Die Meeresschildkröten von Tangalle

Insgesamt 350 Schildkrötenarten leben auf unserer Erden, nur sieben Arten von ihnen leben im Meer und fünf von ihnen, legen ihre Eier auf Sri Lanka ab. Der Inselstaat ist für seine reiche Flora und Faune bekannt. Hier leben Warane, Krokodile, seltene Riesenschlangenarten und Herden asiatischer Elefanten. In diesem Artikel soll es aber um die Meeresschildkröten gehen, ihren Schutz und eine ihrer wichtigsten Brutstätten, die Strände vor der Kleinstadt Tangalle.

Tangalle wird jährlich nicht nur von einer Großzahl Touristen aus aller Welt besucht, sondern auch von einer Vielzahl Meeresschildkröten, die an den Stränden ihre Eier ausbrüten. Meeresschildkröten kehren immer zu ihrem Geburtsstrand zurück und legen etwa alle zwei Monate neue Eier ab. Wohin die kleinen Schildkröten nach dem Schlüpfen und ihrer Rückkehr ins Meer verschwinden, ist übrigens noch immer unbekannt. Wohin sie schwimmen und was sie erleben ist unklar. Deshalb spricht man auch von den „verlorenen Jahren.“

Turtle Conservation Project

Am Rekawa Strand kann man das Turtle Conservation Project (TCP) besuchen, deren Mitarbeiter sich ganz dem Schutz der Schildkröten widmen. Das Conservation Project bietet unter Führung eines Guides abendliche Besuche des Rekawa Strandes an, um dort die Tiere beim Eierlegen zu beobachten, ohne das diese dabei belästigt oder gestört werden. Allein schon aufgrund des unglaublichen Sternenhimmels ist der nächtliche Besuch des Strandes absolut empfehlenswert.

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Alle Meeresschildkrötenarten weltweit sind vom Aussterben bedroht

Der Besuch des Conservation Projects und die nächtliche Kulisse des Strandes sind ein absolut einprägsames Erlebnis. In einer kleinen Gruppe wurden wir von einem Guide mehrere hunderte Meter den Strand entlang geführt. Das Erste was ich entdeckte, war eine etwa ein Meter breite Spur, die vom Wasser hinauf in Richtung der Dünen führte und wie die Spuren eines Quads aussah. Diese Spur wurde von der Schildkröte gezogen, als sie sich aus dem Meer bis zudem von ihr gewählten Brutplatz bewegte. Das Zweite das mir auffiel, war der unglaublich klare Sternenhimmel, die Milchstraße und die Millionen von Sternen. Nie zuvor habe ich so viele Sternschnuppen in einer Nacht gezählt.

Einige Schritte weiter sah ich die Umrisse etwas Großem, einer Green Turtle, wie unser Guide erklärte, die bereits eine beträchtliche Menge Eier in eine Mulde, auf der sie mit ihrem massigem Körper lag, abgelegt hat. Bis zu 250 Eier brütet sie in dieser Nacht aus, doch nur die wenigsten Jungtiere überleben. Das liegt vor allem am Menschen, denn noch immer werden Schildkröteneier eingesammelt und verkauft, denn sie erzielen gute Preise, da auf Sri Lanka viele Menschen davon ausgehen, dass die Eier potenzfördernd sind. Auch aufgrund ihres Panzers und Fleischs werden Schildkröten noch immer gejagt und getötet. Wenn die Jungtiere schließlich geschlüpft sind, droht ihnen Gefahr durch Vögel, Fische und andere Fressfeinde. So erreichen von 1000 Eiern häufig nur zwei oder weniger die eigentliche Geschlechtsreife.

Video der Schildkröte auf ihrem Weg zurück zum Meer

Meeresschildkröten sind äußerst faszinierende Lebewesen, die Sonne brütet die Eier aus und bestimmt über das Geschlecht des Tieres. So wird es bei über 29,5 Grad ein Weibchen, bei darunter liegenden Temperaturen ein Männchen. Zudem können Schildkröten ein sehr hohes Alter erreichen, generell leben sie zwischen 40 und 100 Jahren, es gab aber auch schon Exemplare, die deutlich älter geworden sind.

Eine der Schildkröten auf dem Weg ins Meer

Die Arbeit der Mitarbeiter des Conservation Projects ist sehr wichtig auf Sri Lanka. Denn leider landen viele Schildkröteneier auf sogenannten Schildkrötenfarmen, wo sie Touristen zur Schau gestellt werden. Von einem Besuch dieser Farmen, die nichts mit Tierschutz zu tun haben, ist definitiv abzuraten.

Tangalle

In Tangalle gibt es zahlreiche preisgünstige Unterkünfte und Restaurants, und Vorrausbuchungen sind nicht unbedingt notwendig. Die Strände sind touristisch nicht überlaufen und vor allem in der Nebensaison hat man häufig einen ganzen Strandabschnitt für sich allein. Jedoch ist die Brandung sehr stark und sollte nicht unterschätzt werden.

Einer der vielen Straßenhunde Sri Lankas

Tangalle wird jedoch nicht nur von Meeresschildkröten besucht, auch Delfine, Pott- und Blauwale leben vor der Küste und können auf einer Walsafari entdeckt werden. Der durchschnittliche Preis für eine solche Bootsfahrt liegt bei circa 3500 Rupien (um die 20 Euro) und du solltest nicht viel mehr bezahlen. Aufgrund meiner Seekrankheit und dem starken Wellengang verzichtete ich jedoch auf dieses Erlebnis.

Zudem liegt der Bundala-Nationalpark relativ nah und kann auf einem Tagesausflug besucht werden. Während meiner Zeit auf Sri Lanka besichtigte ich sowohl den Udawalawe-Nationalpark, als auch den Yala-Nationalpark, und kann eine Safari daher wärmstens empfehlen.

Fazit

Tangalle ist natürlich vor allem eins; ein großartiger Urlaubsort. Tolles Wetter, wunderschöne Strände und gutes Essen zeichnen die Kleinstadt an der an der Südküste Sri Lankas aus. Am besten gefiel mir jedoch, dass Tangalle sich seine unglaublichen Naturspektakel beibehalten hat. Auch wenn viele der seltenen Tiere Sri Lankas bereits vom Aussterben bedroht sind, Schildkröteneier auf dem Schwarzmarkt als Potenzmittel verkauft, Elefanten geritten und Straßentiere noch immer getötet werden, ist die Flora und Fauna des Landes doch absolut faszinierend.

Und wir als Besucher des Landes sollten vor allem eines tun, den nachhaltigen und schonenden Tourismus unterstützen, Rücksicht auf die Umwelt nehmen und uns an den wunderschönen Tieren Sri Lankas in ihrer freien Wildbahn und nicht in Gefangenschaft erfreuen.

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Verfasst von

Hi, ich bin Nadine, 24 Jahre alt und komme ursprünglich aus Köln. Seit einer achtmonatigen Soloreise durch Asien nach dem Abitur hat mich das Reisefieber gepackt. Vor vier Jahren kaufte ich mir meinen 42 Jahre alten VW-Bus "Henry" mit dem ich seither quer durch Europa bis nach Marokko und Russland reiste. Begleitet werde ich dabei von meinem Hund Gismo. Ich studiere Pferdewirtschaft im siebten Semester und nutze natürlich weiterhin jede Gelegenheit zum Reisen.

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