Mit Hund nach Marokko reisen

Nach meinem allerersten Roadtrip durch Marokko 2018 schrieb ich diesen Blogbeitrag, über die gemeinsame Reisezeit mit meinem Hund Gismo. Hier erfährst du, was du mit Vierbeiner in Nordafrika beachten solltest, wie du auch Städtebesuche hundefreundlich meisterst und wo sich die schönsten Orte für Mensch und Tier befinden.

 

Anreise übers Mittelmeer

Nach fast 3.000 gefahrenen Kilometern von Köln nach Algeciras setzten wir schließlich Anfang März mit der Autofähre über nach Ceuta. Zugegebenermaßen wäre eine Flugreise günstiger, einfacher und unkomplizierter gewesen, mit Hund an seiner Seite jedoch auch um einiges stressiger, besonders für den Vierbeiner. Zudem ist allein die Reise bis nach Südspanien lohnenswert, über unsere Stopps in Italien, Südfrankreich und Nordspanien kannst du übrigens im Artikel „Der erste Artikel vom Roadtrip“ nachlesen.

Beim bekannten Ticketverkäufer Carlos (www.viejesnormandie.net) zahlte ich für die Fährtickets von Algeciras nach Ceuta 171 Euro für Hin- und Rückfahrt. Alternativ kannst du auch direkt ins marokkanische Tanger Med übersetzen, was die Ankunft in so fern vereinfacht, als dass alle Grenzformalitäten bereits auf der Fähre erledigt werden, aus Tarifa dauert die Überfahrt sogar nur 35 Minuten. Auch eine direkte Anreise aus Italien, Südfrankreich oder Nordspanien ist möglich. Hunde müssen während der Überfahrt jedoch im Fahrzeug bleiben.

Einen ausführlichen Artikel zur Einreise mit eigenem Auto nach Marokko, findest du hier; Mit eigenem Fahrzeug nach Marokko reisen: Planung, Organisation und Ablauf.

Ankunft auf dem afrikanischen Kontinent

Nach 1,5 Stunden erreichten wir Ceuta, welches übrigens eine spanische Enklave und als europäische Außengrenze auf dem afrikanischen Kontinent auch ein betriebsamer Knotenpunkt vieler Reisender, Pendler und illegaler Immigranten ist.

Unverzichtbar für Visum und Einfuhrgenehmigung für dein Fahrzeug sind ein gültiger Reisepass, (internationaler) Führerschein, Fahrzeugpapiere und die grüne Versicherungskarte. Falls deine KFZ-Versicherung Marokko nicht mit einschließt, kannst du diese auch direkt an der Grenze oder in einem Versicherungsbüro abschließen.

Mehr über die Ankunft und meine ersten Tage in Marokko erfährst du hier: Reiseupdate: Zweiter Artikel vom Roadtrip.

Mit Hund durchs Land

Mit Vierbeiner in einem nordafrikanisches Land zu Reisen ist eigentlich nicht schwieriger als in anderen Ländern auch, solange du einige Dinge beachtest. Marokko ist ein muslimisches Land, dessen Einwohner ein anderes Verhältnis zu Tieren, besonders zu Hunden pflegen, als du es vielleicht von Zuhause gewohnt bist. Hunde gelten im Koran als unrein, werden hauptsächlich als Wach-, Hüte-, oder Jagdhund gehalten und sind in vielen Restaurants, Geschäften und häufig auch Hotels unbeliebte Gäste.

 

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Am einsamen Strand von Mehdia, nahe Marokkos Hauptstadt Rabat

 

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Wanderung durchs Atlas-Gebirge, hier vor dem höchsten Berg Nordafrikas, dem Jbel Toubkal

Gismo hat stets eine Riesenaufmerksamkeit auf sich gezogen, mal sind ganze Familien schreiend vor ihm weggerannt, Pärchen haben ängstlich die Straßenseite gewechselt, Jugendliche haben ihn als Mutprobe hastig im vorbei laufen berührt, mal wurde er fotografiert oder neugierig gestreichelt. Großstadtbesuche sind für Hunde häufig sehr stressig und meist habe ich Gismo lieber im Auto oder Hotelzimmer gelassen.

Innerhalb der großen Städte wie Marrakech, AgadirMeknès oder Fès habe ich mich fast immer für einen Campingplatz zum Übernachten entschieden, wo auch die Mitnahme von Hunden nie ein Problem war.

 

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Wildcampen im Al Hoceima Nationalpark

Außerhalb der Städte offenbart Marokko sich allerdings als wahres Hundeparadies. Die weitläufigen, menschenleeren Strände der Atlantikküste rund um Essaouira, die einsamen Wanderwege im Gebirge des Hohen Atlas, die weiten Ebenen der Agafay-Wüste oder die kühlen Wälder des Al Hoceima Nationalparks im Norden, boten mir mit unter wunderschöne nächtliche Stellplätze. Hotelzimmer habe ich stets im Vorhinein reserviert und mich mithilfe einer zusätzlichen Mail rückversichert, dass Haustiere auch wirklich erlaubt sind.

Schwierigkeiten mit Vierbeiner in Marokko

Wie bereits erwähnt, sind besonders Stadtbesuche mit Hund häufig stressig, angefangen bei der Parkplatzsuche, denn Taxifahrer erlauben selten die Mitnahme von Haustieren, über Hundeverbote in Geschäften, fehlende Auslaufmöglichkeiten, Stress durch den hektischen Verkehr, ungewohnte Gerüche, die vielen Straßentiere und die Mittagshitze in den engen Gassen der marokkanischen Altstädte. Besonders an den bei Einheimischen beliebten Stränden findet sich häufig viel Müll, Glasscherben sorgen für verletzte Hundepfoten und Essensreste für noch mehr Streuner.

Der Anblick der vielen Straßenkatzen- und Hunde in häufig erbärmlichen Zuständen ist leider Alltag in Marokko, nur in den beliebten Touristenmetropolen, meist rund um die großen Hotelanlagen, sorgen Giftköder und Massentötungen für eine dezimierte Anzahl von Streunern. Es wundert also nicht, dass die meisten Straßentiere dem Menschen eher fern bleiben, vom Großteil der Bevölkerung werden sie missachtet, mit Steinen verjagt und gehasst. Nur ein einziges Mal erlebte ich eine gefährliche Situation, als Gismo an einem Strand von einem Streuner gebissen wurde, der sein Revier verteidigen wollte.

 

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Eines der vielen Medinakätzchen von Meknès

Das Thema Straßentiere in Marokko hat mich wirklich zutiefst erschüttert und zum Nachdenken angeregt. Wo immer ich konnte, habe ich versucht den Tieren zu helfen, sie gefüttert, Welpen und Katzenbabys beim Tierarzt versorgen lassen und einige ganz schwache Tiere in einem der wenigen marokkanischen Tierheime gegen eine Gebühr untergebracht.

Einreisebestimmungen

Sowohl bei der Ein- als auch bei der Ausreise haben sich die Grenzbeamten für Gismo und seine Papiere interessiert. Da Marokko als „nicht gelistetes Drittland“ einige Krankheiten wie Tollwut nicht ausgerottet hat, benötigt dein Hund abgesehen von einem Mikrochip bzw. einer Tätowierung, den europäischen Heimtierausweis mit gültiger Tollwutimpfung und einen Tollwuttiter-Nachweis, der belegt dass dein Hund bei Einreise noch genügend Tollwutantikörper im Blut hat.

Auch eine Leishmanioseimpfung, Kosten liegen bei etwa 300 Euro, oder zumindest ein ausreichender Schutz gegen die die Krankheit übertragenen Sandmücken, sowie gegen Zecken, ist empfehlenswert.

(Medizinische) Versorgung

Tierarztpraxen findest du in jeder größeren Stadt, gute Erfahrungen habe ich in der Clinic Yasmine in Marrakesch und der Clinic Mimosa in Rabat gemacht. Leider traf ich auch auf viele unprofessionelle und schockierend unwissende Veterinäre.

Tierbedarfsläden gibt es wenige, jedoch führen die meisten Supermärkte ein kleines Tierfuttersortiment, am besten nimmst du genügend Futter von Zuhause mit oder kochst unterwegs für deinen Hund.

Fazit

Bei einer Reise mit Vierbeiner nach Marokko sind einige Dinge zu beachten, angefangen bei der Reisezeit, denn in den Sommermonaten ist es rund um die Sahara und Zentralmarokko bereits sehr heiß, der erforderlichen Dokumente wie dem EU-Heimtierausweis mit den notwendigen Impfungen und dem Tollwuttiter-Nachweis, über den generellen Alltag in einem nordafrikanischen Land, hektischer Verkehr, kranke Straßentiere und Schwierigkeiten bei Hotel- und Restaurantbesuchen.

So eine lange Reise nach Marokko ist sicher nicht für jeden Hund geeignet, daher solltest du dir im Vorhinein und auch während der Reise stets Gedanken um das Wohlergehen deines Tieres machen.

Verfasst von

Hi, ich bin Nadine, 22 Jahre alt und ursprünglich aus Köln. Seit einer achtmonatigen Soloreise durch Asien nach dem Abitur hat mich das Reisefieber gepackt. Vor zwei Jahren kaufte ich mir meinen 41 Jahre alten VW-Bus "Henry" mit dem ich seitdem quer durch Europa bis nach Marokko reiste. Begleitet werde ich dabei von meinem Hund Gismo. Im Mai steht der nächste Roadtrip nach Tschechien an.

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