In fünf Wochen mit dem Rucksack durch Sri Lanka

Kleines Indien, einstiges Ceylon, exotisches Naturparadies- für den Inselstaat Sri Lanka im Indischen Ozean gibt es viele Namen. Doch keiner von ihnen bereitete mich auf die Schönheit der Tropeninsel mit ihren weitläufigen Ebenen, heiligen Bergen, Teeplantagen, prachtvollen Tempeln und einer weltweit einzigartigen Fauna vor. Fünf Wochen reiste ich alleine mit dem Rucksack durch Sri Lanka. Indien war mir mit meinen 18 Jahren und weit weniger Reiseerfahrung als heute, einfach noch eine Nummer zu groß, daher entschied ich mich für das Nachbarland. Backpacking auf Sri Lanka verspricht unvermeidliche Abenteuer, fantastische Begegnungen mit der vielfältigen Kultur, einige harte Geduldsproben, besonders beim Feilschen mit den dreisten Tuk Tuk-Fahrern und eine der besten Küchen der Welt.

Reiseinformationen

Sri Lanka liegt östlich der Südspitze des Indischen Subkontinents und kann mit Direktflügen aus Frankfurt am Main in die Hauptstadt Colombo erreicht werden. Einst war Sri Lanka mit seinem großen Nachbarn Indien verbunden, doch zwischen 6.000 und 3.500 v. Chr. trennten sich die Landmassen voneinander. Das einstige Ceylon, das 1972 zu Sri Lanka umbenannt wurde, war einst portugiesisches, dann niederländisches und anschließend 100 Jahre britisches Kolonialreich, weshalb Englisch in der Bevölkerung weit verbreitet ist. Ansonsten sprechen die Sri Lanker Sinhala und im Norden des Landes ist Tamil üblich. Seit 1948 ist Sri Lanka übrigens unabhängig. Das Volk ist eine multireligiöse, tolerante und offene Nation, mit siebzig Prozent Buddhisten. Die Sri Lanker sind äußerst freundliche und fröhliche Menschen, was vielleicht auch daran liegt, dass das Land weltweit die meisten Feiertage hat.

Während meiner Zeit auf Sri Lanka arbeitete ich auch in einem lokalen Tierheim

Der Inselstaat ist ganzjährig gut zu bereisen, da der Monsun auf den beiden Seiten der Insel gegenüberliegend einsetzt. Von ihm ist die Niederschlagsmenge abhängig, der Südwestmonsun trifft die Insel von Mai bis September und der Nordostmonsun von Oktober bis April. Dabei liegen die Höchsttemperaturen bei 32 Grad im Sommer mit einer angenehmen Wassertemperatur von deutlich über 25 Grad. Kein Wunder also, dass Sri Lanka ein immer beliebteres Urlaubsziel wird.

Zum Erhalt des notwendigen Visums gibt es für Deutsche zwei Möglichkeiten. Entweder man beantragt das Visum im Vorhinein unter http://www.eta.gov.lk, was um die 35 Dollar kostet und mit Kreditkarte bezahlt werden kann, oder man erwirbt am Flughafen Colombos, dem einzigen internationalen Flughafen Sri Lankas, ein Visa on Arrival, das jedoch ein wenig mehr kostet und es muss mit Wartezeit gerechnet werden. Bezahlt wird auf Sri Lanka mit Rupien, die etwas mehr wert sind, als andere asiatische Währungen. Geldautomaten sind vorallem in den Städten verbreitet und meist ist das Abheben kostenlos. Generell ist das Land sehr günstig zu bereisen, nur in den touristischen Orten ist es natürlich ein wenig teurer.

Die asiatischen Elefanten fühlen sich auf Sri Lanka so richtig wohl- nirgendwo sonst auf der Welt gibt es so viele von ihnen wie auf dem Inselstaat

Das Reisen mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist einfach und ebenfalls sehr preiswert, denn Zug- und Bustickets gibt es bereits für wenig Geld. Jedoch sind die Busse nichts für schwache Nerven, denn sie rasen mit einer Höllengeschwindigkeit über die Straßen und bremsen meist aus vollem Tempo ab.

Sehenswürdigkeiten auf Sri Lanka

Mit dem Zug durchs Land

Auf Sri Lanka gibt es zwei legendäre Zugfahrten, die du auf keinen Fall verpassen solltest;

Route 1: Von der Hauptstadt Colombo nach Badulla

Die wohl schönste Zugroute führt in das Hochland der Insel, von Colombo bis nach Badulla im Südosten. Zu Beginn der Fahrt kannst du spektakuläre Ausblicke auf den Indischen Ozean genießen und passierst dann Tropenwälder, Wasserfälle, Plantagen und endlose Felder, auf denen Teepflücker arbeiten. Sind dir die 300 Kilometer und insgesamt 11 Stunden bis in die 2.000 Meter hohen Berge von Badulla zu lang, kannst du auch nur eine Teilstrecke fahren oder deine Reise einfach auf mehrere Tage aufteilen.

Route 2: Von der Hauptstadt Colombo nach Matara

Die zweite sehr sehenswerte Zugroute führt entlang der Westküste in den Süden der Insel. Dabei verlaufen die Schienen teilweise direkt am Meer und Strandorte wie Hikkaduwa, Unawatuna oder Mirissa laden zu Zwischenstopps ein. Du kannst bunte Märkte besuchen, den Fischern frischen Fisch abkaufen und Hausfrauen dabei beobachten, wie sie ihre Wäsche auf den metallenen Schienen trocknen.

Leoparden, Bären und Elefanten auf Safari beobachten

Fasziniert hat mich besonders die beeindruckende Fülle an Artenreichtum auf der Insel. In kaum einem anderen Land gibt es eine größere Vielfalt an Tieren und Pflanzen. Sri Lanka ist mit der höchsten Dichte an Leoparden und asiatischen Elefanten weltweit gesegnet, außerdem leben in den Nationalparks Lippenbären und Faultiere, Affen, Pfaue, Krokodile, Wasserwarane und über 450 verschieden Vogelarten.

Auf Sri Lanka werden außerdem 83 Schlangen-, 35 verschiedene Frosch- und 250 Schmetterlingsarten unterschieden. Zu den schönsten Nationalparks zählen der Yala-Nationalpark an der Südküste und der Udawalawe-Nationalpark mit seiner großen Elefantenpopulation. Safaris auf Sri Lanka sind zudem um eines günstiger als in afrikanischen Ländern wie Kenia.

Wanderungen durchs Hochland

Wenn du mit dem Zug in Ella gelandet bist, solltest du dir einige Tage Zeit nehmen die wunderschöne Natur und die vielen grünen Teeplantagen zu bestaunen. In den kleinen Dörfern kannst du das beste Mitbringsel der Insel, den traditionell hier gefertigten Ceylon Tee, kaufen. Über den weiten Ebenen des grünen Hochlands thront der Adams Peak mit seinen stattlichen 2.245 Metern. Der Aufstieg dauert 2-3 Stunden und ist für ungeübte Kletterer ziemlich anstrengend. Am besten machst du dich noch vor Morgengrauen auf den Weg, um den Gipfel bei einem spektakulären Sonnenaufgang zu erreichen. Außerdem entgehst du so den Pilgermassen, die den Adams Peak und seinen kleinen Bruder Little Adams Peak täglich erklimmen. Der Aufstieg auf den Little Adams Peak ist übrigens deutlich leichter und weniger schweißtreibend. Vom Gipfel hast du einen grandiosen Blick über die Bergregion rund um Ella.

Nicht im Hochland gelegen aber trotzdem eine Wanderung wert, ist der Horton Plains Nationalpark. Zusammen mit dem Schutzgebiet Peak Wilderness und dem Knuckles Conservation Forest zählt er zum UNESCO-Weltnaturerbe. Neben Wasserfällen, Nebelwäldern und glitzernden Seen, befindet sich im Horton Plains Nationalpark das sogenannte World’s End. Hunderte Meter ragen die Steilklippen hier in die Höhe und bei klarer Sicht kannst du bis zum Udawalawe-Nationalpark und dem Meer sehen.

Eine Natur wie auf Sri Lanka habe ich noch nirgendwo auf der Welt gesehen

Eine weitere lohnenswerte Wanderungen ist die auf den Sigiriya-Felsen. Der Name leitet sich von „Singha Giri“ ab, was „Löwenfelsen“ bedeutet und tatsächlich erinnert der Fels ein wenig an den in Tansania, auf dem Simba und Nala in „Der König der Löwen“ leben. Über 1.200 Stufen führen dich über die Löwentreppe auf das 200 Meter hohe Gipfelplateau des Felsens. Hier bietet sich dir ein spektakulärer 360 Grad Ausblick über die gesamte Region. Auf dem Felsen befinden sich die Ruinen einer historischen Felsenfestung und alten Wandmalereien, die dir einen ganz besonderen Einblick in die Geschichte des Landes ermöglichen.

Ruinen und Tempel

Während meiner Zeit in Peradeniya, wo ich in einem lokalen Tierheim aushalf, besuchte ich auch die Stadt Kandy im Herzen des Landes. Hier befindet sich der weltberühmte Zahntempel mit seinem angrenzenden See Kandy Lake. Der Tempel zählt zu einem der heiligsten Orte des Buddhismus. Tausende von Pilger besuchen ihn jedes Jahr, um den heiligen Eckzahn von Buddha zu verehren. Seit 1988 gehört der Zahntempel außerdem zum UNESCO-Weltkulturerbe. 140 Kilometer von Kandy liegt außerdem die Ruinenstadt Polonnaruwa, die einstige Hauptstadt des singhalesischen Königreiches. 1982 wurden die Ruinen auch zum UNESCO-Weltkulturerbe gezählt. Heute kannst du durch die Gärten, den eindrucksvollen Tempel und die Paläste mit ihren Buddha Statuen wandern und dabei eintauchen, in die Welt der singhalesischen Könige, deren Reich 1815 mit der britischen Besatzung aufhörte zu existieren.

Zwei weitere sehenswerte Tempel befinden sich im Osten Sri Lankas, in der Stadt Trinocomalee, die stark hinduistisch geprägt ist. Der Thiru Koneswaram Tempel und der größere Hindutempel Sri Pathrakali.

Wale, Meeresschildkröten und traumhafte Strände

Die Strände auf Sri Lanka sind traumhaft schön und in den größeren Touristenorten gibt es auch Tauch- und Surfschulen. Die über 1.000 Kilometer lange Küste bietet zahlreiche bezauberte Badeorte, wie den kleinen Strandabschnitt Unawatuna, den Strand von Hikkaduwa, Arugam Bay, Beruwala oder Trincomalee. Noch spannender als Strandurlaub ist aber die maritime Tierwelt Sri Lankas. Meeresschildkröten gibt es auf Sri Lanka viele und zum Glück sind sie gut geschützt. Während der Legesaison kannst du an der Südküste der Insel in Tangalle, Tierschützer bei ihrer Arbeit beobachten. Hier schützen sie die Sandgruben, in welche die Schildkrötenweibchen ihre Eier gelegt haben. Wusstest du etwa, das Schildkrötenweibchen ganze Ozeane durchqueren, um ihre Eier an dem Strand abzulegen, an dem sie auch selbst geschlüpft sind? Rund um die Pigeon Insel, an der Ostseite Sri Lankas, kannst du Schildkröten im klaren Wasser oder auf Tauchgängen in den Korallenriffen beobachten.

Inselparadies am Indischen Ozean

Ein weiteres Highlight ist eine Walsafari auf Sri Lanka. Während der Trockenzeit von Januar bis April kannst du mit etwas Glück Blauwale vom Ufer in Mirissa aus entdecken. In Kalpitiya werden das ganze Jahr über Delfinsafaris angeboten.

Sicherheit 

UPDATE 2023: Sri Lanka hat leider 2021 und 2022 deutlich an Beliebtheit bei Touristen verloren, aufgrund der anhaltenden Wirtschaftskrise, der landesweiten Nahrungsmittelknappheit und politischen Massenprotesten. Ende 2022 hob das Auswärtige Amt seine Reisewarnungen für Sri Lanka auf. Trotzdem befindet sich das Land noch immer in einer schweren Wirtschaftskrise. Besonders die Versorgung mit essenziellen Gütern, wie Grundnahrungsmitteln und Medikamenten hat sich zwar verbessert, bleibt aber noch weit weg vom ursprünglichen Normalzustand. Strom wird weiterhin streng rationiert, sodass es zu längeren Stromabschaltungen kommen kann.

Ich fühlte mich als Alleinreisende Frau auf Sri Lanka stets sichert. Dabei habe ich mich an einige Kleidungs- und Verhaltenstipps, die ich dir in meinem Beitrag Alleinreisen als Frau auf Sri Lanka: Fünf Vorurteile zusammengefasst habe, gehalten. In zahlreichen veralteten Internetforen wird vor dem Alleinreisen als Frau auf Sri Lanka abgeraten, was mich selbst vor meiner Reise sehr verunsichert hat.

Probiers mal mit Gemütlichkeit. Lass dich nicht stressen, es ist wichtig sich als Alleinreisende Frau über seine Reiseziele zu informieren und auf die Reise vorzubereiten, Sri Lanka ist aber ein sehr gastfreundliches Land, das Frauen in hohem Maße respektiert

Doch nicht die vermeintlich gefährlichen männlichen Einwohner der Inseln können zum Problem werden, sondern das tropische Klima und die hohe Luftfeuchtigkeit, die mich häufig sehr schlapp und müde machten. Zudem verzweifeln viele Reisende an der scharfen Küche Sri Lankas, doch kann man das Nationalgericht Reis und Curry auch weniger scharf bestellen, oder mit einem kühlen Lion Bier, dem beliebtesten Bier der Insel, herunterspülen.

Vor einer Reise nach Asien solltest du dich immer über den notwendigen Impfschutz informieren. Weitere Informationen findest du in meinem Blogartikel; Gesundheit auf Reisen: Impfungen, Voruntersuchungen und Co. Seit einigen Jahren soll es kein Malaria mehr auf der Insel geben, da jedoch Fälle von Dengue-Fieber bekannt sind, solltest du dich unbedingt um ausreichenden Mückenschutz kümmern, siehe dazu auch mein Artikel; Moskitoschutz auf Reisen.

Fazit

Dank meiner Arbeit in einem sri lankischen Tierheim durfte ich das Land auf eine Art und Weise kennenlernen, die den meisten Touristen verborgen bleibt. Obwohl Sri Lanka vergleichsweise klein ist, gibt es zwei Amtssprachen, Singhalesisch und Tamil. Ein leichtes Kopfschütteln bedeutet auf Sri Lanka JA und das berüchtigte Papier aus Elefantenkacke kommt auch von der Insel. Im Pinnawala Elephant Orphanage (Elefantenwaisenhaus) kannst du das Tierschutzzentrum, die Fabrik und das Museum der Elefantenpapier-Sendungen besuchen.

Aufgrund der tränenförmigen Form Sri Lankas wird das Land häufig als „Die Träne Indiens“ bezeichnet. Diese Bezeichnung passt jedoch überhaupt nicht zu diesem fröhlichen Land in dem so viel gelacht wird, die Frauen mit farbenfrohen Sarongs durch die Straßen tanzen und Elefantenparaden an das einstige singhalesische Königreich erinnern.

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Verfasst von

Hi, ich bin Nadine, 24 Jahre alt und komme ursprünglich aus Köln. Seit einer achtmonatigen Soloreise durch Asien nach dem Abitur hat mich das Reisefieber gepackt. Vor vier Jahren kaufte ich mir meinen 42 Jahre alten VW-Bus "Henry" mit dem ich seither quer durch Europa bis nach Marokko und Russland reiste. Begleitet werde ich dabei von meinem Hund Gismo. Ich studiere Pferdewirtschaft im siebten Semester und nutze natürlich weiterhin jede Gelegenheit zum Reisen.

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