Pleite in Luang Prabang

Fehler sind dazu da, dass man aus ihnen lernt. Dies gilt ganz besonders auf Reisen. Als ich in Luang Prabang war streikte meine Kreditkarte und ich lernte wie man nicht nur in Laos, sondern allgemein auf Reisen, mit wenig Geld auskommt.

Ich würde mich allgemein als sparsame Reisende bezeichnen, allerdings fallen besonders auf Roadtrips für meinen VW-Bus und meinen Hund Gismo ständig laufende Kosten an. Ganz ohne Geld kann wohl kaum einer von uns leben, auf Reisen bin ich jedoch häufig sehr minimalistisch und konzentriere mich bei Einkäufen auf die Dinge, die ich auch wirklich brauche. Auf Reisen entferne ich mich immer mehr von der materiellen Gesellschaft, die sich nur über neue iPhones, teure Autos und weitere kostspielige Anschaffungen zu identifizieren scheint. Ein paar Wochen on the road und schon reduziere ich meine Einkäufe wieder auf Benzin und Öl für den Bus, Hundefutter für Gismo, Lebens- und Bedarfsmittel für mich. Ich weiß nicht, ob dies nur bei mir so ist, aber auf Reisen begreife ich meist was man wirklich fürs Leben braucht und was absolut unnötiger Kram ist.

Geld regiert die Welt

Auch wenn sich die meisten Länder Südostasiens sehr günstig bereisen lassen und Laos da absolut keine Ausnahme bildet, ist es meiner Meinung nach fast unmöglich völlig ohne Geld unterwegs zu sein. Ich weiß, dass es viele Leute gibt, die bereits nur mit Trampen, Jobben und Nächstenliebe um den Globus gereist sind. Dabei machst du dich jedoch sehr abhängig von anderen Menschen und das mochte ich noch nie. Stattdessen mache ich viel Volunteering und Work and Travel, um mir unterwegs meine Reisekasse aufzubessern. Außerdem bin ich begeistert von Couchsurfing und AirBnb, einerseits um Geld zu sparen und andererseits um Land und Leute kennenzulernen. Unterwegs als Backpacker versuche ich kostengünstig zu leben, die Transportmittel der Einheimischen zu nutzen, lokal zu essen und mittlerweile tappe ich auch nicht mehr so oft in die typischen Touristenfallen.

Mehr über meine Erfahrungen mit Couchsurfing insbesondere in China kannst du übrigens in meinem Artikel Couchsurfen und Trampen durch China nachlesen.

Dieses Schild mit der Aufschrift, „There are no strangers here, only friends who haven’t met yet“, begrüßte mich vor meiner Unterkunft in Luang Prabang

Als ich in Luang Prabang ankam stand ich direkt vor dem ersten Problem. Alle Gasthäuser, Hostels und Homestays schienen bereits ausgebucht zu sein, denn von Oktober bis März herrscht absolute touristische Hochsaison in Laos. Schließlich fand ich dann doch noch ein Bett im gemischten Mehrbettzimmer eines kleinen, privaten Homestays, der sogar kostenloses Frühstück anbot. Allein schon um die Möglichkeit zu haben Preise zu vergleichen und nicht ewig auf der Suche nach einer Unterkunft mit dem schweren Rucksack auf dem Rücken herumzulaufen, lohnt es sich im Vorhinein zu buchen.

Aber zurück zum Thema Geld. Geld regiert die Welt, dass wissen wir alle und doch scheint es ja möglich zu sein, ohne Geld auf Reisen auszukommen, diese Botschaft wird zumindest auf vielen Reiseblogs vermittelt.

Ein Tag ohne Ausgaben

Luang Prabang liegt im bergigen Norden von Laos und viele Reisende erreichen die Stadt mit einem der Busse, die oft in einem wahnsinnigem Tempo über die kurvigen Serpentinenstraßen rasen. Einst war Luang Prabang die Hauptstadt des historischen Königreichs und des einstigen französischen Protektorats. Heute gilt die Stadt am Ufer des Flusses Nam Khan als eine der schönsten in ganz Südostasiens.

Nach dem kostenlosen Frühstück in meiner Unterkunft an meinem ersten Morgen in Luang Prabang spazierte ich durch die ruhigen Gassen und genoss nach sechs Wochen in Vang Vieng die Ruhe und Abwesenheit von Partytouristen. Ein Teil der Stadt ist auf einer Art Insel bzw. Landstreifen errichtet, zwischen dem Mekong Delta und dem Nam Khan Fluss. Allgemein ist Luang Prabang eine ziemlich gelassene Stadt, deren Altstadt der Auszeichnung als UNESCO-Weltkulturerbe mehr als gerecht wird. Die Straßen sind im französischen Kolonialstil errichtet und viele Häuser aus dieser Zeit sind noch sehr gut erhalten. Dies und die vielen kleinen Boutiquen, Bäckereien, Schmuckläden und Restaurants erwecken den Anschein als spaziere man durch das Frankreich des 19. Jahrhunderts.

Die Hunde vor den buddhistischen Tempeln waren mein wahres Highlight in Laos

Der erste Tempel den ich an diesem Tag betrat und vor dem einige entzückenden Straßenhunde nur darauf zu warten schienen von mir gestreichelt zu werden, war menschenleer und ich blieb einige Zeit an diesem heiligen Ort. Anschließend besuchte ich noch einige weitere Tempel, die allesamt an der Sisavangvong Street gelegen und an diesem Morgen menschenleer waren. Übrigens findet auf dieser Straße in der Nähe des königlichen Palastes täglich ab 17 Uhr der Nachtmarkt statt, auf dem viele Souvenirs, köstliches Streetfood und traditionelle, laotische Kleidungsstücken angeboten werden. Vergiss aber auf keinen Fall zu handeln.

Die goldenen Buddhastatuen des Wat Xieng Muan Tempels

Wer die Sisavangvong Straße bis zum Ende durchgeht erreicht einen kleinen Park, von wo aus du eine wunderschöne Aussicht auf den herrlichen Mekong Delta zur Linken und den mächtigen Nam Khan Fluss zur Rechten hast, die hier ineinanderfließen. Für ein paar Kip kannst du zudem eine Holzbrücke überqueren und auf der anderen Seite des Flusses spazieren gehen.

Abschied nehmen von Südostasien

Ich verbrachte in Luang Prabang meinen vorerst letzten Tag in Südostasien, das mir nach fünf Monaten in den Ländern Philippinen, Kambodscha, Thailand und nun auch Laos, mit seinen herzlichen Einwohnern, den tollen Tieren und der atemberaubenden Landschaft sehr ans Herz gewachsen war. So verabschiedete ich mich an diesem Abend mit einem kühlen Lao Beer, dem besten Bier das ich die nächsten Wochen kriegen sollte, vom vertrauten und geliebten Anblick des Mekong Deltas, etwas wofür man doch gerne sein letztes Geld ausgibt.

Die Bezeichnung „Mekong Delta“, leitet sich von dem thailändischen Wort „Mae Num“, was „Mutter Wasser“ bedeutet ab

Luang Prabang hat mich nach fünf Wochen im widersprüchlichen Vang Vieng, was Party- und Naturoase zugleich ist und einigen Tagen im staubigen Vientiane, sehr positiv überrascht. Das liegt besonders daran, dass es sich trotz der vielen Touristen noch immer selbst treu geblieben ist. Neben den großen Schiffen, die täglich Touristengruppen über den Mekong Delta schippern, ankern die kleinen Holzboote der Fischer. Neben den vielen auf Touristen abgestimmten Restaurants, die mit gratis WLAN und westlichen Gerichten locken, befinden sich die unscheinbaren, viel kleineren, laotischen Restaurants, wo Laap, Pho oder Tam Mak Hung auf der Speisekarte stehen. Und neben den zahlreichen Hotels, Gasthäusern und Homestays entdeckst du bei genauerem Hinsehen die Holzhütten und bescheidenen Unterkünfte der Laoten.

Fazit

Du musst nicht reich sein, um zu Reisen. Besonders in Städten wie Luang Prabang kannst du stundenlang umherwandern, den ein oder anderen Tempel besichtigen und die Atmosphäre des französisch geprägten Städtchens genießen. Trotzdem empfehle ich jedem Reisenden mindestens eine weitere Kreditkarte und auf jeden Fall einen Notfallgroschen im Rucksack dabei zu haben.

Alles was du sonst noch mitnehmen solltest und auf was du getrost verzichten kannst, kannst du in meinem Artikel Packliste für eine Weltreise nur mit Handgepäck nachlesen.

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Verfasst von

Hi, ich bin Nadine, 23 Jahre alt und komme ursprünglich aus Köln. Seit einer achtmonatigen Soloreise durch Asien nach dem Abitur hat mich das Reisefieber gepackt. Vor drei Jahren kaufte ich mir meinen 42 Jahre alten VW-Bus "Henry" mit dem ich seither quer durch Europa bis nach Marokko und Russland reiste. Begleitet werde ich dabei von meinem Hund Gismo. Im Augenblick befinde ich mich im Praxissemester in Transilvanien.

5 Kommentare zu „Pleite in Luang Prabang

  1. Genau das gleiche Gefühl hatte ich in Luang Prabang auch. Gelassen, ruhig, sich treu geblieben. Eine so tolle Stadt. Sehr schön, dass es auch anderen gefällt und schöner Beitrag übrigens 🙂
    Liebe Grüße, Dorie
    http://www.thedorie.com
    PS. Bei dem Tempel war ich auch und habe auch einen Post dazu geschrieben. Den findest du unter der Kategorie Travel, falls es dich interessiert 🙂

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