Auf der Suche nach den Irrawaddy-Delfinen in Kratie

Kratie ist eine besonders beschauliche Stadt im Herzen Kambodschas, direkt am Mekong Delta gelegen. Hier geht es weniger hektisch zu als im Rest des Landes und viele Reisende wählen Kratie als ruhigen Zwischenstopp vor einer Weiterreise ins benachbarte Laos. Ich besuchte Kratie vorallen Dingen wegen der bedrohten Süßwasserdelfine, von denen es im Mekong heute nur noch um die 80 Exemplare geben soll.

Reiseinformationen

Kratie ist aus den meisten größeren kambodschanischen Städten mit dem Bus bequem zu erreichen. Ich kam nach einer achtstündigen Busfahrt, in Kambodscha ist es normal, dass Busfahrten mindestens zwei Stunden länger dauern als geplant, am Busbahnhof in Kratie an. Dort wurde ich von einem Tuk Tuk-Fahrer empfangen, der mich sogar kostenlos zu einem nahegelegenen Hostel fuhr.

Insgesamt verbrachte ich vier Nächte in Kratie, im Hostel Star Backpackers, welches auch ein gutes Restaurant im Erdgeschoss hat. Nebenbei ist es mit 2,50 Dollar pro Nacht im Mehrbettzimmer, eindeutig das günstigste Hostel, indem ich jemals übernachtet habe.

In Kratie selbst scheint alles ein wenig gemächlicher zu laufen, als z.B. in den hektischen Städten Phnom Penh oder Siem Reap. Morgens kann man sich bei einem Baguette mit frischem Omelett, um das übrigens niemand während einer Kambodscha-Reise herum kommt, das Treiben auf dem Markt in Kraties „Innenstadt“ anschauen, Mittags mit dem Fahrrad, Motorrad oder Tuk Tuk die benachbarten Dörfer erkunden oder eine Delfinsafari unternehmen und am Abend den Tag mit einem leckeren Bier am Ufer des Mekong Delta ausklingen lassen.

Landleben auf kambodschanische Art

Für die meisten Reisenden ist Kratie die letzte Station nach ihrer Kambodscha-Rundreise, so auch bei mir, sodass die Stimmung im Hostel sehr entspannt war. Man berichtet von seinen Abenteuern im Land der Tempel, von dreisten Tuk Tuk-Fahrern, langen Busfahrten, scharfen Gerichten und Riesenkäfern im Hostelzimmer. Kurz gefasst, dem ganz normalen Alltag auf einer Reise durch Kambodscha. Mehr über meine Abenteuer in diesem besonderen südostasiatischen Land, kannst du in meinem Artikel Backpacking in Kambodscha: Das Land der Überraschungen nachlesen.

Die Irrawaddy-Delfine

Die Irrawaddy-Delfine kommen in einigen Gewässern Südostasiens, Neuguineas und Nordaustraliens vor und sind mittlerweile stark vom Aussterben bedroht. Nach aktuellen Zählungen leben nur noch etwa 80 dieser schönen Tiere im Mekong Delta. 2012 wurde ein 180 km langes Schutzgebiet für die Tiere errichtet, jedoch soll in Laos demnächst ein neuer Staudamm errichtet werden, der das Überleben der Tiere noch mehr gefährden wird.

Um die Delfine zu sehen, fährst du mit dem Tuk Tuk in den 15km entfernten Ort Kampi, was nicht mehr als neun Dollar für Hin- und Rückfahrt kosten sollte. Auf dem Weg durch die kambodschanische Landschaft, kommst du an traditionellen Holzhäusern, winkenden Straßenverkäufern, lachenden Kinder und schlafenden Hunden vorbei.

Die Delfine sind sehr schwer zu fotografieren, da sie immer nur für wenige Sekunde auftauchen

Der Motor des Bootes, das uns zu den Delfinen bringen sollte, war so laut, dass ich mir absolut sicher war, jeden Delfin im Umkreis von ein paar Kilometern vertrieben zu haben. Doch tatsächlich entdeckten wir schließlich einige der seltenen Tiere und beobachteten, wie sie immer wieder zum Luft holen prustend an die Oberfläche schwammen. In diesem Flussabschnitt Kampis leben um die 30 Flussdelfine, daher ist eine Sichtung der Tiere sehr wahrscheinlich.

Falls du dich allgemein für Delfine und Tierschutzprojekte, die sich für den Erhalt der Meeres- und Flusssäuger engagieren, interessierst, dann schau doch auch mal hier vorbei; Die Delfine von Sagres.

Unterwegs in Kratie

Koh Throng

Ein Reisbauer auf Koh Throng

Was ich jedem Besucher Kraties empfehlen würde, ist ein Ausflug auf die Nachbarinsel Koh Throng, die für nur 1000 Riel (0,25 Dollar) mit der Fähre zu erreichen ist. Dort lieh ich mir ein Fahrrad und fuhr den neun Kilometer langen Rundweg quer über die kleine Insel. Ich unternahm Stopps an wunderschönen und saftig grünen Reisfeldern, auf denen Männer, Frauen und Kinder arbeiteten, am Floating Village, einem kleinen, auf dem Mekong errichteten Dorf und natürlich, um den zahlreichen Kühen auszuweichen, die mir in regelmäßigen Abständen den Weg versperrten.

Einige der Häuser des Floating Village

Es ist zudem möglich, auf Koh Throng bei einigen lokalen Familien zu Essen und zu Übernachten, ich entschied mich jedoch am Abend wieder nach Kratie zurückzukehren.

Der große Markt in Kraties Innenstadt ist ziemlich enttäuschend. Stinkendes Fleisch, nach Plastik riechende, schlechtverarbeitete Kleidung und allerlei Krimskrams werden hier verkauft. Die meisten Touristen machen nach einem ersten Rundgang einen weiten Bogen um den Markt.

Fazit 

In Kratie findest du nicht nur das authentische, kambodschanische Leben, sondern auch einen Ort, wo man nach einer langen, teils sehr anstrengenden Reise zur Ruhe kommen und seine Gedanken sortieren kann. In meinen Augen gibt es fast nichts schöneres, als im untergehenden Sonnenlicht am Ufer des Mekong zu sitzen, den Fischern dabei zuzusehen, wie sie ihre Netze einsammeln, die Kutterboote mit den grell-orange gekleideten Mönchen gemächlich den Fluss hinauf rattern und dabei das leckere Nationalgericht Amok zu verspeisen.

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Verfasst von

Hi, ich bin Nadine, 22 Jahre alt und ursprünglich aus Köln. Seit einer achtmonatigen Soloreise durch Asien nach dem Abitur hat mich das Reisefieber gepackt. Vor zwei Jahren kaufte ich mir meinen 41 Jahre alten VW-Bus "Henry" mit dem ich seither quer durch Europa bis nach Marokko und Russland reiste. Begleitet werde ich dabei von meinem Hund Gismo. Im Februar steht die nächste Reise nach Berlin an.

2 Kommentare zu „Auf der Suche nach den Irrawaddy-Delfinen in Kratie

  1. Liebe Nadine, wow, du hast echt Irrawady-Delfine gesehen? Nicht schlecht.. Ich arbeite hauptberuflich in einer Wal- und Delfinschutzorganisation (Whale and Dolphin Conservation) – wir widmen uns dem Schutz der Meeressäuger und ihrem Lebensraum. Whale Watching ist auch ein großes Thema natürlich, da haben wir einen kostenlosen Ratgeber für Verantwortungsvolle Wal- und Delfinbeobachtung herausgebracht. Den Motor sollten Boote unbedingt aus machen, wenn man sich Walen und/oder Delfinen nähert.
    Vielen Dank für den spannenden Artikel!
    Alles Liebe,
    Ela

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