Von Agadir zum Souss-Massa Nationalpark und dem Legzira Beach

Agadir zählt zu einem der beliebtesten Reiseziele Marokkos, besonders bei Pauschalurlaubern. Hier scheint alles auf den Tourismus ausgelegt und die arabische Kultur in weite Ferne gerückt. Doch wer einmal das touristische Viertel rund um die Strandpromenade verlässt, entdeckt das die Stadt viel mehr zu bieten hat und Südmarokko zu einer der landschaftlich schönsten und vielfältigsten Regionen überhaupt gehört.

 

Agadir ist eine Hafenstadt im Süden Marokkos. Regelmäßige Direktflüge nach Deutschland, eine gute touristische Infrastruktur und die ruhige, windstille Lage am Atlantik machen die Stadt zu einem beliebten Reiseziel.

Unterwegs in Agadir

Die wenigen Sehenswürdigkeiten Agadirs sind bequem zu Fuß zu erreichen und die meiste Zeit hält man sich in der Regel sowieso an der üppigen Strandpromenade auf. Ansonsten verkehren die gelben Petite Taxis und Busse vernetzen die einzelnen Stadtteile miteinander.

Agadir wurde nach dem schweren Erdbeben 1960 komplett neu erbaut, weshalb es hier keine geschichtsträchtige Medina, wie z.B. in Fès oder Marrakesch, gibt. Eines der wenigen Überbleibsel des Erdbebens ist die Kasbah, auf einem Hügel gelegen und von fast überall aus der Stadt zu sehen.

Die Stadt überzeugt mit einem modernen (Yacht-)Hafen, der weitläufigen Strandpromenade, die gesäumt ist von netten Cafés, vielfältigen Restaurants, bunten Souvenirläden und kleinen Markthallen, sowie dem sauberen Sandstrand. Mit 300 Sonnentagen im Jahr und angenehm milden Temperaturen zieht Agadir besonders viele Pauschalurlauber und Familien an. Davon zeugen auch die gewaltigen Hotelanlagen an der Promenade und vielen Restaurants mit westlicher Speisekarte.

 

1
Gismo am großen Strand von Agadir, im Hintergrund die neu erbauten Ferienwohnungen

Nach der langen, intensiven Reise, die meine Mutter und ich letztes Jahr durch die verschiedensten Teile Marokkos unternahmen, nach dem Trubel Marrakeschs, dem Bergsteigen rund um den Jbel Toubkal, eiskalten Übernachtungen in der Agafay-Wüste, tagelangen Fahrten durch die einsamen Steppen der Haouz-Ebene und dem rauen Wind Essaouiras, erholten wir uns von den Strapazen an den Stränden Agadirs. Auch mein Roadtrip durch den hohen Norden Marokkos, nach FèsMeknès, Volubilis, Al Hoceima und das Beni-Snassen-Massiv und all die Schwierigkeiten, vor die mich das Alleinreisen als Frau in einem muslimischen Land stellte (Alleinreisen als Frau in Marokko: Wie es wirklich ist!) waren großartig aber auch kräftezehrend. So erschien mir Agadir mit seinen sauberen Sandstränden, den Cocktailbars, Strandrestaurants mit Pizzaöfen, den Masseuren, Henna-Tattöwierern und Sonnenbrillen- und Schmuckverkäufern, einfach als der perfekte Abschluss einer tollen Reisezeit. Wer jedoch nur wenige Urlaubstage hat und das „wahre Marokko“ kennenlernen möchte, der sollte Agadir entweder auslassen oder höchstens einige Strandtage dort verbringen, bestenfalls am Ende der Reise.

Das Umland Agadirs

Agadir und sein Umland erkundest du am besten auf eigene Faust, am einfachsten geht das mit einem Mietwagen. Busse außerhalb der Stadt fahren unregelmäßig und Taxifahrer weigern sich häufig die weiten Strecken, die zudem häufig in einem schlechten Zustand sind, auf sich zu nehmen.

Souss-Massa Nationalpark

Der Souss-Massa Natinalpark liegt etwa 40 Kilometer südlich von Agadir und zählt zu einem der wichtigsten Natur- und Vogelschutzgebiete des Landes. Obwohl Agadir nur etwa eine Autostunde entfernt liegt, befindet man sich hier fern ab vom Massentourismus, in einem intakten Ökosystem.

 

2
Im Souss-Massa Nationalpark ist eine vielfältige Tier- und Pflanzenwelt beheimatet

Im Frühling weht an den Stränden rund um den Nationalpark ein rauer Wind, die Sommer sind ausgesprochen trocken. Guides warten im nahegelegenen Ort Massa auf Kundschaft, jedoch kannst du auch problemlos alleine durch den Park wandern.

Souss-Massa ist ein unberührtes, wildes Stück Natur mit einzigartigen Küstensteppen, Sanddünen und Wäldern. Hier sind besonders viele seltene Vogelarten beheimatet, wie der vom Aussterben bedrohte Fischadler, die weltweit einzige Waldrapp-Population und Flamingos. In den Wäldern leben Wildschweine, Schakale und Füchse.

 

5
Blick aufs Flussbett

Wir verbrachten eine Nacht im Hotel Résidence Fanti in Sidi Ouassay, einem Dorf das unterhalb des Nationalparks gelegen ist. Sidi Ouassay war während unseres Besuchs im Frühjahr wie ausgestorben und auch in unserer Unterkunft waren wir die einzigen Gäste. Dieses riesige, altmodische Hotel mit seinen dunklen Kiefernholzmöbeln, den langen von Samtteppichen bedeckten Fluren und den goldenen Schriftzeichen an den Zimmertüren, erinnerte mich sehr an das Stanley Hotel aus dem Film „Shining“ mit Jack Nicholson.

Legzira Beach

Der Strand von Legzira liegt nur wenige Kilometer vom Urlaubsort Sidi Ifni entfernt. Bekannt wurde er durch den spektakulären roten Felsbogen. Eins hatte er einen ebenso imposanten Zwillingsbogen, doch brach dieser 2016 unter dem Gewicht der Klippe zusammen.

Den Legzira Beach erreichst du über die Route 104. Dein Fahrzeug kannst du direkt am Rande der Steilklippe für 30 Dirham parken, Wohnmobile sollten aufgrund der begrenzten Wendemöglichkeit jedoch schon vorher abgestellt werden. Über einen schmalen Pfad gelangst du schließlich hinunter zum Strand.

 

4
Die auffälligen roten Felsen des Legzira Beach

Leider endete mein Besuch an dem berühmten Strand schneller und dramatischer als gedacht. Mein Hund Gismo wurde von einigen Straßenhunden attackiert und ein Rüde verbiss sich in seinem Nackenfell. Ich kontaktiere sofort einen Tierarzt in Agadir und obwohl es Sonntagnachmittag war und ich nicht vor Abend wieder zurück sein würde, willigte er dennoch ein mich in der Praxis zu treffen. Wahrscheinlich erinnerte er sich daran, dass ich ihn bereits einige Tage zuvor gut bezahlt hatte, als ich ihm ein krankes Straßenkätzchen zum impfen und aufpäppeln brachte. Bis heute hat Gismo eine beidseitige Schwellung im Nacken, wo ihn die Zähne des anderen Hundes gepackt hatten.

Einen ausführlichen Artikel über die Mitnahme eines Hundes nach Marokko, findest du hier: Mit Hund nach Marokko reisen.

Fazit

Wer seine Reise nur auf Agadir beschränkt, wird das „wahre Marokko“ nicht kennenlernen und diesem wundervollen Land nicht gerecht. Nichtsdestotrotz ist die Stadt ein wunderbarer Ort zum ungestörten Faulenzen am Strand, Flanieren durch die feinen Restaurants und für lange Spaziergänge entlang der Promenade. Außerhalb der Stadt sind die ungezähmten Strände des Atlantiks mit ihren einzigartigen Felsformationen und der Souss-Massa Nationalpark eine Reise wert.

Verfasst von

Hi, ich bin Nadine, 22 Jahre alt und ursprünglich aus Köln. Seit einer achtmonatigen Soloreise durch Asien nach dem Abitur hat mich das Reisefieber gepackt. Vor zwei Jahren kaufte ich mir meinen 41 Jahre alten VW-Bus "Henry" mit dem ich seither quer durch Europa bis nach Marokko und Russland reiste. Begleitet werde ich dabei von meinem Hund Gismo. Im Februar steht die nächste Reise nach Berlin an.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s