Reiseupdate: Zweiter Artikel vom Roadtrip

Nach dem ersten Monat in Marokko, möchte ich dir von meinen bisherigen Erlebnissen und Erfahrungen des Reisens in Nordafrika berichten.

 

Von Südspanien mit der Fähre nach Ceuta

Das spanische Schmuddelwetter verfolgte mich noch die ersten Tage in Nordmarokko, mittlerweile hatte ich mich fast schon an Dauerregen, klirrende Kälte und peitschenden Wind gewöhnt, doch irgendwann setzte endlich das erste Frühlingswetter ein. Auf der Überfahrt von Algeciras nach Ceuta wurde Gismo, den ich alleine im Auto lassen musste, leider seekrank, weshalb ich mich daraufhin von einigen Kissenbezügen trennen musste und an der Grenze zu Marokko, denn Ceuta ist eine spanische Enklave, spontan Wäsche wusch.

Wie in Afrika üblich, dauerten die Grenzformalitäten dann mal wieder ewig, das Versicherungsbüro für die notwendige Autoversicherung war geschlossen, korrupte Beamte versuchten sich etwas dazuzuverdienen, ebenso wie die zahlreichen Schlepper, die ihre Dienste anboten und mir erklärten, warum ich nicht auf sie verzichten könne. Ein ausführlicher Artikel über die Überfahrt nach Marokko, Ticketkauf und Abschluss der Grenzformalitäten folgt in Kürze.

Nordafrika ist nichts für Weicheier 

Marokko ist nicht unbedingt ein Anfängerreiseland, dass wurde mir noch im spanischen Ceuta klar, als ich nach einem Stopp auf einem Parkplatz, um die Sauerei im Auto zu beseitigen, ziemlich schnell von einigen neugierigen Schwarzafrikanern und Marokkanern umringt war, und sich schließlich auch die Polizei dazugesellte.

Trotz meiner Soloreisen durch asiatische Länder wie Sri Lanka (Alleinreisen als Frau auf Sri Lanka) war die Mentalität eines muslimischen Landes wie Marokko und das Verhalten der einheimischen Männer gegenüber Touristinnen erstmal erschreckend für mich. Überall wo ich hingehe werde ich ziemlich hemmungslos angestarrt, manchmal werden mir anzügliche Dinge hinterhergerufen und häufig werde ich einfach von irgendjemand angesprochen. Doch außer in Marrakesch, als Gismo ausnahmsweise mal nicht dabei war, hat mich nie jemand körperlich bedrängt oder es gar gewagt, mich anzufassen. Gismo ist auch der Grund, weshalb ich mich noch vergleichsweise entspannt fortbewegen kann, denn die meisten Marokkaner haben Angst vor ihm und bleiben lieber auf Distanz. Außerdem gilt die Hauptaufmerksamkeit häufig ihm und gar nicht mir, denn Huskys sind in Marokko im Augenblick tatsächlich absolut im Trend und ich habe schon mehrere Kaufanfragen für meinen Hund erhalten. Zudem wird er dauernd fotografiert und gefüttert.

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Wildcampen im wunderschönen Beni-Snassen-Massiv

Trotzdem musste ich mir schon in den ersten Tagen ein dickes Fell zulegen, denn in einem Land das geprägt ist von Pauschal- und Wohnmobiltourismus, sind junge, blonde und alleinreisende Frauen eine Seltenheit. Auf der anderen Seite waren es gerade die marokkanischen Männer, die mir in einigen Situationen aus der Patsche geholfen haben. Als ich im Al Hoceima Nationalpark mit meinem Auto im Schlamm stecken blieb, rief ein freundlicher Marokkaner einige Kumpels an, die mich dann mit ihrem Traktor rauszogen und als der Weg am Ende des Tages befahrbar war, hoch zum Campingplatz navigierten. Dafür wollten sie keinen Cent haben. Als ich mich in der Medina von Fes verlief und mein inoffizieller Touristenführer, der mir den Weg zurück zum Parkplatz zeigen wollte, von der Polizei verhaftet wurde, führte mich ein älterer Marokkaner zurück und wartete, bis ich ins Auto eingestiegen war. Als ich am Strand von Martil von einem Typ verfolgt und genervt wurde, setzte ich mich einfach zu einer marokkanischen Familie in den Sand, und nachdem der Familienvater den Typ zurechtgewiesen hatte, verschwand er zügig. Alleinreisende Frauen in Notsituationen wecken bei vielen männlichen Marokkanern einen ausgeprägten Beschützerinstinkt, der sehr nützlich und beruhigend sein kann. Trotzdem ist eine gewisse Vorsicht immer ratsam, besonders beim Wildcampen, abendlichen Spaziergängen mit dem Hund und beim Reisen durch abgelegene Gegenden.

Reisepläne

Ich habe in den letzten vier Wochen in Marokko nicht einmal die Hälfte von dem gesehen, was ich eigentlich sehen wollte, was vorallem an den unabsehbaren Ereignissen lag. In einem kleinen Bergdorf namens Aklim, wo ich einige Tage im Garten einer netten marokkanischen Familie campte, fand ich eines Morgens zwei Hundewelpen im Müll, die meine Reisepläne völlig auf den Kopf gestellt haben und von denen einer leider mittlerweile verstorben ist. Wenn der andere Welpe seinen Klinikaufenthalt gut überstanden hat, nehme ich ihn nach der Quarantänezeit mit nach Deutschland.

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Hope und Szaha, die beiden Welpen, die ich in der Mülltonne fand

Einige Tage später habe ich zwei nur wenige Tage alte Kätzchen gefunden, von denen eins leider verstarb und das andere nun in einem Katzenwaisenhaus in Essaouira lebt. Das sind natürlich nur Einzelschicksale der tausenden armen Straßentiere in Marokko, und der berühmte Tropfen auf dem heißen Stein, doch zumindest die wenigen Leben konnte ich retten bzw. verbessern. Auch dazu veröffentliche ich bald einen ausführlichen Artikel.

Ansonsten führte mich meine Reise einmal die komplette Nordküste auf der N16 bis fast zur algerischen Grenze entlang, über Martil, den wirklich atemberaubend schönen Al Hoceima Nationalpark, Saidia, den östlichsten Punkt Marokkos, Aklim, Berkane, dann weiter ins Landesinnere in die Königstadt Fes und schließlich nach Marrakesch, wo mich meine Mutter für zwei Wochen besuchte.

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Dromedarreiten in der Agafay-Wüste, die im Frühling herrlich blüht

Wir reisten in die Agafay-Wüste, wo wir an meinem Geburtstag Dromedare zum Sonnenauf- und Sonnenuntergang ritten, besuchten die quirlige Medina Marrakeschs, unternahmen eine zweitägige Trekkingtour durch das Atlasgebirge, besuchten den Stausee Lalla Takerkoust und das beschauliche Dörfchen Ouirgane, reisten weiter in die Küstenstadt Essaouira und das Surferörtchen Sidi Kaouki, wanderten im Nationalpark Souss Massa und beendeten die gemeinsame Reise in Agadir, von wo aus meine Mama gestern nachhause geflogen ist. Für mich geht die Reise nun hier weiter.

Fazit

Mittlerweile habe ich mich gut im neuen Land eingelebt. Nächste Woche hole ich meinen marokkanischen Welpen Hope aus der Klinik ab und fahre weiter auf eine Pferderanch in der Nähe von Essaouira, um dort ein paar Tage zu arbeiten und zu reiten. Anschließend werde ich wieder nach Nordmarokko zurückkehren, eine Region, die mir unglaublich gut gefallen hat. Leider ist es rund um die Sahara für Gismo bereits zu heiß, weshalb ich die Wüstentour auf die nächste Marokkoreise verschieben werde, diese kommt bestimmt.

 

Aufgrund der mangelnden Internetverbindung auf den meisten Campingplätzen werden auch die nächsten Blogartikel verzögert und in unregelmäßigen Zeitabständen auf dem Blog veröffentlicht. Immer auf dem neusten Stand bleibst du aber auf meinem Instagram-Kanal.

Verfasst von

Hi, ich bin Nadine, 20 Jahre und komme aus Köln! Nach einer achtmonatigen Asienreise, befinde ich mich nun auf einem Roadtrip durch Südeuropa und Marokko, auf den du mich und meinen Hund Gismo auf diesem Blog begleiten kannst. Hier dreht sich alles um die Themen Backpacking, Roadtrips und Reisen mit Hund.

4 Kommentare zu „Reiseupdate: Zweiter Artikel vom Roadtrip

  1. Was für ein großartiges und wunderschönes Land einerseits, und doch so gnadenlos und hart auf der anderen Seite. Danke für die tolle und aufregende Zeit, mein Hase, und passe bitte weiterhin gut auf dich auf! Hdl 🙂

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