Reise nach Swakopmund & Walvis Bay: Wo die Namib auf den Atlantik trifft

Where the desert meets the sea! Nur 35 km liegen die beiden Küstenstädte Swakopmund und Walvis Bay entfernt, eingebettet zwischen Namib-Wüste und Südatlantik. Die beiden Städte sind so ziemlich das genaue Gegenteil von dem, was ich bis dahin in Namibia erlebt hatte. Rauer Küstenwind statt trockener Wüstenluft, Temperaturen um die 15 Grad statt sengender Hitze, frischer Fisch auf den Speisekarten der Restaurants statt Wildfleisch, Jahre ohne Regen dafür mit viel Nebel, im starken Kontrast zu den teils heftigen Regenfällen während der Regenzeit im Rest des Landes, besonders im Caprivi. Maritimer Küstenflair prägt Souvenirshops, Hotels und Restaurants statt klassischem Safarifeeling. Und anstelle von Game Drives in privaten Reservaten kannst du hier Wüstensafaris, Whale-Watching-Touren und Kajakfahrten zu den großen Seerobbenkolonien unternehmen. Swakopmund ist zudem der Hauptferienort der Namibier, egal welcher Herkunft, Hautfarbe und Alter und gilt als afrikanische Vorzeigestadt mit seiner guterhaltenen Kolonialarchitektur. Walvis Bay hingegen ist mit Namibias einzigen natürlichen Tiefwasserhafen eines der bedeutendsten wirtschaftlichen Zentren des Landes und gleicht eher einer typischen Arbeiterstadt. Hier treffen nicht nur Wüste und Meer aufeinander, sondern auch unterschiedlichste Menschen, Kulturen und Lebenswelten.

Kurzer geschichtlicher Rückblick

Wirklich kurz, keine Sorge. Aber besonders Swakopmund ist für die Geschichte Namibias unbedingt erwähnenswert. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, warum Swakopmund und Walvis Bay trotz ihrer unmittelbaren Nähe so unterschiedlich wirken. Als das Deutsche Reich Ende des 19. Jahrhunderts seine Kolonie Deutsch-Südwestafrika aufbaute, stand der Hafen von Walvis Bay bereits unter britischer Kontrolle. Um dennoch einen eigenen Zugang zum Meer zu schaffen, gründeten die Deutschen 1892 Swakopmund, das sich schnell zur wichtigsten Hafenstadt für deutsche Einwanderer und Truppen entwickelte. Zudem drohten die Briten 1889 damit, den Durchmarsch deutscher Truppen durch ihr Gebiet nicht länger zu gestatten, weshalb der Seeweg zunehmend an Bedeutung gewann. Dabei war die Lage des Hafens alles andere als günstig. Die Küstengewässer waren flach, starke Strömungen und die ungeschützte Brandung machten die Anlandung von Menschen und Waren gefährlich. Dennoch war der einzige andere Hafen der deutschen Kolonie in Lüderitz für die Versorgung der wichtigsten Siedlungsgebiete zu weit im Süden gelegen. Um die Anbindung zu verbessern, investierte die Kolonialverwaltung erhebliche Mittel in die Hafeninfrastruktur. Die künstlich angelegte Mole sowie ein zunächst hölzerner, später durch Eisen ersetzter Landungssteg machten Swakopmund zum wichtigsten Umschlagplatz der Kolonie und bedeutendsten Hafen für deutsche Einwanderer. Die heute als Jetty bekannte Seebrücke gehört noch immer zu den Wahrzeichen der Stadt und beherbergt inzwischen das Restaurant Jetty 1905 direkt über dem Atlantik.

Blick vom Jetty auf die Strandpromenade von Swakopmund mit ihren kolonialen Prachtbauten.

Bis heute sind die deutschen Einflüsse im Stadtbild deutlich sichtbar. Viele ursprünglich deutsche oder afrikaanssprachige Straßennamen wurden nach der Unabhängigkeit Namibias 1990 jedoch durch Namen ersetzt, die an namibische Freiheitskämpfer und bedeutende Persönlichkeiten erinnern. Auch das Stadtwappen blieb nicht unverändert: Erst 2009 ersetzte die Stadtverwaltung die schwarz-weiß-rote Reichsflagge im Herzschild durch das Wappen Namibias. Neben deutscher Kolonialarchitektur, Familiennamen, Bäckereien, Straßenzügen und selbst den Speisekarten vieler Cafés erinnert auch die Eisenbahnverbindung nach Windhoek an die Zeit der deutschen Kolonialherrschaft. Um den Transport von Menschen und Waren ins Landesinnere zu erleichtern, wurde bereits 1902 die erste Eisenbahnlinie zwischen Swakopmund und der namibischen Hauptstadt eröffnet. Die rund 380 Kilometer lange Strecke durchquert die Namib-Wüste und überwindet dabei einen Höhenunterschied von mehr als 1.600 Metern. Bis heute verbindet die Bahn die Küste mit dem Inland und wird vor allem für den Güterverkehr genutzt. Bis 2020 verkehrte zudem der luxuriöse Desert Express zwischen Swakop und Windhoek. Zudem bietet Rovos Rail eine 11-tägige „Namibia Safari“ im historischen Kolonialstil-Zug an.

Übrigens, anders als der Rest des Landes gehörte Walvis Bay lange zu Südafrika bzw. zuvor zur britischen Kapkolonie. Erst 1994, vier Jahre nach Namibias Unabhängigkeit, wurde die Stadt offiziell an Namibia übergeben. Der Grund dafür war vor allem die enorme wirtschaftliche Bedeutung des Hafens. Walvis Bay war und ist der wichtigste Tiefwasserhafen der Region, weshalb Südafrika lange zögerte, seine dortige Kontrolle zu verlieren. Erst nach langen politischen Verhandlungen und internationalem Druck wurde Walvis Bay Namibia übergeben. Deshalb feierte das Land seine vollständige territoriale Souveränität streng genommen erst vier Jahre nach der eigentlichen Unabhängigkeit.

Reiseinformationen für deinen Roadtrip

Ursprünglich hatte ich überlegt, jeweils einen eigenen Artikel über Swakopmund und Walvis Bay zu schreiben. Doch die beiden Städte gehören auf einer Namibia-Reise einfach zusammen und das nicht nur aufgrund ihrer unmittelbaren Nähe. Tatsächlich musst du dich gar nicht zwischen ihnen entscheiden: Während sich die meisten Sehenswürdigkeiten, Restaurants und Cafés sowieso in Swakopmund befinden, starten viele der beliebtesten Aktivitäten rund um Walvis Bay. Aufgrund des charmanten Stadtbildes und der größeren Auswahl an Unterkünften würde ich dir daher empfehlen, in Swakop zu übernachten und von dort Tagesausflüge zu unternehmen. Viele Tourenanbieter holen ihre Gäste direkt von den örtlichen Hotels ab. Wenn du jedoch mit einem Mietwagen unterwegs bist, kannst du dir diesen Aufpreis oft sparen und direkt zum jeweiligen Treffpunkt in Walvis Bay fahren.

Anreise & Parken als Selbstfahrer

Swakopmund liegt rund 360 Kilometer westlich von Windhoek an der Atlantikküste Namibias und ist sowohl mit dem Mietwagen als auch per Bus bzw. Shuttle-Service gut zu erreichen. Vier Kilometer nordöstlich der Stadt befindet sich zwar auch ein Flughafen, dieser wird jedoch in der Regel nur für private Charter- und Rundflüge genutzt. Der nächstgrößere Flughafen liegt in Walvis Bay. Die meisenden Reisenden erreichen Swakop jedoch nach etwa 4-5 Stunden Fahrzeit über die gut ausgebaute Nationalstraße B2 von der Hauptstadt kommend. Schon die Anreise ist dabei ein Erlebnis für sich. Die Strecke führt durch die weiten Landschaften des zentralen Hochlands, vorbei an den bizarren Felsformationen der Khan- und Kuiseb-Region, bevor sich schließlich die endlosen Schotterebenen der Namib-Wüste öffnen.

Die Anreise durch den Kuiseb-Canyon und die kuriose Mondlandschaft vor Swakopmund ist bereits ein echtes Highlight für sich.

Beim Parken in Namibia solltest du einige grundlegende Vorsichtsmaßnahmen beachten. Stelle dein Fahrzeug möglichst nicht auf unbewachten Parkplätzen ab und lasse keine Wertgegenstände, Taschen oder andere Gegenstände sichtbar im Auto liegen. Selbst vermeintlich wertlose Dinge können unerwünschte Aufmerksamkeit erregen. Am besten wirken die Sitze komplett leer. Viele Unterkünfte in Swakopmund und Walvis Bay bieten ihren Gästen zudem kostenlose und sichere Parkmöglichkeiten auf dem eigenen Gelände an. Falls nicht, dann nutze am besten öffentliche Parkplätze mit Parkplatzwächtern. Diese passen gegen ein kleines Trinkgeld von einigen Namibia-Dollar auf die Fahrzeuge auf und sind in den Städten weit verbreitet. Sowieso ist in Swakop fast alles fußläufig gut zu erreichen, sodass du fürs Sightseeing nicht unbedingt ein Auto brauchst.

Reisezeit- & Dauer

Wir haben 3 Nächte in Swakopmund übernachtet und hatten so 3-4 volle Tage, um die Stadt zu erkunden und Tagesausflüge rund um Walvis Bay zu unternehmen. Den Zeitraum fand ich optimal! Desto länger, desto besser. Auf ihrem Blog Nomads Hit The Road erzählen dir Fee und Marcel zudem von ihren zwei Monaten als Digital Nomads in Swakopmund und wieso ihnen am Ende ihres Aufenthalts doch ein wenig die Decke auf den Kopf gefallen ist.

Bezüglich der Reisezeit gelten Swakop und Walvis das ganze Jahr über als attraktive Reiseziele. Da beide Städte direkt am Atlantik liegen, sorgt der kalte Benguelastrom für angenehm kühle Temperaturen und die für die namibische Küste so typischen Nebelbänke, besonders in den Morgen- und Abendstunden, manchmal aber auch den ganzen Tag über. Trotz der unmittelbaren Nähe zur Namib-Wüste bewegen sich die Temperaturen das ganze Jahr hinweg meist zwischen 15 und 25 °C. Als sonnenreichste Reisezeit gelten die Monate von April bis November. Die Wintermonate von Juni bis August bieten beste Bedingungen für Aktivitäten und Ausflüge. Nachts kann es jedoch zienlich kalt werden – ein wichtiger Punkt, wenn du mit einem Camper unterwegs bist. Wie du dich beim Campen in Namibia am besten gegen die kühlen Nächte schützt und welche Ausrüstung sich auf meinen Reisen wirklich bewährt hat, verrate ich dir in den nächsten Wochen im Blogartikel Safari-Packliste: Ausrüstung als Selbstfahrer in Afrika. Während des namibischen Sommers von Dezember bis März steigen die Temperaturen etwas an, dennoch bleibt das Klima an der Küste immer angenehm.

Unterkunfts- und Restauranttipps

In Swakopmund machten meine Mutter und ich eine kleine Pause vom Campingalltag und übernachteten im Wild Eden Self-Catering im zentralen Stadtteil Vineta. Der Strand ist in nur wenigen Gehminuten erreichbar und das gemütliche Apartment verfügt über eine gut ausgestattete Küche, einen kleinen Garten sowie den täglichen Besuch der Hunde und Katzen von Gastgeberin Melissa. Als Einheimische wusste sie zudem genau, welche Restaurants in Swakopmund wirklich einen Besuch wert sind. Dazu zählen;

  • The Wreck Restaurant: Das Restaurant liegt im Stadtteil Vogelstrand direkt an der Küste und befindet sich im obersten Stockwerk der Beach Lodge. Das Gebäude erinnert an ein Schiffswrack und ist dadurch schon von weitem erkennbar. Von den beliebten Fensterplätzen (unbedingt vorab reservieren) hast du einen gigantischen Blick auf den Atlantik, während in der Küche frischer Kingklip, Kabeljau, Sole, Calamari, Muscheln oder Garnelen für die Gäste zubereitet werden. Ist allerdings auch nicht ganz günstig.
  • BlueGrass: Mein absoluter Favorit (und ebenfalls ein Tipp unserer Gastgeberin), ist das Restaurant BlueGrass am „Platz Am Meer Waterfront.“ Hier treffen sich die Einheimischen, um frische Meeresfrüchte, Sushi und internationale Gerichte zu probieren und dabei den Blick auf den Atlantik zu genießen.
  • The Fish Deli: Gilt als eines der besten Fischrestaurants der Stadt und vereint Fischgeschäft, Deli und Bistro unter einem Dach. Apropos frischer Fisch: Walvis Bay ist auch für seine Austernzucht bekannt. Diese kannst du fangfrisch im Fish Deli probieren.
  • Kücki’s Pub: Bereits seit den 1980er Jahren gehört das Restaurant zu den beliebtesten Adressen bei deutschen Touristen und Einwanderern. Alte Fotos, Dekorationen und die Speisekarte mit Schnitzel, Wildgerichten und südafrikanischen Weinen ließ auch mich irgendwie melancholisch werden.
Fish’n Chips und frische Meeresfrüchte im Kücki’s Pub an unserem letzten Abend in Swakopmund.
  • Tiger Reef Beach Bar & Grill: Wenn es ein leckerer Cocktail zum Sundowner sein soll, ist das Tiger Reef die beste Adresse. Das Restaurant liegt direkt an der Mündung des Swakop Flusses, sodass die Wellen sich vor der Terasse brechen und du einen perfekten Blick auf den Sonnenuntergang hast.
  • Jetty 1905 Restaurant: Eines der teuersten aber auch spektakulärsten Restaurants ist jenes auf dem historischen Jetty, der alten Landungsbrücke aus der deutschen Kolonialzeit, die 1905 erbaut wurde und heute eines der Wahrzeichen der Stadt ist. Das Restaurant selbst wurde nach der umfassenden Restaurierung der Brücke im Jahr 2010 eröffnet. Je nach Sitzplatz im Restaurant blickst du entweder auf die Küste von Swakop oder aufs offene Meer. Einige Bereiche verfügen sogar über Glasflächen im Boden, durch die du die Wellen unter dir rauschen hören kannst.
  • Brauhaus Swakopmund: Urige deutsche Kneipenkultur findest du im örtlichen Brauhaus direkt im Herzen der Innenstadt von Swakopmund gelegen. Auf der Speisekarte stehen Schnitzel, Gulasch, Salate, Suppen und natürlich frisch gezapftes Bier.
  • Probst Willi Boulevard Café, Bakery & Restaurant: Leckeres Frühstück, selbstgebackenes Brot, bunte Donuts und einige der besten Torten der Stadt gibt es in der wohl bekanntesten Bäckerei von Walvis Bay. Die traditionsreiche Familienbäckerei gibt es bereits seit 1957.
  • The Raft Restaurant: Dieses Restaurant bietet vielleicht nicht die hohe Sterneküche und stand auch nicht auf Melissas Empfehlungsliste, nach einem langen Reisetag gibt es jedoch nichts besseres, als ein kühles Getränk mit Blick auf die Pelikane in der Lagune vor Walvis Bay.

Übrigens gilt das Leitungswasser in Swakopmund als eines der besten in Namibia. Ein Teil stammt aus aufwendig aufbereiteten Quellen und Reservoirs aus dem Landesinneren, was allein schon aufgrund der Tatsache, dass Westnamibia eine der trockensten Regionen Afrikas ist, eine erhebliche Leistung darstellt. Grundsätzlich kann das Leitungswasser in Swakopmund meist problemlos getrunken werden. Dennoch würde ich bei der Anreise immer kurz bei der Unterkunft nachfragen, ob das Wasser aus dem Hahn aktuell bedenkenlos trinkbar ist. So bist du auf der sicheren Seite und kannst gleichzeitig eine Menge Plastikmüll durch den Kauf von Flaschenwasser vermeiden.

Tierschutz bei touristischen Aktivitäten

Tierschutz auf Reisen ist mein absolutes Herzensthema. Gerade Namibia bietet aufgrund seiner einzigartigen Tierwelt und der zahlreichen Schutzgebiete unzählige Möglichkeiten, Wildtiere zu beobachten und ihnen im Rahmen touristischer Aktivitäten zu begegnen. Auch rund um Swakopmund und Walvis Bay werden zahlreiche Ausflüge und Touren angeboten, bei denen Tiere im Mittelpunkt stehen. Nicht alle dieser Angebote sind jedoch automatisch auch tierfreundlich. Deshalb lohnt es sich, genauer hinzuschauen und sich vorab zu informieren, wie die Tiere behandelt werden und welche Auswirkungen die jeweilige Aktivität auf ihr Wohlbefinden haben kann;

  • Delfin- und Robbenbootstouren (Walvis Bay): Vor Namibias Küste leben zahlreiche Wale und Delfine, die du auf Bootstouren mit etwas Glück beobachten kannst. Dazu gehören Buckelwale, Südliche Glattwale, Brydewale, Zwergwale und Pottwale. Weiter draußen auf dem offenen Meer werden gelegentlich sogar Orcas gesichtet. Zu den häufigsten Delfinarten vor Namibia zählen der seltene Heaviside-Delfin, der Große Tümmler, der Dunkeldelfin sowie der Gemeine Delfin. Viele Tourenanbieter werben mit der Beobachtung der sogenannten Marine Big Five, zu denen neben Walen und Delfinen auch Robben, Lederschildkröten und Mondfische zählen. Auch wenn Whale Watching grundsätzlich eine gute Möglichkeit sein kann, Menschen für den Schutz mariner Ökosysteme zu sensibilisieren, können Tiere durch ungeeignete Touren gestört werden. Achte deshalb darauf, Anbieter zu wählen, die ausreichend Abstand zu den Tieren halten, deren Verhalten nicht versuchen zu beeinflussen und die Anzahl der Boote bei Sichtungen möglichst gering halten. Einen spannenden Überblick über die Chancen und Herausforderungen des Whale Watchings bietet der PETA-Artikel Whale Watching: Tierquälerei oder Beitrag zum Tier- und Artenschutz?. Zu den bekanntesten Anbietern in Walvis Bay zählen Catamaran Charters, Sun Sail Catamarans, der Familienbetrieb Levo Tours und Catamaran Dolphin Cruises. Etwas problematisch finde ich zudem, dass Pelikane und Robben von den Bootsmitarbeitern mit frischem Fisch auf die Boote gelockt werden.
  • Besuch der Robbenkolonien: Es gibt verschiedene Möglichkeiten, sich der mehrere Zehntausend Tiere fassenden Robbenkolonie am Pelican Point zu nähern, vom Wasser aus bei einer Bootstour, im Rahmen einer 4×4-Safari oder, so wie wir es gemacht haben, mit dem Kajak. Wichtig zu wissen ist, dass die Kap-Pelzrobben in Namibia seit Jahren Gegenstand kontroverser Diskussionen sind. Aufgrund des Mangels an natürlichen Fressfeinden und der nährstoffreichen Gewässer des Benguelastroms sind die Bestände entlang der Küste sehr groß. Gleichzeitig stehen die Robben in ständiger Konkurrenz zur Fischerei, weshalb die namibische Regierung die Bestände teilweise als Bedrohung für die eigene Fischwirtschaft betrachtet. Während am Pelican Point zahlreiche Jungtiere auf natürliche Weise sterben, findet an der rund 150 Kilometer nördlich gelegenen Robbenkolonie von Cape Cross regelmäßig eine staatlich genehmigte Robbenjagd statt. Nach Angaben der namibischen Behörden dient diese rein dem Schutz der Fischbestände. Tierschutzorganisationen kritisieren die Jagd hingegen seit Jahren scharf und stellen sowohl ihre Notwendigkeit als auch die angewandten Methoden infrage. Allein 2024 wurden dort in den frühen Morgenstunden rund 70.000 Jungtiere und 10.000 Bullen brutal erschlagen. Gegen 10 Uhr hat das allmorgendliche Massaker dann ein Ende und die Touristen werden für 1.150 NAD (ca. 8 €) pro Person sowie 50 NAD (ca. 3 €) für das Fahrzeug eingelassen. Nicht immer gelingt es den Rangern bis dahin, alle toten Tiere rechtzeitig zu entsorgen. Persönlich habe ich mich deshalb bewusst gegen einen Besuch von Cape Cross entschieden!
Die riesige Robbenkolonie am Pelican Point ist der namibischen Fischereiindustrie ein Dorn im Auge.
  • Flamingo- und Vogelbeobachtung: Die Lagune von Walvis Bay zählt zu den bedeutendsten Feuchtgebieten Afrikas und ist Heimat von oft mehreren Zehntausend Zwerg- und Rosaflamingos. Achte darauf, dass du die Tiere nicht unnötig störst, indem du sie etwa für Fotos aufscheuchst. Zudem solltest du genügend Abstand zu Futter- und Ruheplätzen einhalten.
  • Little 5-Tour: Im Nachhinein bin ich mir nicht sicher, wie tierfreundlich die Wüstentouren rund um Walvis Bay und Swakopmund tatsächlich sind. Bei diesen Ausflügen werden den Teilnehmern die oft übersehenen Bewohner der Namib vorgestellt: Palmato-Geckos, Namaqua-Chamäleons, Schlangen, Skorpione und zahlreiche weitere Arten, die perfekt an das Leben in der ältesten Wüste der Welt angepasst sind. Damit die Gäste diese Tiere überhaupt zu Gesicht bekommen, müssen die Guides sie jedoch zunächst aufspüren. Danach werden die kleinen Tiere oftmals auf die Hand oder eine andere gut sichtbare Oberfläche gesetzt, damit alle Teilnehmer sie aus nächster Nähe betrachten und fotografieren können. Einerseits ist dies vermutlich die einzige Möglichkeit, viele dieser Arten als Tourist überhaupt wahrzunehmen. Andererseits bedeutet das Einfangen, Umsetzen und Präsentieren für Wildtiere zwangsläufig Stress.
Bei der Little 5-Tour werden die kleinen Wüstentiere aufgespürt und dir zum Teil auch auf die Hand gesetzt.
  • Ausritt an den Atlantik-Stränden: Positives Feedback zur Pferdehaltung, zur Qualität des Equipments und zum Umgang mit den Tieren habe ich von mehreren meiner Reitgäste erhalten, die bereits mit Okakambe Stables unterwegs waren. Die deutsche Betreiberin Kathrin bietet seit den 1990er-Jahren Ausritte und Reittouren in die Namib-Wüste an, von einstündigen Ausritten für Einsteiger bis hin zu mehrtägigen Wanderritten durch einige der beeindruckendsten Landschaften Namibias. Zudem wird ein Volunteer-Programm angeboten. Ab und an war Besitzerin Kathrin mit ihren Volontären übrigens auch für eine Safari auf Düsternbrook zu Gast, wo ich 3 Monate als Reitguide arbeitete.

Sicherheit als Frau

Obwohl Namibia generell zu den sichersten Reisezielen Afrikas zählt, solltest du einige grundlegende Vorsichtsmaßnahmen beachten. Dazu gehört, nach Einbruch der Dunkelheit möglichst nicht mehr längere Strecken zu Fuß zurückzulegen. Nutze stattdessen dein eigenes Fahrzeug oder ein Taxi, insbesondere in Swakopmund, Walvis Bay und Windhoek. Achte außerdem darauf, nur in Taxis einzusteigen, in denen sich außer dem Fahrer keine weiteren Personen befindet. Sogenannte Sammeltaxis sind zwar weit verbreitet und werden von vielen Einheimischen genutzt, als Reisender solltest du jedoch nach Möglichkeit auf private Fahrten zurückgreifen. Falls ein Taxifahrer während der Fahrt weitere Fahrgäste aufnehmen möchte, solltest du deutlich machen, dass du eine private Fahrt gebucht hast, und die Fahrt im Zweifelsfall abbrechen. Sehr gute Erfahrungen habe ich in Namibia mit den Fahrdiensten Yango und CityCab gemacht. Yango funktioniert ähnlich wie Uber: Über die App kannst du bequem ein Fahrzeug bestellen, die verifizierten Fahrerprofile einsehen, deinen Standort teilen und die Fahrt direkt online bezahlen.

Vielleicht handelt es sich dabei nur um unglückliche Einzelfälle, dennoch habe ich bereits mehrfach von negativen Erfahrungen Reisender in Swakopmund gehört. Einige meiner weiblichen Reitgäste auf Kambaku und Düsternbrook berichteten beispielsweise davon, auf offener Straße angesprochen oder verfolgt worden zu sein. Andere erzählten von gestohlenen Geldbeuteln in Menschenmengen oder davon, dass sie sich aufgrund aufdringlicher Bettler unwohl fühlten. Persönlich habe ich mich sowohl in Swakop als auch in Walvis überwiegend sicher gefühlt. Dennoch gibt es auch hier Situationen, in denen ein gesundes Maß an Vorsicht angebracht ist. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir der Weg vom BlueGrass Restaurant über den großen, nachts völlig unbeleuchteten Parkplatz. Obwohl sich dieser im ansonsten beliebten und belebten Stadtteil Vineta befindet, wirkte die Umgebung nach Einbruch der Dunkelheit überraschend verlassen. Solche Situationen müssen keineswegs gefährlich sein, zeigen aber, dass man auch in vermeintlich sicheren Gegenden aufmerksam bleiben und immer lieber auf ein Taxi zurückgreifen sollte.

Sehenswürdigkeiten in Swakopmund

Swakop, wie die Stadt von den Locals genannt wird, ist die Hauptstadt der Region Erongo und liegt im Westen Namibias. Die Einwohnerzahl wird je nach Quelle auf etwa 76.000 bis knapp 90.000 Menschen geschätzt, wie viele es genau sind, weiß man in Namibia nie so genau. Während sich die verschiedenen Bevölkerungsgruppen des Landes in vielen Dingen nicht immer ganz einig sind, herrscht in einem Punkt erstaunliche Einigkeit: Wer in seinem Urlaub nicht zur Familie fährt, macht Urlaub in Swakop. Gerade bei den Deutsch-Namibiern ist die Küstenstadt daher sehr beliebt. Immerhin sind rund 5 % der Einwohner deutschstämmig, und die koloniale Architektur sowie das bis heute spürbare deutsche Flair vermitteln vielerorts ein Gefühl vergangener Zeiten. Daran erinnert auch der Stadtname selbst, denn Swakopmund leitet sich vom gleichnamigen Fluss Swakop ab, der südlich der Stadt in den Atlantik mündet. Der Name stammt vermutlich aus der Nama-Sprache und wird häufig mit „Schmutzfluss“ übersetzt. Einer Erklärung zufolge transportierte der Fluss nach Regenfällen große Mengen Schlamm, Treibgut und organisches Material ins Meer und verfärbte dadurch das Wasser. Die Endung „-mund“ stammt hingegen aus dem Deutschen und bedeutet „Mündung“.

Charterflug von Swakop über die Namib

In Swakopmund starten die legendären Rundflüge mit der Cessna 210 über die Namib. Der Anbieter Soussusfly bietet verschiedene Touren an; Der klassische Scenic Flight dauert etwa 2 Stunden und 10 Minuten und führt auf einer rund 630 Kilometer langen Strecke über einige der spektakulärsten Landschaften Namibias. Die Route verläuft quer über das karge Mondtal und den Kuiseb Canyon, weiter ins Herz der Namib zum Sossusvlei und Deadvlei, entlang der Atlantikküste über das Diamantensperrgebiet und vorbei an berühmten Schiffswracks, Sandwich Harbour sowie den rosafarbenen Salzfeldern von Walvis Bay. Über 80 % dieser Flugstrecke sind mit dem Auto vom Boden aus überhaupt nicht erreichbar. Mit Preisen ab 6.900 N$ (etwa 350 bis 380 Euro) ist so ein Rundflug zwar kein Schnäppchen. Da die Maschinen jedoch bis zu 6 Personen befördern können, relativieren sich die Kosten schnell, wenn du das Flugzeug gemeinsam mit anderen Reisenden buchst.

Empfohlen wird auf Charterflugzeugen in Namibia übrigens generell, dunkle Kleidung zu tragen, weil sich helle oder weiße Kleidung extrem in den Fenstern spiegelt und so die Wüstenfotos ruinieren kann. Und bei derartigen Aktivitäten in Afrika hilft auch immer, nicht zu viel vorab informieren. Dass die Fliegerei in Namibia trotz hoher Sicherheitsstandards nicht völlig risikofrei ist, zeigte zuletzt ein tragischer Unfall im Jahr 2024, bei dem eine deutsche vierköpfige Familie beim Absturz einer Chartermaschine nahe Sossusvlei ums Leben kam.

Kolonialarchitektur mitten in Afrika

Swakopmund wird nicht ohne Grund als die „deutscheste“ Stadt Namibias bezeichnet. Grund dafür sind vor allem die gut erhaltene Kolonialarchitektur und die vielerorts noch sichtbaren deutschen Einflüsse. Zwischen deutschen Straßennamen, deutschsprachigen Zeitungen und traditionellen Bäckereien, aus denen am frühen Morgen der Duft von frischem Sauerteigbrot strömt, fühlte ich mich stellenweise wie in einer schwäbischen Kleinstadt anstatt an der Atlantikküste Afrikas. Auch die zahlreichen Jugendstilfassaden, Erker und Fachwerkelemente prägen das Stadtbild bis heute. Zu den bekanntesten Bauwerken der deutschen Kolonialzeit zählt das Woermannhaus, eines der ältesten Gebäude Swakopmunds. Es wurde bereits 1894 errichtet und im Laufe der Jahrzehnte mehrfach restauriert. Erhalten geblieben sind jedoch die beiden Sinnsprüche über dem Dachgesims: „Jeder lasse hier Zwietracht vor der Tür“ und „In diesen Mauern mög Eintracht dauern“. Heute beherbergt das historische Gebäude unter anderem eine Bibliothek, einen Souvenirshop und die Touristeninformation.

Das historische Woermannhaus in Swakop.

Ebenfalls unübersehbar ist das Hohenzollernhaus aus dem Jahr 1906. Mit seiner wilhelminischen Architektur gehört es zu den markantesten und meistfotografierten Gebäuden der Stadt. Ursprünglich als Hotel erbaut, befinden sich heute private Eigentumswohnungen in dem historischen Bauwerk.

Das Hohenzollernhaus im neobarocken Stil ist berühmt für seine reich verzierte Fassade und die markante Statue auf dem Dach.

Weitere Zeugnisse der deutschen Kolonialzeit sind die Alte Kaserne, das ehemalige Amtsgericht sowie zahlreiche weitere Verwaltungsgebäude, die noch heute das Stadtbild prägen. Auch der Leuchtturm von Swakopmund geht auf die deutsche Kolonialzeit zurück. Er wurde 1902 errichtet, um Schiffen den Weg in den Hafen von Swakopmund zu weisen. Ursprünglich war der Turm jedoch nur halb so hoch wie heute. Da sein Licht nicht weit genug sichtbar war, wurde er bereits wenige Jahre später um elf Meter erhöht. Bis heute zählt der Leuchtturm zu den wichtigsten Navigationshilfen an Namibias Küste.

Der rot-weiß gestreifte Leuchtturm ist eines der absoluten Wahrzeichen von Swakopmund.

Die Evangelisch-Lutherische Kirche Swakopmund wurde 1909 erbaut. Planung und Bau erfolgten mit Unterstützung deutscher Architekten sowie deutscher Bau- und Glasereibetriebe. Deutsch ist zwar längst keine Amtssprache mehr in Namibia (sondern Englisch), aber in Swakopmund sprechen geschätzte 10 bis 15 % der Einwohner fließend Deutsch als Muttersprache. Zudem gibt es eine deutschsprachige Privatschule (DHPS), die Allgemeine Zeitung (die älteste deutschsprachige Tageszeitung Afrikas) und das Radio-Programm Hitradio Namibia. Swakopmund feiert zudem jeden August seinen eigenen Küstenkarneval (Küstika) inklusive Prinzenpaar und Büttenreden.

Kubatsiraba Helping Hands

Einige der schönsten Souvenirs in Swakopmund findest du bei der gemeinnützigen Kunsthandwerksboutique Kubatsiraba Helping Hands. Mit jedem Einkauf unterstützt du direkt soziale Projekte in Namibia, darunter Fraueninitiativen, Waisenhäuser, Suppenküchen, Kindergärten und Schulmensen. Gleichzeitig kannst du dir sicher sein, dass die angebotenen Produkte nicht aus riesigen Großfabriken stammen, sondern von lokalen Kunsthandwerkerinnen in Handarbeit gefertigt werden. Zum Sortiment gehören traditionelle Otjimbara-Körbe der Himba, bestickte Textilien und Kleidung, Schmuck und Perlenarbeiten sowie Kosmetikprodukte auf Basis von Nara-Öl. Besonders beeindruckend ist die filigrane Glasperlenkunst, die von rund 20 Frauen aus den Siedlungen rund um Swakopmund hergestellt wird. In der angeschlossenen Nähstube von Kubatsiraba entstehen außerdem Taschen, Accessoires und Kleidungsstücke. Die sozialen Projekte gehen auf die deutsche Entwicklungshelferin Jutta Rohwer zurück, welche die Katutura-Projekte ursprünglich in Windhoek ins Leben rief. Für ihr langjähriges Engagement in den Townships der namibischen Hauptstadt wurde sie sogar mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Weitere schöne Souvenirshops sind Rogl Souvenirs & Gallery mit authentischer afrikanischer Kunst, wie den rituellen Holzmasken, sowie Peter’s Antiques, das älteste Antiquitätengeschäft Namibias. Es ähnelt eher einem Museum als einem normalen Laden und beinhaltet seltene Bücher und Afrikana-Literatur, historische Münzen sowie Relikte aus der deutschen Kolonialzeit in Deutsch-Südwestafrika.

Strände rund um Swakop

Die Strände von Swakopmund sind wunderschön und wild, zum Baden eignen sie sich allerdings nur eingeschränkt. Der eiskalte Benguelastrom sorgt ganzjährig für niedrige Wassertemperaturen, zudem machen starke Strömungen das Meer an vielen Stellen gefährlich. Dafür laden die kilometerlangen Sandstrände und die schöne Promenade in Swakop zu ausgedehnten Spaziergängen entlang der Küste ein. Als der einzig wirklich sichere Badestrand gilt The Mole, auch „The Basin“ genannt. Die kleine Bucht wird durch eine historische Kaimauer vor den rauen Atlantikwellen geschützt und eignet sich daher besonders im namibischen Sommer (Dezember bis Februar) zum Schwimmen. Sie liegt direkt neben dem bekannten Strand Hotel im Zentrum von Swakopmund. Für Strandspaziergänge bieten sich vor allem der Public BeachPalm BeachLong Beach auf halber Strecke nach Walvis Bay sowie Vogelstrand und Mile 4 im Norden der Stadt an. Wenn du mit einem Mietwagen unterwegs bist, lohnt sich außerdem ein Abstecher zum Solitude Beach und zur Faroilhao Bay nördlich von Swakopmund in Richtung Henties Bay. Mit etwas Glück kannst du dort sogar Delfine direkt von der Küste aus beobachten.

An den Stränden vor Swakop und Walvis findest du keine Liegestühle und Beach Clubs, dafür aber riesige Kormoranpopulationen.

Die weitläufigen, oft menschenleeren Strände rund um Swakopmund werden von vielen Namibiern nach Feierabend und an den Wochenenden zum Brandungsangeln genutzt. Dafür benötigst du allerdings eine offizielle Angellizenz. Dank des meist moderaten Wellengangs ist die Küste zudem ein beliebtes Ziel für Surfer. Bekannte lokale Surfschulen sind Salty Jackal Surf Camp oder Travelling Waves Surf Guide Namibia, die das ganze Jahr über Kurse für Anfänger und Fortgeschrittene anbieten. Hier kannst du dir auch Ausrüstung leihen. Skeleton Bay ist der Ort mit der angeblich längsten und perfektesten Sand-Left-Hand-Welle der Welt und daher sehr beliebt bei Profisurfern. Wichtig ist ein entsprechender Neoprenanzug aufgrund von Kälte, Strömungen und Haianwesenheit. 

Klassische Tauchgänge werden vor der Küste Namibias hingegen nur selten angeboten. Stattdessen zieht es Taucher eher ins Landesinnere. Zu den spektakulärsten Süßwasser-Tauchplätzen zählen der Otjikotosee, der Guinassee sowie das Drachenhauchloch (Dragon’s Breath Cave), das den größten bekannten unterirdischen See der Welt beherbergt.

Swakopmund Genocide Museum

Seit 2015 erinnert das Swakopmund Genocide Museum im Township Matutura an den Völkermord an den Herero und Nama während der deutschen Kolonialherrschaft zwischen 1904 und 1908. Gegründet wurde das Museum auf private Initiative des Ovaherero-Künstlers und Aktivisten Laidlaw Peringanda, dessen Urgroßmutter das Konzentrationslager in Swakopmund überlebte. Peringanda eröffnete das Museum zunächst in einer nur zwölf Quadratmeter großen Hütte im rund sechs Kilometer außerhalb des kolonial geprägten Stadtzentrums gelegenen Township Matutura. Sein Ziel war es, die Erinnerung an die Verbrechen der deutschen Kolonialzeit lebendig zu halten und insbesondere die Geschichten der Überlebenden und ihrer Nachfahren sichtbar zu machen. Das Museum befindet sich dabei an einem historisch bedeutsamen Ort: In Matutura war einst ein Konzentrationslager situiert, in dem Herero und Nama unter unmenschlichen Bedingungen interniert und zur Zwangsarbeit gezwungen wurden. Wie persönlich die Motivation hinter dem Museum ist, wird in einem Interview mit dem Magazin Kulturaustausch deutlich. Darin erzählt Peringanda, wie er sein Museum in der kleinen Hütte gründete und erklärt: Ich will die Geschichte meiner Urgroßmutter erzählen.“ 2019 zog das Museum in seine heutige, deutlich zentralere Lage in der Tobias Hainyeko Street um.

Die Ursachen des Krieges lagen unter anderem in der fortschreitenden Enteignung von Land und Vieh sowie der zunehmenden Unterdrückung der einheimischen Bevölkerung durch die deutsche Kolonialverwaltung. Im Januar 1904 erhoben sich die Herero unter ihrem Anführer Samuel Maharero gegen die deutschen Kolonialisten und griffen Farmen sowie militärische Einrichtungen an. Bis August desselben Jahres wurde der Aufstand jedoch von den deutschen Truppen niedergeschlagen. Ein großer Teil der Herero floh daraufhin mit ihren Familien und Viehherden in das nahezu wasserlose Omaheke-Sandfeld, wo Tausende Herero und ihre Rinderherden verdursteten oder an Hunger und Erschöpfung starben. Im Oktober 1904 erließ der deutsche Genereal Lothar von Trotha schließlich seinen berüchtigten Vernichtungsbefehl gegen die Herero:

„Die Herero sind nicht mehr Deutsche Untertanen. […] Innerhalb der Deutschen Grenze wird jeder Herero mit oder ohne Gewehr, mit oder ohne Vieh erschossen. Ich nehme keine Weiber und Kinder mehr auf, treibe sie zu ihrem Volke zurück oder lasse auch auf sie schießen.“

Im April 1905 richtete sich ein ähnlicher Vernichtungsfeldzug gegen die Nama, die sich ebenfalls gegen die deutsche Kolonialherrschaft erhoben hatten. Schätzungen zufolge kamen während der deutschen Kolonialherrschaft bis zu 100.000 Menschen ums Leben – etwa 80 % der Herero und rund 50 % der Nama. Heute gelten diese Verbrechen international als der erste Völkermord des 20. Jahrhunderts. Im Mai 2021 erkannte auch die deutsche Bundesregierung die Verbrechen offiziell als Völkermord an und sagte Namibia finanzielle Mittel für Entwicklungs- und Versöhnungsprojekte zu, jedoch keine direkten Entschädigungszahlungen.

Welwitschia mirabilis

Wer von der Hauptstadt kommend an die namibische Atlantikküste reist, sollte unbedingt einen Abstecher zur Welwitschia Plains einplanen. Für den Besuch benötigst du allerdings eine Genehmigung, die du entweder im Büro des Ministry of Environment, Forestry and Tourism (MEFT) in Swakopmund oder an den Parkeingängen des Namib-Naukluft-Nationalparks erhältst. Die Welwitschia mirabilis zählt zu den außergewöhnlichsten Pflanzen der Erde. Sie kann weit über 1.000 Jahre alt werden und bildet während ihres gesamten Lebens lediglich zwei Blätter, die kontinuierlich wachsen und mit der Zeit vom Wind in lange, bandförmige Streifen zerrissen werden. Dabei ist sie eine echte Spätentwicklerin, denn sie beginnt erst nach 20 Jahren überhaupt Blätter auszubilden. Die Art existiert bereits seit über 100 Millionen Jahren auf der Erde und kommt ausschließlich in den Wüstengebieten Namibias und des südlichen Angolas vor. Regen spielt für ihr Überleben kaum eine Rolle. Stattdessen nutzt die Welwitschia ihre flachen Wurzeln, um die Feuchtigkeit des nächtlichen Küstennebels aufzunehmen. Der Überlieferung zufolge wurde die Welwitschia im Jahr 1859 vom österreichischen Botaniker Friedrich Welwitsch in Angola erstmals wissenschaftlich beschrieben und später nach ihm benannt. Den Menschen im südlichen Afrika war die Pflanze jedoch schon lange zuvor bekannt. Entsprechend existieren verschiedene traditionelle Bezeichnungen. In Angola wird sie n’tumbo („Stumpf“) genannt, bei den Herero heißt sie onyanga („Wüstenzwiebel“) und im Afrikaans trägt sie den poetischen Namen tweeblaarkanniedood, was so viel bedeutet wie „Zwei-Blatt-kann-nicht-sterben“.

Welwitschia-Pflanzen sind zweihäusig, sie sind also entweder männlich oder weiblich.

Um zu den Welwitschia-Pflanzen zu gelangen, folgst du einer rund 50 Kilometer langen Schotterpiste, die südöstlich von Swakopmund von der C28 abzweigt und gut ausgeschildert ist. Die Strecke führt tief in den Namib-Naukluft-Nationalpark. Schon am Straßenrand entdeckst du die ersten kleineren Welwitschia-Pflanzen. Am Ende der Straße erwartet dich schließlich die berühmte Giant Welwitschia, die mit einem geschätzten Alter von rund 1.500 Jahren als eines der ältesten Exemplare der Region gilt. Für die Zufahrt in das empfindliche Ökosystem ist eine Genehmigung erforderlich. Diese kostet derzeit 50 N$ pro Person sowie 10 N$ pro Fahrzeug.

Sehenswürdigkeiten in Walvis Bay

Walvis Bay ist eine typische afrikanische Arbeiterstadt. Zwischen den großen Hafen- und Industrieanlagen, Fischverarbeitungsbetrieben und weitläufigen Wohngebieten würde wohl kaum jemand seinen Urlaub verbringen. Dafür befindet sich in der Lagune vor der Stadt eines der wichtigsten marinen Ökosysteme Namibias. Wie schon der Stadtname, historisch die deutsche Bezeichnung für die „Walfischbucht“, vermuten lässt, ist Walvis Bay für seinen Artenreichtum bekannt. Delfine, Robben, Pelikane und zahlreiche weitere Seevögel finden hier ideale Lebensbedingungen. Auf knapp 103.000 Einwohner kommen zwischen November und März rund 50.000 Flamingos, die sich in der geschützten Lagune versammeln und die Ufer rosa färben. Die Farbe könnte jedoch auch von den rosafarbenen Salzfeldern nördlich der Stadt kommen, wo jährlich Hunderttausende Tonnen Meersalz gewonnen werden. Obwohl Walvis Bay die drittgrößte Stadt Namibias ist, überrascht sie mit einer Nähe zur Natur, die ich so ehrlich nicht erwartet hätte.

Dune 7

Mit 130 Metern Höhe ist die Dune 7 vor den Toren von Walvis Bay im Dorob-Nationalpark eine der höchsten Dünen der Region. Um die Entstehung ihres Namens ranken sich verschiedene Theorien. Eine besagt, dass dieser von frühen Vermessungskarten stammt. Darin war sie schlicht und einfach die siebte Düne, die man nach dem Überqueren des ausgetrockneten Tsauchab-Flusses erreichte. Eine andere Theorie besagt, dass die Düne exakt sieben Meilen außerhalb des Stadtzentrums von Walvis Bay liegt. Für welche der beiden Erklärungen du dich auch entscheidest, die Dune 7 ist ein absolutes Highlight auf jeder Namibia-Reise. Wer sie besteigen möchte, sollte dies am besten in den frühen Morgenstunden oder am Abend zum Sonnenuntergang tun, wenn die Temperaturen angenehmer sind. Alternativ bietet Dune 7 Adventures auch Sandboarding- und Quad-Touren an. Diese Aktivitäten sind jedoch nicht ganz unumstritten. Denn die Dünen wirken auf den ersten Blick zwar wie eine lebensfeindliche Sandlandschaft, tatsächlich beherbergen sie jedoch zahlreiche hochspezialisierte Tier- und Pflanzenarten. Reifenspuren können die empfindliche Oberfläche der Dünen beschädigen und die Tiere stören, die sich tagsüber oft unter dem Sand vor der Hitze schützen.

Auch sie zählen zu Namibias Wüsten- und Dünenbewohnern; Oryxe (Spießböcke).

Unabhängig davon, wie du auf der Düne unterwegs bist, solltest du unbedingt geschlossene Schuhe tragen. Der Sand heizt sich in der namibischen Sonne extrem auf und kann insbesondere zur Mittagszeit Temperaturen von bis zu 60 °C erreichen. Barfuß oder in offenen Schuhen wird der Aufstieg dadurch schnell sehr unangenehm. Lange Zeit war der Zugang zur Düne zudem völlig kostenlos. Inzwischen wird jedoch eine Eintrittsgebühr von 150 Namibia-Dollar (ca. 8 €) pro Person erhoben.

Seerobben & Vogelparadies Pelican Point und Flamingo Lagoon

Während das Stadtbild von Walvis Bay vor allem von Hafenanlagen, Industriegebieten und Wohnvierteln geprägt ist, zählt die unmittelbar vor den Toren der Stadt gelegene Lagune zu den wichtigsten Feuchtgebieten des südlichen Afrikas. Sie macht Walvis Bay zu einem wahren Paradies für Natur- und Vogelbeobachter. Die Flamingo Lagoon liegt am Südrand der Stadt entlang der Lagoon Promenade und ist Teil eines streng geschützten Ramsar-Feuchtgebiets. Vögel lassen sich hier das ganze Jahr über beobachten. Besonders beeindruckend ist die Zeit zwischen November und April, wenn zahlreiche Zugvögel den Winter auf der Nordhalbkugel hinter sich lassen und an die namibische Küste ziehen. Dann versammeln sich in der Lagune zeitweise bis zu 150.000 Wat- und Wasservögel. Darunter befinden sich unter anderem Alpenstrandläufer, Steinwälzer und Flussseeschwalben, die den weiten Weg aus Nordeuropa zurückgelegt haben. Neben den Zugvögeln beherbergt die Lagune auch zahlreiche afrikanische Vogelarten. Besonders bekannt ist Walvis Bay für seine bunten Flamingos. Wenn du abends in einer Bar vor den Einheimischen mit etwas Vogelwissen glänzen möchtest, solltest du den Unterschied zwischen den beiden heimischen Flamingoarten kennen: Die kleineren Zwergflamingos zeigen meist ein deutlich kräftigeres Pink, während die größeren Rosaflamingos wesentlich blasser gefärbt sind. Beide Arten verdanken ihre Färbung den Carotinoiden aus Algen und anderen Kleinstlebewesen, die sie mit der Nahrung aufnehmen. Ganzjährig lassen sich außerdem Rosapelikane, Kapkormorane, Reiher und zahlreiche weitere Küstenvögel beobachten.

Riesige Flamingpopulationen leben in den Küstengewässern vor Walvis Bay.

Pelican Point ist eine schmale, rund neun Kilometer lange Landzunge aus Meeressand, welche die Bucht von Walvis Bay wie ein schützender Finger vom offenen Atlantik trennt. Am äußersten Ende der Landzunge befindet sich der markante, 35 Meter hohe, schwarz-weiß gestreifte Pelican Point Lighthouse, der bereits 1932 erbaut wurde und bis heute eines der Wahrzeichen der Region ist. Die Anfahrt zum Kap erfolgt über eine Piste durch tiefen Sand. Dafür benötigst du nicht nur ein geeignetes 4×4-Fahrzeug, sondern auch etwas Erfahrung im Fahren auf Sand. Besonders wichtig ist es, in den vorhandenen Reifenspuren zu bleiben, da man ansonsten schnell stecken bleibt. Wer sich das nicht zutraut, kann Pelican Point problemlos im Rahmen einer geführten 4×4-Tour besuchen.

70–80 % der afrikanischen Robbenpopulation lebt in Namibia.
Eine der sanftesten und nachhaltigsten Arten um sich den Robben zu nähern ist mit dem Kajak.

Am Kap selbst lebt eine der größten Kap-Pelzrobbenkolonien Namibias. Ganzjährig halten sich hier bis zu 50.000 Tiere auf. Ich habe eine Kajaktour zu den Robben mit Eco Marine Kayak Tours unternommen und die Tour war wirklich ein unvergessliches Erlebnis. Mit den Kajaks paddelten wir zwischen unzähligen Robben hindurch, während uns unser Guide genau erklärte, wie wir uns den Tieren gegenüber verhalten sollten: nicht anfassen, aufhören zu paddeln, wenn sich Robben direkt unter dem Kajak befinden, und sich möglichst ruhig und unauffällig verhalten. Die Tiere entschieden selbst, wie nah sie kommen wollten, und viele von ihnen, insbesondere die zahlreichen Jungtiere, waren unglaublich neugierig. Noch heute höre ich manchmal das laute Rufen der Robben und erinnere mich daran, wie ich die schiere Menge an Tieren kaum begreifen konnte.

Tagestour: Litte 5 & Sandwich Harbour

Ich habe es beim Thema Tierschutz bereits kurz angesprochen: Von Walvis Bay und Swakopmund aus starten zahlreiche Touren in die Namib-Wüste, bei denen Besucher die sogenannten „Little Five“ der Wüste kennenlernen können. Meine Mutter und ich unternahmen einen sehr langen Tagestrip mit dem Tourenanbieter Tommy’s Tours & Safaris. Früh am Morgen wurden wir an unserer Unterkunft in Swakopmund abgeholt und fuhren in den Dünengürtel zwischen Swakopmund und Walvis Bay. Dort hielten wir immer wieder an, stiegen aus dem Fahrzeug und folgten unseren Guides durch die Dünen. Während sie uns die Besonderheiten dieses einzigartigen Lebensraums erklärten, hielten sie gleichzeitig Ausschau nach den gut versteckten Bewohnern der Wüste. Denn obwohl die Namib auf den ersten Blick wie eine lebensfeindliche Landschaft aus Sand, Hitze und Trockenheit wirkt, ist sie tatsächlich voller Leben. Möglich wird dies vor allem durch ein außergewöhnliches Naturphänomen, den Küstennebel. In manchen Jahren fällt an der Küste Namibias kaum messbarer Regen. Viele Pflanzen und Tiere sind daher nicht auf Niederschläge angewiesen, sondern gewinnen ihre Feuchtigkeit direkt aus dem dichten Nebel, der regelmäßig vom Atlantik ins Landesinnere zieht. Wichtig ist dieser für die zahlreichen Wüstenbewohner, wie etwa den Nebeltrinkerkäfer. Wie sein Name schon vermuten lässt, bezieht er Flüssigkeit aus dem Nebel, indem er sich mit dem Hinterleib nach oben in den Wind stellt. Auf seinem Panzer kondensieren dabei die winzigen Nebeltröpfchen, die anschließend direkt zu seinem Mund laufen.

An den namibischen Stränden gilt das Recht des Stärken – hier frisst ein Schakal die Überreste einer Robbe.

An diesem Morgen waren wir auf der Suche nach den Little Five der Namib-Wüste. Dazu gehört das Namaqua-Chamäleon, das sich auf faszinierende Weise an die extremen Bedingungen der Wüste angepasst hat. Um seine Körpertemperatur zu regulieren, kann es seine Hautfarbe verändern. Die dem Sonnenlicht zugewandte Seite erscheint hell, um möglichst viel Strahlung zu reflektieren, während die Schattenseite dunkler bleibt und Wärme speichert. Ebenfalls zu den Little Five zählt die Schaufelschnauzen-Eidechse. Da der Sand tagsüber sehr heiß wird, hebt sie beim Laufen abwechselnd ihre Vorder- und Hinterbeine an. Dieses Verhalten wird oft als „Thermal-Tanz“ bezeichnet und hilft ihr, den Kontakt mit dem heißen Untergrund möglichst gering zu halten. Der nahezu transparente Palmatogecko wirkt fast wie ein Wesen aus einer anderen Welt. Zwischen seinen Zehen besitzt er kleine Schwimmhäute, die wie Schneeschuhe funktionieren und verhindern, dass er im weichen Sand einsinkt. Morgens leckt er den Nebeltau von seinen Augen und seiner Haut, um seinen Flüssigkeitsbedarf zu decken. Er war auch der erste der Little Five, den wir auf unserer Tour entdeckten. Eine weitere Spezialistin der Namib ist die Zwergpuffotter. Die kleine Schlange gräbt sich vollständig im Sand ein, sodass häufig nur noch ihre Augen sichtbar bleiben. Fortbewegen kann sie sich mithilfe der sogenannten Sidewinding-Technik, bei der sie sich seitwärts über die Dünen bewegt. Die letzte der Little 5 ist die „Tanzende Weiße Dame“, eine Wüstenspinne, die bei Gefahr ihre Beine eng an den Körper zieht und sich die steilen Dünenhänge hinunterrollt. Dabei kann sie hohe Geschwindigkeiten erreichen und zählt zu den spektakulärsten Anpassungen an das Leben in der Wüste. Drei der Little Five konnten wir an diesem Morgen tatsächlich entdecken: den Palmatogecko, die Zwergpuffotter und die Tanzende Weiße Dame!

Das Palmatogecko gräbt sich blitzschnell ein – ein Glück, dass wir es überhaupt so nahe vor die Kamera bekommen haben.

Am Nachmittag ging es in einem großen Geländewagen weiter Richtung Sandwich Harbour. Der abgelegene Küstenabschnitt liegt rund 55 Kilometer südlich von Walvis Bay im Namib-Naukluft-Nationalpark und zählt zu den wenigen Orten weltweit, an denen eine Wüste auf den Ozean trifft. Gleichzeitig verläuft hier das trockene Flussbett des Swakop River unmittelbar zwischen Küstenwüste und Meer. Bereits die Anfahrt war ein Highlight! Da große Teile der Strecke am Strand entlangführen, ist die Zufahrt nur bei Ebbe möglich. Vorbei an Salzpfannen, Lagunen und endlosen Dünenlandschaften fuhren wir immer weiter Richtung Süden. Unterwegs beobachteten wir Schakale, die sich mit blutverschmierten Mäulern an den Überresten toter Robben zu schaffen machten, während in den Dünen Oryxantilopen umherstreiften.

Blick auf Sandwich Harbour, wo Namib und Atlantik aufeinander treffen.

Grundsätzlich kannst du Sandwich Harbour natürlich auch auf eigene Faust erkunden. Aufgrund der extrem tiefen Sandpassagen, der Gezeiten und einiger steiler Dünenüberfahrten traute ich mir die Strecke jedoch nicht allein zu. Die meisten Besucher entscheiden sich ohnehin für eine geführte 4×4-Tour ab Walvis Bay. Das Highlight war das Picknick auf einer der höchsten Dünen mit freiem Blick auf die Küste und die scheinbar endlose Wüste. Allein für dieses Panorama lohnt sich die Tour bereits. Gebucht hatten wir die Living Desert & Sandwich Harbour Combo Tour, auch bei Tommy’s Tours and Safaris. Mit der Living-Desert-Tour am Vormittag waren wir sehr zufrieden, vom Anbieter der Sandwich-Harbour-Tour hingegen etwas enttäuscht. Zu dritt wurden wir auf die sehr engen Rücksitze des Fahrzeugs gequetscht, was angesichts der vielen steilen Auf- und Abfahrten sowie des ständigen Gerüttels alles andere als komfortabel war. Beim nächsten Mal würde ich die Strecke daher vermutlich selbst fahren. Allerdings muss man fairerweise sagen, dass die meisten anderen Tourenfahrzeuge, denen wir unterwegs begegneten, ähnlich voll besetzt waren. Aber nach Wochen der Einsamkeit im großen Mietwagen auf den leeren Straßen Namibias, waren meine Mutter und ich vielleicht auch einfach nicht mehr gewohnt, anderen Menschen plötzlich so nahe zu sein.

Walvis Bay Salzwerke

Auf rund 3.500 Hektar erstrecken sich die Salzfelder von Walvis Bay, das größte solare Meersalz-Gewinnungsgebiet in Subsahara-Afrika. Das Gelände der Raffinerie selbst kann zwar nicht besichtigt werden, die Salzbecken liegen jedoch direkt an der Straße nach Pelican Point. Du kannst also jederzeit anhalten und die beeindruckenden Farben fotografieren. Bei vielen Touren gehört ein kurzer Stopp an den Salzpfannen ohnehin zum Programm und es gibt verschiedene Parkbuchten. Besonders auffallend sind die rosa bis pink schimmernden Becken. Verantwortlich dafür sind salzliebende Mikroorganismen und Algen, die sich in den extrem salzhaltigen Gewässern vermehren. Gleichzeitig bilden sie eine der wichtigsten Nahrungsquellen für die zahlreichen Flamingos der Lagune. Die enthaltenen Farbpigmente werden von den Vögeln über die Nahrung aufgenommen und tragen zu ihrer rosa Färbung bei.

Übrigens prägen die Salzpfannen das Landschaftsbild rund um Walvis Bay schon seit Jahrzehnten. Für die Salzgewinnung wird Meerwasser in große, flache Becken geleitet, wo es unter der heißen Sonne Namibias langsam verdunstet. Zurück bleiben riesige Mengen an Meersalz, die anschließend geerntet und weiterverarbeitet werden. Die Salzindustrie zählt bis heute zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen der Region. Jedes Jahr werden hier mehrere Hunderttausend Tonnen Salz produziert, nicht nur für den nationalen Verbrauch, sondern das Salz wird auch in zahlreiche Länder exportiert.

Fazit

Wenn sich der Küstennebel über der namibischen Atlantikküste langsam lichtet, offenbart sich eine Landschaft, die kaum unterschiedlicher zum Rest des Landes sein könnte. Weite Sandstrände säumen die Küste, eingerahmt von den endlosen Dünen der Namib auf der einen und der tosenden Brandung des Atlantiks auf der anderen Seite. Im Norden zeigt sich dann Swakopmund mit seiner gut erhaltenen Kolonialarchitektur, dem historischen Pier und dem rot-weiß gestreiften Leuchtturm. Nur 35 km weiter südlich liegt Walvis Bay, geprägt von seinem großen Industriehafen, Wohngebieten und dem geschäftigen Alltag der Einheimischen, in den sich nur wenige Touristen verirren. Wenn sich der Küstennebel legt, wird einem erst bewusst, wie anders diese Region im Vergleich zum Rest Namibias ist und wieso die beiden Küstenstädte als touristische Aktivitätenhochburg gelten. Kein Wunder, bei der fantastischen Natur! Die rosafarbenen Salzlagunen mit ihren gleichfarbigen Flamingos, eine der größten Kap-Pelzrobbenkolonien der Welt und die gewaltigen Dünen der Namib, die Heimat der faszinierenden „Little Five“ der Wüste. Kaum irgendwo sonst können so viele unterschiedliche Landschaften, Tierarten, Kulturen und historische Geschichten auf einer einzigen Reise kennengelernt werden, wie in Swakopmund und Walvis Bay. Vorausgesetzt natürlich, der Küstennebel lichtet sich, dort, wo die Wüste aufs Meer trifft.

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-Folgen bald- (Versprochen)

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Hi, ich bin Nadine, 28 Jahre alt und komme ursprünglich aus Köln. Seit einer 8-monatigen Soloreise durch Asien nach dem Abitur hat mich das Reisefieber gepackt. Gemeinsam mit meinem Hund Gismo war ich auf zahlreichen Roadtrips durch Europa bis nach Nordafrika unterwegs. Nach seinem Tod reise ich nun wieder viel mit dem Backpack durch ferne Länder. Hier auf meinem Blog Horseshoe Travel verbinde ich meine beiden großen Leidenschaften: das Reisen und das Reiten – und das schon seit 2016!

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