Killing Fields: Die Ermordung des eigenen Volks

Die Regierungszeit der Roten Khmer ist ein grausames Kapitel des sonst so friedlichen Kambodschas. Die Geschichte des Landes ist jung, erschreckend und belastet das Land bis heute.

 

Dieser Blogartikel handelt von meinem Besuch der Killing Fields und des Tuol Sleng Genozid Museum in Phnom Penh. Ich schildere die Dinge so, wie ich sie gesehen habe und wie sie vor gerade einmal vierzig Jahren passiert sind. Meiner Meinung nach hat jeder Reisende die Verantwortung, sich mit der Geschichte des Landes, in das er reist, zu beschäftigen, besonders in einem Land wie Kambodscha. 

 

Die Geschichte Kambodschas 

Am 17. April 1975 kamen die Roten Khmer unter Pol Pot an die Macht und töteten bis 1978 zwischen 1,7 und 2,2 Millionen Menschen, ein Drittel des Landes. Die Menschen litten zu der Zeit an Hungersnöten und Armut, denn auch Kambodscha war vom Vietnamkrieg und den Bomben der Amerikaner betroffen. Die Roten Khmer wollten einen kommunistischen Bauernstaat errichten. Daher wurden die Menschen aus den Städten aufs Land getrieben, sodass Phnom Penh nach drei Tagen menschenleer war und die Roten Khmer freie Hand hatten.

Viele Kambodschaner starben bereits bei den anstrengenden Märschen aufs Land, oder schließlich bei der harten Arbeit. Manche verhungerten, andere starben an Krankheiten oder wurden von den Aufsehern zu Tode geprügelt.

Die politisch Verfolgten

Die roten Khmer hatten ein Feindbild, welches sie systematisch versuchten auszulöschen: Intellektuelle, dazu zählten bereits Menschen die eine Fremdsprache sprachen, oder eine Brille trugen, Bürger des Mittelstandes, religiöse Menschen, Ärzte, Lehrer und zahlreiche andere. Dieses Feindbild erinnert stark an das des Nationalsozialismus, auch wenn sich diesmal die Gewalt mehr auf das eigene Volk konzentrierte.

Dieser Teil der Bevölkerung wurde in die Foltergefängnisse Kambodschas gebracht. Das wohl bekannteste ist das S-21 Gefängnis in Phnom Penh, heutzutage eine eindrucksvolle Gedenkstätte. Die einstige Schule wurde zu einem Gefängnis umgebaut und in den ehemaligen Klassenräumen hängen heute Bilder von den Leichen, welche man dort fand, teilweise sind noch Blutspritzer an den Wänden.

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Eines der ehemaligen Klassenzimmer

Männer, Frauen und Kinder wurden an diesem Ort gefoltert, viele starben. Das weiß man so genau, da das Khmerregime seine Taten und Opfer dokumentarisch festhielt. Jeder Gefangene bekam eine Nummer und wurde fotografiert. Teilweise mussten die Gefangenen ihre Dokumente selbst unterschreiben, womit sie ihr eigenes Todesurteil unterzeichneten.

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Unzählige Menschen sind im Gefängnis S-21 ums Leben gekommen

Die Folterer machten auch vor Kindern nicht halt. Die Gefangenen müssen unvorstellbares Leid erlitten haben. Eine übliche Foltermethode war es, Fuß- und Fingernägel herauszureißen, andere Gefangene wurden blutig geschlagen und anschließend übergoss man ihre schmerzenden Wunden mit Salzwasser, wieder andere ließ man bis zur Bewusstlosigkeit am Galgen baumeln, um sie anschließend in einer Tonne mit dreckigen Wasser wieder zu Bewusstsein zu bringen, um mit der Folterei fortzufahren.

Choeung Ek: Die Killing Fields 

Die Menschen, die das Gefängnis überlebten, wurden ins Choeung Ek, eines der 300 Killing Fields in Kambodscha gebracht, wo man sie schließlich tötete. Da jedoch Munition gespart werden sollte, wurden die Menschen erschlagen, erstochen oder ihre Kehle mit der Rinde der Zuckerpalme durchgeschnitten.

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Mit der Rinde der Zuckerpalme wurde den Menschen die Kehle durchgeschnitten

Währenddessen tönten laute Musik und die Geräusche eines knatternden Dieselgenerators über das Gelände, damit die Ankommenden die Schreie der Sterbenden nicht hörten. Viele waren noch nicht tot, als sie zu den Leichen in die Massengräber der Killing Fields geworfen wurden.

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In einem Gebäude warteten die Menschen auf ihre Hinrichtung

Besonders schockierend ist die Geschichte des sogennanten Killing Tree. Einem Baum, welcher heute mit vielen Armbändern geschmückt ist. An diesem schlugen die Folterer Babys tot, oft vor den Augen ihrer schreienden Mütter.

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Der Killing Tree

Wie können Menschen sich gegenseitig ein solches Leid antun? Die Audio, die mich durch die Killing Fields führte, erzählte zudem Geschichten einzelner Opfer, Opfer jeden Alters. Als ich vor einem Glaskasten mit den Kleidungsresten, die man in den Killing Fields gefunden hatte, stand, sagte der Sprecher der Audio, dass die Geister der hier Verstorbenen noch immer nicht ruhen würden, denn jedes Jahr zur Regenzeit würden weitere Knochen und Zähne aus den Gruben hochgeschwemmt.

Gedenken an die Opfer

Der Rundgang durch diese grausame Szenerie beginnt und endet an der Gedenkstupa, welche auf sieben Ebenen mit den Schädeln von über 5000 Opfern gefüllt ist. Diese wurden untersucht und sind nach Geschlecht, Alter und Nationalität gekennzeichnet.

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Die Schädel einiger Opfer

Jedes Jahr findet hier eine Gedenkzeremonie für die Toten statt. Eine Gedenkzeremonie für die zahlreichen Kinder, Frauen und Männer, die unschuldigen Menschen, die dem Roten Khmerregime zum Opfer fielen.

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Die Gedenkstupa

Alles rund um den Besuch

Choeung Ek liegt circa 15km von Phnom Penh entfernt, daher lässt du dich am besten mit einem Tuk Tuk für 15-20 Dollar hin- und zurückfahren. Der Eintritt der Killing Fields inklusive Audio Guide beträgt 6 Dollar, zudem kannst du für einen halben Dollar eine Blume kaufen und sie zum Gedenken der Opfer vor die Stupa legen. Der Eintritt ins Tuol Sleng Genozid Museum (S-21) liegt bei 3 Dollar, mit Audioguide 6 Dollar.

Was mich besonders schockiert hat waren Besucher, die lachend und schwatzend an Massengräbern und Bildern blutverschmierter Leichen vorbeiliefen, trotz der Hinweisschilder, dass man sich still verhalten soll.

Fazit

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Zwangshochzeiten waren während des Khmer-Regimes üblich

Der Besuch der Killing Fields und des Tuol Sleng Genozid Museum hat mich sehr bewegt und gleichzeitig zutiefst erschrocken. Das Schlimmste ist meiner Meinung nach noch nicht mal die Anzahl an Menschen die starben, sondern das niemand im Rest der Welt diesen Genozid gestoppt bzw. verhindert hat. Hat die Welt nicht aus dem gelernt, was sonst noch im 20. Jahrhundert geschehen ist, wie beispielsweise in Deutschland? Das Regime der Roten Khmer unter Führung Pol Pots wurde von vielen westlichen Ländern (darunter auch Deutschland!) akzeptiert. Und das, obwohl acht westliche Journalisten, ein Australier, zwei Franzosen und fünf Amerikaner, ebenfalls auf den Killing Fields starben.

Doch jetzt ist es zu spät um über „Was wäre wenn…“ zu sprechen und sich darüber zu empören, dass niemand diesem Grauen ein Ende gesetzt hat. Das Einzige das wir heute tun können ist, alles dafür zu geben, dass ein Land nie wieder in eine so verzweifelte Situation kommt, inder es sich einem vermeintlichen Retter zuwendet, der es schließlich in den Untergang stürzt. Und wir können die Opfer ehren und froh sein, dass wir ein Leben ohne Terror und Gewalt führen dürfen.

Veröffentlicht von

Hi, ich bin Nadine, 19 Jahre und komme aus Köln! Im September 2016 bin ich auf Weltreise gestartet, auf der du mich auf meinem Blog begleiten kannst. Hier dreht sich alles um die Themen Backpacking, Tauchen und tierfreundliches Reisen.

2 thoughts on “Killing Fields: Die Ermordung des eigenen Volks

  1. Liebe Nadine, es gab weltweit so unendlich viele schreckliche Kriege gegen fremde Völker oder das eigene Volk. Aus ideologischen und machtpolitischen Gründen die du und ich niemals verstehen und nachvollziehen können. Und es geht leider weiter. Siehe Syrien.
    Wir haben ja unsere eigene Geschichte. Was du über die Leute berichtest, die lachend an den Zeugnissen diese n Greueltaten vorbeiziehen, erlebst du in Deutschland leider auch z.B. in KZ-Gedenkstätten. Hab ich selbst erlebt.
    Nadine, ich finde toll, dass du dich mit der Geschichte der Länder die du bereist auseinander setzt. LG Ibge

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    1. Hey Inge,
      ich finde das Verhalten mancher Menschen einfach unverständlich- trotzdem ist es wichtig, dass wir uns alle mit der Vergangenheit und den Geschichten von Ländern wie Kambodscha auseinandersetzen und nicht nur unsren Spaß haben in dem Land..
      Danke das du dir die Zeit zum Lesen und Kommentieren genommen hast 🙂
      Alles Liebe

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