Venedig mit Hund bereisen

Vor der nordöstlichen Küste Italiens, inmitten der nördlichen Adria, liegt eine Stadt, die auf Millionen von Holzpfählen, 500 n. Christus errichtet wurde. Eine Stadt aus Marmor, inmitten der Lagune und zusammengesetzt aus 118 Inseln, die seinesgleichen sucht. Die Rede ist natürlich von Venedig, einer der geschichtsträchtigsten Städte Italiens, die mit ihren vielen künstlerischen Meisterwerken und ihrem ganz besonderen Charm, der sonst nirgendwo im Land so zu verspüren ist, alleine 2011 mehr als 30 Millionen Besucher anlockte, Tendenz steigend. Durchkreuzt wird Venedig einstig vom mächtigen Canal Grande, der größten und schönsten Wasserstraße der Lagunenstadt.

Reiseinformationen

Die Anreise nach Venedig erfolgt meist über einen der drei Flughäfen, per Zug an einem der beiden Bahnhöfe, mit dem Kreuzfahrtschiff oder so wie bei mir, mit dem eigenen Fahrzeug. Ich hatte sehr großes Glück, denn ich ergatterte tatsächlich einen der selten verfügbaren freien Parkplätze im Parkhaus auf der Insel, jedoch kosten die angefangenen 24 Stunden in Venedig zwischen 20 bis 30 Euro und somit zählen die Parkhäuser der Lagunenstadt zu den teuersten in Europa überhaupt. Eine günstige Alternative ist es, das Auto einfach vor den Toren der Stadt beispielsweise in Mestre oder Marghera abzustellen und mit dem Bus, der Bahn oder dem Taxi nach Venedig zu fahren. Dies war jedoch aufgrund meines Gepäcks und meinem Hund Gismo keine Option für mich.

Venedig selbst ist natürlich autofrei. Statt Straßen gibt es Kanäle, statt Autos gibt es Wassertaxis und statt Bussen und Bahnen, verkehren die legendären Vaporettos, das Hauptverkehrsmittel der Einwohner, durch die Wasserstraßen. Es lohnt sich auf jeden Fall, ein Tagesticket an einer der Kartenbuden von ACTV, am Fahrkartenautomaten oder in einem der Tabakläden zu kaufen. Mit Hilfe von Google Maps habe ich während meiner Venedigreise auch sehr viele Kilometer zu Fuß zurückgelegt.

Natürlich gilt, desto mehr Zeit du in Venedig verbringst, desto mehr wirst du sehen können. Je nachdem wie kulturbegeistert du bist, gibt es unzählige herrliche Paläste, sehenswerte Galerien und Ausstellungen, sowie prachtvolle Kirchen zu besichtigen. Reist du zur Zeit des venezianischen Karnevals im Januar und Februar eines jeden Jahres an, tauchst du ein in eine Welt, bestehend aus bunten Masken, schrillen Kostümen und krachenden Feuerwerken, und das bereits seit vielen Jahrhunderten.

Reise mit Hund

Notwendig für die Einreise mit Hund nach Italien ist der EU-Heimtierausweis, mit eingetragener Mikrochip-Kennzeichnung und gültiger Tollwutimpfung (mindestens 21 Tage alt). Welpen dürfen erst ab einem Alter von 15 Wochen einreisen. Außerdem solltest du deinen Hund gegen die von Sandmücken im Mittelmeerraum übertragbare Krankheit Leishmaniose schützen, entweder durch eine Impfung oder durch ausreichenden Zeckenschutz, z.B. in Form des Scalibor Halsbandes, Advantix oder Nexgard.

Mein Hund Gismo und ich am Pier vor dem Markusplatz

In Italien herrscht in den öffentlichen Verkehrsmitteln Maulkorb- und Leinenzwang, so natürlich auch in den venezianischen Wassertaxis und den Vaporettos. Allerdings reicht es meist aus, den Maulkorb beim Einsteigen vorzuzeigen, tragen müssen ihn die Hunde eher selten. In den Restaurants und Cafés war ich trotz Hund stets willkommen, was in Italien nicht immer eine Selbstverständlichkeit ist. Auch beim Buchen meines Apartments über Air BnB gab es wenig Probleme. Dennoch ist Venedig natürlich ein sehr beliebtes Reiseziel und du solltest dich früh genug um eine Unterkunft kümmern.

Venedig selbst ist deutlich hundefreundlicher, als ich vor meiner Reise gedacht hätte. Vor den Toren der Stadt liegt der Lido di Venezia, ein kostenpflichtiger, aber dennoch sehr schöner Hundestrand, für den du jedoch nicht nur Eintritt zahlen, sondern auch noch den Hundepass zur Registrierung, mitbringen musst. In Venedig selbst treffen sich fast zu jeder Stunde Hundebesitzer in den kleinen Parks und Grünanlagen, spazieren durch die schattigen Gassen und entlang der Kanäle.

Unterwegs in Venedig

Venedig ist eine Stadt, so reich an Sehenswürdigkeiten, dass ich zu Beginn meiner Reise völlig geplättet war. Am besten machst du dir schon vor deiner Ankunft in Venedig einen groben Plan, was du besichtigen möchtest und buchst bereits je nach Jahreszeit einige der Tickets im Vorhinein. Ein Stadtplan, sowie die Navigation mit einem Ortungssystem wie Google Maps ist empfehlenswert, denn Verlaufen tut man sich in den verschachtelten Gassen der Lagunenstadt sehr schnell.

San Marco

Das Stadtviertel von San Marco ist das älteste und zugleich berühmteste Viertel Venedigs. Hier begann im 9. Jahrhundert nicht nur der Bau der Lagunenstadt, auch heute noch ist die Piazza San Marco der Dreh- und Angelpunkt Venedigs. Auf dem Weg vom Campo San Moisè hin zum Campo Santo Stefano passierst du noch immer eine von Luxusgeschäften gesäumte Straße und wer erst einmal den Piazza San Marco betritt, der befindet sich zwischen den mächtigen Fassaden des Palazzo Ducale, der Basilika di San Marco, den alten und neuen Prokuratien und den Ausläufern des Grande Canal, im marmornen Herzen Venedigs.

Eintrittskarten für den Palazzo Ducale und die Basilika reservierst du am besten im Vorhinein schon online und nimmst dir während deines Besuchs außerdem ausreichend Zeit, den Palast mit all seinen Stockwerken, Räumen, Kunstwerken und der imposanten Seufzer-Brücke zu erkunden. Die Basilika di San Marco entfaltet besonders am frühen Morgen und zum Sonnengang ihre Schönheit, wenn die Millionen Mosaiksteine der Außenfassade im Sonnenlicht glitzern.

Die glamouröse Fassade des Palazzo Ducale
Meine Mutter und ich vor dem imposanten Eingangstor des Markusdoms

In San Marco selbst befinden sich außerdem Venedigs legendäres Opernhaus „La Fenice“, sowie das städtische Museum „Correr“, gegenüber des Markusdoms, das zahlreiche wertvolle Relikte und Meisterwerke, u.a. von Tintoretto, Tizian oder Carpaccio, beinhaltet.

Dorsoduro

Da mein Apartment sich in Dorsoduro befand und außerdem neben einem der besten Restaurants des Viertels gelegen war, der Osteria Bakan, verbrachte ich viel Zeit dort. Dorsoduro trumpft mit einigen der sehenswertesten Kunstgalerien, historischen Kirchen und zahlreichen Kunstwerken auf. Die Gallerie dell’Accademia gilt als eines der bedeutendsten Museen der Lagunenstadt. Einst brachte Napoleon hier seine gestohlenen Kunstwerke unter und noch heute befinden sich hier einige der berühmtesten Meisterwerke ganz Venedigs, u.a. Tintorettos „Der heilige Markus rettet einen schiffbrüchigen Sarazenen“ oder Tizians „Pietà.“

In Dorsoduro gibt es außerdem die barocke Kirche Santa Maria della Salute, deren Kuppel eines der Wahrzeichen Venedigs ist. Sie wurde direkt an der Einfahrt des Grande Canals zum Anlass der Pestepidemie erbaut.

Ein weiteres Highlight Dorsoduros ist die Peggy Guggenheim Collection, eine Sammlung moderner Kunst, z.B. einige nennenswerten Werke Picassos, Mirós und Dalís. Allgemein umgibt Dorsoduro ein sehr jugendlicher, frischer Flair.

San Polo und Santo Croce

Die Rialtobrücke, eines der bekanntesten Bauwerke Venedigs und die einzige Brücke, die den mächtigen Canal Grande überführt, verbindet das Viertel San Marco mit San Polo. San Polo selbst ist unglaublich lebendig und quirlig. Rund um die Verkaufsstände des Rialtomarktes drängen sich täglich Einheimische, um frischen Fisch, Obst und Gemüse zu kaufen, in den trendigen Restaurants am Canal Grande werden abends die typisch venezianischen Cichetis verspeist und tagsüber besuchen die Touristen vor allem die Basilika dei Frari, um weitere Meisterwerke von Titian und anderen Künstlern der Renaissance zu bewundern.

Cannaregio

Ein Besuch des ehemaligen Judenghettos, das 2016 seinen 500. Geburtstag feierte, das hier beheimatete Museo Ebraico und die Synagogen sind definitiv einen Besuch wert. Ansonsten ist Cannaregio ein eher ruhiges Wohnviertel im Norden Venedigs.

Castello

Castello bietet als weitläufigstes Viertel der Stadt einiges an Sehenswürdigkeiten. Zum einen die imposante Dominikanerkirche Zanipolo, einstige Grabeskirche der Dogen von Venedig. Sowie die grüne Parkanlage Giardini Pubblici, die einst auf Napoleons Befehl hin errichtet wurde. Auch künstlerisch hat Castello einiges zu bieten, die beeindruckende Bildhauerkunst im Palazzo Grimani, sowie die zweimal jährlich stattfindende internationale Kunstmesse Biennale di Venezia.

Auf einer der 435 Brücken Venedigs

Lido und südliche Inseln

Vom Markusplatz aus erreicht man den Lido, die Strände Venedigs, in nur 15 Minuten mit dem Vaporetto. Außerdem gibt es einige Inseln vor Venedig, die einst als Standort für Quarantänestationen, Militärkrankenhäuser und Irrenanstalten verwendet wurden. Ob Hunde an den Stränden erlaubt sind, kann ich leider nicht mit Sicherheit bestätigen, da ich mit Gismo nur den Lido di Venezia besuchte. Zu den schönsten Inseln zählen auf jeden Fall die Isola di San Giorgio Maggiore, die Isola della Giudecca und die Isola di San Servolo.

Über meinen Besuch auf den Inseln von Murano, Burana und Torcello kannst du hier nachlesen: Venedigs schönste Inseln: Murano, Burano und Torcello.

Massentourismus in Venedig

Venedig zählt besonders in den Sommermonaten zu einer der meist besuchtesten Regionen Italiens, was durch den Kreuzfahrttourismus noch verstärkt wird. Nicht nur in den kleinen Gassen Venedigs wird es dann schnell sehr eng, auch auf den Kanälen, besonders dem Canal Grande, herrscht ein reges Verkehrschaos. Die Einwohner sehen sich vermehrt mit vollgestopften Straßen bereits vor den Toren Venedigs, zunehmenden Dreck und Müllbergen und einer enormen Preissteigerung, besonders in der Innenstadt, konfrontiert, die viele Venezianer dazu zwang, die Stadt dauerhaft zu verlassen. Leider haben eine Vielzahl der Vermieter bereits das enorme finanzielle Potential erkannt, dass durch die Vermietung ihrer Unterkünfte an Touristen entsteht und daraufhin den Einheimischen ihre Unterkünfte gekündigt.

Viele Städte kämpfen mit den Folgen, die erhöhter Tourismus mit sich bringt, beispielsweise Bangkok, Agadir oder Barcelona. Ein besonderes Problem für Venedig stellen jedoch die gigantischen Kreuzfahrtschiffe dar, deren Passagiere den Großteil der täglichen Tagestouristen ausmachen. Die Schiffe erzeugen häufig viel zu starke Wellen, passen mehr schlecht als recht an die Anlegedocks, zerstören das Fundament der alten gebrechlichen Gebäude und noch dazu sagt man den Passagieren nach, dass sie aufgrund der begrenzten Zeit die sie in Venedig haben, kaum Geld da lassen. Künftig soll eine Gebühr für Tagesbesucher eingerichtet werden.

Fazit

Tourismus ist wie für die meisten Städte dieser Welt auch für Venedig, Fluch und Segen zugleich. Und doch sind auch wir als Reisende ein Part dieses Tourismus, umso wichtiger ist es, sich über die eigene Verantwortung als Gast der Lagunenstadt bewusst zu werden. Unter den dramatischen Umständen der Corona-Pandemie, hatte ich das große Glück, Venedig zu einem Zeitpunkt zu besuchen, als die Stadt fast menschenleer war. Gleichzeitig ist gerade Venedig eine Stadt, die es liebt ihre prunkvollen Prachtbauten rund um den Markusplatz, die Kunstgalerien mit den unschätzbaren Werken Tintorettos und weiteren namenhaften Künstlern, sowie ihre reiche Geschichte, Besuchern aus aller Welt zu präsentieren. Jedoch kann die Lagunenstadt dem Massentourismus, verstärkt durch die mächtigen Kreuzfahrtschiffe, auf Dauer nicht standhalten und es lässt sich nur hoffen, dass Venedigs Regierung zukünftig Maßnahmen zur Beschränkung der Touristen einführt.

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Verfasst von

Hi, ich bin Nadine, 23 Jahre alt und komme ursprünglich aus Köln. Seit einer achtmonatigen Soloreise durch Asien nach dem Abitur hat mich das Reisefieber gepackt. Vor drei Jahren kaufte ich mir meinen 42 Jahre alten VW-Bus "Henry" mit dem ich seither quer durch Europa bis nach Marokko und Russland reiste. Begleitet werde ich dabei von meinem Hund Gismo. Bis September befinde ich mich im Praxissemester in Transilvanien.

Ein Kommentar zu „Venedig mit Hund bereisen

  1. Danke für die interessanten und wichtigen Hinweise und Ratschläge .
    1 Korrektur : Leishmaniose wird durch „Sandmücken“ übertragen, nicht durch „Sandflöhe“.

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