Reiseupdate: Untergetaucht in Marokko?

Vor vier Monaten verließ ich meine Heimatstadt Köln und fuhr in meinem VW-Bus 3.000 Kilometer bis nach Marokko, wo ich seither auf einer Pferderanch am Atlantik arbeite. Wie es mir und meinem Hund Gismo hier ergeht und was wir die letzten Monate erlebt haben, erfährst du in diesem Artikel.

 

Mit Henry quer durch Südeuropa

Marokko habe ich bereits Anfang letzten Jahres für drei Monate bereist und zudem vier Wochen auf der Ranch geholfen, auf der ich nun als Festangestellte arbeite. Während ich den Sommer damit verbrachte, im Biergarten zu kellnern und die nötigen Reisevorbereitungen für meine Rückkehr nach Marokko zu treffen, ich verkaufte meinen treuen Skoda und kaufte im Gegenzug einen LT VW-Bus, den ich liebevoll „Henry“ taufte und erledigte allerlei notwendige Impfungen und Papiere für Gismo und mich, kümmere ich mich seitdem täglich um unsere 23 Pferde.

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Gismo in der Region Granada in Südspanien

Da Henry aufgrund seines stattlichen Alters von vierzig Jahren nicht mehr der Schnellste ist und sich in Geschwindigkeiten bis maximal 85km/h am wohlsten fühlt, benötigten wir eine gute Woche bis nach Marokko.

Um Gismos und meiner Willen fuhren wir nur halbtags und aufgrund der spätsommerlichen Temperaturen Ende September meist über Nacht, sodass wir die restliche Tageszeit am Meer, in Nationalparks oder an Seen verbringen konnten. Die Blogartikel der letzten Monate werde ich nun nach und nach veröffentlichen, immer auf dem aktuellen Stand bleibst du aber auf meinem Instagram-Kanal.

Rückkehr nach Marokko

Als wir schließlich am ersten Oktober mit der Fähre von Algeciras nach Tanger übersetzten, fühlte es sich an, als ob ich Marokko nie verlassen hätte. Das Land ist noch immer genauso, wie ich es in Erinnerung hatte, die Bürokratie ein unorganisierter, chaotischer Wahnsinn, die Menschen dagegen hilfsbereit und freundlich und die Natur atemberaubend schön. Nach einer weiteren zehnstündigen Fahrt erreichten wir endlich die Ranch.

Marokko ist eines der wenigen Länder, das ich mehrmals bereist habe. Mir haben schon viele Orte auf der Welt gefallen, besonders während meiner achtmonatigen Asienreise verlängerte ich so einige Visa, um z.B. länger in Sri Lanka oder Laos bleiben zu können, aber noch nie habe ich mich so unerwartet in ein Land verliebt wie in Marokko. Natürlich haben die Pferde unserer Ranch einen großen Anteil daran, doch auch die vielen tollen Menschen die ich hier kennenlernen durfte, die exotische arabische Kultur mit ihrer Offenheit Fremden gegenüber und die Wärme und Herzlichkeit, mit der ich hier stets willkommen geheißen werde.

Marokko ist ein Land der Extreme, nicht nur landschaftlich, Sahara-Wüste, zwei Weltmeere und das Atlas-Gebirge mit dem höchsten Berg Nordafrikas, auch sozial, kulturell und politisch. Die Lücke zwischen Arm und Reich ist erschreckend groß und der Islam prägt das allgemeine Weltbild und den Alltag der Einwohner. Letzteres ist für mich als alleinreisende Frau teilweise noch immer eine Herausforderung, über die ich dir in einem der folgenden Blogartikel genauer berichten werde. Und auch das Reisen mit Vierbeiner in Marokko birgt Herausforderungen und Schwierigkeiten, alles zu diesem Thema kannst du hier nachlesen: Mit Hund nach Marokko reisen.

Ranch de Diabat

Die Diabat Ranch darf ich nun bereits seit vier Monaten mein Zuhause nennen, und so hart und lange die Arbeitstage, besonders zur Hochsaison, teilweise auch sind, könnte ich mir nichts schöneres vorstellen, um mein Geld zu verdienen. Während ich mich bei meinen vorherigen Jobs meist auf einen Arbeitsbereich konzentrierte, auf der Ranch in Kambodscha auf das Trainieren der Pferde (Arbeiten auf einer kambodschanischen Pferderanch), auf der Ponyfarm in Laos auf Ausritte und Reitunterricht für Kinder und Jugendliche (Als Volontär auf einer Farm in Laos) und im Turnierstall in Japan auf die generelle Pferde- und Stallpflege (Als Volontär in einem japanischen Reitstall), umfasst meine Arbeit hier in Marokko alle diese Bereiche.

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Unzähligen Reitgäste aus aller Welt durfte ich bereits die wunderschöne Landschaft rund um Essaouira zeigen

Morgens bin ich die Erste im Stall, füttere die Pferde, striegele, wasche und verbringe meine Tage damit, Reitunterricht zu geben, Touristen zum Strand zu führen, Pferde zu trainieren oder meinen Chef auf mehrtägigen Touren mit unseren Hengsten zu begleiten. Augenblicklich führt die Ranch 21 Reitpferde, zwei Fohlen, zehn Dromedare, zwei Katzen und zwei Hunde, letztere begleiten mich zusammen mit Gismo täglich auf die Ritte. Zudem verfügt die Ranch über einen Stuten- und separaten Hengststall, eine Reitarena, einen Waschplatz und die große Garage der Quads.

Zukunftspläne

Die Arbeit auf der Ranch macht mir aber nicht nur sehr viel Freude, ich benötige sie außerdem als Praktikum für mein angestrebtes Studium der Pferdewirtschaft, das ich zum nächsten Wintersemester beginnen möchte. Im Augenblick lege ich zudem jeden verfügbaren Dirham für eine anstehende, große Rundumerneuerung und Reparatur Henrys zurück, die zwar nicht ganz günstig jedoch aufgrund des fortschreitenden Rosts an der Karosserie leider unvermeidbar ist.

Ich plane bis zum nächsten Sommer auf der Ranch zu bleiben, in der Zwischenzeit noch mehr von Marokko zu bereisen und vor allem jeden Tag zu genießen, den ich in diesem Land verbringen darf. Ob Henrys Aufenthaltsgenehmigung verlängert werden kann ist leider fraglich, denn eigentlich darf ein ausländisches Fahrzeug nur maximal sechs Monate am Stück in Marokko bleiben, was in meinem Fall bedeuten würde, dass ich meinen Bus Ende März außer Landes schaffen muss. Falls es soweit kommt, werde ich ihn für einige Monate auf einem gesicherten Gelände in Spanien abstellen müssen.

Fazit

Die tägliche Arbeit auf der Ranch ist für mich zum Alltag geworden und Marokko zu meinem Zuhause. Dies habe ich definitiv in den letzten zweieinhalb Jahren auf Reisen gelernt, Zuhause ist kein fester Ort sondern viel mehr ein Gefühl.

 

Und doch weiß ich, dass das Leben meiner Familie und Freunde daheim ebenfalls weitergeht und sie natürlich wissen wollen, wie es mir ergeht. Daher wird es nun wieder regelmäßige Artikel auf Horseshoe Travel geben.

 

 

 

Verfasst von

Hi, ich bin Nadine, 21 Jahre alt und ursprünglich aus Köln. Seit einigen Monaten lebe und arbeite ich zusammen mit meinem Hund Gismo auf einer Pferderanch in Marokko. Auf meinem Blog dreht sich alles um die Themen Backpacking, Roadtrips, Reisen mit Hund und natürlich meine tägliche Arbeit mit den Pferden im Ausland.

5 Kommentare zu „Reiseupdate: Untergetaucht in Marokko?

  1. Liebe Nadine, es macht so viel Spaß von Deinen Erfahrungen zu lesen. Es ist schön, dass Du so ein anderes Bild von Marokko und Marokkanern vermittelst als hier leider viele Leute im Kopf haben. Viel Glück und lass es Dir gut gehen. So wie meine Oma schon sagte, das Glück der Erde liegt auf dem Rücken der Pferde.

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  2. Liebe Donni<3 Malwieder ein beeindruckender Artikel von dir, der mich sehr froh macht, weil du so coole Sachen schreibst und es so klingt als wärst du sehr zufrieden. Das freut mich unglaublich zu lesen! Bleib wie du bist und lass mal öfter von dir hören! Und geniess die Sonne, das Meer, die Pferde und alles andere was es in Deutschland und natürlich Österreich im Winter so zu vermissen gibt! Hab dich sehr lieb, Deine Juli

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