Mit Hund nach Marokko reisen

Marokko ist ein tolles Reiseziel. Historische Städte, endlose Sandstrände und eine Landschaft geprägt von schroffen Gebirgszügen und den Anfängen der Sahara-Wüste, machen Marokko zu einem der schönsten Länder Nordafrikas. Zusammen mit meinem Hund Gismo lebte und arbeitete ich ein Jahr in Marokko, reiste quer durchs Land und durfte die Kultur und Sitten kennenlernen. In diesem Artikel erfährst du, was du mit deinem Vierbeiner in Nordafrika beachten solltest, wie du auch Städtebesuche hundefreundlich gestaltest und wo sich die schönsten Orte für Mensch und Tier befinden.

Anreise übers Mittelmeer

Nach fast 3.000 gefahrenen Kilometern von Köln nach Algeciras setzten mein Hund Gismo und ich schließlich Anfang März 2019 mit der Autofähre über nach Ceuta. Zugegebenermaßen wäre eine Flugreise günstiger, einfacher und unkomplizierter gewesen, mit Hund an meiner Seite jedoch auch um einiges stressiger, besonders für den Vierbeiner. Ich hatte mir Zeit für die Strecke gelassen und einige Stopps in in Italien, Frankreich und Spanien unternommen, über die ich dir in meinem Artikel „Der erste Artikel vom Roadtrip“ mehr erzähle.

Beim berühmt berüchtigten Ticketverkäufer Carlos (www.viejesnormandie.net) zahlte ich für die Fährtickets von Algeciras nach Ceuta 171 Euro für Hin- und Rückfahrt. Alternativ kannst du auch direkt in die marokkanische Stadt Tanger übersetzen, was die Ankunft in so fern vereinfacht, als dass alle Grenzformalitäten bereits auf der Fähre erledigt werden. Aus Tarifa dauert die Überfahrt sogar nur 35 Minuten.

Verlassene Strände wie dieser in Mehdia, nahe Marokkos Hauptstadt Rabat, waren für Gismo und mich das Paradies

Auch eine direkte Anreise aus Italien, Südfrankreich oder Nordspanien ist möglich. Hunde müssen während der Überfahrt jedoch im Fahrzeug bleiben. Einen ausführlichen Artikel zur Reise mit eigenem Auto nach Marokko und dem Ablauf der Grenzformalitäten, findest du hier; Mit eigenem Fahrzeug nach Marokko reisen: Planung, Organisation und Ablauf.

Ankunft auf dem afrikanischen Kontinent

Nach 1,5 Stunden erreichten wir Ceuta, welches übrigens eine spanische Enklave und als europäische Außengrenze auf dem afrikanischen Kontinent auch ein betriebsamer Knotenpunkt vieler Reisender, Pendler und illegaler Immigranten ist.

Unverzichtbar für das Visum und die Einfuhrgenehmigung für dein Fahrzeug sind ein gültiger Reisepass, der (internationale) Führerschein, die Fahrzeugpapiere und die grüne Versicherungskarte. Falls deine KFZ-Versicherung Marokko nicht mit einschließt, kannst du diese auch direkt an der Grenze oder in einem Versicherungsbüro abschließen.

Mit Hund durchs Land

Mit Vierbeiner in einem nordafrikanisches Land zu Reisen ist eigentlich nicht schwieriger als in anderen Ländern auch, solange du einige Dinge beachtest. Marokko ist ein muslimisches Land, dessen Einwohner ein anderes Verhältnis zu Tieren, besonders zu Hunden pflegen, als du es vielleicht von Zuhause gewohnt bist. Hunde gelten im Koran als unrein, werden hauptsächlich als Wach-, Hüte-, oder Jagdhund gehalten und sind in vielen Restaurants, Geschäften und häufig auch Hotels unbeliebte Gäste.

Gismo hat stets eine Riesenaufmerksamkeit auf sich gezogen, mal sind ganze Familien schreiend vor ihm weggerannt, Pärchen haben ängstlich die Straßenseite gewechselt, Jugendliche haben ihn als Mutprobe hastig im vorbeilaufen berührt, mal wurde er fotografiert oder neugierig gestreichelt. Großstadtbesuche sind für Hunde häufig sehr stressig und meist habe ich Gismo lieber im Auto oder Hotelzimmer gelassen. Wenn ich ihn doch mal dabei hatte, habe ich besonders an warmen Tagen darauf geachtet, genügend Trinkwasser für ihn mitzuführen, ihm Pausen in Parks zu genehmigen und stets die Schattenseite der Straßen zu wählen. Im Hochsommer kann der heiße Asphalt außerdem zu Verletzungen an den sensiblen Hundepfoten führen.

Wildcamping im Al Hoceima Nationalpark

Innerhalb der großen Städte wie Marrakech, AgadirMeknès oder Fès habe ich mich fast immer für einen Campingplatz zum Übernachten entschieden, wo auch die Mitnahme von Hunden nie ein Problem war.

Außerhalb der Städte offenbart Marokko sich allerdings als wahres Hundeparadies. Die weitläufigen, menschenleeren Strände der Atlantikküste rund um Essaouira, die einsamen Wanderwege im Gebirge des Hohen Atlas, die weiten Ebenen der Agafay-Wüste und der Haouz-Ebene oder die kühlen Wälder des Al Hoceima Nationalparks im Norden, boten mir mit unter wunderschöne nächtliche Stellplätze. Hotelzimmer habe ich stets im Vorhinein reserviert und mich mithilfe einer zusätzlichen Mail rückversichert, dass Haustiere auch wirklich erlaubt sind.

Schwierigkeiten mit Vierbeiner in Marokko

Wie bereits erwähnt sind besonders Stadtbesuche mit Hund häufig stressig, angefangen bei der Parkplatzsuche, denn Taxifahrer erlauben selten die Mitnahme von Haustieren, über Hundeverbote in Geschäften, fehlende Auslaufmöglichkeiten, Stress durch den hektischen Verkehr, ungewohnte Gerüche, die vielen Straßentiere und die Mittagshitze in den engen Gassen der marokkanischen Altstädte. Besonders an den bei Einheimischen beliebten Stränden findet sich häufig viel Müll, Glasscherben sorgen für verletzte Hundepfoten und Essensreste für noch mehr Streuner.

Der Anblick der vielen Straßenkatzen- und Hunde in häufig erbärmlichen Zuständen ist leider Alltag in Marokko, nur in den beliebten Touristenmetropolen, meist rund um die großen Hotelanlagen, sorgen Giftköder und Massentötungen für eine dezimierte Anzahl von Streunern. Es wundert also nicht, dass die meisten Straßentiere dem Menschen eher fern bleiben, vom Großteil der Bevölkerung werden sie missachtet, mit Steinen verjagt und gehasst. Nur ein einziges Mal erlebte ich eine gefährliche Situation, als Gismo an einem Strand von einem Streuner gebissen wurde, der sein Revier verteidigen wollte.

Eines der vielen Medinakätzchen von Meknès

Das Thema Straßentiere in Marokko hat mich wirklich zutiefst erschüttert und zum Nachdenken angeregt. Wo immer ich konnte, habe ich versucht den Tieren zu helfen, sie gefüttert, Welpen und Katzenbabys beim Tierarzt versorgen lassen und einige ganz schwache Tiere in einem der wenigen marokkanischen Tierheime gegen eine Gebühr untergebracht.

Einreisebestimmungen

Einzig bei der Rückreise von Marokko nach Spanien haben sich die Grenzbeamten für Gismo und seine Papiere interessiert. Da Marokko als „nicht gelistetes Drittland“ einige Krankheiten wie Tollwut nicht ausgerottet hat, benötigt dein Hund abgesehen von einem Mikrochip bzw. einer Tätowierung, den europäischen Heimtierausweis mit gültiger Tollwutimpfung und einen Tollwuttiter-Nachweis, der belegt dass er bei Einreise noch genügend Tollwutantikörper im Blut hat.

Auch eine Leishmanioseimpfung, die Kosten lagen 2019 bei etwa 300 Euro (inzwischen gibt es sie viel günstiger) oder zumindest ein ausreichender Schutz gegen die die Krankheit übertragenen Sandmücken, sowie gegen Zecken, ist empfehlenswert.

(Medizinische) Versorgung

Tierarztpraxen findest du in jeder größeren Stadt, gute Erfahrungen habe ich in der Clinic Yasmine in Marrakesch und der Clinic Mimosa in Rabat gemacht. Leider traf ich auch auf viele unprofessionelle und schockierend unwissende Veterinäre, die teilweise sogar Angst vor Gismo hatten.

Tierbedarfsläden gibt es wenige, jedoch führen die meisten Supermärkte ein kleines Tierfuttersortiment, am besten nimmst du genügend Futter von Zuhause mit oder kochst unterwegs für deinen Hund.

Fazit

Bei einer Reise mit Vierbeiner nach Marokko sind einige Dinge zu beachten, angefangen bei der Reisezeit, denn in den Sommermonaten ist es rund um die Sahara-Wüste und Zentralmarokko sehr heiß, der erforderlichen Dokumente wie dem EU-Heimtierausweis mit den notwendigen Impfungen und dem Tollwuttiter-Nachweis, über den generellen Alltag in einem nordafrikanischen Land mit seinem hektischen Verkehr, den kranken Straßentieren und den Schwierigkeiten bei Hotel- und Restaurantbesuchen. Nicht jeder Hund hat Lust aufs Reisen und unterwegs sein. Du selbst kennst dein Tier am besten und kannst einschätzen, ob du ihm einen Gefallen tust, wenn du es mitnimmst oder ob du es nicht lieber für den Zeitraum deiner Reise bei Bekannten oder in einer Tierpension unterbringen solltest.

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Verfasst von

Hi, ich bin Nadine, 23 Jahre alt und komme ursprünglich aus Köln. Seit einer achtmonatigen Soloreise durch Asien nach dem Abitur hat mich das Reisefieber gepackt. Vor drei Jahren kaufte ich mir meinen 42 Jahre alten VW-Bus "Henry" mit dem ich seither quer durch Europa bis nach Marokko und Russland reiste. Begleitet werde ich dabei von meinem Hund Gismo. Bis September befinde ich mich im Praxissemester in Transilvanien.

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