Roadtrip durch Südnorwegen Teil I: Mit Hund von Oslo bis nach Bergen

Mit einer Fläche von 385.178 km² ist Norwegen das fünftgrößte und zugleich längste Land Europas – da kann man die Entfernungen und Fahrzeiten schon mal unterschätzen! Allein von der Hauptstadt Oslo bis an das Endziel vieler Skandinavien-Reisen, das legendäre Nordkapp, beträgt die reine Fahrzeit durch das Nachbarland Schweden, rund 24 Stunden. Zudem gehören zu Norwegen, oder Norge wie die Einheimischen ihr Land nennen, ganze 150.000 Inseln an der Küste, der europäische Rekord. Doch Norwegen ist auch ein großes Land mit vielen kleinen Straßen, die besonders zur Hochsaison oft durch entgegenkommende Wohnmobile verstopft werden, die nicht aneinander vorbei passen. Heruntergefallene Steine und Geröll zwangen uns während unserer Reise das ein oder andere Mal zu mehrstündigen Umwegen. Besonders oberhalb des Polarkreises kreuzen häufig Rentiere die Straßen und verlangsamen so den Verkehr. All dies führt zu Verzögerungen und langen Fahrtagen. Wer mit wenig Zeit im Gepäck nach Norwegen reist, sollte überlegen, sich auf eine bestimmte Region des Landes zu beschränken. Auch wenn die Lofoten, das Nordkapp und die Insellandschaft im Westen sicher zu den interessantesten Destinationen zählen, empfehle ich dir den Süden Norwegens. Warum? Das erfährst du in diesem Artikel.

Reiseinformationen

Die wohl schönsten Roadtrip-Monate in Norwegen liegen zwischen Mai und September, wenn die Tage lang, golden und vergleichsweise mild sind. Packe dennoch wetterfeste Kleidung ein, denn das Wetter wechselt in Skandinavien sehr schnell. Obwohl Norwegen nicht in der EU ist, gibt es hier keine Roaming-Gebühren, sodass du dein Handy ganz normal weiter nutzen kannst. Aufgrund der hohen Preise in Norwegen bietet es sich auf jeden Fall an, zumindest einige Unterkünfte und Aktivitäten im Vorhinein zu buchen – besonders Campingplätze sind in der Hochsaison schnell ausgebucht! Da Südnorwegen direkt am Anfang meiner dreimonatigen Skandinavien-Reise lag, hatte ich zahlreiche Lebensmittel von daheim dabei und habe dadurch im Vergleich zum Einkaufen in norwegischen Supermärkten, eine Menge Geld gespart! Natürlich reicht so ein Lebensmittelvorrat keine drei Monate und ich wollte auch die landestypischen Produkte probieren.

Ja Norwegen ist teuer, besonders der Alkohol. Lass dir davon aber bloß nicht deine Reise verderben!

Die günstigsten Supermärkte in Norwegen sind; KIWI, REMA und EXTRA. Geld sparst du, wenn du größere Filialen auf dem Festland besuchst, die kleinen Inselsupermärkte haben meist die höchsten Preise. Wasser kannst du bedenkenlos aus der Leitung trinken – tatsächlich gibt es in den Supermärkten eigentlich kein stilles Wasser zu kaufen, weil die Wasserqualität so hervorragend ist. Spartipps für Alkohol? Die gibt es eigentlich nicht. Alkohol ist einfach extrem teuer in Norwegen.

Autofahren in Südnorwegen

Norwegische Straßen sind geprägt von Tunneln, engen Kurven, einspurigen Straßen und leider auch hohen Mautgebühren (AutoPass). Die meisten Fernstraßen (die mit dem „E“ vor der Nummer, wie der E39) sind einspurig und haben erlaubte Höchstgeschwindigkeiten von 60 bis 80 km/h. Bergpässe können aufgrund von Wetterverhältnissen spontan geschlossen werden. Achte außerdem darauf, dass deine Bremsen auf den langen Abfahrten nicht überhitzen. Tankstellen sind im ganzen Land vorhanden, aber Benzin und Diesel ist aus Umweltschutzgründen und der globalen Versorgungslage teurer als in Deutschland (und das muss ja schon etwas heißen). Autofähren über die vielen Fjorde können mit dem norwegischen Mautsystem (FerryPay) oder alternativ direkt mit Kartenzahlung beglichen werden.

Unterwegs mit Hund

Für die Einreise mit Vierbeiner nach Norwegen benötigst du den blauen EU-Heimtierausweis mit gültiger Tollwutimpfung, einen Mikrochip und maximal 10 Tage vor der Einreise eine Bandwurmbehandlung, die vom Tierarzt durchgeführt und im EU-Heimtierausweis dokumentiert werden muss. Südnorwegen ist ein echter Traum für Reisende mit Hund! Verlassene Sandstrände, tiefe Kiefernwälder, bunte Blumenwiesen im Sommer, schneereiche Winter und wenig Verkehr. Die erste Wanderung auf norwegischen Boden führte Gismo und mich übrigens zum Farris Viewpoint, nahe der Hafenstadt Larvik.

Während meines dreimonatigen Skandinavien-Roadtrips habe ich nicht einmal einen Strand gesehen, an dem Hunde verboten waren oder Leinenpflicht gefordert war

Zu Bedenken ist, dass Norwegen mit nur fünf Millionen Einwohnern sehr dünn besiedelt ist. Oftmals sind es außerhalb der Städte hunderte Kilometer bis zum nächsten Tierarzt oder Tierbedarfsladen. Gerade deshalb ist die richtige Hunde-Reiseapotheke und ein ausreichender Futtervorrat an Bord so wichtig. Was du neben einer Zeckenzange, Notfall-Schmerzmittel und dem Lieblingsleckerchen deines Hundes unbedingt dabei haben solltest, kannst du in meinem Artikel Reisen mit Hund: Planung und Packliste nachlesen.

Sehenswürdigkeiten: Von Oslo bis nach Bergen

Während meiner Fährüberfahrt nach Kristiansand fiel mir die zerklüftete norwegische Küste mit ihren vielen vorgelagerten Inseln und den bunten Fischerdörfern auf. Die Überfahrt mit der Fährgesellschaft Fjordline von Hirtshals in Dänemark nach Kristiansand in Südnorwegen dauert je nach Strecke etwa zweieinhalb Stunden und hat mich 120 € (inklusive Auto und mitreisenden Hund) gekostet. Dies ist die kürzeste Fährverbindung von Dänemark aus. Fjordline fährt auch nach Bergen und Stavanger. Alternativ kannst du auch die 20-stündige Überfahrt von Kiel direkt nach Oslo wählen – dies kam wegen Gismo natürlich nicht infrage.

Oslo und Oslofjord

Die norwegische Hauptstadt Oslo ist für viele der Startpunkt ihrer Reise in den hohen Norden. Den modernisierten und aufgehübschten Vierteln wie Aker Brygge ist es zu verdanken, dass Oslo heute mit den anderen skandinavischen Hauptstädten Stockholm, Kopenhagen und Helsinki mithalten kann. Die spektakuläre Lage direkt an einem der größten Fjorde des Landes, dem Oslofjord, und dem Hausberg Holmenkollen direkt vor der Tür, macht Oslo besonders für Naturliebhaber interessant. Des Weiteren gilt Oslo als Welthauptstadt des Wintersports– echte Skifans sollten die Holmenkollen Skisprungschanze im Norden Oslos nicht verpassen. Nirgendwo sonst im Land kannst du so viel über die mehr als 4000-jährige Skigeschichte Norwegens lernen!

Bekannt ist Oslo jedoch nicht nur für das Skifahren, sondern auch für die malerischen Grünanlagen und die vielen Museen. Wusstest du etwa, dass sich die meisten Werke Edgar Munchs im Osloer Munch-Museum befinden oder du auf der Insel Bygdøy das originale Holzfloß der legendären Kon-Tiki-Reise besichtigen kannst? Da ich der norwegischen Hauptstadt mit diesem kleinen Absatz kaum gerecht geworden wäre, habe ich im Artikel Oslo mit Hund bereisen meine wichtigsten Reisetipps für dich zusammengefasst.

Historische Stabkirchen in Norwegen

In Norwegen sind noch 28 historische Stabkirchen erhalten – einst waren es über 700 Stück. Auf der ganzen Welt gibt es außerhalb Norwegens nur noch zwei weitere Stabkirchen; die aus dem Mittelalter erhalten gebliebene Stabkirche Hedared in Schweden und die Kirche Wang in Polen. Das besondere an den Stabkirchen ist, dass sie komplett aus Holz errichtet sind. Viele von ihnen werden durch aufwendige Holzschnitzereien verziert, wie die Stabkirchen Heddal, Gol, Borgund, Fantoft und Urnes. Die genaue Datierung der Stabkirchen erweist sich als schwierig, vermutlich entstanden sie jedoch im 12. und 13. Jahrhundert. Auf den Stabkirchen thronen komplexe Dachmastenkonstruktionen, die den Kirchen einen mystischen Eindruck verleihen.

Die meisten Stabkirchen in Skandinavien liegen unterhalb des Polarkreises, also im südlichen Norwegen. Tatsächlich wurden die meisten Stabkirchen in Schweden im Laufe des 17. Jahrhunderts während der Pestepidemie verbrannt und in Dänemark ist heute keine einzige mehr erhalten.

Unterwasserrestaurant Under

Das 4-Sterne Restaurant Under in Lindesnes galt einst als Europas erstes Unterwasserrestaurant und lange Zeit auch als exklusiver Geheimtipp. Der Speisesaal befindet sich tatsächlich 5,5 Meter unterhalb der Meeresoberfläche und eine der Wände wurde durch eine massive Glasscheibe ersetzt. So kannst du lokale Köstlichkeiten probieren und während dessen die vorbei schwimmenden Fische beobachten. Das Under ist mit 220 Euro pro Person (für das günstigste mehrgängige Menü) nicht ganz preiswert, aber was ist schon billig in Norwegen?

Blick von oben auf das Unterwasserrestaurant Under

Ein Abendessen im Under zählt definitiv zu den kulinarischen Highlights des nordischen Landes, besonders da norwegischer Seelachs, die traditionellen Fischklöße Fiskeboller und die Lammrippchen Pinnekjøtt auf der Tageskarte stehen. Eine Reservierung im Vorhinein ist unbedingt notwendig.

Kanelstranda- der schönste Strand der Südküste

Mit einer durchschnittlichen Jahrestemperatur von 6,1 Grad und etwa 3,2 Sonnenstunden täglich, erscheint Norwegen auf den ersten Blick nicht die perfekte Destination für Strandurlaube zu sein. Und doch, besonders an der norwegischen Südküste gibt es zahlreiche wunderschöne Sandstrände, malerische Buchten und kleine Trauminseln. Im Hochsommer kann die sonst so raue Nordsee bis zu 18-20 Grad Wassertemperatur annehmen, was Baden grundsätzlich möglich macht. Zu den schönsten Stränden der Südküste zählen der 800-Meter lange Sjøsanden Beach in Mandal, der Windsurfing-Hotspot Haviksanden Beach in Lista, der schier endlose Sandstrand Jdaæren nahe Stavanger und Farstadsanden Beach, der wie ein Halbmond geformt zwischen Kristiansund und Molde liegt. Im Nordwesten Norwegens gibt es zudem einige Tauchhotspots, z.B. in Bodø oder Narvik.

Der feine Sand des Kanelstrandas

Am besten gefiel meinem Hund Gismo und mir ein auf den ersten Blick eher unscheinbarer Strandabschnitt im Naturschutzgebiet Furulunden, der Kanelstranda. Seinen Namen verdankt der Strand dem aus der Rinde des Zimtbaumes gewonnenen Zimt, dem sogenannten Kanel, denn er besteht aus feinen braunen Sand. Der Kanelstranda bietet eine malerische Aussicht auf die Schärenlandschaft und da er direkt an einen tiefen Wald grenzt, gab es auch genügend Stöckchen für meinen Hund Gismo zum Spielen.

Surfen in Farsund

Wem das Wasser vor der norwegischen Südküste zum Baden doch einige Grad zu kalt ist, findet vielleicht mehr Freude an Windsurfing oder Stand-up-Paddling (selbstverständlich mit schützenden Neoprenanzug). Zwar sind eigentlich die Lofoten Norwegens bester Ort zum Surfen, Farsund gilt jedoch besonders für Surfanfänger aufgrund seiner sanften und langen Wellen als beliebtes Reiseziel. In den Wintermonaten wenn die Nordsee sich von ihrer raueren Seite zeigt, stehen hier die Profis auf den Brettern, während sich im Sommer die Touristen an den weitläufigen Stränden treffen. Die Surfschule Lista Surfing ist eine qualifizierten Anlaufstelle für Surfunterricht und Bretterverleih und bietet auch mehrstündige Stand-up-Paddle Touren. Farsund gilt übrigens als einstige norwegische Seeräuberhauptstadt. Da die Stadt vom Meer nicht einsehbar ist, wurden zu früheren Zeiten von hier aus die Raubzüge gestartet. Die weitläufigen Sandstrände zwischen Lista und Farsund sind übrigens auch bei Reitern sehr beliebt. Der Reitstall Torp Gard bietet mehrstündige Ausritte für Touristen zum Strand an.

Industriestadt Stavanger

Als viertgrößte Stadt Norwegens ist Stavanger ein wichtiger Standort für die nationale Erdöl- und Erdgasindustrie und aufgrund des großen Anteils landwirtschaftlich genutzter Fläche, auf den 16 zum Stadtgebiet gehörenden Inseln, auch für den Obst- und Gemüseanbau. Stavangers großer Schiffsterminal für Fähr- und Autofährverbindungen gilt außerdem als wichtiger Verkehrsknotenpunkt zu der nordöstlich angrenzenden Fjordlandschaft Ryfylke (alternativ gibt es auch das Rennfast-Tunnelsystem, das die unterirdische Anreise nach Ryfylke ermöglicht).

 Stavanger ist das Stadtgebiet mit den drittmeisten Einwohnern Norwegens (Bild von Jean Michel Lagarde auf Pixabay)

Gegründet wurde Stavanger im Jahre 1125 von Sigurd Jorsalfarer und zählt damit zu einer der ältesten Städte Norwegens. Bekannt ist die internationale Fjordstadt für ihre bunte Street Art-Szene, denn Stavanger war 20 Jahre lang Gastgeber des Nuart-Straßenkunstfestivals. Gutes Essen, ein quirliges Nachtleben und der malerische Schärengarten zwischen der Nordsee und dem fjordreichen inneren Ryfylke, machen Stavanger zu einer der schönsten Städte entlang der norwegischen Südküste.

Wanderung auf den Preikestolen

Die etwa 4,5-stündige Wanderung (inklusive Rückweg) auf das legendäre Felsplateau Preikestolen (zu Deutsch: Kanzel) in Ryfylke werde ich so schnell nicht vergessen. Das wichtigste vorweg; Die Strecke ist gute acht Kilometer lang und beginnt an der Berghütte Preikestolen Fjellstue, wo sich auch ein großer öffentlicher Parkplatz befindet (Parkgebühren ab zwei Stunden liegen bei 250 NOK). Aufgrund der Wetterverhältnisse ist die Wandersaison auf die Zeit zwischen Mai und Oktober begrenzt. Insgesamt werden beim Aufstieg über 500 Höhenmeter überwunden und von bekannten Wanderforen wird er als leicht anspruchsvolle Rundwanderung beschrieben. Was den Aufstieg so anspruchsvoll macht sind die teilweise sehr steilen Etappen und kleineren Kletterpartien über Felsen und Steine. Du solltest unbedingt rutschsichere Wanderschuhen tragen, da der Boden besonders nach viel Niederschlag an einigen Stellen sehr rutschig ist und du viel Geröll überqueren musst. Ab 10:00-11:00 Uhr wird es auf den engen Wegen sehr voll, weil die ersten Wanderer bereits von ihrer Tour zurückkommen. Es empfiehlt sich schon gegen 4:00-5:00 Uhr Morgens aufzubrechen, um dem zu entgehen. Glücklicherweise wird es in Südnorwegen im Sommer auch nur für wenige Stunden überhaupt dunkel.

Der Wanderweg zum Preikestolen führt quer durch Sumpfland, Wälder und Steintreppen und wurde einst von nepalesischen Sherpas erbaut

Nun zur wichtigsten Frage für Reisende mit Hund; Kann ich meinen Hund auf den Preikestolen mitnehmen? Grundsätzlich ja, auch wenn ich tatsächlich sehr wenige Hunde gesehen habe. Stressig kann es an engen Passagen werden, wenn die einen Wanderer ab- und die anderen aufsteigen und leider die wenigsten Rücksicht auf Hunde nehmen. Besonders aufgrund der steilen Passagen solltest du deinen Vierbeiner mit einem gut sitzenden Geschirr sichern und gerade an den vielen steilen Felsabhängen aufpassen. Für meinen damals 15-jährigen Hund war der Aufstieg und auch der Abstieg eine gewaltige Herausforderung. Belohnt wurden wir dennoch mit einem wahrlich atemberaubenden Ausblick vom Preikestolen, auf über 600 Metern Höhe, auf den Lysefjord und die angrenzenden Berge. Entstanden ist der Preikestolen übrigens durch gefrorenes Wasser in den Felsspalten, das große, kantige Blöcke absprengte, wodurch die heutige „Kanzel“ entstand.

Lachse beobachten am Sandsfossen

Lachs aus Norwegen gilt als beliebtester Fisch in Deutschland. Kein Wunder also, dass heute die Fjorde mit Lachsfarmen nur so zugepflastert sind. Wenn du nur lang genug auf die kreisrunden Farmen schaust, siehst du immer wieder, wie ein einzelner Lachs hoch genug springt, um dem Becken zu entfliehen und im Fjord davon zu schwimmen. Lachsfarmen, in denen Tausende der sensiblen Fische zusammengepfercht leben, entsprechen absolut nicht den natürlichen Bedürfnissen der Lachse. Als anadrome Wanderer verbringen sie ihre gesamte Wachstumsphase im Meer, wandern dann aber zum Laichen zurück in die Flüsse, in denen sie geschlüpft sind. Dabei ist ihnen kein Weg zu weit. Sie schwimmen entgegen Strömungen, vorbei an scharfkantigen Felsen und springen sogar entgegen der Fließrichtung von Wasserfällen! Letzteres kannst du für ein paar Norwegische Kronen im Unterwasserstudio im Ort Sand, am Wasserfall Sandsfossen beobachten. In einem unterhalb des Wasserfalls für sie errichteten Beckens ruhen sich die wilden Lachse aus, nur um dann wieder und entgegen der Fließrichtung des Sandsfossen Wasserfalls zu springen, bis sie es endlich geschafft haben.

Diese Lachse pausieren bevor sie ihre lange Weiterreise den Fluss entlang antreten

In norwegischen Supermärkten war es für mich ebenso schwer wie in Deutschland, zu unterscheiden, welcher Lachs aus dem Meer und welcher aus einer Aquafarm stand. Und dass, obwohl Zuchtlachse eigentlich individuell gekennzeichnet sein müssen, damit ihre Herkunft zurückverfolgt werden kann. Doch die Bestände von wilden Lachs reichen schon längst nicht mehr aus, um den weltweiten Bedarf zu stillen. Und so nimmt die Anzahl der weltweiten Aquakulturen trotz ihrer negativen Folgen für die oft von Parasiten befallenen Tiere, die Umweltschäden und die, besonders in Südamerika, oft unmenschlichen Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter, weiterhin zu.

Die schönsten Wasserfälle Europas in Südnorwegen

Norwegen ist nicht nur das Land der Trolle, sondern auch der wohl schönsten Wasserfälle ganz Europas. Im Laufe der Eiszeiten haben gewaltige Mengen von Eis, Fels und Schnee ihren Weg durch die Berge gebahnt und das Wasser zum Meer gelenkt. Diese Prozesse haben die atemberaubende Fjordlandschaft geformt, wobei insbesondere die Wasserfälle ein sichtbares Zeichen dieser geologischen Bewegungen sind. In Norwegen tosen 10 der 30 höchsten Wasserfälle der Welt. Zu den spektakulärsten Wasserfällen zählen; der Vøringsfossen in Eidfjord, wo sich großen Wassermengen 182 Meter tief von der Hardangervidda Hochebene in das Måbøtal hinunterstürzen.

Die beiden Wasserfälle Langfossen und Låtefossen liegen nur 22 Kilometer voneinander entfernt. Der spektakuläre Zwillingswasserfall Låtefossen befindet sich im Odda-Tal und hat eine Fallhöhe von 165 Metern, während der Langfossen im Åkrafjord knappe 600 Meter in die Tiefe stürzt. Er zählt zu den höchsten Wasserfällen Norwegens. Einer meiner Lieblings-Wasserfälle in Norwegen ist der Tvinnefossen, der einzige Wasserfall in Europa unter dem man hindurchgehen kann- so nah kommst du an kaum einen anderen Wasserfall heran!

Wanderung zur Trolltunga

Der Felsvorsprung Trolltunga (zu Deutsch: Die Trollzunge) ragt auf über 700 Metern Höhe über den künstlich angelegten Stausee Ringedalsvatnet. Ebenso wie der Preikestolen ist auch die Trolltunga durch spektakuläre Fotos auf Social-Media-Plattformen berühmt geworden und verdankt dieser Tatsache die jährlich ansteigende Zahl Besucher. Seit dem tödlichen Unfall einer australischen Touristin die 2015 nach einem Foto abrutschte und vom Felsen fiel, darf die 27-Kilometer lange Wanderung von Oktober bis einschließlich Mai nur mit Begleitung eines Bergführers durchgeführt werden- natürlich mit Schneeschuhen. In den Sommermonaten ist die Wanderung auch auf eigene Faust möglich.

Als mittelschwer gilt die Wanderung zu einer der beeindruckendsten Klippen Norwegens

Es begeben sich weitaus weniger Wanderer zum Aufstieg zur Trolltunga, als zum Preikestolen. Während im Jahr 2019 rund 333.000 Menschen die Wanderung zur „Kanzel“ unternahmen, waren es im selben Jahr nur rund 80.000, welche die Trollzunge erreichten. Beim Aufstieg zur Trolltunga meisterst du in etwa 10-12 Stunden gute 1.400 Höhenmeter, was auch für trainierte Hunde zur Belastungsprobe werden kann. Ich habe mich gegen einen Aufstieg mit meinem Senioren-Hund entschieden. Die meisten Reiseblogger die ihren Hund mit auf die Trolltunga genommen haben, berichten, dass sie mindestens eine Nacht im Zelt vor Ort übernachtet haben, um ihren Vierbeiner nicht zu überlasten. So ist es genau richtig, schließlich können Hunde im Gegensatz zu uns Menschen auch nur bedingt Höhenunterschiede ausgleichen. Mehr über gemeinsame Wanderungen mit Hund auf die Trolltunga kannst du auf Wanderwoof oder Off the Path nachlesen.

Hafenstädtchen Bergen

Bergen ist eine bezaubernde Stadt an der norwegischen Südwestküste und wird von den Einheimischen auch als Syvfjellsbyen (zu deutsch: Stadt der sieben Hügel) bezeichnet. Denn Bergen gilt nicht nur als das Tor zu den norwegischen Fjorden, rund um die Stadt befinden sich die sieben Gipfel Sandviksfjellet, Fløyfjellet, Rundemanen, Ulriken, Løvstakken, Damsgårdsfjellet og Lyderhorn. Der Stadthafen gilt als einer der betriebsamsten in ganz Europa – von hier legen die Schiffe zu den Hurtigruten ab.

Gismo und ich auf dem Berg Fløyen

Zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten Bergens zählen die UNESCO-Welterbestätte Bryggen, der Fischmarkt, die Floibahn und der Berg Fløyen, das Bergen Aquarium sowie die KODE Kunstmuseen und Komponistenanwesen. Außerdem ist die Hansestadt mit ihren vielen Studenten ein junger, lebhafter Ort mit diversen Kneipen, Bars und Veranstaltungsorten.

Einen ausführlichen Reiseartikel über das Hafenstädtchen Bergen findest du hier; Bergen mit Hund bereisen.

Die Reiseroute im Detail (Teil 1)

Insgesamt 5.500 Kilometer sind meine Mutter, mein Hund Gismo und ich mit unserem alten 3-er BMW durch Norwegen gefahren. Einen Großteil der Strecke haben wir in Südnorwegen hinter uns gebracht und dabei so viel erlebt, dass ich unmöglich alle Reiseberichte in nur einen einzigen Artikel quetschen könnte. Hier daher unsere Route vom ersten Teil des Südnorwegen-Roadtrips;

Ankunft mit der Fähre in Kristiansand * Oslo * Kanelstranda * Preikestolen * Langfossen Wasserfall * Låtefossen Wasserfall * Bergen

Fazit

Während die Schweden von einem eigenen Sommerhaus im einsamen Lappland träumen, zieht es die Norweger eher an die eigene Südküste. Tausende wunderschöne kleine Inseln, abgeschiedene Buchten und malerische Fischerdörfer wie aus einer längst vergessenen Zeit säumen die Ufer Südnorwegens. Neben Aktivitäten wie Surfen, Segeln, Ausreiten am Strand oder Kajakfahren ist die norwegischen Nordseeküste, dank ihrer Ruhe und Abgeschiedenheit, der perfekte Ort um die Seele baumeln zu lassen. Noch ist die Südküste eher den Einheimischen vorbehalten, während viele Touristen sie nur als Zwischenstopp zum Preikestolen oder auf ihrer Fahrt in den Norden besuchen. Hoffen wir, dass dieser Geheimtipp auch wirklich einer bleibt.

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Verfasst von

Hi, ich bin Nadine, 27 Jahre alt und komme ursprünglich aus Köln. Seit einer 8-monatigen Soloreise durch Asien nach dem Abitur hat mich das Reisefieber gepackt. Gemeinsam mit meinem Hund Gismo war ich auf zahlreichen Roadtrips durch Europa bis nach Nordafrika unterwegs. Nach seinem Tod reise ich nun wieder viel mit dem Backpack durch ferne Länder. Hier auf meinem Blog Horseshoe Travel verbinde ich meine beiden großen Leidenschaften: das Reisen und das Reiten – und das schon seit 2016!

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