Von Agadir zum Souss-Massa Nationalpark und dem Legzira Beach

Agadir zählt zu einem der beliebtesten Reiseziele Marokkos, insbesondere bei Pauschalurlaubern, die hier die über 300 Sonnentage im Jahr ausnutzen. In der Stadt scheint alles nur so auf den Tourismus ausgelegt und die arabische Kultur damit in weite Ferne gerückt zu sein. Doch wer einmal das touristische Vierteil rund um die adrette Strandpromenade verlässt, entdeckt das die Stadt selbst noch so viel mehr zu bieten hat und Südmarokko zu einer der landschaftlich schönsten und vielfältigsten Regionen überhaupt gehört.

Reiseinformationen

Agadir ist eine wunderschöne Hafenstadt im Süden Marokkos. Regelmäßige Direktflüge aus Deutschland, eine gute touristische Infrastruktur und die relativ windstille Lage an der sonst so rauen Atlantikküste, aufgrund derer Agadir der Badeort überhaupt in Marokko ist, machen die Stadt zu einem äußerst beliebten Reiseziel. Neben der Anreise per Flugzeug erreichst du Agadir auch per Zug aus Rabat oder mit dem Bus aus den anderen Städten Marokkos. Die Autobahn A7 verbindet Agadir außerdem mit Marrakesch und dem Norden des Landes.

Mit über 300 Sonnentagen im Jahr ist Agadir eine Stadt, die sich dank des subtropischen Klimas wunderbar das ganze Jahr über bereisen lässt. Viele Camper überwintern auf einem der drei großen Campingplätze rund um die Stadt und auch Hotels und Ferienanlagen sind das ganze Jahr über gut besucht. Es gibt eine große Auswahl an Unterkünften in unterschiedlichen Preisklassen, desto näher sie an der Strandpromenade liegen, desto teurer sind sie in der Regel auch. In den Wintermonaten ist es häufig zu kalt um zu schwimmen, von Juni bis Oktober hat das Wasser jedoch angenehme Temperaturen um die 20 Grad.

Gismo am großen Strand von Agadir, im Hintergrund die neu erbauten Ferienwohnungen

Für Reisende mit Hund ist Agadir ebenfalls das passende Reiseziel. Selbst in den Sommermonaten Juli und August wird dank der kühlen Atlantikbrise selten die 30-Grad Marke überschritten und der über 10 Kilometer lange Strand von Agadir ist ein wahres Hundeparadies. Alles was du bei einer gemeinsamen Reise mit Vierbeiner nach Nordafrika sonst noch beachten und an welche Dokumente du unbedingt denken solltest, kannst du in meinem Artikel Mit Hund nach Marokko reisen nachlesen.

Sehenswürdigkeiten in Agadir

Die wenigen Sehenswürdigkeiten Agadirs sind bequem zu Fuß zu erreichen und die meiste Zeit hältst du dich in der Regel sowieso an der üppigen Strandpromenade auf. Ansonsten verkehren die gelben Petite Taxis überall im Zentrum und Busse vernetzen die einzelnen Stadtteile miteinander.

Agadir ist eine relativ junge Stadt, denn sie wurde nach dem schweren Erdbeben 1960 komplett neu erbaut, weshalb es hier keine geschichtsträchtige Medina, wie z.B. in Fès oder Meknès gibt. Eines der wenigen Überbleibsel der Zeit vor dem Erdbeben ist die große Kasbah, auf einem Hügel gelegen und von fast überall aus der Stadt zu sehen.

Agadir überzeugt mit einem modernen (Yacht-)Hafen, der weitläufigen Strandpromenade, die gesäumt ist von netten Cafés, vielfältigen Restaurants, bunten Souvenirläden und kleinen Markthallen, sowie dem sauberen Sandstrand. Aufgrund der angenehm milden Temperaturen, des geringen Wellengangs und der seichten Zugänge ins Meer, zieht die Hafenstadt besonders viele Pauschalurlauber und Familien an. Davon zeugen auch die gewaltigen Hotelanlagen an der Promenade und die vielen Restaurants mit westlicher Speisekarte.

Mein wahres Highlight in Agadir waren mal wieder die unglaublich verschmusten und dank Ohrmarke zum Glück vor den Hundefängern geschützten Straßenhunde

Nach des langen und intensiven Roadtrips, den meine Mutter und ich gemeinsam durch die verschiedensten Gegenden Marokkos unternahmen, erholten wir uns von all den aufregenden Reisestrapazen am herrlichen Sandstrand Agadirs. Nach dem Trubel Marrakeschs, dem anstrengenden Bergsteigen rund um den Jbel Toubkal, eiskalten Übernachtungen in der Agafay-Wüste, tagelangen Fahrten durch die einsamen Steppen der Haouz-Ebene und dem rauen Wind Essaouiras, war Agadir der perfekte Ort für uns zum runterkommen. Auch meine Reise durch den hohen Norden Marokkos, nach FèsMeknès, Volubilis, Al Hoceima und das Beni-Snassen-Massiv und all die Schwierigkeiten, vor die mich das Alleinreisen als Frau in einem muslimischen Land stellte (Alleinreisen als Frau in Marokko: Wie es wirklich ist) waren großartig aber auch kräftezehrend. So erschien mir Agadir mit seinen sauberen goldenen Sandstränden, den lebhaften Cocktailbars, köstlichen Strandrestaurants mit traditonellen Pizzaöfen, den Masseuren, Henna-Tattöwierern und typischen Sonnenbrillen- und Schmuckverkäufern, einfach als der perfekte Abschluss einer tollen Reisezeit. Wer jedoch nur wenige Urlaubstage hat und das „wahre Marokko“ erleben möchte, der sollte Agadir entweder auslassen oder höchstens einige Strandtage dort verbringen, bestenfalls zum Ende der Reise.

Rund um Agadir

Agadir und sein Umland erkundest du am besten auf eigene Faust, am einfachsten geht das mit einem Mietwagen. Busse außerhalb der Stadt fahren unregelmäßig und Taxifahrer weigern sich häufig die weiten Strecken, die zudem häufig in einem schlechten Zustand sind, auf sich zu nehmen.

Souss-Massa Nationalpark

Der Souss-Massa Natinalpark liegt etwa 40 Kilometer südlich von Agadir und zählt zu einem der wichtigsten Natur- und Vogelschutzgebiete des Landes. Obwohl Agadir nur etwa eine Autostunde entfernt ist, befindest du dich hier fern ab vom Massentourismus, in einem völlig intakten Ökosystem.

Im Frühling weht an den Stränden rund um den Nationalpark der raue Wind vom Atlantik, die Sommer sind dagegen ausgesprochen trocken. Tourguides warten im nahegelegenen Ort Massa auf Kundschaft, jedoch kannst du den Park auch problemlos alleine erkunden.

Im Souss-Massa Nationalpark ist eine vielfältige Tier- und Pflanzenwelt beheimatet

Das Souss-Massa ist ein unberührtes, wirklich wildes Stück Natur mit einzigartigen Küstensteppen, Sanddünen und Wäldern. Hier sind besonders viele seltene Vogelarten beheimatet, wie der vom Aussterben bedrohte Fischadler, die weltweit einzige Waldrapp-Population und Flamingos. In den Wäldern leben Wildschweine, Schakale und Füchse.

Meine Mutter und ich verbrachten eine Nacht im Hotel Résidence Fanti in Sidi Ouassay, einem Dorf das unterhalb des Nationalparks gelegen ist. Sidi Ouassay war während unseres Besuchs im Frühjahr so gut wie ausgestorben und auch in unserer Unterkunft waren wir die einzigen Gäste. Dieses riesige, altmodische Hotel mit seinen dunklen Kiefernholzmöbeln, den langen mit Samtteppichen bedeckten Fluren und den goldenen Schriftzeichen an den Zimmertüren, erinnerte mich sehr an das Stanley Hotel aus dem Filmklassiker „Shining“ mit Jack Nicholson.

Legzira Beach

Der Strand von Legzira liegt nur wenige Kilometer vom Urlaubsort Sidi Ifni entfernt. Bekannt wurde er durch den spektakulären roten Felsbogen, wie du sie sonst bloß an der Südküste der Algarve in Portugal findest. Einst hatte er einen ebenso imposanten Zwillingsbogen, doch brach dieser 2016 unter dem Gewicht der Klippe zusammen.

Die roten Felsen des Legzira Beach

Den Legzira Beach erreichst du über die Route 104. Dein Fahrzeug kannst du direkt am Rande der Steilklippen für 30 Dirham parken, Wohnmobile sollten aufgrund der begrenzten Wendemöglichkeit jedoch schon vorher abgestellt werden. Über einen schmalen Pfad gelangst du schließlich hinunter zum Strand.

Leider endete mein Besuch an dem berühmten Strand schneller und dramatischer als gedacht. Mein Hund Gismo wurde von einigen Straßenhunden attackiert und ein Rüde verbiss sich in seinem Nackenfell. Ich kontaktiere sofort einen Tierarzt in Agadir und obwohl es Sonntagnachmittag war und ich nicht vor Abend wieder zurück sein würde, willigte er dennoch ein mich in der Praxis zu treffen. Wahrscheinlich erinnerte er sich daran, dass ich ihn bereits einige Tage zuvor gut bezahlt hatte, als ich ihm ein krankes Straßenkätzchen zum impfen und aufpäppeln brachte. Bis heute hat Gismo eine beidseitige Schwellung im Nacken, wo ihn die Zähne des anderen Hundes gepackt hatten. Glücklicherweise war dies das einzige wirklich negative Erlebnis im Bezug auf Straßenhunde während Gismos und meiner vielen gemeinsamen Reisen.

Fazit

Wer seine Reise nur auf Agadir beschränkt, wird dem „wahre Marokko“, wie ich es kennen und lieben gelernt habe, nicht begegnen und wird diesem wundervollen Land so nicht wirklich gerecht. Nichtsdestotrotz ist die Hafenstadt ein wunderbarer Ort zum ungestörten Faulenzen am Strand, Flanieren durch die feinen Restaurants und für lange Spaziergänge entlang der Promenade. Außerhalb Agadirs sind besonders die einsamen Sandstrände der rauen Atlantikküste mit ihren einzigartigen Felsformationen und der Souss-Massa Nationalpark eine Reise wert.

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Verfasst von

Hi, ich bin Nadine, 23 Jahre alt und komme ursprünglich aus Köln. Seit einer achtmonatigen Soloreise durch Asien nach dem Abitur hat mich das Reisefieber gepackt. Vor drei Jahren kaufte ich mir meinen 42 Jahre alten VW-Bus "Henry" mit dem ich seither quer durch Europa bis nach Marokko und Russland reiste. Begleitet werde ich dabei von meinem Hund Gismo. Im Augenblick befinde ich mich im Praxissemester in Transilvanien.

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