Als Volontär auf einer Farm in Laos

Wenn ich eines während meiner Zeit in Asien gelernt habe, dann das du nie genau weißt, was dich in einem neuen Land erwartet. So ist der Moment, indem du den Stempel in den Pass erhältst und durch die Flughafentüren hinaus in eine neue Welt trittst, meist der einprägsamste. Die dröhnenden Motoren der Tuk Tuks, Menschen die sich laut etwas auf einer fremden Sprache zurufen und das Gefühl der völligen Überforderung, erwartete mich beispielsweise nach meiner Ankunft in Thailands Hauptstadt Bangkok. In Laos war dies etwas anders und es ging deutlich ruhiger zu. Außerdem hatte ich den großen Vorteil, bereits von jemandem erwartet zu werden, Rachel, für die ich die nächsten sechs Wochen in Vang Vieng arbeiten sollte.

Als Voluntär in Vang Vieng

Wer über längere Zeit mit Pferden arbeitet, der gewöhnt sich daran, dass die Arbeitstage immer lang und abwechslungsreich sind. Pferde brauchen Routine und wollen zu festen Uhrzeiten gefüttert und versorgt werden. Koliken und andere Erkrankungen passieren meist nie während der regulären Arbeitszeit und langweilig wird es sowieso nie, da es neben der eigentlichen Arbeit mit den Tieren meist noch unzählige weitere Tätigkeiten rund um Stallungen und Weidepflege gibt.

In Vang Vieng waren wir eine Gruppe von ausländischen Volontären, die in ganzen unterschiedlichen Bereichen für Rachels beide Hotels arbeiteten. Manche halfen im Café und Restaurant, sowie den Gärten aus, wieder andere kümmerten sich um das Social Media und Marketing der Hotels und einige unterrichteten Yoga. Wir alle erhielten eine kostenlose Unterkunft und Essen im Hotel, den Yogalehrern und mir wurde außerdem noch ein Gehalt gezahlt. Mein Verdienst orientierte sich an den Reitstunden und Ausritten, die ich begleitete. Wie immer spielte auch das Trinkgeld der Gäste eine entscheidende Rolle.

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Auf einer der vielen Wanderungen durch den laotischen Regenwald

Meine Arbeit begann früh am Morgen damit, dass ich mehrere schwere Eimer in den Hotelküchen abholte, in denen die Essens-und Obstreste für die Ponys gesammelt wurden. Anschließend brachte ich diese Eimer in einem kleinen Boot auf die andere Seite des Nam Song Flusses, wo die Farm gelegen war. Ich fütterte die Gänse, Hühner und Enten mit den Essensresten der Hotels und sammelte bei Bedarf ihre Eier ein. Danach ging es schließlich zu den Ponys, die ich ebenfalls fütterte, striegelte und anschließend auch die Boxen mistete, denn die Ponys verbrachten den ganzen Tag auf der Weide und nur einige von ihnen blieben bei Nacht im Stall. Anschließend kehrte ich mit leeren Eimern zum Mittagessen zum Hotel zurück und während die anderen Volontäre nachmittags meistens frei hatten, stand für mich dann die eigentliche Arbeit an. Je nachdem ob am jeweiligen Tag noch Reitgäste eingeplant wurden, trainierte ich die Pferde und schwamm mit ihnen an den sehr heißen Tagen im Nam Song Fluss.

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Nach der Reitstunde gingen zwei meiner Schüler ihre Ponys im Fluss waschen

Eine freiwillige Sonderaufgabe derer ich mich gerne annahm, war die Betreuung der Hotelhunde Lily, Nicky und Boo Boo. Lily schlief bereits ab der zweiten Nacht in meinem Zimmer und folgte mir zusammen mit Boo Boo täglich auf die Farm und überall sonst hin.

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Eine der vielen Ponytrekking-Touren, die ich während meiner Zeit in Vang Vieng leitete

Zur Hauptsaison im Dezember kamen viele europäische Familien ins wunderschöne Vang Vieng, deren Kindern ich Reitstunden gab oder auf Ausritte durch die endlosen Reisfelder und zum Regenwald führte. Die Arbeit war besonders aufgrund der teils sehr schwierigen Arbeitsbedingungen häufig hart. Dazu zählten z.B. die teils extrem heißen Tagen, das furchtbaren Boot, mit dem ich jeden Tag den Fluss durchquerte und das unter dem Gewicht der Futtereimer oftmals sank, und die sehr einfachen Ausrüstungsgegenständen der Ponys, Sättel, Trensen, Halfter und Führstricke. Trotzdem habe ich mich selten so wohl und willkommen an einem fremden Ort gefühlt und in Vang Vieng habe ich Freundschaften fürs Leben geschlossen.

Freiwilligenarbeit

Als Voluntär zu arbeiten, bedeutet für mich nicht bloß Geld auf Reisen zu sparen, durch die kostenlose Unterkunft und Verpflegung. Wirkliche Freiwilligenarbeit bedeutet, ein Land von einer ganz anderen Seite kennen zu lernen, die sich ansonsten womöglich nie zeigen würde. Freiwilligenarbeit ermöglicht außerdem einen einzigartigen internationalen Austausch, sowohl zwischen den Volontären, als auch vor allem zu den Einheimischen. Diese lernst du natürlich während der Arbeit gut kennen und viele von ihnen wurden ebenfalls zu Freunden, auch wenn die Kommunikation nicht immer ganz einfach ist. Als Voluntär durch die Welt zu reisen, ermöglicht es mir persönlich, nicht nur meiner Leidenschaft dem Reiten weiter nachgehen zu können, sondern auf Reisen jederzeit einen Ort zum Verweilen zu finden, neue Freundschaften zu schließen, denn beim Alleinreisen spielt Einsamkeit eine zentrale Rolle und neue Länder mein Zuhause nennen zu können.

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Mit Ali und Starlight am Weihnachtsmorgen

Einfach mal den Rucksack ablegen, nicht täglich das Hostel wechseln oder sich um die nächste Busverbindung sorgen. Verantwortung übernehmen und wieder einer täglichen Routine nachgehen, auch das bedeutet Arbeiten in fremden Ländern. In Vang Vieng habe ich mein erstes Weihnachten und Silvester in der Ferne verbracht und ich bin mir sicher, wäre ich woanders gewesen, hätte ich Heimweh bekommen. Vang Vieng ist, wie meine Chefin Rachel mir an meinem letzten Morgen sagte, für immer mein kleines Zuhause in Asien und ich werde definitiv eines Tages zurückkehren.

Fazit

Ich hatte eine großartige Zeit in Vang Vieng, die mir wieder einmal deutlich gemacht hat, dass man seine Reise zwar planen kann, am Ende aber sowieso alles irgendwie anders kommt. So blieb ich statt drei Wochen am Ende sechseinhalb und das ich anschließend nach Sri Lanka weiterreiste und nicht wie geplant in Südostasien blieb, habe ich zwei französischen Weltreisenden zu verdanken, die überhaupt erst mein Interesse für dieses kleine, wundervolle Land weckten.

Zum Schluss war aber das Beste an meiner Zeit in Vang Vieng und eigentlich auch der Hauptgrund, weshalb ich überhaupt solange blieb, die Arbeit mit den Tieren.

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Verfasst von

Hi, ich bin Nadine, 22 Jahre alt und ursprünglich aus Köln. Seit einer achtmonatigen Soloreise durch Asien nach dem Abitur hat mich das Reisefieber gepackt. Vor zwei Jahren kaufte ich mir meinen 41 Jahre alten VW-Bus "Henry" mit dem ich seither quer durch Europa bis nach Marokko und Russland reiste. Begleitet werde ich dabei von meinem Hund Gismo. Im Februar steht die nächste Reise nach Berlin an.

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