Mit Hund nach Marokko reisen

Drei Monate reiste ich mit meinem Hund Gismo zu Beginn des Jahres durch Marokko. Was bei einer Reise mit Vierbeiner nach Nordafrika zu beachten ist, wie du Städtebesuche hundefreundlich meisterst und wo sich die schönsten Orte für Mensch und Tier befinden, erfährst du in diesem Artikel.

 

Anreise übers Mittelmeer

Nach fast 3.000 gefahrenen Kilometern von Köln nach Algeciras setzten wir schließlich Anfang März mit der Autofähre über nach Ceuta. Zugegebenermaßen wäre eine Flugreise günstiger, einfacher und unkomplizierter gewesen, mit Hund an seiner Seite jedoch auch um einiges stressiger, besonders für den Vierbeiner. Zudem ist allein die Reise bis nach Südspanien lohnenswert, über unsere Stopps in Italien, Südfrankreich und Nordspanien kannst du übrigens im Artikel „Der erste Artikel vom Roadtrip“ nachlesen.

Beim bekannten Ticketverkäufer Carlos (www.viejesnormandie.net) zahlte ich für die Fährtickets von Algeciras nach Ceuta 171 Euro für Hin- und Rückfahrt. Alternativ kannst du auch direkt ins marokkanische Tanger Med übersetzen, was die Ankunft in so fern vereinfacht, als dass alle Grenzformalitäten bereits auf der Fähre erledigt werden, aus Tarifa dauert die Überfahrt sogar nur 35 Minuten. Auch eine direkte Anreise aus Italien, Südfrankreich oder Nordspanien ist möglich. Hunde müssen während der Überfahrt jedoch im Fahrzeug bleiben.

Ankunft auf dem afrikanischen Kontinent

Nach 1,5 Stunden erreichten wir Ceuta, welches übrigens eine spanische Enklave und als europäische Außengrenze auf dem afrikanischen Kontinent auch ein betriebsamer Knotenpunkt vieler Reisender, Pendler und illegaler Immigranten ist.

Unverzichtbar für Visum und Einfuhrgenehmigung für dein Fahrzeug sind ein gültiger Reisepass, (internationaler) Führerschein, Fahrzeugpapiere und die grüne Versicherungskarte. Falls deine KFZ-Versicherung Marokko nicht mit einschließt, kannst du diese auch direkt an der Grenze oder in einem Versicherungsbüro abschließen.

Mehr über die Ankunft und meine ersten Tage in Marokko erfährst du hier: Reiseupdate: Zweiter Artikel vom Roadtrip.

Mit Hund durchs Land

Mit Vierbeiner in einem nordafrikanisches Land zu Reisen ist eigentlich nicht schwieriger als in anderen Ländern auch, solange du einige Dinge beachtest. Marokko ist ein muslimisches Land, dessen Einwohner ein anderes Verhältnis zu Tieren, besonders zu Hunden pflegen, als du es vielleicht von Zuhause gewohnt bist. Hunde gelten im Koran als unrein, werden hauptsächlich als Wach-, Hüte-, oder Jagdhund gehalten und sind in vielen Restaurants, Geschäften und häufig auch Hotels unbeliebte Gäste.

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Am einsamen Strand von Mehdia, nahe Marokkos Hauptstadt Rabat
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Wanderung durchs Atlas-Gebirge, hier vor dem höchsten Berg Nordafrikas, dem Jbel Toubkal

Gismo hat stets eine Riesenaufmerksamkeit auf sich gezogen, mal sind ganze Familien schreiend vor ihm weggerannt, Pärchen haben ängstlich die Straßenseite gewechselt, Jugendliche haben ihn als Mutprobe hastig im vorbei laufen berührt, mal wurde er fotografiert oder neugierig gestreichelt. Großstadtbesuche sind für Hunde häufig sehr stressig und meist habe ich Gismo lieber im Auto oder Hotelzimmer gelassen.

Innerhalb der großen Städte wie Marrakesch, Agadir, Fes oder Rabat habe ich mich fast immer für einen Campingplatz zum Übernachten entschieden, wo auch die Mitnahme von Hunden nie ein Problem war.

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Wildcampen im Al Hoceima Nationalpark

Außerhalb der Städte offenbart Marokko sich allerdings als Hundeparadies, die weitläufigen, menschenleeren Strände der Atlanktikküste, die einsamen Wanderwege im Gebirge des hohen Atlas oder die kühlen Wälder der Nationalparks im Norden des Landes boten mir mit unter wunderschöne nächtliche Stellplätze. Hotelzimmer habe ich stets im Vorhinein online reserviert und mich mithilfe einer zusätzlichen Mail rückversichert, dass Haustiere auch wirklich erlaubt sind.

Schwierigkeiten mit Vierbeiner in Marokko

Wie bereits erwähnt, sind besonders Stadtbesuche mit Hund häufig stressig, angefangen bei der Parkplatzsuche, denn Taxifahrer erlauben selten die Mitnahme von Haustieren, über Hundeverbot in Geschäften, fehlende Auslaufmöglichkeiten, Stress durch den hektischen Verkehr, ungewohnte Gerüche, die vielen Straßentiere und die Mittagshitze in den engen Gassen der marokkanischen Altstädte. Besonders an den bei Einheimischen beliebten Stränden findet sich häufig viel Müll, Glasscherben sorgen für verletzte Hundepfoten und Essensreste für noch mehr Streuner.

Der Anblick der vielen Straßenkatzen- und Hunde in häufig erbärmlichen Zuständen ist leider Alltag in Marokko, nur in den beliebten Touristenmetropolen, meist rund um die großen Hotelanlagen, sorgen Giftköder und Massentötungen für eine dezimierte Anzahl von Streunern. Es wundert also nicht, dass die meisten Straßentiere dem Menschen eher fern bleiben, vom Großteil der Bevölkerung werden sie missachtet, mit Steinen verjagt und gehasst. Nur ein einziges Mal erlebte ich eine gefährliche Situation, als Gismo an einem Strand von einem älteren Streuner gebissen wurde, der sein Revier verteidigen wollte.

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Eines der vielen Medinakätzchen von Meknès

Das Thema Straßentiere in Marokko hat mich zutiefst erschüttert und zum Nachdenken gebracht, weshalb ich dir bald in einem eigenen Artikel von der Problematik des Landes, den ausländischen Tierschutzprojekten und meinen Tierrettungen berichten werde.

Einreisebestimmungen

Weder bei Ein- noch bei Ausreise hat sich einer der Grenzbeamten für Gismo und seine Papiere interessiert, da Marokko als „nicht gelistetes Drittland“ jedoch noch einige Krankheiten wie Tollwut nicht ausgerottet hat, benötigt dein Hund abgesehen von einem Mikrochip bzw. einer Tätowierung, den europäischen Heimtierausweis mit gültiger Tollwutimpfung und einen Tollwuttiter-Nachweis, der belegt dass dein Hund bei Einreise noch genügend Tollwutantikörper im Blut hat.

Auch eine Leishmanioseimpfung, Kosten liegen bei etwa 300 Euro, oder zumindest ein ausreichender Schutz gegen die die Krankheit übertragenen Sandmücken, sowie gegen Zecken, ist empfehlenswert.

(Medizinische) Versorgung

Tierarztpraxen findest du in jeder größeren Stadt, gute Erfahrungen habe ich in der Clinic Yasmine in Marrakesch und der Clinic Mimosa in Rabat gemacht. Leider traf ich auch auf viele unprofessionelle und schockierend unwissende Veterinäre.

Tierbedarfsläden gibt es wenige, jedoch führen die meisten Supermärkte ein kleines Tierfuttersortiment, am besten nimmst du genügend Futter von Zuhause mit oder kochst unterwegs für deinen Hund.

Fazit

Bei einer Reise mit Vierbeiner nach Marokko sind einige Dinge zu beachten, angefangen bei der Reisezeit, denn in den Sommermonaten ist es rund um die Sahara und Zentralmarokko bereits zu heiß für viele Hunde, der erforderlichen Dokumente wie dem EU-Heimtierausweis mit den notwendigen Impfungen und den Tollwuttiter-Nachweis, über den generellen Alltag in einem nordafrikanischen Land, hektischer Verkehr, kranke Straßentiere und Schwierigkeiten bei Hotel- und Restaurantbesuchen.

So eine lange Reise nach Marokko ist sicher nicht für jeden Hund geeignet, daher solltest du dir im Vorhinein und auch während der Reise stets Gedanken um das Wohlergehen deines Tieres machen.

Verfasst von

Hi, ich bin Nadine, 20 Jahre und komme aus Köln! Nach einer achtmonatigen Asienreise, befinde ich mich nun auf einem Roadtrip durch Südeuropa und Marokko, auf den du mich und meinen Hund Gismo auf diesem Blog begleiten kannst. Hier dreht sich alles um die Themen Backpacking, Roadtrips und Reisen mit Hund.

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