Das Glück erkennt man nicht mit dem Kopf, sondern mit dem Herzen. Wieviel Wahrheit tatsächlich in diesem norwegischen Sprichwort steckt, erkannte ich erst nach und nach während meines dreimonatigen Skandinavien-Roadtrips letzten Sommer. Denn die Norweger zählen zu den glücklichsten Völkern Europas. Im Jahr 2017 standen sie an der Spitze des „World Happiness Rankings.“ Aktuell führt zwar Finnland das weltweite Ranking an, dennoch gilt Norwegen wie eigentlich alle skandinavischen Länder, als besonders sicher, friedlich und reich – wichtige Faktoren für die Zufriedenheit einer Bevölkerung. Sicherlich trägt auch der durchschnittliche Stundenlohn von rund 26 Euro zum Wohlbefinden der Norweger bei. Ebenso wie die überdurchschnittlich hohe Lebenserwartung von 83,4 Jahren (einer der höchsten Werte in ganz Europa), die politische Stabilität und das fortschrittliche Sozialsystem. Die unberührte Natur, die wir in Europa nur noch so selten finden, die spektakuläre Szenerie aus tiefblauen Fjorden, schneebedeckten Bergen, glitzernden Gletschern, tiefgrünen Wäldern zwischen denen ab und an ein Rentier hervorlugt, weißen Sandstränden in einsamen Buchten und der ewigen Weite, haben mich während der gut 5.500 Kilometern durch Norwegen sehr beeindruckt. Warum das Leben und Reisen in Südnorwegen tatsächlich glücklich macht, erzähle ich dir in diesem Reiseartikel.
Reiseinformationen für deinen Roadtrip
Wieso sind Norwegen und Skandinavien generell eigentlich solche Sehnsuchtsdestinationen? Mit nur 6,1 Grad Durchschnittstemperatur ist es doch die meiste Zeit im Jahr kalt und düster. Das Klima ist rau, die geografischen Entfernungen sind immens und die Lebenshaltungskosten sind überdurchschnittlich hoch. Alkohol ist teuer und nur in den staatlichen Vinmonopolets erhältlich (also nichts mit Mal eben schnell zum Kiosk). Und wer nach 16 Uhr noch sein Auto oder Fahrrad reparieren möchte, stößt oftmals auf geschlossene Türen, denn den Norwegern ist ihr Feierabend absolut heilig. Doch Norwegen ist so reich an Naturwundern, wie kaum ein anderes Land auf der Welt. Eine so artenreiche Wildnis auf unserem Kontinent, gibt es außerhalb Skandinaviens eigentlich nur noch in den rumänischen Karpaten, der russischen Komi oder dem Perućica Regenwald in Bosnien und Herzegowina.

Neben der faszinierenden Natur sind die gut ausgebauten norwegischen Straßen und das Jedermannsrecht ein echter Pluspunkt. Dank letzterem darfst du die wilde Natur und teilweise auch privaten Grund nicht nur betreten, sondern auch nutzen. Als das Jedermannsrechts in den 1950er Jahren verfasst wurde, hat jedoch niemand mit dem großen Wohnmobil-Ansturm gerechnet, den Norwegen in den letzten 20-30 Jahren erlebt hat. Genau genommen bezieht sich das Jedermannsrecht nämlich auf das Wandern, Skifahren, Reiten, Bootsfahren und Zelten in der freien Natur – Wohnmobile sind aktuell noch eine Grauzone! Mehr über die Grenzen und Regeln des Jedermannsrechts kannst du auf dem Nordblog nachlesen.

Norwegen lässt sich am leichtesten mit dem Auto erkunden. Wenn du mit einem eigenen Fahrzeug anreist, musst du im Vorhinein eine Fährüberfahrt buchen und dich für das norwegische Mautsystem registrieren. Wie das genau geht und was du sonst noch auf den norwegischen Straßen beachten solltest, habe ich dir bereits in meinem Artikel Roadtrip durch Südnorwegen Teil I: Mit Hund von Oslo bis nach Bergen zusammengefasst. Gerade zur Hauptreisezeit (Juni bis September) lohnt es sich einen Mietwagen im Vorhinein zu reservieren, da es zu dieser Zeit besonders in Südnorwegen und auf den Lofoten sehr voll werden kann. Die meisten norwegischen Mietautos sind modern und verfügen über eingebaute Navigationssysteme, alternativ kannst du dich mit den Apps Google Maps oder Maps me orientieren. Selbst im einsamsten Tal und auf den höchsten Bergpässen hatte ich in Norwegen guten Empfang und LTE! Davon können wir in Deutschland ja nur träumen.
Packliste für Norwegen
Was unbedingt ins Gepäck für eine Norwegen-Reise gehört: Gute Wanderschuhe, eine Regenjacke, Spülmittel (fehlt in den meisten Ferienunterkünften), ausreichend Gas für den Campingkocher (in Skandinavien sind die großen mehrflammigen Kocher die wir aus Deutschland kennen verboten, es gibt nur die kleinen Kartuschen mit Aufsatz zum Wandern) und Mückenspiralen (besonders für Nordnorwegen und Lappland essentiell). Schau dir dazu auch meinen Artikel Die ultimative Packliste für Roadtrips an.
Roadtrip mit Hund
Wie ich ja bereits in meinen vorherigen Norwegen-Reiseartikeln erklärt habe, gibt es verschiedene Regelungen für die Einreise mit Hund nach Norwegen. Dazu zählen der blauen EU-Heimtierausweis mit gültiger Tollwutimpfung, ein Mikrochip und maximal 10 Tage vor der Einreise eine Bandwurmbehandlung, die vom Tierarzt durchgeführt und im EU-Heimtierausweis dokumentiert werden muss. Während des zweiten Teils meines Südnorwegen-Roadtrips waren es vor allem die kurvigen Bergstraßen, die Temperaturunterschiede von teilweise über 20 Grad zwischen Tal und Berg (z.B. am Galdhøpiggen im Jotunheimen Nationalpark) und die anspruchsvollen Wanderungen, die mir bezüglich Gismo zu Denken gaben. Wenn dein Tier zu Reisekrankheit und Brechen neigt, dann berate dich vor der Reise mit deinem Tierarzt, ob z.B. Übelkeitsmedikamente wie Maropitant eine Option sind.

Als Husky hat mein Hund Gismo von Natur aus sehr beständige Pfotenballen, egal ob bei Hitze oder Kälte. Neigt dein Hund jedoch zu aufgeschürften Ballen, könnte sich vor der Reise der Kauf von Hunde-Wanderschuhen bzw. Socken eignen. Denn wenn es in den Nationalparks Wanderwege gibt, sind diese meist sehr steinig und voller Geröll. Desto weiter du im Sommer Richtung Norden reist, desto schlimmer wird die Moskito- und Fliegenplage! Schütze deinen Vierbeiner z.B. durch die Kombination des Scalibor Halsbandes, das auch auf keine Reise in Leishmaniose-Gebiete wie Marokko oder Portugal fehlen darf und einem hundefreundlichen Anti-Moskito-Spray (gibt es z.B. von Peticare) – Autan & Co verätzen deinem Vierbeiner nämlich die Haut, wie Gismo am eigenen Leib in Norwegen erfahren musste! Während meiner Zeit in Lappland habe ich außerdem Moskito-Spiralen rund um sein Körbchen verteilt, damit er außerhalb des Zelts seine Ruhe hat! Weitere Tipps für eine Reise mit Hund kannst du hier nachlesen; Reisen mit Hund: Planung und Packliste.
Die schönsten Sehenswürdigkeiten
Im ersten Teil des Südnorwegen-Roadtrips ging es um die Wanderungen zu den berühmten Felsplateaus Preikestolen und Trolltunga, sowie die schönen Strände der Südküste und die lebhaften Städte Oslo, Bergen und Stavanger. Der zweite Teil des Roadtrips durch Südnorwegen führte mich tief in die norwegischen Nationalparks, zu den höchsten Bergen, den letzten Gletschern Europas und den schönsten Passstraßen überhaupt.
Flåmsbana
Bevor meine Mutter, unser Hund Gismo und ich schließlich die touristischen Pfade Südnorwegens verließen, stürzten wir uns noch einmal mitten ins Getümmel am Bahnhof der Flåmbahn (norwegisch: Flåmsbana) im Aurlandsfjord. Eine der schönsten und zugleich steilsten Zugstrecken der Welt soll sie sein, die 20-Kilometer lange Strecke der Flåmbahn. Laut Lonely Planet ist sie sogar die beste Zugfahrt der Welt! Die Zahl 20 zieht sich durch die Geschichte der Bahn, denn auf ihrer Strecke durchfährt sie 20 verschiedene Tunnel und es dauerte 20 Jahre, bis sie 1942 in Betrieb genommen wurde.

Ursprünglich wurde sie gebaut, um eine Transportverbindung zwischen Oslo und Bergen zu schaffen, denn ab Myrdal kannst du in die Bergensbane umsteigen. Die Flåmbahn braucht etwa eine Stunde vom Aurlandsfjords, einem Seitenarm des Sognefjords, ins Hochgebirge nach Myrdal, wo die Bergstation auf 867 Meter Höhe über dem Meeresspiegel liegt, und ist eine der Hauptattraktionen Norwegens. Die Flåmbahn fährt das ganze Jahr über, doch die Ticketpreise steigen in den Sommermonaten deutlich an. Für eine Rundfahrt im Winter zahlt ein Erwachsener 500 NOK/ Ticket, im Sommer sind es bereits 680 NOK/ Ticket. In der Hochsaison lohnt es sich die Tickets vorzubestellen (Fahrplan und Preise) und darauf zu achten, von Myrdal aus in Fahrtrichtung links zu sitzen, denn von hier hast du den schönsten Blick.
Wandern am Bitihorn
Ich gebe es direkt zu Beginn zu. Ich habe weder das Bitihorn noch Norwegens höchsten Gipfel, den Galdhøpiggen, tatsächlich bestiegen. Stattdessen sind wir mit Gismo am Fuße der Berge gewandert und haben andere fleißigere Wanderer bewundert, die sich auf den mehrstündigen Aufstieg begaben. Die 1.607 Meter hohe Gipfelspitze markiert genau die Grenze zwischen den beiden Kommunen Vang und Øystre Slidre. Die Besteigung gilt als mittelschwer und es sind etwa vier Kilometer vom Parkplatz an der Straße 51 bei Bygdin (GPS-Koordinaten Startpunkt: 32v 489602 6798325) bis zum Gipfel.

Schon nach einer kurzen Wanderung am Fuße des Bitihorns bot sich uns eine fantastische Aussicht auf Jotunheimens südliche Zweitausender, große Teile des nördlichen Valdres und den See Bygdin, an dessen Ufern sich im Sommer Angler, Paddler, sowie menschliche und tierische Schwimmer, wie mein Gismo, treffen.
Auf Tuchfühlung mit den nordischen Hunden bei Beito Husky Tours 🐺
Eine Tour mit dem Huskyschlitten durch den norwegischen Schnee während die Polarlichter den Himmel in bunte Farben tauchen, ist das Highlight einer jeden Skandinavien-Reise. Das aus diesem Traum diesmal nichts wird, war mir schon zu Beginn der Reise klar, denn wir reisten schließlich im Hochsommer durch Norwegen. Schnee liegt im Juli und August nur auf den höchsten Bergen und die Hunde werden nur im Frühjahr und Herbst trainiert. Im Sommer haben sie sozusagen Urlaub. Um trotzdem einen Eindruck vom Leben der nordischen Hunde, ihrer Musher und der Kunst des Schlittenfahres zu erlangen, haben wir einen der führenden Anbieter für Husky-Schlittentouren in Südnorwegen besucht: Beito Husky Tours in Beitovegen. Während die Musher ihre Kunden in den Wintermonaten auf mehrstündigen bis zu mehrtägigen Schlittentouren durch die verschneite Landschaft führen, können in den Sommermonaten Wanderungen mit den Huskys unternommen, beim Training der Welpen zugesehen und Kajaks gemietet werden. Beito Husky Tours liegt oberhalb des Øyangen Sees, auf dem im Sommer Kajak gefahren wird und im Winter die Huskys ihre Schlitten ziehen. Die Hundefarm ist allerdings nur mit einem eigenen Auto oder Taxi vom nächst größeren Ort Beitostølen zu erreichen, weshalb sie vor allem von Norwegern besucht wird.


Frag unbedingt nach dem österreichischen Musher Kurt, einer der nettesten Menschen die ich während der Reise getroffen habe. Er kümmert sich Tag ein Tag aus liebevoll um sein Hunderudel, kann dir über jedes einzelne Tier eine Geschichte erzählen und bereitet den besten norwegischen Sirup zu. Kurt zeigte uns das besonders reichhaltige Fleisch, das die Hunde täglich bekommen – schließlich verbrauchen seine Schützlinge an einem Tag vor dem Schlitten schonmal bis zu 10.000 Kalorien. Auf Langstrecken sogar noch mehr! Im Gegensatz zu meinem eher breitgebauten Siberian Husky-Mix (der Schäferhund-Anteil hat diesbezüglich sicher auch seinen Anteil getan), sind die Alaskan Huskys schlank, kernig und eher klein. Nur so erreichen sie Höchstgeschwindigkeiten von bis zu 40 km/h! Die Hunde von Beito Husky Tours haben eigene Hütten, werden regelmäßig durchgecheckt und nehmen auch nicht an den oft tödlichen Langstreckenrennen statt. Diese sind übrigens seit Jahrhunderten Tradition in weiten Teilen Russlands, Kanadas aber auch Skandinaviens. Bereits im Jahr 500 v. Chr. transportierte man im Nordosten Russlands erbeutete Wale mithilfe der direkten Vorfahren der nordischen Hunde.
Jostedalsbreen Gletscher
In Norwegen, insbesondere im arktischen Inselreich Spitzbergen, gibt es (noch) 2.534 Gletscher. Der größte von ihnen und zugleich der größte Gletscher auf dem europäische Festland, ist der Jostedalsbreen in der Region Vestlandet. Schon während der Anreise zum Fv724 Parkeringsplass Briksdalsbre (der heißt wirklich so) kannst du mehrere Gletscherzungen entdecken, die Seen aus Schmelzwasser bilden, wie den Oldevatnet oder Lovatnet. Seit 1950 haben sich bereits 350 solcher Gletscherseen in Norwegen gebildet. Denn die Gletscher schmelzen, überall auf der Welt, nicht nur in Norwegen. Bis zum Jahr 2100 wird der Jostedalsbreen rund 38 Prozent seines aktuellen Volumens verloren haben. Doch was sind Gletscher eigentlich? Gletscher sind große Eismassen, die sich über lange Zeiträume hinweg durch Schneeansammlungen und Verdichtung bilden. Sie entstehen in Gebieten mit ausreichend Niederschlag und niedrigen Temperaturen. Gletscher bewegen sich langsam bergab aufgrund der Schwerkraft und können beeindruckende Landschaften formen. Sie spielen auch eine wichtige Rolle im Wasserkreislauf und tragen zur Regulierung des globalen Klimas bei, besonders in Ländern wie Norwegen. Ganze 2.328 Quadratkilometer des Landes sind mit Eis bedeckt.

Während die Gletscher in den Alpen erst ab einer Höhe von 3.000 Metern beginnen, sind in Skandinavien Gletscher bereits ab einer Höhe von 1.300 Meter zu finden und somit leichter für Wanderer zugänglich. Vom Parkeringsplass Briksdalsbre kannst du eine leichte Wanderung (etwa 30 Minuten, aber teilweise steil bergauf) zum Seitenarm des Jostedalsbreen, dem Briksdalsbreen unternehmen. Hier hat sich über die Jahrzehnte ein riesiger See aus Schmelzwasser gebildet, der in wilden Strömungen hinab ins Tal fließt. Das Wasser ist jedoch immer noch so kalt, dass du maximal ein paar Sekunden deine Hand hinein halten kannst.
Galdhøpiggen im Jotunheimen Nationalpark
An einem Tag noch im T-Shirt auf Gletscherwanderung am Jostedalsbreen, am nächsten Tag im Schnee unterwegs, am Fuße von Norwegens höchsten Gipfel, dem Galdhøpiggen. Das beschreibt die norwegischen Wetterverhältnisse tatsächlich sehr gut. Die höchste Straße Skandinaviens kostet 100 NOK und führt in engen und steilen Wendungen hinauf zum Galdhøpiggen Sommerskisenter, denn ja, in Norwegen kannst du auch im Hochsommer noch Ski fahren. Die Fahrt quälte meinen alten BMW und meine Mutter, die immer den ungesicherten steilen Abgrund im Blick hatte – doch die Fahrt lohnt sich!

Das Skigebiet beginnt an der Juvasshütte auf 1.850 Metern Höhe. Hier beginnen auch die geführten Wanderungen auf den höchsten Berg Norwegens und ganz Skandinaviens; den 2.469 Meter hohen Galdhøpiggen. Wir wanderten im Tiefschnee mit Gismo, der gar nicht zu verstehen schien, wie er so glücklich sein konnte, im Hochsommer im Schnee zu landen und besuchten den Klimapark 2469. Jeden Tag im Sommer finden hier norwegisch- und englischsprachige Führungen statt. Ein Guide erklärt dir mehr über das raue Klima am Galdhøpiggen, die Schafs- und Rentierherden, die hier oben überleben, den Permafrost im Tauwetter und die schmelzenden Gletscher.

Das Highlight der Tour ist der Eistunnel „Juvfonne“, der ganze 50 Meter tief in die über 7.000 Jahre alten Eisschichten hineinführt. Nach einer windumtosten Führung über die rauen Ebenen des Galdhøpiggen und eisigen Temperaturen von -6 Grad im Tunnel, kehrten meine Mutter und ich völlig verfroren für einen heißen Tee und frische Waffel in das Café der Juvasshütte ein. Wie es leider üblich ist in Norwegen, sind Hunde hier nicht erlaubt.
Geirangerfjord
In Norwegen gibt es so viele wunderschöne Fjorde! Doch keiner erfreut sich einer solchen Beliebtheit wie der Geirangerfjord. Er erstreckt sich auf einer Länge von 15 Kilometern zwischen den Orten Hellesylt und Geiranger in der Gemeinde Stranda und misst an seiner tiefsten Stelle rund 260 Meter. Seit dem 14. Juli 2005 gehört er außerdem zum UNESCO-Weltnaturerbe. Was den Geirangerfjord so einzigartig macht, ist seine Lage zwischen steilen Bergen und Felswänden, von denen zahlreiche wunderschöne Wasserfälle ins Wasser fließen. Auf einer Schiffsfahrt durch den Fjord kannst du die berühmtesten Wasserfällen des Geirangerfjords entdecken; Seven Sisters, Storseterfossen und Friaren Waterfalls. Es gibt verschiedene Tourenanbieter, du kannst sogar eine Fjordsafari auf dem RIB Speedboat oder eine Kayaktour mit Geiranger Kayak Center unternehmen.


Im kleinen Ort Geiranger gibt es zahlreiche überteuerte Touristenläden, einige noch teuere Hotels, zwei Campingplätze und viele verlassene Höfe. Die berühmtesten Höfe sind Skageflå, Knivsflå und Blomber. Allerdings führt die Straße sehr steil bergauf, sodass wir stattdessen einen Hundesenioren gerechteren Spaziergang entlang des Südufers des Geirangerfjords unternahmen. Nirgendwo sonst haben wir übrigens so viel für die Übernachtung bezahlt, wie am Geirangerfjord. Doch selbst mit vorheriger Buchung findest du kaum eine Unterkunft unter 100 Euro und Wildcampen ist überall verboten! Für 1.100 NOK (rund 97 Euro) übernachteten wir in einem Tipi auf dem Dalen Gaard camping og hytter, oberhalb des Fjords.
Die südnorwegische Tierwelt entdecken
Während wir oberhalb des Polarkreises wilden Rentieren, Elchen, Polarfüchsen und Walen begegneten, stießen wir in den wärmeren, südnorwegischen Wäldern auf die Spuren von Rehe, Hasen, Wildschweine. Am Meer entdeckten wir zahlreiche Seevögel, die wir jedoch meist nicht benennen konnten. Nur bis zu den Eisbären auf Spitzbergen haben wir es auf dieser Reise nicht mehr geschafft. Auf den Hochebenen rund um den Galdhøpiggen sollen auch die scheuen Lemminge, Schneeammer und Moschusochsen leben. Ein Geheimtipp um die einst vom Aussterben bedrohten Moschusochsen in freier Wildbahn zu sehen, ist der Viewpoint SNØHETTA in Hjerkinn. Besonders in den Wintermonaten, am frühen Morgen und am Abend, grasen die großen Huftiere auf den Flächen rund um SNØHETTA. Während meine Mutter und ich auf unser Schottland-Reise vergeblich die ganzen Orkney Inseln nach den bunten Papageientaucher absuchten, leben und brüten sie auf der norwegischen Insel Austnesfjorden in Massen. Im Lachsstudio am Sandsfossen Wasserfall in Sand, kannst du Lachse in einem Unterwasserstudio dabei beobachten, wie sie entgegen der Strömung über den Wasserfall springen. Und wirklich, den besten Lachs gibt es in Norwegen! Tatsächlich ist er für norwegische Verhältnisse sogar recht günstig, er kostet nämlich etwa genauso viel wie in Deutschland.


Zum Schutz der norwegischen Wildtiere solltest du deinen Hund, besonders wenn er einen ausgeprägten Jagtinstinkt hat, nicht ableinen. Schlepp- und Flexileinen bieten hier gute Alternativen. Besonders in den finnischen Wäldern, in denen mehr als 1.500 Braunbären leben, kann das Freilaufen lassen deines Hundes sogar richtig gefährlich werden. Auf Hopen in Spitzbergen hat 2015 ein tollwütiger Polarfuchs mehrere Hunde angegriffen. Wölfe und Luchse sind meist zu scheu, um sich dem Menschen und seinen Haustieren zu nähern. Besonders Wildschweine und Dachse kommen jedoch in Skandinavien in den Wintermonaten immer wieder in die Dörfer, um nach Futter im Müll zu suchen.
Die norwegische Tierwelt hat mich so fasziniert, dass ich ihr noch einen ganz eigenen Artikel auf Horseshoe Travel gewidmet habe; Die schönsten Tierbegegnungen in Norwegen.
Trollstigen
Trolle leben oft in unzugänglicher und unberührter Natur, zum Beispiel in Berghöhlen, in Wäldern oder im Meer. Vermutlich haben sie sich deshalb einst Norwegen als Heimatort ausgesucht. Norwegen ist das Land der Trolle. Seit Jahrhunderten faszinieren mysteriöse Felsformationen und Berge mit trollhaften Formen die Menschen. Berühmte Sagen, wie die vom Trollkönig von Dovregubben, die Geschichte des norwegischen Jungen, der mit einem Troll um die Wette aß, oder über die Trollwelt Utgard, eine Art Außenwelt, wo sich angeblich alle Trolle aufhalten, begeistern die norwegischen Kinder bis heute. Und tatsächlich haben auch wir während unserer Reise zahlreiche Trolle gesehen; kleine Trolle in Form von Schlüsselanhängern, Troll-Tassen, Troll-Kuscheltiere, Postkarten und Poster mit Trollen und vor eigentlich jedem norwegischen Souvenirladen steht, wer hätte es gedacht, ein Troll.

Aber wo findest du sie denn nun, die echten norwegischen Trolle? In einem Ort tief im norwegischen Hochgebirge, mit grünen Hängen vom vielen Regen, wenig Sonnenschein und vielen Höhlen, die tagsüber Schutz vor der für Trolle schmerzhaften Sonne bietet. Hier befindet sich die wohl schönste Passstraße des Landes, Trollstigen (zu Deutsch: Trollleiter). Im Jahr 1936 wurde diese Verbindungsstraße zwischen Åndalsnes und dem Valldal in Sunnmøre gebaut. Ihre höchste Stelle liegt auf 852 Metern. Insgesamt elf enge Haarnadelkurven führen bis zur Aussichtsplattform der Trollstigen hinauf und jede einzelne von ihnen hat einen Namen. Eine von ihnen, Nikkasvingen, wurde nach der Köchin Nikka benannt, die einst für die Bauarbeiter, welche Trollstigen errichteten, das Essen zubereitete. Je nach Wetterlage wird die Trollstigen bereits im Oktober, spätestens aber Dezember für Fahrzeuge gesperrt und öffnet frühestens erst wieder im Mai. Offiziell heißt es natürlich, dass Schnee und Eis Grund für die Sperrungen sind. Die Norweger wissen aber ganz genau, dass Trolle hier im dunklen Winter ihr Unwesen treiben.
Atlantic Ocean Road
Auf insgesamt acht Brücken schwingt sich die Atlantic Ocean Road (Norwegisch: Atlanterhavsvegen) im Südwesten Norwegens über die Wogen des Atlantiks. Zwischen Inseln, Holmen und Schären schlängelt sich die 8.274 Meter lange Touristenstraße zwischen Bud im Westen und Kristiansund im Osten. Ursprünglich sollte an gleicher Stelle eine dem Verlauf der Küste folgende Eisenbahnstrecke gebaut werden. Daraus wurde allerdings nichts. Stattdessen eröffnete man 1989 die spektakuläre Atlantic Ocean Road, die heute auch als die schönste Reise der Welt bezeichnet wird.

Entlang der Atlantikstraße gibt es zahlreiche schöne Sehenswürdigkeiten; die Aussichtsplattform Askevågen, die Hafenstadt Kristiansund, eine Stadt die aus drei Inseln besteht, das malerische Fischerörtchen Bud, die uralten Steinmalereien in Søbstad und das alte Schiffswrack, das etwas versteckt hinter einem Felsen liegt. Von Herzen kann ich dir das wunderschöne Air BnB-Apartment im nur wenige Autominuten entfernten Farstad empfehlen. In kaum einer anderen Unterkunft in Norwegen haben wir uns so wohlgefühlt wie hier. Für 49 Euro die Nacht verfügten wir über ein mehrstöckiges Apartment, einen Garten und nur einen kurzen Fußweg entfernt, liegt ein kleiner verlassener Sandstrand. Perfekt für Reisende mit Hund!
Trondheim
Die am Fluss Nidelva gelegene Stadt Trondheim (veralteter Deutscher Name: Drontheim) war unser letzter Stopp auf dem Weg in den hohen Norden. Die ehemalige Hauptstadt Norwegens ist heute nach Oslo und Bergen die drittgrößte Stadt des Landes und ein Mekka für skandinavische Studenten. Den vielen jungen Einwohnern verdankt Trondheim seine Vielfalt an Bars, Restaurants und Clubs. Tatsächlich hält die Stadt den Rekord mit den meisten Restaurants und Cafés pro Einwohner in Norwegen. Hingegen nicht aufgrund der Studenten, sondern dank der zahlungskräftigen Norweger und der Vielzahl an Kreuzfahrttouristen, hat sich in Trondheim in den letzten Jahren die Creme de la Creme der norwegischen Gastronomieszene angesiedelt und die Stadt so zum Zentrum des Genusses gemacht. Zahlreiche Gourmetköche haben es bereits in den Michelin Guide geschafft, darunter z.B. das FAGN, Credo oder Speilsalen.

Trondheim eignet sich jedoch nicht nur aufgrund der leckeren Gerichten in den vielen Restaurants perfekt für einen Städtetrip. Die Stadt mit den 212.660 Einwohner strotzt nur so vor Sehenswürdigkeiten. Das Stadtbild prägt der Nidarosdom, die über 1.000 Jahre alte Kathedrale, die meine Mutter und ich uns aufgrund der einfach dreist hohen Eintrittskosten nur von außen anschauten. Wer die alte Stadtbrücke überquert, dem bietet sich eine fantastische Aussicht auf das typische Postkartenmotiv von Trondheim; die bunten Häuser Bryggene, die ebenso wie das Bryggen in Bergen, einst den deutschen Handelskontoren gehörten. Wenn du den hinter Bryggene beginnenden Hügel hinaufläufst, kommst du zur Festung Kristiansten, einer weiteren Sehenswürdigkeit. Den Hügel kannst du übrigens mit der weltweit einzigartigen Fahrradseilbahn erklimmen. Die Altstadt Bakklandet ist der perfekte Ort um sich von Geschäft zu Geschäft treiben zu lassen, während du in der königlichen Residenz Stiftsgården, den Spuren der norwegischen Royals folgen kannst. Eine Statue des isländischen Entdeckers Leiv Eiriksson befindet sich am Hafen. Er soll der „Vinland-Saga“ nach, Amerika noch vor Columbus entdeckt haben.
Die Reiseroute im Detail (Teil II)
Die folgende Reiseroute wirkt auf den ersten Blick etwas wirr, dass ist sie tatsächlich auch, aufgrund der kurvigen, verwinkelten Straßen. Wir sind meist für 1-3 Nächte an einem Ort geblieben und haben die Ausflüge von dort aus unternommen. Alle Unterkünfte (bis auf unsere Spontanbuchung am Geirangerfjord) haben wir im Vorhinein über Air BnB oder Booking.com gebucht.

Fazit
Nachdem mich die norwegischen Huskys unter Hundeküssen begruben, ich im Hochsommer den Norwegern beim Skifahren zuschaute und schließlich den Trollen bis zur Trollleiter mit ihren vielen Kurven folgte, war das Eis zwischen Skandinavien und mir wortwörtlich gebrochen. Während der knapp 5.500 Kilometer durch Norwegen und anschließend weiteren 10.000 Kilometern durch die Nachbarländer Schweden und Finnland, habe ich eine gewisse Demut vor den Naturgewalten und den Tieren des hohen Nordens entwickelt. Und das Gefühl von Glück und Zufriedenheit stellt sich am Ende eines langen Fahrtages, am Rande eines Fjordes mit einem überteuerten Bier in der Hand und unzähligen Moskitos als Gesellschaft, ganz von alleine ein. Ich glaube ich habe es gefunden, das Glücksrezept dieser Norweger.
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