem Notfall sicherlich auch weiterhelfen kann. Dies war in meinem Fall sehr hilfreich, da der Tierarzt aus dem Nachbardorf, Gismo regelmäßig seine Spritzen verabreichen konnte, als es ihm mal wieder nicht gut ging. So musste ich ihn nicht die 40 Kilometer bis zur nächsten Tierarztpraxis in der Stadt fahren.

Mit Hund quer durchs Land

Rumänien bietet einige der schönsten und spektakulärsten Landschaften Europas und ist somit wirklich ein Paradies für Reisen mit Vierbeiner. Außerhalb der Städte gibt es keinen Leinen- oder Maulkorbzwang und die Hunde erleben eine unvergleichliche Freiheit. Aufgrund der vielen Wildtieren, in Rumänien gibt es z.B. die größte Braunbärenpopulation ganz Europas, solltest du jedoch darauf achten, dass dein Hund nicht unbeaufsichtigt umher läuft und jagt. Allein rund um das Dorf Cund, indem ich neun Monate verbrachte, lebten mehr als 40 Braunbären in den Wäldern.

Den vorderen Welpen vermittelte ich in ein Traumzuhause nach Deutschland

Einige Tage wanderten Gismo und ich zusammen durch das tiefe Făgăraș-Gebirge, erkundeten die endlosen Gletscherseen im Retezat-Nationalpark und erfrischten uns unter den Wasserfällen des Cheile-Nerei-Beușnița-Nationalparks. Gerade in diesen Nationalparks leben besonders viele Braunbären, hier ist also absolute Vorsicht geboten. Die rumänische Schwarzmeerküste ist leider mit Apartment- und Hotelkomplexen zugebaut und du hast eigentlich kaum irgendwo die Möglichkeit, mit Hund ans Wasser zu gelangen. Glücklicherweise gibt es eine Ausnahme; das Donau Delta, das zweitgrößte Delta Europas und eines der bedeutendsten Vogelschutzreservate überhaupt. Hier kannst du an endlosen Sandstränden zwischen dem Fischerörtchen Sulina und dem Lacul Razim spazieren gehen und mit deinem Hund im Meer schwimmen. Die rumänischen Sommer sind sehr heiß, weshalb Großstadtbesuche zu dieser Zeit viel Stress für deinen Vierbeiner bedeuten. Auch wenn es besonders in Sibiu, Brașov und Bukarest einige schöne Stadtparks gibt, solltest du deinen Hund bei Stadtbesuchen weitgehend in der Unterkunft lassen und ihm so die Menschenmassen, den Lärm, den Verkehr und im Sommer auch die Hitze ersparen. Das gilt meiner Meinung nach aber für die meisten Städte Europas.

Tierschutz vor Ort

Rumänien ist das Land mit der größten Straßentierpopulation ganz Europas. Über sechs Millionen streunende Hunde im ganzen Land, davon allein 65.000 in der Hauptstadt Bukarest. Natürlich gibt es auch in den Städten bei wohlhabenderen Familien den Trend zu Rassehunden, im Grunde haben Tiere in Rumänien aber bis heute einen deutlich niedrigeren Stellenwert als in Deutschland. Rund 20 Millionen Menschen in Rumänien leben nach wie vor am Existenzminimum und besonders in den Sinti und Roma-Dörfern herrschen einfachste Bedingungen bis hin zur flächendeckenden Armut. Keine Möglichkeit der Schulbildung, keine medizinische Versorgung, kein fließend Wasser oder Strom, kein Geld. Darunter leiden natürlich auch die Tiere, insbesondere die Straßenhunde, die tagtäglich ums Überleben kämpfen. In den Dörfern wirst du häufig kurz angekettete Hunde in den Hinterhöfen der Häuser sehen, die mangelhaft ernährt sind, nicht medizinisch versorgt werden und Tag ein Tag aus in ihren eigenen Exkrementen ungeschützt vor Schnee, Regen oder Sonne draußen leben. Trotz der landesweiten Kastrationspflicht werden außerdem Jahr um Jahr Tausende Jungtiere geboren.

Spontane Fütterung eines Straßenhunds im Retezat-Nationalpark

In Rumänien gilt das Tötungsgesetz (OUG 155/2001 modifiziert durch Gesetz 258/2013). Auf Straßenhunde sind hohe Prämien ausgesetzt, sie werden also von staatlichen Tierfängern eingefangen und nach einer Frist von 14 Tagen in einem der 170 staatlichen Tierheime brutalst hingerichtet. Das Töten der Tiere führt aber nicht zu einer Minimierung der Straßentierpopulation in Rumänien. Die Anzahl der streunende Hunde und Katzen steigt stattdessen jedes Jahr weiter an. Anstatt das Geld also in die nachhaltige Kastration, sowie Impfungen und Registrierungen aller rumänischen Straßentiere zu stecken, so die Tollwut auszurotten und die Populationsgrößen endlich zu reduzieren, befindet sich Rumänien seit Jahren in einem absoluten Teufelskreislauf. Falls du mehr über die Ursprünge der Ausbreitung von Straßentieren in Rumänien erfahren willst, dann schau doch mal auf der Seite des Tierschutzvereins Niemandshunde vorbei.

Eulenrettung im Dorf Cund

Besonders auf dem Land sind Arbeitspferde in der Landwirtschaft, Schweine in den Gärten der Häuser, Hühner auf der Straße und der Anblick der unzähligen Kuhherden absoluter Alltag. Pferde, in Ständerhaltung, Wildschweine, in winzige Käfige gesperrt, in denen sie sich kaum drehen können, Kühe die in den Misthaufen am Dorfrand weiden. Auf all solche Eindrücke musst du dich vor einer Reise nach Rumänien einstellen.

Was also bedeutet all dies für deine Reise?

Warum erzähle ich dir das? Die oben beschriebene Situation der Tiere in Rumänien bedeutet ganz konkret, dass wo auch immer du mit deinem Hund in Rumänien hinreisen wirst, du auf andere Tiere treffen wirst. Hast du also einen Vierbeiner, der sensibel auf die Begegnung mit Artgenossen reagiert, eine läufige Hündin, einen dominanten Rüden, der sich gerne mal mit anderen Hunden anlegt oder einfach ein Tier, das durch die Präsenz anderer Tiere schnell gestresst ist, dann vermeide eine Reise nach Rumänien. Damit ersparst du dir und deinem Vierbeiner sehr viel Stress. Auch du als Hundebesitzer musst dich dazu in der Lage fühlen, einem Rudel der riesigen Hütehunde in den Weg zu treten, damit sie sich nicht auf deinen Hund stürzen, dich in den Dörfern zum Affen zu machen, wenn du eine Schar Hunde davon abhalten willst, deinen eigenen anzugreifen oder mit Händen und Füßen mit den rumänischen Tierärzten zu kommunizieren.

Einer der riesigen rumänischen Hütehunde

Jeder Reisende trägt eine Verantwortung gegenüber dem Land das er besucht, den Einheimischen sowie den Tieren gegenüber. Natürlich kannst du nicht alle Tiere retten, das ist auch nicht deine Aufgabe. Aber du kannst deinen Teil dazu beitragen, dass es ihnen besser geht. Besonders auf Roadtrips kannst du zusätzliches Hundefutter einkaufen, dieses an die Straßentiere verteilen und so mit einem guten Beispiel voran gehen. Du kannst dich selber praktisch in einem der vielen lokalen Tierheime engagieren oder spenden. Hier ist besonders das Tierheim Smeura, der deutschen Organisation Tierhilfe Hoffnung zu nennen, das größte Tierheim Europas unter deutscher Leitung, das seit Jahren wichtige Tierschutzarbeit leistet. Mit einer Spende von nur sieben Euro im Monat ist ein Hund einen ganzen Monat lang mit Futter versorgt. Mehr Informationen dazu findest du auf der Webseite: tierhilfe-hoffnung.com. Auch Peta Rumänien und das Tierheim des Liberty Bear Sanctuarys nahe Brașov, sowie viele weitere Tierschutzorganisationen leisten hervorragende Arbeit für die Tiere in Rumänien.

Natürlich kannst du auch selber einen rumänischen Hund adoptieren. Ich selber habe während meiner Zeit in Cund einen Straßenhund und den Welpen einer Kettenhündin übernommen, wochenlang gepflegt, gefüttert und medizinisch versorgt und beide erfolgreich nach Deutschland vermittelt. Beiden Hunden geht es heute großartig. Außerdem habe ich regelmäßig die Hunde aus dem Dorf gefüttert, entwurmt und ihnen Medikamente gegen Zecken verabreicht. Einmal habe ich sogar eine kleine Eule gerettet, die aus ihrem Nest gefallen war und die ein Bauer gerade mit einer Schaufel erschlagen wollte. Ich brachte sie zur nächsten Tierklinik in Târgu Mureș, wo sie den gebrochenen Flügel behandelten und die Eule einige Zeit später wieder auswilderten.

Fazit

Rumänien ist eines der landschaftlich schönsten Länder Europas und somit ein absolut spektakuläres Reiseziel für gemeinsame Roadtrips mit Hund. Zusammen mit meinem Hund Gismo habe ich viel von der Welt gesehen, das Tierelend in Rumänien jedoch, hat mich sehr betroffen gemacht. So viele totgefahrene Tiere am Straßenrand, das landesweite Leid der Streuner und die Ignoranz vieler Einheimischen haben mich zeitweise wirklich an Rumänien zweifeln lassen. Das völlig sinnlose Tötungsgesetz und die Profitgier zu Lasten der Tiere hat mich sehr abgeschreckt. Jeder Reisende hat eine Verantwortung. Wir, die wir zusammen mit unseren Vierbeiner unterwegs sind sogar eine doppelte. Überlege dir gut, ob du deinem Hund eine Reise in ein Land wie Rumänien mit all seiner Schönheit aber eben auch den unzähligen Straßentieren, den Krankheiten und den teilweise sehr gefährlichen Situationen zumuten möchtest. Schau nicht weg, spende und leiste deinen Teil den Tieren vor Ort zu helfen.

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Verfasst von

Hi, ich bin Nadine, 24 Jahre alt und komme ursprünglich aus Köln. Seit einer achtmonatigen Soloreise durch Asien nach dem Abitur hat mich das Reisefieber gepackt. Vor vier Jahren kaufte ich mir meinen 42 Jahre alten VW-Bus "Henry" mit dem ich seither quer durch Europa bis nach Marokko und Russland reiste. Begleitet werde ich dabei von meinem Hund Gismo. Im Augenblick studiere im sechsten Semester Pferdewirtschaft und nutze natürlich weiterhin jede Gelegenheit zum Reisen.

4 Kommentare zu „Mit Hund nach Rumänien reisen

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